Die Rennen in der FIA-Rallycross-Weltmeisterschaft werden in elf Ländern und auf drei Kontinenten ausgetragen. Der Lauf in Riga ist für Reinis Nitišs etwas ganz Besonderes. Es ist das Heimspiel für den Letten.

Rund 100.000 Kilometer reist Nitišs beruflich um die Welt – pro Jahr! Trainingscamps, Testfahrten, Sponsorentermine und natürlich die zwölf Rennen in der Rallycross-WM. Als Rennfahrer lebt man weite Teile des Jahres aus dem Koffer. Das ist für den 21 Jahre alten Letten Routine. Umso mehr freut er sich, wenn er Zeit zu Hause verbringen kann. Zu Hause, das ist für den Familienmenschen sein Geburtsort Jēkabpils und die Hauptstadt Riga – dort, wo das kulturelle und wirtschaftliche Herz von Lettland schlägt.

In der 25.000-Einwohner-Stadt Jēkabpils lebte Nitišs bis zu seinem 15. Lebensjahr, dann zog er bei den Eltern aus und verlagerte für die Ausbildung zum Automechaniker seinen Wohnsitz ins etwa zwei Stunden entfernte Riga. Zu diesem Zeitpunkt war Nitišs bereits ein erfolgreicher Rennfahrer. Er begann seine Karriere mit sechs Jahren im Kart und feierte bereits mit 13 Jahren seinen ersten Titel. Bereits da war abzusehen, dass Reinis eines Tages in die Fußstapfen seines Vaters Aigars treten würde. Der wurde 2005 lettischer Champion im Autotrek – eine Art Speedway mit Autos.

Reinis schrieb seine Erfolgsstory weiter. Nach einem kurzen Abstecher zum Motocross wechselte er 2011 zum Rallycross. 2013 wurde der begeisterte Langläufer und Ausdauersportler Europameister in der Super1600-Klasse. Ein Jahr später gewann er als bislang jüngster Fahrer im Alter von 18 Jahren und 181 Tagen einen WM-Lauf in der Königsklasse der Supercars, wurde WM-Dritter und zu Lettlands beliebtestem Sportler gewählt. Anfang 2017 wechselte Nitišs zum Weltmeisterteam EKS und will das in ihn gesetzte Vertrauen mit weiteren Top-Resultaten im Audi S1 EKS RX quattro zurückzahlen.

Auch abseits von Rennstrecken macht der in seiner Heimat gefeierte Star regelmäßig von sich reden – beispielsweise durch die intensive Mitarbeit bei Entwicklung und Bau der Rallycross-Strecke im Biķernieki Sports Complex. Seit dem vergangenen Jahr ist Nitišs auch Botschafter der „Road Traffic Safety Directorate“-Kampagne, die dabei helfen soll, aggressive Autofahrer für ein bewusstes Verhalten im Straßenverkehr zu sensibilisieren. Und auch sonst ist der Lette ein gefragter Mann. So tritt er regelmäßig in den landesweit ausgestrahlten Sportshows im Fernsehen auf und war jüngst auch Gast bei der großen Abendunterhaltungsshow „Es mīlu tevi, Latvija!“, die zur Primetime ausgestrahlt wird.

Trotz seines engen Terminkalenders verbringt Nitišs seine Freizeit am liebsten im elterlichen Haus in Jēkabpils. Hier findet er Ruhe vom Alltagsstress. Hier widmet er sich gerne der Gartenarbeit, treibt Sport oder entspannt bei einem guten Essen mit seiner Familie. Im Büro seines Vaters stehen die meisten seiner unzähligen Pokale. Aber Jēkabpils und Riga sind nicht die einzigen Orte in Lettland, bei denen Nitišs ins Schwärmen gerät. Sigulda, Liepāja oder Cēsis – es gibt viele Orte, die man laut dem bekennenden Lettland-Fan unbedingt besuchen sollte.

Egal, wo sich Nitišs in seiner Heimat aufhält, überall sei es beschaulich, sauber, grün und einfach idyllisch, so wie er es mag. Trotz seiner Bekanntheit kann er sich nahezu überall in der Öffentlichkeit bewegen, ohne von Fans belagert zu werden. Auf Riga trifft das nur in Teilen zu, insbesondere, wenn der Tross der Rallycross-WM Station macht und die motorsportbegeisterten Letten in Scharen an die Strecke pilgern. Für Nitišs ist die Fahrt vom Apartment zum Biķernieki Sports Complex ein Katzensprung: rund zehn Minuten braucht er mit seinem Audi A5 für die Strecke. Da kommen zu seinen 100.000 jährlichen Reisekilometern nicht allzu viele dazu.