R O D E O.

D R I V E.

Das Gatter fliegt auf, und das Rodeopferd kommt herausgeschossen. „Shoot“ nennt sich dieser Moment treffenderweise. Und er markiert die erste von acht Sekunden Höllenkommando, das man „Bareback Bronc Riding“, also Reiten ohne Sattel auf einem ungezähmten Mustang, nennt. Acht Sekunden. In diesen paar Wimpernschlägen schafft es ein Bronco im Schnitt, 13- bis 14-mal zu buckeln.

Das rund 1.200 Pfund schwere Tier setzt alles daran, den Reiter, der sich nur mit einer Hand an einem Griff namens „leather riggin“ festhält, in die Arena zu werfen. Es geht um das Beherrschen von Kräften, die ihresgleichen suchen. Bei maximalem Verletzungsrisiko. Rodeo gilt als der gefährlichste Sport der Welt. Wobei beim Rodeo zwischen sieben verschiedenen Disziplinen unterschieden werden muss. „Bareback Bronc Riding“ und „Bareback Bull Riding“ sind die Kamikaze-Disziplinen. Für die Männer ohne Angst. Ob dabei Bulle oder Mustang als Königsdisziplin gelten, das liegt im Auge des Betrachters. Fragt man einen alten Hasen wie Johnny Hammond, Rodeo-Organisator, Cowboy und ehemaliger Rodeoreiter, antwortet dieser ohne zu zögern: „Auf jeden Fall das Pferd. Broncos sind schneller. Die Dynamik ist unglaublich!

Das Pferd muss so schnell, hoch und wild wie möglich buckeln. „Die Pferde werden den Reitern zugelost. Zwei, drei Stunden vor dem Start gehen die Cowboys ins Rodeobüro und erfahren auf einer Liste, mit welchem Pferd sie es zu tun haben. Jeder Cowboy hofft auf ein möglichst wildes Pferd, denn damit macht man am meisten Punkte“, erklärt Johnny Hammond während des North Texas Fair & Rodeo in Denton.

Punkte braucht man, um Preisgeld zu gewinnen, um überhaupt etwas mit diesem wahnsinnigen Sport zu verdienen. Ein Rodeo-Cowboy muss sein Startgeld für jedes Event selbst bezahlen. Nur um am Ende einer langen Rodeosaison vielleicht am großen Finale in Las Vegas teilnehmen zu können, wo die hohen Siegprämien und Sponsorengelder winken. Sowohl Reiter als auch Pferd können jeweils bis zu 50 Punkte erreichen.

Je härter das Pferd buckelt, desto mehr Punkte kriegt der Cowboy, denn seine Performance und die des Pferdes werden zusammengerechnet. Je härter das Pferd buckelt, desto größer ist aber auch die Chance, dass der Cowboy die acht Sekunden bis zum Buzzer gar nicht durchsteht. In dieser Ambivalenz liegt, wenn man so will, der Reiz des Sports, der in Nordamerika 35 Millionen Fans hat. Die Performance des Cowboys wird daran gemessen, ob und wie er sich nur mit einer Hand festhält. Die andere Hand darf nie das Pferd oder sich selbst berühren, die Stiefel müssen stets oberhalb der Schulter des Pferdes sein, und natürlich muss der Cowboy mindestens acht Sekunden auf dem Pferd bleiben. Sonst gibt’s gar nichts. Keine Punkte. Kein Geld.

„Rodeo ist ein Sport des Willens. Hast du den Willen und die Kraft, deine Angst zu überwinden? Deine Angst davor, dich zu verletzen, die Angst vor diesem starken, wilden Wesen, das dir physisch so überlegen ist. Der Rodeoreiter muss einen Rhythmus mit dem Pferd finden. Er kann das Tier nicht reiten oder zähmen, er kann nur versuchen, eins mit der Kraft und der Bewegung zu werden. Jeder Ritt ist eine Herausforderung“, sagt Allan Watt, Rodeo Judge und Besitzer der Oak Meadow Ranch in Valley View, Texas. Allan ist einer der Juroren, die die Punkte vergeben, für die der Rodeoreiter aufs Pferd steigt.

Um ihn von dort im besten Falle wieder sicher runterzuholen, gibt es die „Pickup Men“. Das sind nervenstarke, erfahrene Cowboys auf gut ausgebildeten und athletischen Pferden. Die Pickup Men klauben die Cowboys vom buckelnden Bronco, nachdem der Buzzer das Ende der acht Sekunden markiert hat. Sie setzen den Rodeoreiter ab, „fangen“ den Bronco oder auch den Bullen ein und treiben ihn aus der Arena ins Gatter zurück. Ihr Blick aufs Pferd ist naturgemäß ein anderer. Angst kennen sie nicht. „Ich kann ein Pferd mit meinem Blick niederzwingen“, erklärt James Hajek, und man zögert keine Sekunde, ihm das zu glauben. Die Pferde, mit denen er arbeitet, hat er selbst ausgebildet. Dass sein Lieblingspferd ein ganz besonderes ist, hat er sofort erkannt. „Es ist stark und schlau. Es hat sich von Anfang an geweigert zu buckeln.“

 

Cowboy und Rodeoreiter Logan Patterson auf „Wild West“.

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