Shenzhen

Audi Vorstand unterwegs in China

Elektromobilität, autonomes Fahren, digitale Services: Die Zukunft des Autos entscheidet sich in China. Audi CFO Seitz ist vor Ort.

29.10.2018 Text: Franziska Queling — Foto: Jens Passoth Talking Business

China treibt Zukunftsthemen auf ein neues Niveau

Kopieren war gestern. Intellectual Property made in China ist der neue Zeitgeist. Machen, Neues schaffen, gestalten. Besonders hier in Shenzhen, dem chinesischen Palo Alto, sprüht es überall vor kreativer Energie. Einer Energie, die Konzerne wie Tencent, BYD oder Huawei groß gemacht hat. Wir begleiten Audi CFO Alexander Seitz vor Ort. In seiner Verantwortung liegt seit September 2018 die strategische Weiterentwicklung des Chinageschäfts.

Shenzhen ist wirklich einzigartig, was Innovationen angeht.

Alexander Seitz, Vorstand Finanz, China, Compliance und Integrität

Vision allein reicht nicht. Die Chinesen sind Macher. Sie packen an, und in Vernetzungsmetropolen wie Shenzhen bekommen sie ihre Ideen auch zu fassen. Wie Medien berichten, haben chinesische Start-ups im zweiten Quartal 2018 erstmalig mehr Wagniskapital eingesammelt als neu gegründete US-Firmen. Das Land treibt Zukunftsthemen auf ein neues Niveau. Im Bereich des digitalen Lifecycle entstehen ganz neue Geschäftsmodelle. Elektromobilität ist hier sowieso ein Schwerpunktthema. 

 

Einer dieser Orte, wo es passiert, ist der Makerspace HAX. Alexander Seitz ist zu Besuch. In den offenen Arbeitsräumen läuft er vorbei an unsortierten Kabeln und noch nicht verbauten Sensoren, Prototypen von fremd wirkenden Handys und Industrierobotern. Dazwischen Schrauben, Bohrer und Schweißgeräte zur ständigen Optimierung der Produktideen.

Seitz in Shenzhen: „Gerade hier zeigt sich die wirtschaftliche Kraft, die hinter der Lösungsorientierung der Chinesen steckt.“
Seitz in Shenzhen: „Gerade hier zeigt sich die wirtschaftliche Kraft, die hinter der Lösungsorientierung der Chinesen steckt.“
VW und Audi zu Gast im Makerspace HAX: Heizmann und Seitz sprechen mit chinesischen Tüftlern.

VW und Audi zu Gast im Makerspace HAX: Heizmann und Seitz sprechen mit chinesischen Tüftlern.

Seitz kennt sich aus in China. Fast fünf Jahre war er als First Vice President und Commercial Executive Vice President von SAIC Volkswagen in Shanghai, bevor er zu Audi wechselte. Die Rastlosigkeit der Chinesen ist er gewohnt – und weiß sie zu schätzen. Und doch lernt man in diesem Land nie aus. Besonders nicht in der aktuell so schnell tickenden Zeit. „Was mich schon immer an China fasziniert hat, ist die Zielstrebigkeit und Disziplin, mit der Dinge umgesetzt werden“, erzählt er. „Und gerade hier in Shenzhen zeigt sich die wirtschaftliche Kraft, die hinter dieser kompromisslosen Lösungsorientierung der Chinesen steckt.“ Einfach machen ist hier an der Tagesordnung. Ausprobieren, scheitern, daran wachsen und schließlich Erfolge erzielen. 

Austausch im Konzern

Auch Dr. Jochem Heizmann, VW Vorstand für den Geschäftsbereich „China“, ist zu Gast bei HAX. Seit er 2012 erster China Vorstand im VW Konzern wurde, arbeitet er eng mit Chinesen zusammen. Die besonderen Arbeitsweisen, zudem die Lust auf Austausch und auf eine ganz andere Umgebung führen ihn heute hierher in diesen pulsierenden Makerspace. Die beiden Topmanager unterhalten sich mit den chinesischen Tüftlern, die im Vorspulmodus unterwegs sind und Ideenautobahnen wie die von HAX nutzen, um zusätzlichen Speed zu bekommen. Wichtig für die Entwickler: sich hier mit den bis zu 40 internationalen Start-ups aus der ganzen Welt zu vernetzen. Andere zu unterstützen, die wie sie an der Zukunft arbeiten. Ein Monat hier gleicht dem Fortschritt von einem Jahr – im Rest der Welt.
Von der Start-up-Wiege geht es zu Meetings mit denen, die schon groß geworden sind. „Mit Tencent hatten wir heute nicht das erste Treffen mit intensivem Austausch über Herangehensweisen, Visionen und Verhandlungsinteressen“, erzählt Seitz später. Besuche bei Huawei und BYD mit weiteren Vorstandskollegen folgten. Ein Tag voller interessanter Kontakte, die inspirieren. Die Offenheit für Partnerschaften ist groß wie kaum zuvor. Das hat auch politische Hintergründe, zum Beispiel die neue Strategie der Regierung. Medien zufolge will die Volksrepublik zur führenden „Industrie-Supermacht“ aufsteigen. Das Ziel: „Intellectual Property made in China“ soll nicht mehr für billige Massenware stehen, sondern für Innovation, Qualität und Effizienz. Trotz dieser Kampfansage öffnet das neue Geschäftschancen für deutsche Unternehmen. Denn effiziente Innovationsführerschaft bedeutet auch, nicht alles selbst zu machen. Wie im Zeitraffer verflechten sich internationale Firmen der westlichen und östlichen Welt. Ob Traditionsunternehmen oder Newcomer der Digitalisierung: Shenzhen ist ein Knotenpunkt für dieses Businessnetzwerk.

Wachstum auf solidem Boden

Neben den Tech-Unternehmen stehen bei Seitz’ Reise natürlich auch Treffen mit FAW-Volkswagen in Changchun auf der Agenda. Gemeinsam hat Audi mit dem Joint Venture seit nun 30 Jahren erfolgreich in China Autos produziert und verkauft. 2017 waren es inklusive importierter Fahrzeuge fast 600.000. In den kommenden Jahren soll sich die Anzahl verkaufter Audi in China auf über eine Million erhöhen. Dazu nahm sich Audi, neben der Erweiterung auf die Zwei-Partner-Strategie, auch damit verbundene Umstrukturierungen und die Weiterentwicklung der ganzheitlichen Steuerung vor Ort vor. „Wir wollen das Chinageschäft schneller vorantreiben, aber auch das Produkt noch näher an die Bedürfnisse der Kunden dort heranbringen“, sagt Seitz. Entscheidend für den weiteren Erfolg wird auch das in den letzten 30 Jahren aufgebaute Premium-Händlernetzwerk von Audi in China sein.
Zu Besuch bei einem der wertvollsten Internetunternehmen der Welt: Tencent ist bekannt etwa für WeChat, die Super-App Chinas. Sie vereint unter anderem Funktionen, die man von Facebook und WhatsApp kennt.

Zu Besuch bei einem der wertvollsten Internetunternehmen der Welt: Tencent ist bekannt etwa für WeChat, die Super-App Chinas. Sie vereint unter anderem Funktionen, die man von Facebook und WhatsApp kennt.

Bewusst stärkt Audi daher die Technische Entwicklung vor Ort: Mit etwa 650 Mitarbeitern verdoppelt sich hier der Headcount in den kommenden fünf Jahren. Damit ist Audi China R&D das größte Entwicklungszentrum der Marke außerhalb Europas und entwickelt in allen Technologiebereichen Lösungen  – in Peking und ab 2019 auch in der chinesischen Stadt Wuxi. Warum hier? „Was Kunden in China heute wollen, ist anderen Marktbedürfnissen oft weit voraus“, erklärt Seitz. Nimmt man diese Impulse auf, so ist man bereit für die Integration in der sehr frühen Produktentstehungsphase. Außerdem nutzt Audi in seinem R&D Center Synergien im VW Konzern. Beispielsweise, um Ressourcen und Kompetenzen optimal an die Neuausrichtung zu adaptieren.

Wir wollen das Chinageschäft schneller vorantreiben, aber auch das Produkt noch näher an die Bedürfnisse der Kunden dort heranbringen.

Alexander Seitz
2017 ist China, laut der World Intellectual Property Organization, stärkster Treiber der weltweiten Steigerung von Patentanmeldungen um 8,3 Prozent. Die meisten davon in den Bereichen Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Machine Learning. Audi betreibt also vor Ort die vorausschauende Entwicklung, ganz nach der aktuellen Strategie des Unternehmens: nah am Kunden. Der immer intensiver werdende Wettbewerb mit lokalen Playern treibt die Innovationskraft im größten Einzelmarkt. „Wir wollen das Audi Produktportfolio für den Markt China attraktiv ausbauen – besonders vor dem Hintergrund der aktuell boomenden Entwicklungskultur der Chinesen und des wachsenden Angebots lokaler Player“, sagt Seitz. Das heißt, Audi erweitert: mehr China-spezifische Modelle als Langversion, größeres SUV-Angebot von über 50 Prozent, Elektrifizierung, digitale Services und neue Geschäftsmodelle. Sicher ist: Seitz kennt die Chinesen und weiß, was sie sich wünschen zu besitzen. Und wo es sich lohnt, mit Verhandlungsgeschick in der Lebenslinie von Innovationsideen aus der chinesischen Feder mitzuwachsen. Zwei Chancen für weiteres Wachstum, die Audi für sich erkennt. Und die Seitz in das Geschäft mit China aufnimmt. Für eine erfolgreiche Strategie Audi China 2025 – inklusive Audi Property und Experience. 
Shenzhen – eine boomende Metropole im Süden Chinas

Shenzhen – eine boomende Metropole im Süden Chinas

Direkt an der Grenze zu Hongkong liegt Shenzhen, das weltgrößte Manufakturzentrum und die reichste Sonderhandelszone Chinas. Zwischen zwölf und 20 Millionen Menschen leben hier, genau weiß es keiner. Das einstige Fischerdorf ist so rasant gewachsen wie keine andere Stadt. Heute ist Shenzhen der Heimathafen großer Technologiekonzerne wie Tencent oder Huawei. Unternehmen, die mit ihren vorauseilenden Technologien Wünsche und Verhalten von Kunden auf der ganzen Welt prägen.

 

Was chinesische Kunden heute wollen, ist anderen Marktbedürfnissen oft weit voraus.

Alexander Seitz, Vorstand Finanz, China, Compliance und Integrität

China ist der Schrittmacher der Autoindustrie

  • Die Premiumführerschaft wird in China entschieden. Hier duellieren sich etablierte OEMs mit neuen lokalen Playern. Daraus entstehen innovative Ideen rund um Zukunftstechnologien wie Elektroantrieb, autonomes Fahren und Digitalisierung.
  • China ist der wichtigste Markt für Audi. Das lokale Portfolio wird sich in den kommenden fünf Jahren mehr als verdoppeln. Ob Langversionen oder der Ausbau des SUV-Modellangebots, NEV-Offensive oder neues Design – alles wird schnell umgesetzt, um die Attraktivität von Audi für die chinesischen Kunden zu steigern. So bringt die Marke beispielsweise zehn neue SUV-Varianten in den Markt, von denen sechs lokal produziert werden. Außerdem kündigt Audi bis 2022 rund zehn elektrifizierte Modelle in China an, die zur Hälfte lokal produziert werden. Der Audi e-tron,  das erste vollelektrische Fahrzeug von Audi, wird 2019 auf den chinesischen Markt kommen.
  • 2017 lag der Absatz von Audi Modellen in China bei fast 600.000 Fahrzeugen, inklusive Import. In diesem Jahr lag die Auslieferungszahl bis September bereits bei 483.001, einer Steigerung von 15,4 Prozent. In den kommenden Jahren soll sich die Zahl auf über eine Million in China verkaufter Audi erhöhen. Audi knüpft damit an die langjährige Erfolgsgeschichte mit dem Joint Venture FAW-Volkswagen an, und im Rahmen der Zwei-Partner-Strategie kommt eine weitere Joint-Venture-Kooperation mit dem Konzern SAIC hinzu.

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