AUDI AG

Toggle Menu

DKW im Motorrad-Rennsport

 

Nachdem Firmengründer Jörgen Skafte Rasmussen nach dem Ersten Weltkrieg seine Armaturenfabrik in Zschopau auf die Herstellung von Zweitakt-Motorrädern umgestellt hatte, wurden diese ab 1921 erfolgreich im Motorsport eingesetzt. Der Sieg bei der ADAC Reichsfahrt im Oktober 1921 markierte den Beginn einer grandiosen Erfolgsgeschichte im Motorradsport

Im Zweitakt zum Erfolg

Unzählige Meisterschaften, Große Preise, Sechstagefahrten, Geländeprüfungen und Rekorde standen in den 1920er und 30er Jahre im Zeichen herausragender DKW Leistungen von Fahrern und Maschinen. Namen wie Arthur Geiss, Walfried Winkler, Ewald Kluge, Toni Bauhofer, H. P. Müller, Siegfried Wünsche und nicht zuletzt auch der spätere Auto Union Grand-Prix Rennfahrer Bernd Rosemeyer standen für die zahlreichen Serienerfolge der DKW Motorräder auf den internationalen Rennstrecken und im Geländesport.

Sieg bei der Tourist Trophy

Höhepunkt jener Motorrad-Epoche war der Sieg des zweifachen Europameisters Ewald Kluge (1937/1938) in der englischen T.T. auf der Isle of Man 1938 mit seiner DKW ULD 250 Drehschiebermaschine. Dieses Rennmotorrad war die erfolgreichste und bedeutendste DKW Entwicklung der Vorkriegszeit und das erste nicht in England gebaute Motorrad, das 1938 in der 30jährigen Geschichte der Tourist Trophy (T.T.) überlegen zum Sieg kam.

Bescheidener Neuanfang in Ingolstadt

Als 1946 im zerstörten Nachkriegs-Deutschland die ersten Motorradrennen gestartet wurden, waren die DKW Zweitaktmaschinen gleich wieder in vorderster Front mit dabei. Eine Reihe von Privatfahrern, darunter der ehemalige Werksfahrer H. P. Müller, sorgte mit ihren noch aus Vorkriegszeiten stammenden Rennmaschinen für die ersten DKW Erfolge. Schon 1948 und 1949 gingen die Deutsche Meisterschaften in den Klassen 125 und 250 ccm an DKW. Zudem konnte ex-Werksfahrer Siegfried Wünsche 1949 den Titel in der 350 ccm Klasse für sich entscheiden. Im gleichen Jahr kehrte auch Ewald Kluge, der Grandseigneur des DKW Motorrad-Rennsports, aus der Kriegsgefangenschaft zurück.

Eine neue Motorrad-Rennabteilung

1951 richtete die Auto Union in Ingolstadt wieder eine Motorrad-Rennabteilung ein – und war gleich mit einem großen Problem konfrontiert: Die aufgeladenen Zweitaktmotoren waren von den Rennstrecken verbannt worden. In kürzester Zeit mussten die DKW Rennmaschinen auf Saugmotoren umgestellt werden. Zunächst entstand eine Rennversion der DKW RT 125, jetzt ohne Ladepumpe, gefolgt von einer Rennmaschine mit 250-ccm-Zweizylindermotor.

Die singende Säge

In der Rennsaison 1952 überraschte DKW die Fachwelt mit einer Neukonstruktion. Die neue „Wunderwaffe“ aus Ingolstadt besaß einen Dreizylindermotor mit 350 ccm Hubraum und leistete 38 PS bei 12.500 U/min. Aufgrund ihres charakteristischen Klangs ging diese Maschine als „Singende Säge“ in die Annalen des Motorrad-Rennsports ein. Die neue Dreizylinder-DKW (RM 350) debütierte im Juni 1952 auf der Eilenriede in Hannover. Es war ein Auftakt nach Maß. Die Gegner wurden geradezu „pulverisiert“. Kluge und Wünsche fuhren einen ungefährdeten Doppelsieg heraus.
Herausragender Fahrer in dieser Saison 1953 war Siegfried Wünsche, der den deutschen Meisterschaftstitel in der Klasse bis 350 ccm nach Ingolstadt holen konnte. Im gleichen Jahr sah man einen junge Nachwuchsfahrer am Start: August Hobl.

Auf dem Zenith

1954 wurde die RM 350 komplett überarbeitete. Mit leistungsgesteigertem Motor, Vorderradschwinge, Fünfganggetriebe und Stromlinienverkleidung ging man in die Saison 1955. Mit der neuen Maschine wurde August Hobl Weltmeisterschafts-Dritter und Deutscher Meister in der Klasse bis 350 ccm. 1956 konnte sich Hobl sogar noch steigern, als er in seiner Klasse ganz knapp hinter Bill Lomas Vizeweltmeister wurde. In der deutschen Meisterschaft konnte er gleich zwei Titel mit nach Hause nehmen, denn neben der 350er Klasse hatte er mit einer aus Komponenten der RM 350 neu entwickelten 125er Rennmaschine auch in der Klasse bis 125 ccm den Spitzenplatz belegt.

DKW – Erfolgreichste Marke in der deutschen Motorradmeisterschaft

Trotz dieser Erfolge kam dann die Entscheidung des Rückzugs vom Straßenrennsport nicht überraschend, denn andere erfolgreiche Marken wie NSU hatten dies schon vorexerziert. Auch sportliche Erfolge konnten den Niedergang der Motorradindustrie in Westdeutschland nicht mehr aufhalten. Mit der offiziellen Beendigung des Engagements im Motorrad-Rennsport im Herbst 1956 konnte DKW mit insgesamt 38 deutschen Meisterschaften seit 1925 eine unübertroffene Bilanz vorweisen.

DKW Automobile im Renn- und Rallyesport

 

Mit bescheidenen 600 ccm Zweizylindermotoren und einer Leistung von 15 PS begann die sportliche Laufbahn der DKW Tourenwagen. Der DKW P 15 mit Holzkarosserie und Kunstlederbezug brachte im Ersteinsatz die Fahrer Gerhard Macher und Gustav Menz 1929 ans Ziel der Rallye Monte Carlo. Eine erstaunliche Leistung wenn man bedenkt, dass der Startort Königsberg wegen der tiefen Schneeverwehungen nur über das Eis des Haffs erreicht werden konnte.

Leistungsdemonstration auf dem Eibsee

Der erste frontangetriebene DKW wurde von Ove Rasmussen, dem Sohn des Firmengründers, bei dem Eibsee-Rennen im Februar 1931 eingesetzt. Der stärksten Konkurrenz von Bugatti und Amilcar lief der Wagen dank des Frontantriebs auf und davon, bis ein Rutscher in einen Schneewall der sensationellen Demonstration ein Ende bereitete.

Erfolgreich bei Bergrennen, auf der Rundstrecke oder im Gelände

Tausende von erfolgreichen Einsätzen folgten, die DKW Wagen wurden zu den seinerzeit populärsten Wettbewerbsfahrzeugen. Egal ob mit Zweizylindermotor und Frontantrieb oder mit Vierzylinder-Ladepumpenmotor und Heckantrieb, die DKW Automobile waren bei allen nationalen und internationalen Veranstaltungen in großer Zahl vertreten: Avus und Nürburgring, Internationale Alpenfahrt, Lüttich-Rom-Lüttich, Bergrennen in ganz Europa, Ostpreußenfahrt, Drei-Tage-Harzfahrt, Brandenburgische Geländefahrt. Allein bei der 2000 km Deutschlandfahrt 1934 erzielte DKW 60 Prozent aller Goldmedaillen. Gustav Menz, Fritz Trägner und Walter Fritzsching bildeten die gefürchtete „Goldene DKW Mannschaft“.

Zwangspause

Die Wiederaufbauanstrengungen der Auto Union nach 1945 in Ingolstadt und Düsseldorf ließen zunächst keine werksseitige Beteiligung an Automobil-Motorsportveranstaltungen zu. Privatfahrer waren es, die in den Jahren zwischen 1948 und 1953, zum Teil auf ihren DKW Zweizylinder-Frontwagen aus der Vorkriegszeit, beachtliche Erfolge im damaligen Rallyesport erzielen konnten.

DKW wird Rallye-Europameister 1954

Als 1953 die DKW 3=6 Sonderklasse herauskam, erwies sich der neue Dreizylinder-DKW in den Händen engagierter Sportfahrer umgehend als aussichtsreiches Wettbewerbsfahrzeug. Unter der Leitung des erfahrenen Sportfahrers Karl-Friedrich Trübsbach entstand im Herbst 1953 eine neue Sportabteilung. Das Ziel für 1954 war hoch gesteckt: Die Teilnahme an der Rallye-Europameisterschaft. Mit den Fahrern Walter Schlüter, Gustav Menz und Heinz Meier gelang ein unglaublicher Erfolg. Auf Anhieb belegte DKW in der europäischen Rallyemeisterschaft die ersten drei Plätze in der Gesamtwertung, Heinz Meier konnte zudem den Sieg der deutschen Rallyemeisterschaft für sich verbuchen.

Weltrekorde in Monza

In den darauffolgenden Jahren wurden die Dreizylinder-DKW zu einer festen Größe im Motorsport. 1955 konnte der deutsche Rallyetitel erfolgreich verteidigt werden und auch der dritte Platz in der Europameisterschaft gegen eine vielfach stärkere Konkurrenz zeugte von der Leistungsfähigkeit der DKW Zweitaktmotoren.
1956 gelang es mit einem spezialkarossierten DKW 3=6 Kunststoff-Coupé im italienischen Monza insgesamt fünf neue Weltrekorde aufzustellen. Daraufhin wurde der 3=6 Monza in einer kleinen Serie auf den Markt gebracht.

Die Auto Union DKW-Trophäe

Ab 1956 setzte die Auto Union verstärkt auf eine werksseitige Förderung der DKW Privatfahrer. Ab 1958 erfolgt die jährliche Ausschreibung der „Auto Union DKW-Trophäe“. Damit erweiterte sich schlagartig der Kreis der aktiven DKW Sport- und Rennfahrer. Gleichzeitig häuften sich die DKW Sporterfolge in Europa und Übersee. Kaum eine motorsportliche Veranstaltung, bei der nicht jene DKW 3=6, Auto Union 1000, DKW Junior und DKW F 12 erfolgreich teilgenommen hätten. Kontinuierlich hatte man die Leistung der 900 bzw. 1000 ccm Zweitakt-Rennmotoren bis an die 100 PS steigern können.

Eine beeindruckende Bilanz

In den Jahren zwischen 1954 und 1964 errangen DKW Fahrer über 100 Meisterschaften, 150 Gesamtsiege, 35 erste Mannschaftssiege und rund 2.500 Klassensiege. Mit dem Ende der Zweitakt-Ära bei der Auto Union wurde im Herbst 1964 das werksseitige Engagement im Automobilsport eingestellt, welches erst zehn Jahre später mit dem ersten Audi 80 GT und dem Audi 50 wieder aufgenommen wurde.