AUDI AG

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Wissenschaft im Dialog

Nichts als die Wahrheit? Warum jeder unschuldig verurteilt werden kann

21. März 2017, 18 Uhr

Audi Konferenz Center Ingolstadt

Prof. Dr. Max Steller

Charité-Universitätsmedizin Berlin
Institut für Forensische Psychiatrie

Opfer von Straftaten, insbesondere von Sexualdelikten, werden heutzutage ernst genommen. So lange die Schuld eines Angeklagten aber nicht zweifelsfrei festgestellt ist, sind Personen, die einen anderen Menschen beschuldigen, nicht mehr und nicht weniger als Zeugen. Der Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen muss überprüft werden. Die Aussagepsychologie verfügt seit Langem über Methoden, die Glaubhaftigkeit von Anschuldigungen zu prüfen.

Aber die aussagepsychologischen Werkzeuge werden in der juristischen Praxis zu wenig und spät genutzt. Aussagepsychologie ist kein Lehrfach in der juristischen Ausbildung. Stattdessen wird die Wahrheitsfindung häufig durch Scheinwissen über das Erkennen von Lügen beeinträchtigt. Es kann zu Kollateralschäden des Opferschutzes kommen, wenn der Wahrheitsgehalt von Aussagen über Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch nicht ausreichend geprüft wird.

Ideologisch ausgerichtete Psychotherapie- und Opfereinrichtungen und Teile der öffentlichen Diskussion fördern eine fatale Entwicklung: Beschuldigte geraten in die Situation, ihre Unschuld beweisen zu müssen. Der gesellschaftliche Konsens über die Unschuldsvermutung gerät in Gefahr. Der Opferschutzgedanke könnte sich selbst diskreditieren.


Veranstaltung ausgebucht.
Anmeldung für Warteliste unter: wissenschaftskooperationen@audi.de