Audi Aicon


The highest level

Die Vision Audi AICON ist ein Technologie-Statement. Es lautet: Zukunft, mach dich bereit!
 

Text: Patrick Morda, CGI/Postproduction: RECOM

 

Die Libelle ist einer der effizientesten und effektivsten Jäger der Tierwelt. Denn sie ist in der Lage, Bewegungen ihres Ziels teilweise vorherzusagen, und kann so die Verfolgung aufrechterhalten. Sogar dann, wenn besagtes Ziel zwischenzeitlich außer Sicht gerät. Die Libelle schaltet bei der Jagd in eine Art Autopilot, instinktiv selektiert oder wechselt sie auch mal das erfolgversprechendste Ziel. Verantwortlich dafür sind die sogenannten CSTMD1-Neuronen. Wissenschaftler der universitären Adelaide Medical School in Australien haben sich nun vorgenommen, von der Libelle zu lernen, um das autonome Fahren der Zukunft sicherer und komfortabler gestalten zu können. Der Zusammenhang mit der Mobilität der Zukunft ist also folgender: Wenn eines Tages Autos völlig autonom fahren und dank künstlicher Intelligenz unabhängig vom Passagier entscheiden, muss sichergestellt sein, dass aus einer Flut von Informationen heraus die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment getroffen werden.

Das alles klingt sehr weit weg, und ja, das Auto und sein Fahrer werden in dieser Zukunft völlig neue Rollen einnehmen. Technisch gesprochen befinden wir uns dann auf Level 5 der für das automatisierte Fahren gesetzten Skala. Von Level 0 bis Level 5 tritt die aktive Rolle des Menschen alias Fahrers mehr und mehr in den Hintergrund. Spricht man von Level 0, meint man aus heutiger Sicht praktisch die jüngere Vergangenheit, wohingegen man mit Level 5 die fernere Zukunft beschreibt. Gerade jetzt befinden wir uns an der Schwelle von Level 2 zu Level 3. Faktisch stellt das höchste Level einen nur theoretisch erreichbaren Idealzustand des autonomen Fahrens dar. Der auch nicht allein durch die Automobilhersteller erreicht werden könnte. Dann nämlich geht es um die maximale Vernetzung und Steuerung aller Verkehrsräume. Für Audi steht deshalb in der Praxis im Fokus, die Einsatzbereiche und nutzbaren Situationen für die Level 3 und 4 konsequent und schnell zu erweitern, um mehr Freiheit und nutzbare Zeit zu ermöglichen.

Und doch gehen die Gedanken weiter. Denn die Vision, eines Tages Mobilität passiv – als Passagier – und gleichzeitig maximal aktiv zu erleben, die Zeit, um von A nach B zu kommen, völlig unabhängig vom Verkehrsgeschehen zu nutzen, ist verlockend. Komfort, Effizienz und Individualität würden dann auf eine neue Stufe gehoben. Das Auto, der Raum Auto, wird zu einem weiteren Lebensraum.

Die gegenläufig angeschlagenen Türen eröffnen den Eintritt in eine Art Kommando-Wohlfühlzentrale. Ruhige, weite Flächen anstelle von Lenkrad und Armaturenbrett umrahmen die Sessel. Automatisch mitwandernde Bedien-Interfaces in den Türinnenflächen dienen der Steuerung von Infotainment und Kommunikation.
Die gläsernen Dachflächen können das Tageslicht gänzlich aussperren. Integrierte Leuchtelemente erlauben zusätzlich gezielte Lichtstimmungen oder – etwa beim Ein- und Aussteigen – eine gleichmäßige Ausleuchtung des Innenraums.

Aus Sicht von Audi heißt die Grundlage und Ausgangsbasis für diese Vision Audi AI. Unter dem Label werden innovative Systeme und Technologien gebündelt, die in Zukunft eine immer stärkere elektronisch fundierte Intelligenz aufweisen. Die Idee ist, wenn die eigentliche Fahraufgabe mehr und mehr in den Hintergrund rückt, das Fahrzeug zum empathischen Begleiter zu entwickeln. Es unterstützt in Zukunft individuell, nimmt proaktiv unerwünschte Aufgaben ab. Es lernt seinen Nutzer kennen und antizipiert seine Bedürfnisse. Zudem schafft Audi AI neue Freiräume, indem es die Komplexität im Umgang mit dem Automobil und den anderen Verkehrsteilnehmern reduziert. Auch verschiedenen Elementen der künstlichen Intelligenz kommt dabei eine tragende Rolle zu – sowohl bei der Entwicklung neuer intelligenter, empathischer Systeme als auch während ihrer späteren Nutzung.

Schon heute werden in jedem modernen Fahrzeug Unmengen von Daten erfasst. In Zukunft wird es vor allem darum gehen, diese immer weiter steigenden Datenmengen noch schneller zu verarbeiten, mit den Daten anderer Verkehrsteilnehmer abzugleichen und gemeinsam zu nutzen.

Ein wenig wie die Libelle könnte ein Fahrzeug dann in die Zukunft blicken – rund 10 Sekunden sollen eines Tages möglich sein. Durch Audi AI könnten Automobile künftig sowohl die Verkehrssituation als auch die Wünsche des Menschen antizipieren.

Nun hat die Libelle folgenden Vorzug: sie ist real, hat Millionen Jahre Evolution hinter sich. Die Vision von Audi, wie Level-5-Mobilität einst aussehen und funktionieren kann, ist recht neu und hat die Entwicklung noch vor sich. Einen Namen hat sie aber bereits: Audi AICON. Sie ist Designstudie, Technikträger, Mobilitätskonzept in einem.

Der viertürige 2+2-Sitzer wagt in Sachen Exterieur und Interieurdesign einen weiteren Sprung in die Formgebung der nächsten Jahrzehnte, als Technikträger zeigt er, wie weit unter anderem Antrieb, Fahrwerk und Digitalisierung gedacht werden können. Als Mobilitätskonzept skizziert die Studie, wie Individualverkehr ohne Lenkrad und Pedalerie funktionieren könnte. Der Innenraum, besser gesagt die Abwesenheit von bekannten Strukturen darin, ist es auch, was am ehesten deutlich macht, wie individuelle Premium- Mobilität in den kommenden Dekaden funktionieren kann. Die gegenläufig, vorn und hinten angeschlagenen Türen eröffnen den Passagieren den Eintritt in eine Art Kommando-Wohlfühlzentrale, wobei Kommando sich vor allem darauf bezieht, dass der Audi AICON die Informationen zum Beispiel über Ziel und gewünschte Route vermittelt bekommt.

Audi AI macht das Auto mehr und mehr zur persönlichen Wohlfühloase

Geht man davon aus, dass er ohnehin Teil eines persönlichen, digitalen Ökosystems ist, könnte er selbst das aus den gelernten Erfahrungen heraus vorschlagen. Man nimmt dann nur noch Platz in bequemen, beweglichen beziehungsweise drehbaren Sesseln und erlebt sehr komfortabel den viel zitierten Paradigmenwechselin der automobilen Welt. Ruhige, weite Flächen anstelle von Lenkrad, Schalthebeln, Knöpfen und Armaturenbrett. Klimaanlage, Sitzeinstellung und das Layout des Infotainment-Systems passen sich den Passagieren an. Automatisch mitwandernde Bedien-Interfaces in den Türinnenfl ächen dienen der Steuerung von Infotainment und Kommunikation. Neben der manuellen Ebene gibt es Sprachbedienung und Eye-Tracking, um dem Audi AICON Wünsche und Befehle zu übermitteln.

3.468 mm Radstand zeugen von Weite und Raum im Interieur. Der Schwung der Dachlinie mit sanftem Abfall in Richtung Heck erinnert gleichzeitig an zeitgenössische Sportwagen- und Coupé-Proportionen. Die signifikant ausgestellten Radhäuser betonen die quattro Gene. Dank eines im Konzept vorgesehenen Hochvolt-Systems mit 800 Volt Spannung lässt sich der Audi AICON in weniger als 30 Minuten auf 80 Prozent seiner Kapazität laden.

Für den Vortrieb ist elektrische Energie vorgesehen, die dank eines neuen Effizienzkonzepts zugunsten von Dynamik und Reichweite eingesetzt würde. Insgesamt vier Elektromotoren sind im Bereich von Vorder- und Hinterachse platziert. Die Festkörperbatterien, die über die dreifache Energiekapazität heutiger Lithium-Ionen-Akkus verfügen könnten, sind im Unterflurbereich integriert. Insgesamt mobilisieren die vier Elektromotoren, je einer pro Rad, 260 kW und 1.100 Newtonmeter. Audi quattro, das verraten schon die markant ausmodellierten Radhäuser des Audi AICON, ist selbstverständlich auch an Bord. Rekuperation, intelligente Betriebsstrategie, gezielter Leichtbau und eine ausgefeilte Aerodynamik sollen Reichweiten von über 800 Kilometern möglich machen. Denn der Audi AICON soll nicht nur intelligentes Mobilitätskonzept fernab aller Roboter-Taxi-Ideen in der Stadt der Zukunft sein. Auch der traditionelle Roadtrip kann völlig neu erlebt werden. Hier schließt sich dann der – bleiben wir im Bild – Rundflug zur Libelle. Die ist nicht nur ein exzellenter Jäger, sondern im Reich der Insekten auch Meister des Langstreckenflugs.