Audi design UNIverse: Das Auto von morgen von den Designern von morgen

My first Audi

Das Audi design UNIverse ist eine Ideenschmiede für junge Talente. Hier zeigen Nachwuchsdesigner von internationalrenommierten Universitäten ihre Ideen für das Auto der Zukunft.
IDEAL IDEAS:

Global, emotional, progressiv – das sind die Kriterien für erfolgreiches Design aus der Sicht von Audi-Chefdesigner Marc Lichte. „Designer müssen den Zeitgeist treffen – den von heute und den von morgen, den in Deutschland und den auf der ganzen Welt. Und sie müssen es schaffen, ihre Leidenschaft auf das Auto zu übertragen.“

 

Diese Leidenschaft zeigen die 76 Teilnehmer des Audi design UNIverse. Ein ganzes Jahr lang entwickelten die Studierenden ihre Ideen, verwarfen viele Entwürfe wieder, entdeckten manchmal, dass ihren Einfall zuvor bereits ein anderer hatte, und fingen wieder bei Null an. Die Aufgabenstellung war für jede der teilnehmenden Universitäten eine andere: eine futuristische Limousine, neue Erlebnisse im Auto der Zukunft, ein Premiumservice für die Kunden von morgen.

 

Immer aber ging es um das Auto der Zukunft. Ob Aalto University Helsinki, Scuola Politecnica di Design Milano, Technische Universität Dresden oder Politecnico di Milano, gewisse Elemente fanden sich in allen Entwürfen wieder: Ein Elektromotor treibt das Auto der Zukunft an, und die technischen Komponenten sind auf ein Minimum reduziert, um Platz im Interieur zu schaffen. Dieses ist minimalistisch gestaltet, die Bedienelemente sind nicht als solche erkennbar und nur über Berührung oder Gesten zu steuern. Das Lenkrad kann abhängig vom Fahrmodus im Armaturenbrett verschwinden. Denn das Auto fährt autonom, zumindest in bestimmten Situationen. Schlängelt sich das Auto selbstständig durch den Verkehr, steht für die Insassen das Erlebnis im Auto im Vordergrund: Augmented und Virtual Reality sowie großflächige OLED-Screens sorgen für ihr Wohlbefinden und ihre Unterhaltung.

 

Ist das typisch Audi? Ist das innovativ? Ist das globales Design? Diese Fragen begleiteten die Studierenden in allen Projektphasen. Ob ihre Idee weltweit funktioniert, konnten sie zumindest in ihrem Mikrokosmos testen. Denn alle Beteiligten arbeiteten in kulturell bunt
zusammengewürfelten Teams, schließlich kommen sie aus verschiedensten Ländern – von Australien, über Indien bis Finnland. Insgesamt nahmen am Audi design UNIverse Studierende aus 14 unterschiedlichen Nationen teil. „Diese Art von interkultureller Zusammenarbeit ist im Audi Design unverzichtbar. Nur so entstehen Automobile, die weltweit den Geschmack der Kunden treffen“, sagt Marc Lichte und geht mit gutem Beispiel voran: In seinem Team arbeiten mehr als 400 Kreative aus 24 Ländern. Und dass ein starker Wettbewerbsauftritt den Beginn einer großen Karriere markieren kann, auch dafür ist der Leiter von Audi Design das beste Beispiel: Marc Lichte hatte als Student selbst gleich mehrere Designwettbewerbe gewonnen, darunter auch Preise der Autozeitung sowie der auto motor und sport.

Nachwuchsdesigner: Der Österreicher Michael Hofbauer verwandelte seine Vision eines Zukunftsautos in das lackierte Tonmodell Audi Quantum.
AUDI QUANTUM:

Die Räder kommen aus dem 3D-Drucker und können sich um 360 Grad drehen. Rückwärts einparken gehört bei diesem Entwurf der Vergangenheit an.

Audi Quantum – ein Auto, das ein Quantensprung sein  soll. Ästhetisch und technologisch überlegen. Und eine verspielte, aber realistische Lösung für die von Audi Design gestellte Aufgabe: „Create a futuristic limousine.“ Was das in der Vision des Nachwuchsdesigners heißt? Wir schreiben das Jahr 2030. Mit einem leisen Surren fährt der Audi Quantum vor und holt seinen Kunden Michael ab. Michael schlendert entspannt auf sein Auto zu. Die vier Ringe auf der Kühlerhaube wechseln von blau zu rot – seiner Lieblingsfarbe. Die Flügeltür schwingt nach oben und die Bordanlage spielt Michaels aktuellen Lieblingssong. Woher der Audi Quantum das alles weiß? Er scannt die Retina seines Kunden, sobald dieser in Sichtweite ist. Sogleich passt sich das Auto seinen Vorlieben an und liest ihm wortwörtlich jeden Wunsch von den Augen ab.

Autonom oder selber fahren? In Zukunft geht natürlich beides, und das Design passt sich individuell an.

Michael Hofbauer
Designstudent Scuola Politecnico di Design Milano

Inspiration Katamaran: Viele Elemente des Audi Move hat Maximilian Schneider dem Design von Schiffen abgeschaut, so etwa die beiden Stabilität gebenden Rümpfe eines Katamaran.
AUDI MOVE:

Dieses Auto nimmt Anleihen bei der Schifffahrt, die Reifen beispielsweise erinnern an eine Schiffsschraube. „Sailing the streets“, heißt sein Motto. Denn Maximilian Schneider möchte das Gefühl des Segelns auf die Straßen der Zukunft bringen. Wie das geht? Platz nehmen, anschnallen und ab auf die Autobahn. Maximilian greift ans Lenkrad, gibt Gas und visiert die erste Kurve an. Die Fliehkraft will den Audi Move nach außen drängen, doch sogleich beginnt das Auto seinen Seiten­bereich zu verbreitern.  

 

Das bringt Stabilität und der visionäre Autokatamaran klebt auch bei hohen Geschwindigkeiten regelrecht auf der Straße. In der Stadt angekommen, lehnt sich Maximilian zurück. Das Memory-Metall seines Sitzes erschlafft, und er lässt sich in die weich werdenden Polster zurückfallen. Die Karosserie des Audi Move hebt sich an, und aus dem sportlichen Flitzer wird ein übersichtlicher SUV. Dieses Auto passt sich der Straße an wie ein Schiff dem Seegang.

Inspiration Smog: Fanny Hauser von der TU Dresden möchte in Zukunft über Augmented Reality den Smog der Megacities in Sonnenschein verwandeln.
THE ICONIC SEAT:

Im weißen Rahmen des Stuhls sind Lamellen verbaut. Wünscht der Kunde einen neuen Duft oder eine andere Lichtstimmung, öffnen sich diese und verändern die Atmosphäre im Auto.

The Iconic Seat nennt die Studentin Fanny Hauser ihre Antwort auf die von Audi Design gestellte Aufgabe: „Wahres Erleben im Audi der Zukunft“. Eine Zukunft, in der in ihren Augen alle Autos autonom fahren. Doch wo bleibt dann das Erlebnis? Die Ant­wort: Wir brauchen ein Auto, das sich anpasst. An den Fah­rer, seine Stimmung, seine Wünsche. Und ein Auto, das dabei ein Erleb­nis schafft, das alle Sinne anspricht und den Passagier von seiner Umwelt völlig abkoppelt. Was heißt das konkret? Fanny Hauser in 20 Jah­ren: Sie sitzt im Auto und lässt sich durch eine der unzähligen Megacities kutschieren. Um sie herum wabert dichter Smog. Fanny hasst Smog. Eine Wischgeste und dank großer Bildschirme statt der Fens­ter ist der graue Schleier verschwunden und Sonnen­strahlen erscheinen. Wärme und Sonne liebt Fanny Hauser immer, doch eigentlich sehnt sie sich vielmehr nach ein bisschen Weih­nachts­­stimmung. Kein Pro­blem für den Iconic Seat: Sanft rieseln Schneeflocken um das Auto, der Rahmen des Fahrersitzes öffnet seine Lamellen und ein dezenter Geruch von Tannennadeln durch­strömt den Innen­raum. Das Licht im Auto wird gedämmt und ihr Lieblings-Weihnachtslied erklingt.

Mein Auto der Zukunft erschafft jedem Kunden seine persönliche Wunschumgebung. Augmented Reality macht’s möglich.

Fanny Hauser
Studentin TU Dresden

Inspiration vom Kunsthaus Graz: Das Ausstellungsgebäude mit seinen biomorphen und runden Formen beeinflusste den Rumänen Caius Ferenczi bei seinen Entwürfen.
AUDI CRUISER:

Der starke Fokus auf die Reifen visualisiert die quattro-Gene von Audi.

Tradition und Innovation vereinen sich unter der Haube dieser futuristischen Limousine. Designstudent Caius Ferenczi orientierte sich bei der Formgebung am Auto Union Typ C Stromlinie. Vor allem die stark akzentuierten Reifen erinnern an den Rennwagen aus den 1930er-Jahren.

Für die moderne Interpretation des Klassikers wählte der Nachwuchsdesigner einen außergewöhnlichen Ansatz, indem er sich an eine neue Art der Automobilproduktion heranwagte: Fließbänder und wummernde Stahlpressen sind passé. Das Auto der Zukunft entsteht aus einem Tropfen zäher Flüssigkeit, den Roboterarme zu einer Karosserie formen. Das Ergebnis: ein Auto mit fließenden und runden Formen. Besonderes Feature des Cruisers: Beim Öffnen der Türen schwingen die Sitze mit nach außen.

Inspiration Pirelli-Hochhaus: Designstudent Alessandro Ren bricht mit der typischen Silhouette von Autos und orientiert sich bei der Formgebung am Pirelli-Hochhaus in Mailand.
AUDI ATLANTIS:

Standardtüren gibt es bei diesem visionären Auto nicht. Fahrer und Beifahrer gelangen über die silbernen Schlitze auf der Oberseite ins Innere.

Die Stadt erkunden und sich dabei wie im Weltall fühlen. Dieses Ziel verfolgte der Ita­­liener Alessandro Ren mit seinem Audi Atlantis. Overall an, Helm auf – und los geht’s! Doch wie kommt man überhaupt in diese flache Flunder ohne Türen? Alessandro greift den aus dem Eisen eines Meteo­riten gefertigten Silberstreifen auf der Oberseite des Autos und zieht ihn zu sich.

Das weiche Material der monolithischen Karosserie reagiert mit dem
Stoff des An­zugs und zieht sich zusammen. Eine kleine Öffnung entsteht und Alessandro gleitet ins Interieur. Ein metallischer Klick und der Magnet an der Rückseite von Alessandros Anzug verbindet sich mit dem Sitz. Ein Gurt wird damit obsolet. Alessandro startet den Elektromotor und braust los. Luftdruck ist trotz hoher Geschwindigkeit nicht zu spüren – Anzug und Helm schirmen ihn ab.

 
 
Text (Stephanie Huber), Fotos (Ulrike Myrzik)

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