Inspiration Zukunft:

DJ Richie Hawtin im Interview.

Seine ersten Gehversuche als DJ unternahm Richie Hawtin bereits im Alter von 17 Jahren. Schon damals war es die Neugier, das Gespür für das nächste große Ding, die ihn in die Techno-Clubsvon Detroit führten. Diese Neugier hat er bis heute nicht verloren.

Alex de Brabant, Jordi Cerveira (Fotos)

Richard „Richie“ Hawtin ist DJ, Pionier der elektronischen Musik, Labelinhaber und Eventmanager in einer Person.

Hawtin sieht Musik und Technologie als eine Möglichkeit, Menschen miteinander zu verbinden. Sie zusammenzubringen. Der gebürtige Brite hat dafür Techno als Bindeglied gewählt. Treibende Beats anzusehen als eine Art Umarmung des Künstlers. Hawtin bewegt die Massen. Viel lieber im kleinen als im großen Stil. Ausgelassen, manchmal sogar ekstatisch. Über die Jahre hat sich Hawtin immer wieder neu erfunden – seine Musik, seinen Look, sein Lebensumfeld. Hawtin hat die Geburtsstunden des Techno in Detroit live miterlebt. Umso wichtiger ist ihm die Zukunft.

Erzählen Sie mal, Herr Hawtin ...

... wo hat das alles angefangen: Sie und die Musik, der Techno?

Ich erinnere mich an die Schuldiscos in meiner Jugend. Auf dem Basketballplatz, wo wir tagsüber Sport trieben, wurde das Licht heruntergefahren, und es fanden Discopartys statt – so nannte man das damals. Mich haben die tanzenden Leute und die technischen Aspekte der Beleuchtung unheimlich fasziniert. Das Licht und die ganze Stimmung, das hatte was. Es ging darum, Menschen miteinander zu verbinden.

Viele haben so etwas erlebt, aber nur die wenigsten sind heute erfolgreiche Musiker.

Wichtig war das Gesamterlebnis und wie die Musik den Rahmen dafür vorgab. Heute versuche ich genau das: Menschen miteinander zu verbinden, mittels Technologie und Musik. Es ist ein bisschen so, als würde man sie quer durch alle Frequenzen umarmen. Ich liebe es, Menschen neue Erfahrungen zu ermöglichen.

Wie wurde aus dem Highschool-Teenager der DJ Richie Hawtin?

Als Jugendlicher war ich gern unter Menschen, aber ich stand nicht gern im Rampenlicht. Das ist auch etwas anderes, sich vor hundert Leuten hinzustellen und irgendwas zu erzählen oder vorzuführen, das war nie mein Ding. Aber wenn ich einen Haufen Menschen um mich herum hatte, habe ich mich wohlgefühlt. Je mehr ich dann auf die Musikschiene gelangt bin, desto mehr Lust hatte ich aufzutreten. Ich wollte etwas tun. Mit fünfzehn wäre das nichts für mich gewesen, da hätte ich mich eher in einer Ecke verkrochen. Aber die Musik war so sehr Teil von mir, dass sie wohl irgendwie herauswollte. 

Richie Hawtin

Geboren in England, aufgewachsen in Kanada. Zum Star geworden in Detroit, New York und Berlin: Richie Hawtin hat mit seinen mittlerweile 46 Jahren in jedem großen Techno-Club der Welt aufgelegt. Heute gehört seine Leidenschaft nicht nur den Plattentellern, sondern er engagiert sich auch für soziale Projekte wie „Bridges for Music“, einer Organisation, die sich für soziales Gleichgewicht einsetzt. Und tüftelt an neuem Equipment beispielsweise dem Model1 von PLAYdifferently, dem Mixer der Zukunft.

Und es musste unbedingt elektronische Musik sein?

Ich hatte irgendwann richtig viele Platten mit elektronischer Musik, und meine Freunde fanden die Musik toll. Wir feierten dann oft kleine Partys bei mir, vielleicht fünf Kumpels und ich. Aber wir dachten: Hey, wir sind da etwas Größerem auf der Spur, das müssen mehr Leute hören. Also haben wir mehr Leute eingeladen und die Alben gespielt. Ich hatte die Platten, also war ich der Mittelpunkt des Ganzen, und so fing schließlich alles an.

Also weniger der große Plan als, sagen wir, Neugier?

Es ergab sich einfach. Wenn Sie mich jetzt fragen würden, ob ich unbedingt DJ werden wollte – weil man dann auf großen Bühnen steht und Tausende von Menschen zu seinen Beats tanzen lässt –, dann wäre die Antwort wohl Nein. Aber Neugier nehme ich für mich durchaus in Anspruch.

Inwiefern?

Einen Schritt voraus zu sein, ist für mich wirklich der Schlüssel zu allem, was mich interessiert. Ich bin immer auf der Suche nach dem nächsten großen Ding – dem nächsten Buch, der nächsten Musikrichtung, dem nächsten Modetrend sogar. Ich suche und probiere aus. So bin ich zu Techno und elektronischer Musik gekommen, denn genau das macht sie aus: Sie ist progressiv, will Grenzen verschieben und neue Impulse geben. Sie hilft mir dabei, mir ein kindliches Lebensgefühl zu bewahren. Genau wie damals vor 25 Jahren frage ich mich immerzu: Was kommt als Nächstes? Wohin geht die Reise?

Helfen Ihnen Technologie und neues Equipment dabei, diesen Weg zu gehen?

Technologie hat einen ganz grundlegenden Einfluss auf meine Arbeit. Die Leute fragen mich oft, ob ich eher Künstler oder Musiker bin. Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei – die Musik oder die  Technologie? Das kann ich nicht beantworten. Inzwischen wechsle ich zwischen beiden ständig hin und her, sie geben sich gegenseitig Impulse. Mit neuem Equipment oder einer neuen Software kann ich auf einmal eine musikalische Idee verfolgen, die ohne das neue „Instrument“ nicht umsetzbar gewesen wäre. Dieses Zusammenwirken macht Spaß, beide Aspekte befruchten sich gegenseitig. Und wenn ich an meine Anfänge zurückdenke: Damals waren die Mittel wirklich noch bescheidener als die heutigen Möglichkeiten und das, was mich heute ausmacht.

Audi_OOOO_rama

Mit Audi_OOOO_rama stellt Audi eine Plattform zur Verfügung, auf der
Innovatoren und Pioniere gemeinsam die Zukunft der Musik erkunden und die Parallelen zwischen der Musik und der Automobilindustrie diskutieren. Audi_OOOO_rama unterstützt und fördert den Dialog zwischen progressiven Köpfen, Technologie-Pionieren und Innovatoren des Musikbusiness.

Bei Audi_OOOO_rama dreht sich alles um die Zukunft, um Musik und damit um Menschen. Wie sieht Ihre Vision aus?

In der Zukunft, so wie ich sie mir vorstelle, können sich die Menschen frei bewegen. In dieser Zukunft geht es darum, Grenzen und Kulturen zu überschreiten, es geht um gegenseitiges Verständnis und darum, die Welt durch die Augen von anderen zu sehen und andere Sichtweisen zu respektieren. Technologie ist hier ein verbindendes Element. Wenn diese Vision endlich Wirklichkeit wird und jeder Mensch auf der Welt so leben kann – das wäre dann die Zukunft, in der ich gerne leben möchte.

Noch auf ein Wort, Herr Hawtin.

Markenzeichen?

Ästhetik.

 

Inspiration?

Zukunft.

 

Lieblingssong?

Amenity, Global Communication/Link.

 

Pseudonym?

Plastikman.

 

Leidenschaft?

Abenteuer.

Empfehlungen der Redaktion