Digitaler Vertrieb


Die Poesie der Daten

Ein Gespräch mit Ilka Bewerunge, IT-Expertin



Mit dem digitalen Schauraum Audi City hat das Unternehmen den Automobilvertrieb mitten in die Herzen der großen Metropolen geholt. In futuristischen Cyberstores können Kunden hier ihre individuell konfigurierten Wunsch-Autos in Echtgröße und Echtzeit dort erleben, wo sonst nur Kleidungsgeschäfte und Cafés zum Verweilen einladen. Möglich ist das dank schnellster Datenübertragung, intelligenter Cloud-Lösungen und Expertinnen wie Ilka Bewerunge, die im gesamten Prozess die Strippen zieht. Als Dirigentin von Millionen Informationen schickt sie die benötigten Daten weltweit an die Standorte der Audi City.

 

Frau Bewerunge, Sie haben nach dem Abitur amerikanische Literaturwissenschaft studiert, jetzt arbeiten Sie als IT-Expertin bei Audi. Wie kam es dazu?

Ich hatte im Nebenfach Wirtschaftsinformatik und als Studentin einen Job bei einem IT-Dienstleister. Man könnte vielleicht sagen, dass ich da so reingerutscht bin. Aber programmieren hat mir sofort sehr viel Spaß gemacht.

Sprache und IT, das klingt erst einmal gegensätzlich. Gibt es da Parallelen?

Ja, durchaus. Wer programmiert, muss ja auch eine Sprache lernen. Man muss Vokabeln pauken und diese benutzen. Ich habe damals mit Makros angefangen und war überrascht, dass ich mit nur einem Code ganz viel auf einmal erledigen kann. Ich kann damit zehn Dokumente füllen, das fand ich sehr beeindruckend. Auch das Thema Datenspeicherung fand ich spannend.

Sie haben zehn Jahre als Entwicklerin gearbeitet, welche Fähigkeiten braucht man da?

Neben Vokabeln lernen muss man Zusammenhänge gut verstehen können. Einen gut strukturierten Programmiercode mit verschiedenen Abhängigkeiten zu schreiben, das ist schon sehr komplex.

Programmieren Sie als Projektleiterin noch?

Nein, dafür ist leider keine Zeit. Aber ich profitiere sehr von meiner Erfahrung. Man muss nicht programmieren können, um meinen Job zu machen, aber es muss ein Grundverständnis da sein. Wenn mir jemand sagt, da ist eine XML-Schnittstelle, die nicht programmiert ist oder nicht funktioniert, dann weiß ich genau, was das Problem ist. So kann ich den Kollegen sagen, an wen sie sich wenden können. Reines Projektmanagement ohne technisches Verständnis, das ginge einfach nicht.

Frauen sind nach wie vor rar in der IT. Welche Erfahrungen machen Sie in einem Team, in dem fast nur Männer arbeiten?

Wichtig sind heute weniger das Geschlecht als Kompetenz und Erfahrung. Mit Fachinformatikern, Medientechnikern, Linux- und Windowsexperten und vielen mehr sind wir sehr vielseitig aufgestellt. Wir profitieren hier auch von den unterschiedlichen Charakteren und Eigenschaften der Kollegen. Ich nehme meistens schnell die Rolle der Pragmatikerin ein und packe gerne mit an.

Wie verändert Ihr Job den Verkauf von Autos?

Ein wichtiges Schlagwort ist Individualisierung. Ein Händler kann nicht alle Modelle in allen erdenklichen Konfigurationen ausstellen. Das ändert sich mit den Audi Citys. Jeder kann sich seinen Neuwagen individuell konfigurieren und in Originalgröße auf riesigen Videowänden ansehen.

Wie nutzen Sie dabei Virtual Reality (VR)?

Mit den VR-Brillen können sich Kunden in Zukunft  auf den Fahrersitz beamen, um das Auto herumgehen oder den Motor inspizieren. Mein Job ist es dabei, für den Betrieb der Audi-City-Standorte zu sorgen. Dazu gehört, dass die Händler mit den aktuellen Daten versorgt werden, damit unsere neuen Fahrzeuge auch abbildbar sind.

Wo liegen da die Herausforderungen für die IT?

Ich koordiniere ein Team vor Ort und externe Dienstleister. Wir müssen gewährleisten, dass das große Datenpaket aus Ingolstadt in allen Audi City-Standorten Paris, Berlin, London, Peking, Istanbul  oder Moskau sowie bei den Schauräumen weltweit ankommt. Die Hardware muss laufen, die Händler brauchen immer die aktuellste Software und die aktuellen Autodaten. Darüber hinaus wollen wir bis Ende des Jahres bereits 200 klassische Autohäuser mit digitalen Modulen aus der Audi City ausgestattet haben.

Wie leicht lässt sich Virtual Reality (VR) in den Audi Citys integrieren?

Das Thema Virtual Reality entwickelt sich gerade rasend schnell. Audi hat bereits im vergangenen Jahr eine vollintegrierte VR-Lösung für den Autokauf vorgestellt und in ersten Pilothändlern getestet. Aktuell bereiten wir uns darauf vor, VR als weiteres digitales Tool an den Start zu bringen.

Die IT prüft die Betriebsfähigkeit von diesen Visionen?

Genau. Die IT muss garantieren, dass das Zusammenspiel mit allen anderen Komponenten funktioniert. Bei der Integration von VR wussten wir anfangs gar nicht, wie diese Komponente im System reagiert. Da müssen wir alle im Team brainstormen, was auf uns zukommt und wie wir mit möglichen Hindernissen umgehen.

Bringen Frauen bei solchen Projekten besondere Kompetenzen ein?

Ich denke schon. Frauen achten eher auf Details, sie behalten dabei den Überblick. Was hilft, ist, während der Meetings gut zuzuhören.

Sie nutzen die Cloud, um Ihre Daten zu verteilen. Wo stehen die Rechenzentren?

Es gibt ein zentrales Cloud-Datenzentrum in Europa. Dort laden wir unsere Daten hoch. Der Anbieter stellt eine entsprechende Infrastruktur zur Verfügung, sodass alle Stationen, die mit uns verbunden sind, sternförmig und gleichzeitig mit Daten versorgt werden.

Wie profitieren Sie von Cloud-Services?

Wir nutzen sie, um die Datenbandbreite und das Datenvolumen entsprechend zur Verfügung zu haben. Aber genau diese Bandbreite brauchen wir nicht immer, wir können flexibel darauf zurückgreifen. So sparen wir Kosten, denn wenn wir keine Daten ausrollen, benötigen wir auch kein Transfervolumen. Die Herausforderung ist die Gleichzeitigkeit und die Geschwindigkeit, mit der wir Updates ausrollen.

Nach der Audi City: Was ist Ihr nächster Schritt?

Mein nächstes großes Projekt ist es, den Ausbau und die Nutzung von Cloud-Service zu vertiefen. Konkret möchten wir in Zukunft die Geschäftsprozesse bei den Händlern digital unterstützen und damit die tägliche Arbeit in der Kundenbetreuung extrem vereinfachen. Insgesamt ist Digitalisierung innerhalb der Autobranche ist ein sehr spannendes Themen. Ich sehe mich zukünftig weiterhin in Rollen, die die Umsetzung dieser Themen unterstützen.

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