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Für eine nachhaltige Zukunft der Mobilität

Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sprach bei Audi über die Dimensionen der Verantwortung eines Autoherstellers für nachhaltige Mobilität. In einem Interview thematisierte er Ziele und Lösungsansätze für Nachhaltigkeit, aber auch neue Ansätze für die Fahrzeugnutzung.

Professor Hubert Weiger: Für eine nachhaltige Zukunft der Mobilität

Herr Weiger, wenn Sie Ihre Definition von Nachhaltigkeit in zwei Sätzen erklären müssten, was würden Sie sagen?
Die gängige Vorstellung vom „Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit“ drückt eine Gleichrangigkeit der drei Schwerpunkte Soziales, Ökologie und Ökonomie, die bei allem Handeln berücksichtigt werden müssen, aus. Die Erfahrung aus der Praxis zeigt aber, dass die Ökologie häufig „weggewogen“ wird. Es ist daher besser von einem Zieldreieck der Nachhaltigkeit zu sprechen, wobei die Ökologie die Basis des Dreiecks darstellt, die prioritär erhalten bleiben muss, denn wird die Ökologie nicht ausreichend beachtet, wird das Ökosystem zerstört und es können auch keine Leistungen im Bereich Ökonomie und Soziales mehr erbracht werden.

Was sind für Sie die wichtigsten oder kritischsten globalen Nachhaltigkeitsthemen der Zukunft?
Die Energiewende, um gegen den Klimawandel anzukämpfen und aus der nicht-beherrschbaren Atomkraft auszusteigen sowie der Flächenverbrauch und die intensive Nutzung der Ökosysteme durch den Menschen als eine der Hauptbedrohungen der biologischen Vielfalt.

Kommen wir zum Thema Automobil: Wie sieht für Sie eine nachhaltige Zukunft der Mobilität aus? Wo sind die wichtigsten Stellschrauben?
Das Wichtigste ist der Paradigmenwechsel zum Thema „Mobilität“: Es muss um die Frage gehen, wie sich die Mobilitätszwecke wie Einkaufen, gesellschaftliche Teilhabe, Erholung oder Beruf am ressourcenschonendsten erfüllen lassen. Da sollte künftig viel mehr über Nahmobilität nachgedacht werden, über kompakte, funktionsgemischte Städte mit kurzen Wegen. Im Güterverkehr muss etwas gegen den immer weiter steigenden Transitverkehr getan werden, in dem stärker regionale Wirtschafts- und Transportkreisläufe sowie nachhaltige Logistik gefördert werden. Im aktuell herrschenden politischen Paradigma werden seit Jahren vor allem die gefahrenen Entfernungen erhöht und nicht aus einer Verkehrsträger übergreifenden Perspektive gehandelt. Mobilität ist aber nur Verkehrsträger-übergreifend zu denken.

Denken Sie, die Automobilhersteller sind hier auf dem richtigen Weg? Und wo gibt es Ihrer Meinung nach noch Potenziale?
Durchaus imposant sind die Fortschritte bei der ökologischen Verbesserung des Produktionsprozesses einschließlich des Energieverbrauchs. Als zu gering erachten wir die Fortschritte beim Produkt Auto. Da werden die Effizienzpotenziale bei weitem nicht ausgeschöpft. Und die Hersteller werden um ein Downsizing ihrer Autos – insbesondere bei den Gewichten, Motorleistungen – nicht herumkommen. Da liegen die größten Potenziale.

Sind CO2-Grenzwerte das Maß aller Dinge, wenn es um Umweltschutz geht?
Sie sind ein wichtiger Indikator, der allerdings nur die Emissionen pro Kilometer angibt, und der wegen des ungenauen, die realen Verbräuche deutlich unterschätzenden Testzyklus‘ wenig aussagekräftig ist. Das gesamte Bild entsteht aber erst, wenn die Nutzung einbezogen wird: Wie viele Kilometer werden damit gefahren, werden auch andere Verkehrsmittel genutzt, ist sich der Autobesitzer seiner Verantwortung bewusst und handelt danach?  

Audi steht für und lebt von der Mobilität. Welche Konzepte sollte das Unternehmen fördern? Was sind die Trends der Zukunft?
Autohersteller sollten sich zu Mobilitätsdienstleistern entwickeln. Bei den Elektroautos ist es evident, dass sie auch für den Einsatz regenerativer Energien mitverantwortlich sind. Nur wenn sie hier nachhaltige Lösungen anbieten, verbessert sich die Emissionsbilanz ihrer Autos. Mobilitätsdienstleistungen wie Car Sharing bzw. „Nutzen statt besitzen“ werden immer wichtiger werden, insbesondere für junge Erwachsene.

Und Multimodalität wird ein ganz wichtiger Trend der Zukunft: Daher sollten intermodale Lösungen z.B. bei Elektroautos entwickelt werden.

Nachhaltigkeit müssen auch die Kunden mittragen. Denken Sie, man kann das Kaufverhalten der Menschen beeinflussen?
Das tun die Hersteller intensiv durch entsprechende Werbung. Meist stehen andere Attribute als das Thema Umwelt im Vordergrund. Auch bei Audi sind es Sportlichkeit, Geschwindigkeit, Design, die an erster Stelle steht und vor der Verantwortung für die Umwelt rangiert.

Was kann jeder einzelne von uns tun, um Nachhaltigkeit zu fördern? Und was tun Sie selbst?
Selbst Erzeuger von regenerativer Energie werden, sich biologisch ernähren, möglichst den ÖPNV nutzen und – falls sich individuelle Fortbewegung nicht vermeiden lässt – ein vernünftiges Auto, wie z.B. einen Hybrid, fahren – und genau das mache ich alles auch selbst.