Der Zeitreisende

Exterieur-Designer Jason Battersby



Der 32-jährige Exterieur-Designer Jason Battersby lebt seine Aufgabe im Design Center in Ingolstadt – und brennt für Star Wars. In einer viermonatigen Prozedur interpretierte er in seiner Freizeit das Sternjäger-Modell Tie Fighter für sich neu. Seine Wahlheimat München bot Battersby die nötige Inspiration – und Audi genügend Freiraum. 

Die Augen fliegen durch Raum und Zeit, vorbei an einer Glasvitrine, in der handgefertigte Fahrzeugmodelle und automobile Emailleschilder stehen. Auf einem Schild feiert die Auto Union Bernd Rosemeyers Weltrekord im Silberpfeil. Über 400 km/h erreicht der Typ C Stromlinien-Rennwagen 1937 auf der Autobahn zwischen Frankfurt am Main und Darmstadt. Der Bolide war schon damals ein überaus futuristischer Entwurf, der in der Wirklichkeit für Furore sorgte. Neben der Vitrine steht ein kleines Bücherregal, das uns in die Zukunft zieht. Titel wie The Dark Knight Trilogy, Batmobile – The complete history, The Art of Star Wars oder The Illustrated Star Wars Universe stehen dicht an dicht. Am Ende der Buchreihe stützt ein Band von Shakespeares Dramen die Werke aus der Neuzeit. Schnell wird klar, der Herr des Hauses muss ein leidenschaftlicher Zeitreisender sein. Einer, der die Vergangenheit in Ehren hält und die Zukunft denkt – und sie sich darüberhinaus allzu gern ausmalt.

Für Morgen im Jetzt

Jason Battersby sitzt am Ende des Raumes versunken vor seinem Schreibtisch. Auf dem Computerbildschirm liegt ein Flugobjekt, dass den kundigen Betrachter an ein Fluggerät aus der Star Wars-Reihe erinnert - den Tie Fighter. Mit seiner ganz persönlichen Neuinterpretation hat dieses futuristischen Flugobjektes der Designer seine Freizeit der letzten vier Monate verbracht. In dieser Zeit widmete sich Battersby dem Sternenjäger und interpretierte ihn neu. Der gebürtige Kanadier kreiert für sein Leben gern. So oft seine Zeit es zulässt, wirkt der 32-jährige Exterieur-Designer entweder am heimischen Computer oder lässt sich durch das pulsierende München treiben. Unter dem Arm stets mit dabei: sein Sketchbook.

Die Pinakothek der Moderne oder der Skate- und Surfshop Santoloco, der im Innern ein kultiges Café beherbergt sind Orte, die Battersby anziehen – und ihn aufladen, erzählt er auf dem Weg dorthin. „Die Sammlung der Pinakothek ist wirklich einzigartig. Die internationale Vielfalt beeindruckt mich jedes Mal. Die Audi Design Wall muss man auch unbedingt mal gesehen haben!“ erzählt er begeistert. 1763 Audi-Urmodelle aus Aluminium im Maßstab 1:18 haften senkrecht an einer Wand und demonstrieren eindrucksvoll die DNA des Unternehmens: Leichtbau und quattro. Während Battersby Die Neue Sammlung des Museums auf sich wirken lässt, erzählt er von Inspiration, die er nicht zwingend sucht, sondern die ihn findet. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass meine Kollegen offen für alles abseits von Automobilen sind. Und dass uns dafür genügend Freiraum eingeräumt wird.

Wir tauschen uns oft untereinander aus und letztendlich profitiert unsere tägliche Arbeit von den privaten Leidenschaften eines jeden Einzelnen. Jeder bringt etwas aus seiner Welt mit und gemeinsam machen wir dann die eine oder andere Idee vielleicht noch ein Stück besser. Das Design Center ist ein Think Tank par excellence“, so Battersby.
Plötzlich zückt er sein Sketchbook und schaut hoch zur runden Dachkuppel des Museums, die ihn stark an die Kapsel des Tie Fighters erinnert. Battersby setzt sich auf den Boden und führt seinen Bleistift über das weiße Papier. Immer wieder richtet er seinen Blick an den Himmel der Pinakothek. Seine Affinität für Star Wars rührt – wie bei so vielen – von den Kindertagen her. Doch Jason Battersbys Blick auf den  Blockbuster von George Lucas war von Anfang an ein anderer. Während übliche Star Wars-Fans mit dem einen oder anderen Charakter sympathisieren oder der nächsten Laserschwert-Schlacht entgegenfiebern, liegen Battersbys Augen vornehmlich auf der modellierten Landschaft und den konzipierten Flugkörpern. Er liebt die Materie des Weltraumspektakels, dessen achter Teil, Die letzten Jedi, in diesen Tagen in den Kinos Deutschlandpremiere hat. Natürlich hat Battersby schon zwei Tickets, die bereits nach zwei Tagen ausverkauft waren.

Das Design Center ist ein Think Tank par excellance

„Besonders die frühen Folgen, Die dunkle Bedrohung oder Angriff der Klonkrieger haben es mir angetan. Ich liebe die aufwendige Handarbeit des Films, die handgemachten Modelle – man spürt die Leidenschaft der Filmcrew bis in jedes Details, einfach großartig!“ sagt Battersby begeistert, während er zur Dachkuppel der Pinakothek schaut.

Die viermonatige Prozedur an seiner persönlichen Interpretation des Tie Fighter perfektionierten Battersbys Skills am Computer. Vom polygonalen Modellieren bis hin zum Rendering: das Ding aus dem All gab auch Battersby den letzten Schliff. „Du kannst nicht zukünftiges Design denken ohne nach Rechts oder Links zu schauen. Es kommt alles zusammen.“ erklärt Battersby.

„Der Spirit unter den Kollegen und der Zusammenhalt bei Audi ist einzigartig. Ich bin natürlich nicht der einzige Fan von Star Wars, so konnte ich auch abseits der Arbeit die Entwürfe meiner Neuinterpretation des Tie Fighters besprechen – und in strahlende Augen blicken“ lächelt der Pilot seines Projekts.

Wann dürfen wir
Sie wecken, Herr Battersby?
Wie wärs im Jahr 2117?

Battersby studierte unter anderem am Umea Institut für Design in Schweden als Audi auf ihn aufmerksam wurde. Für seine Master-Thesis schuf Battersby einen Cultural Achievement Award in Form eines futuristischen Audi-Modells. Der mutige Entwurf sicherte ihm ein One-Way-Ticket in das Konzept Design Team. Es folgten ein Praktikum, in dem Battersby sogar einen Sessel namens Luft kreierte, sowie an der Entwicklung des Audi eBike mit dem Namen Wörthersee maßgeblich beteiligt war. „Der tägliche Umgang mit progressivem Design und dass ich mich ganz offiziell von Ingolstadt aus regelmäßig in die Zukunft beamen darf, im Auftrag von Audi, das ist ein echtes Geschenk“, so Battersby. „Wenn ich mir aussuchen könnte, wann mein Wecker das nächste Mal klingelt, würde ich gern morgen in 100 Jahren einmal aufwachen.

Audi wäre sicher komplexer als es heute ist. Natürlich wären da noch die Automobile, vielleicht fliegen wir ja auch, so wie bei Star Wars... Darüberhinaus wäre Audi sicher eine Marke, die dem Menschen hilft weiterhin mobil zu sein, ob nun autonom oder nicht, aber sicher auch dann eine Lösung hat, wenn es gar nicht direkt um Audi geht.“ philosophiert der Exterieur-Designer – und reist weiter durch die Kuppel der Pinakothek in Richtung Morgen.

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