Der visionäre SUV

Egal ob Exterieurdesign, Innenraumarchitektur oder grafische Interaktionsoberfläche: Beim Audi Q8 concept geht es um begeisternde wie intelligente Ideen.
 

Patrick Morda (Text) & Manuel Ferrigato (Fotos)

 

Prägendes Element: Exterieur-Designer Sascha Heyde zeichnet den markanten achteckigen Singleframe. Der ist erheblich breiter als bei heutigen Serienmodellen und definiert die zukünftigen Audi Q-Modelle. Daran schließen die flachen und keilförmigen Scheinwerfer an, die gestalterisch mit dem umliegenden Lufteinlass verbunden sind. Abblendlicht und Fernlicht nutzen die Digital-Matrix Laser-Technologie, die eine X-förmige blaue Laser-Lichtsignatur betont.

Sind sportliche SUV auch eine vergleichsweise junge Disziplin im Automobildesign, so gilt für sie dennoch eine grundlegende Konstante: Ein coupéartig abfallendes Dach bringt Dynamik in die Linie der eher hoch bauenden Sports Utility Vehicles. Der Audi Q8 concept, die erste Studie für einen Audi SUV der Oberklasse, der unter dem Primat der sportlichen Eleganz entstanden ist, zeigt aber einmal mehr, dass Audi einen eigenständigen Weg geht. Einen, der bei aller Emotionalität immer auch die Funktionalität unterstreicht. Im Großen wie im Kleinen. Türgriffe, Knöpfe und Schalter im Interieur? Praktisch nicht mehr vorhanden. Stattdessen digitale Lösungen, intuitive Bedienung und raumgreifende, touch-gesteuerte Displays. Und jede Menge Platz. Gerade im Interieur bilden Architektur und Funktion immer stärker eine Einheit. Nicht die einzige Idee, mit der der neue Audi Q8 concept Lust macht auf das, was in den nächsten Jahren auf die Straße kommen wird.

Wegweisend dynamisch: Sascha Heyde verantwortet die Linie des Audi Q8 concept. Die Türen verzichten auf klassische Griffe, öffnen über einen Touch-Sensor. Die C-Säule und die ausgestellten Schultern erinnern an den Audi Ur-quattro. Die Proportionen betonen die vorderen und hinteren Räder gleichermaßen – typisch quattro. Alle Linien steigen nach hinten dynamisch an – dabei ist der SUV dank seiner flachen Dachlinie gerade einmal 1,70 Meter hoch. Ein langer Dachkantenspoiler verweist auf eine doppelt ausgeformte Abrisskante.

Der Audi Q8 steht nicht nur für eine ganz neue Art von SUV, er gibt auch ganz generell einen Ausblick darauf, wie in Zukunft ein Q-Modell von Audi aussehen wird“, setzt Sascha Heyde an, seines Zeichens verantwortlicher Exterieur-Designer der Studie. Denn mit dem Audi Q8 concept setzt sich eine ganz klare, designorientierte Abgrenzung der einzelnen Fahrzeugklassen bei Audi fort. Sinnbildlich dafür: der plastisch geformte und im Vergleich zu aktuellen Serienmodellen erheblich breitere Singleframe. Dieser erscheint betont selbstbewusst in Form eines Oktagons, das von sechs aufrecht stehenden Doppelstäben strukturiert wird. Diese neue Grillarchitektur wird auch das Gesicht der zukünftigen Audi Q-Modelle prägen. Die anschließenden äußeren Lufteinlässe wirken tief und dynamisch, wie Einlässe von Turbinen. „Wir haben bewusst sehr sportliche Elemente eingesetzt, um der Robustheit des SUV eine filigrane und dynamische Eleganz zu addieren“, so Heyde. Und die setzen sich nahtlos in der Seitenansicht fort. Das extrem flache Dach in Kombination mit der sehr breiten C-Säule erinnert an den Audi Ur-quattro der 1980er-Jahre.

Das Gleiche gilt für die kräftig ausgestellten Schultern über den Rädern, die schon bei den Studien der Audi prologue-Reihe und bei aktuellen Serienmodellen wie dem Audi Q2 die quattro Gene der Marke sichtbar machen. „Der ganze Wagen ist relativ flach, gerade einmal 1,70 Meter hoch – untypisch für einen SUV. Wir wollten ein Coupé-Gefühl, ohne das Dach zu steil abfallen zu lassen“, so Heyde. Das ermöglicht zum einen den eigenständigen Auftritt im Segment, zum anderen kommt es den Fondpassagieren zugute. Auch Großgewachsene kommen auf den hinteren Sitzen ohne Weiteres zurecht. Das optisch sehr flache Dach mit langem Dachkantenspoiler zieht weit nach hinten und erzeugt mit der äußerst flach liegenden Heckscheibe zusätzlich Dynamik. Eine markant herausgearbeitete Spoilerkontur in der Heckklappe betont zusätzlich den sportlichen Charakter eines Coupés. Das Leuchtenband, das sich über die gesamte Breite des Hecks erstreckt, ist Teil einer e-tron Lichtsignatur und verweist auf die hybride Antriebstechnik der Studie. Es bildet sowohl das Schluss- und Bremslicht als auch das dynamische Blinklicht. Die vier äußeren Lichtelemente sind von Aluminium-Blades eingefasst und nehmen die Semantik der Scheinwerfer auf. Besonders stolz ist man bei Audi zudem auf die rahmenlosen Effektive Teamarbeit: Technische Entwicklung und Design gehen beim Audi Q8 concept Hand in Hand. Forstreuter, Heyde und van Tuijl sind dabei Teil eines großen Teams, das dem wegweisenden SUV Form und Charakter verliehen hat. Türen, die gänzlich auf Griffe verzichten. „Auch damit haben wir eine Brücke zwischen SUV und sportlichem Coupé geschaffen“, so Heyde. Das Öffnen erfolgt über Touch-Sensoren: Sobald die Tür die Berührung der Hand erkennt, springt sie leicht auf und schwingt in einen definierten Öffnungswinkel. „Wie weit wir so eine Idee in Serie umsetzen können, muss sich noch zeigen“, schränkt Sascha Heyde allerdings ein.

Einmal geöffnet, gelangt man in den loungeartigen, großzügigen Innenraum des Audi Q8 concept. Weitläufig gespannte Linien verleihen dem Cockpit eine sportliche und zugleich elegante Atmosphäre. Die Instrumententafel mit ausgeprägt horizontalem Charakter senkt sich in Stufen zum Innenraum hin ab. Die zentralen Bedien- und Anzeigeflächen sind in das sogenannte Black Panel integriert – ein schwarzes, hochglänzendes Band, eingefasst von einer Aluminiumspange. Im ausgeschalteten Zustand ist der Bildschirm darin unsichtbar in die Fläche eingebettet und sorgt so für einen harmonischen Fluss der Linien. Ist das Display in Betrieb, fügt es sich in die Designlinie ein. Die pfeilförmigen Dekoreinlagen in den Türen führen das expressive Design fort. Darin eingebettete filigrane Aluminiumstege dienen als Türöffner. Die ergonomischen Sportsitze sind aus Segmenten zusammengesetzt, die wie separate geometrische Körper wirken, von den ausgeprägten Wangen bis zu den Kopfstützen. Einmal Platz genommen, umrahmt einen der sogenannte Wrap-around: Dieser beginnt in den vorderen Türen und verläuft im horizontalen Bogen am unteren Rand der Windschutzscheibe. Keine Aussparungen oder Fugen unterbrechen die Oberflächen.

Es ist eine Maxime, ein Element unserer Design-DNA, Leichtigkeit zu erzeugen und dabei maximal Raum zu schaffen“, erklärt Mattijs van Tuijl. Er koordinierte die unterschiedlichen Designdisziplinen, die dem Interieur des Audi Q8 concept Gestalt gegeben haben. Das erreicht man zum Beispiel, indem man vom klassischen Aufbau der Mittelkonsole abweicht und Elemente miteinander verschachtelt. Die Schalttafel scheint zu schweben und erzeugt so im Zusammenspiel mit Materialien und Finish die gewünschte Leichtigkeit. „Wir sind immer auf der Suche nach dem Millimeter mehr – wie wir Teile und Komponenten miteinander verbinden, um so innerhalb eines vorgegebenen Raumes Platz zu gewinnen oder zumindest den Eindruck zu erzeugen.“ Beim Audi Q8 concept spielt dabei das Team von Audi Designern, zu dem auch Sonja Forstreuter gehört, eine wichtige Rolle.

Bestmögliche User Experience ist als Maxime in der Audi Unternehmensstrategie verankert. Das gilt auch und gerade im Auto. Dabei im Fokus: das Graphical User Interface (GUI). Es beschreibt die digitale grafische Benutzeroberfläche auf den insgesamt sieben verbauten Displays im Audi Q8 concept und ist somit direkte Schnittstelle zum Kunden. „Durch mein Audi ID Profil stellt sich in Zukunft jeder Audi individuell auf mich ein und personalisiert mein User Interface unter anderem durch Synchronisierung meines Smartphones. Ich bekomme proaktive Vorschläge, mein Audi fragt mich zum Beispiel, ob ich zu meinem nächsten Kalendertermin navigiert werden möchte. Dazu wird Sprachinteraktion eine größere Rolle spielen. Auch Third-Party-Apps integrieren sich nahtlos im MMI Dashboard, das ich mir selber konfiguriere. Alles muss einfach und intuitiv zu bedienen sein“, fasst Sonja Forstreuter, GUIDesignerin, eines der Audi Designprinzipien zusammen. „Digital sind wir beim Anzeigen der Inhalte flexibel.“ Das wird recht  schnell deutlich, zum Beispiel mit Blick auf die Steuerung der Klimaanlage. Erst wenn ein Beifahrer einsteigt, schaltet sich im Bediendisplay in der Mittelkonsole ein Klimamenü für ihn dazu. Dieses Reduzieren auf das Wesentliche bei den digitalen Anzeigen führt zu weniger Ablenkung während der Fahrt.

Raum mit Gefühl: Die Instrumententafel senkt sich in Stufen zum Innenraum hin ab. Die zentralen Bedien- und Anzeigeflächen sind in das Black Panel integriert – im ausgeschalteten Zustand ist der Bildschirm unsichtbar in die Fläche eingebettet, im Betrieb perfekt in die Designlinie eingefügt. Mattijs van Tuijl und seinem Team waren dabei die direkte und intuitive Bedienung wichtig: Der Fahrer wählt jede Funktion dort an, wo er sie sieht.

Sieht man von Schaltern für Warnblinkanlage und Feststellbremse ab, sind klassische Knöpfe praktisch nicht zu finden. „Auch hier sind wir natürlich an gesetzliche Vorgaben gebunden. Aber wo es geht, wollten wir unsere Philosophie durchsetzen. Der Schalter für die Scheinwerferfunktionen zum Beispiel ist neu interpretiert und voll integriert in die digitale Landschaft“, erklärt van Tuijl. Der sprichwörtliche Audi Klick als haptisches Feedback und Zeichen von Wertigkeit geht dabei selbstverständlich nicht verloren. „Überall, wo der Kunde in Zukunft mit Audi in Interaktion tritt, wird er eine konsistente User Experience erleben. Sichtbar in allen Medien von digitalen Devices wie Smartphone und -watch bis hin zum Auto selbst“, so Sonja Forstreuter. „Zukünftig beschränken sich Audi Produkte und digitale Services nicht mehr nur auf das Auto – es wird als Mobile Device zum Teil eines digitalen Ökosystems. Alles wird sich um das Leben des Kunden als Nutzer drehen. Heute ist die Fahraufgabe noch im zentralen Fokus. Wenn das Auto in Zukunft womöglich längere Strecken pilotiert fährt, und ich nicht mehr selbst fahren muss, arbeiten wir an völlig neuen Interfaces“, so die GUI-Designerin.

In diesem Zusammenhang steht eines der technischen Highlights im Audi Q8 concept: das neue kontaktanaloge Headup-Display, das wichtige Anzeigen auf die Windschutzscheibe im direkten Sichtfeld des Fahrers projiziert und sie dabei scheinbar in der realen Umwelt platziert. So erscheint zum Beispiel ein Navigationspfeil in der gleichen Position wie ein tatsächlicher Pfeil auf der Straße. Auch bei den Hinweisen von Fahrerassistenzsystemen verschmelzen die virtuelle und die reale Welt miteinander. „Navigation und Fahrerassistenz zum Beispiel sind hier direkt im primären Sichtfeld. Wir legen dem Fahrer die Informationen dorthin, wo er sie braucht – mit Augmented Reality gemappt in den realen Verkehr“, erklärt Forstreuter. „Auch in Zeiten von immer intelligenteren Fahrassistenzsystemen“, meint Mattijs van Tuijl, „konzentrieren wir uns nach wie vor in der Architektur auf den Fahrer. Er sitzt im Zentrum, um ihn herum sind die einzelnen Kontrollelemente angeordnet.“ Auch eines der Designprinzipien: Wo man eine Funktion braucht, sollte man sie auch finden.

Intelligentes Simplifizieren verbunden mit emotionalisierender Funktionalität könnte man die Arbeit der Designer und Ingenieure zusammenfassen. Dr. Dietmar Voggenreiter, Vorstand für Vertrieb und Marketing der AUDI AG, formuliert das so: „Der Audi Q8 concept demonstriert die Stärken unserer Marke sowohl im Bereich Technologie als auch im Design. Mit seinen Anzeige- und Bedienlösungen der nächsten Generation machen wir Konnektivität auf völlig neue Art erlebbar.“

 

Mehr Infos:
Die Kräfte des seriennahen Hybridantriebs im Audi Q8 concept bringt der permanente Allradantrieb quattro auf die Straße. Im Kurven-Grenzbereich arbeitet er mit der radselektiven Momentensteuerung zusammen. Sie bremst die kurveninneren Räder minimal ab, womit sie die Dynamik und die Stabilität weiter steigert. Auch beim Fahrwerk nutzt die Studie Lösungen aus der Serie: Die adaptive air suspension sport – Luftfederung mit geregelter Dämpfung – erlaubt eine große Bandbreite zwischen weichem Abrollen und straffem Handling. Zudem stellt sie die Bodenfreiheit in zwei Stufen mit 90 Millimeter Höhendistanz auf das jeweils nötige Niveau ein.

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