Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 120km/h: Der Audi RS 7 piloted driving concept "Robby"

Rasante Entwicklung

Audi arbeitet intensiv an der Schlüsseltechnologie pilotiertes Fahren. Der Audi RS 7 piloted driving concept namens "Robby" ist der aktuellste Beweis.

Die pilotierten Versuchsfahrzeuge von Audi steuern alle Fahrfunktionen selbstständig und hochpräzise: Der Audi RS 7 piloted driving concept „Robby“ ist mit 412 kW (560 PS) unterwegs und 400 Kilogramm leichter als sein Vorgänger. Auf dem kalifornischen Sonoma Raceway absolviert er Rundenzeiten, die schneller sind als die von manch geübten Sportfahrern.
Der Sonoma Raceway ist nicht irgendeine Rennstrecke.  

Gelegen inmitten der Hügel Kaliforniens, ist der Kurs von rund vier Kilometern Länge eine unübersichtliche Berg-und-Tal-Fahrt. Den Rundenrekord hält Marco Werner, der im Jahr 2004 mit seinem Audi R8 LMP ein Durchschnittstempo von 178,06 km/h erzielte. „Robby“ ist auch nicht irgendein Auto. Der weiterentwickelte Audi RS 7 piloted driving concept ist ein Versuchsträger auf dem Weg, das pilotierte Fahren serienreif zu machen. Im Juli setzte er dabei auf dem Sonoma Raceway neue Ausrufezeichen. Der Rekord von Marco Werner wurde dabei freilich nicht eingestellt. Das war aber auch nicht das Ziel. „Robby“ drehte seine Runden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 120 km/h. Dafür aber ohne Fahrer und präzise wie ein Uhrwerk. Die Rundenzeiten konnten sich dennoch sehen lassen: Mit 2:01,01 Minuten war der Audi RS 7 piloted driving concept immer noch schneller unterwegs als viele Profifahrer. Da die Systeme immer ausgereifter sind, konnten gegenüber dem Vorgänger „Bobby“ rund 400 Kilogramm an Gewicht eingespart werden, was deutlich bessere Performance-Werte ermöglicht.

In den nächsten Jahren wird Audi die Schlüsseltechnologie Schritt für Schritt in die Serie einführen. Schon heute deuten Assistenzsysteme im neuen Audi A4 und im Audi Q7 an, was die Innovation zu leisten vermag.
Audi testet das pilotierte Fahren schon seit einigen Jahren, und zwar unter immer neuen Bedingungen.  

Im Oktober 2014 umrundete ein Audi RS 7 piloted driving concept namens „Bobby“ fahrerlos den Hockenheimring mit bis zu 240 km/h Spitzengeschwindigkeit. Und Anfang 2015 pilotierte der Audi A7 Sportback piloted driving concept „Jack“ den Weg vom Silicon Valley nach Las Vegas zur Hightech-Messe Consumer Electronics Show (CES). Auch auf deutschen Autobahnen fuhr „Jack“ im Rahmen von Testfahrten schon pilotiert und erreichte dabei Geschwindigkeiten von bis zu 130 km/h.

Alle Testfahrzeuge mit piloted driving concept tragen Spitznamen. Der aktuellste Vertreter heißt „Robby“. Im Herbst 2014 hatte ein Audi RS 7 namens „Bobby“ schon fahrerlose Runden auf dem Hockenheimring gedreht. Und der Audi A7 „Jack“ fuhr mit vielen seriennahen Lösungen selbststeuernd 900 Kilometer vom Silicon Valley bis nach Las Vegas.
Pilotiertes Fahren ist eine der Top-Zukunftstechnologien der kommenden Fahrzeuggenerationen.  

Die Vorteile liegen auf der Hand: Es steht für Sicherheit, Zeitgewinn, Effizienz und Komfort. Insbesondere wenn der Fahrer über- oder unterfordert ist, können die Systeme einen wertvollen Sicherheitsbeitrag leisten. Die vorausschauende Technik erlaubt ein noch effizienteres Fahren, reduziert Stress und steigert den Komfort, wenn sie die Fahraufgabe zeitweise übernimmt. Audi finalisiert derzeit die Praxistauglichkeit dieser Schlüsseltechnologie, die auf modernste Erkenntnisse aus den Bereichen Sensortechnik, Datenverarbeitung, Fahrzeugsteuerung und -stabilisierung aufbaut. Das pilotierte Fahren wird teilweise Realität in der nächsten Generation des Audi A8, die voraussichtlich 2017 auf den Markt kommt. Hier soll ein Teil der Technologie erstmals serienmäßig zum Einsatz kommen. Diese kann auf Wunsch die Brems- und Beschleunigungsmanöver im Stop-and-go-Verkehr bei bis zu 60 km/h übernehmen. Darüber hinaus registriert sie dank Kamera und Bildbearbeitungssoftware, wenn andere Fahrzeuge einscheren oder überholen und passt den Fahrstil der Situation an.

In den nächsten Jahren plant Audi, die Schlüsseltechnologie Schritt für Schritt in die Serie einzuführen.  

Schon heute deuten Assistenzsysteme im neuen Audi A4 und im Audi Q7 an – beide verfügen optional über die adaptive cruise control (ACC) mit Stop&Go-Funktion inklusive Stauassistent –, was die Technologie zu leisten vermag. Zusätzlich zur automatischen Distanzregelung wird der Fahrer bei einer Geschwindigkeit von bis zu 65 km/h auch beim Spur halten unterstützt.

Wie die nächsten Entwicklungsschritte rund um das pilotierte Auto aussehen, weiß Peter Bergmiller, Funktionsentwickler bei Audi.

 

Audi Magazin: Herr Bergmiller, was unterscheidet den schon heute verfügbaren Stauassistenten im neuen Audi A4 oder im Audi Q7 noch vom pilotierten Fahren?

Peter Bergmiller: Wie der Name schon sagt, assistiert der Stauassistent buchstäblich dem Fahrer, dieser ist aber dennoch über Lenkeingriffe aktiv für die Querführung zuständig. Das pilotierte Fahren geht einen ganzen Schritt weiter.

 

Ist pilotiertes Fahren gleichbedeutend mit autonomem Fahren?

Nein. Autonomes Fahren bedeutet, dass das Auto eigene Entscheidungen trifft und komplett ohne das Eingreifen des Fahrers auskommt. Wir bei Audi konzentrieren uns aber auf das pilotierte Fahren. Das heißt, das Auto übernimmt unter bestimmten Bedingungen und im Rahmen einer bestimmten Zeitspanne die Steuerung. Der Fahrer muss aber jederzeit bereit sein, wieder aktiv zu werden.

 

Funktioniert pilotiertes Fahren auch zum Beispiel mitten in der Wüste, fernab von Funknetzen oder einer Internetverbindung?

Grundsätzlich benötigt unser System keinerlei externe Informationen, um sicher vorwärtszukommen. Allerdings funktioniert es nur in einer Umgebung, auf die es seitens des Herstellers vorbereitet ist. Das bedeutet: Ein System, das für die Autobahn entwickelt wurde, funktioniert auch nur auf einer Autobahn. Ansonsten lässt es sich nicht
aktivieren.

 

Könnte ein pilotierter Rennwagen einen manuell gesteuerten Rennwagen schlagen?
Unser Ziel ist es, minimal unter dem Limit zu bleiben. Wir entwickeln eine Technologie für den Serieneinsatz. Neben Komfort steht dabei die Sicherheit für uns an erster Stelle.
 

Laura Hamdorf (Text), Angus Frazer (Interviews)

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