Peking

Zukunftsmarkt China

In China entsteht die Welt von morgen schon heute. Die Chinesen stecken Milliardensummen in Forschung und Entwicklung. Diese Begeisterung für den technischen Fortschritt, wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Elektromobilität, macht China zur Blaupause für die automobile Welt.

14.03.2019 Text: Michael Radunski - Fotos: Tobias Sagmeister, Jens Passoth - Illustrationen: Eva Revolver Talking Business Lesezeit: 5 min

Allgemeine Kaufbereitschaft für ein selbstfahrendes Auto im Jahr 2017

Ob autonomes Fahren oder digitale Services:  In China ist die Offenheit besonders ausgeprägt. 1

Ein Park für Künstliche Intelligenz

Gepflasterte Wege schlängeln sich zwischen Wiesen, Büschen und Bäumen, schmucke Pavillons und kleine Bänke bieten Platz zum Verweilen. Der beschaulich anmutende Park liegt im Pekinger Stadtviertel Haidian, wo sich Hunderte von Hightechfirmen angesiedelt haben. Auch Baidu zählt dazu, das Unternehmen betreibt Chinas größte Internetsuchmaschine – und den ersten Künstliche-Intelligenz-Park der Welt. Hier kann jeder Besucher seinen ganz eigenen Ausflug in die Zukunft unternehmen.

Am Eingang verstauen Besucher ihre Wertsachen und Taschen in Schließfächern – via Gesichtserkennung. Danach geht es mit autonom fahrenden Minibussen durch den 34 Hektar großen Park. Wer mag, kann sich in Augmented-Reality-Bereichen von virtuellen Trainern bei Tai-Chi-Übungen anleiten lassen. Jogger können ihre Laufleistung von smarten Laternen und Kameras erfassen und anschließend auf Bildschirmen detailliert in Tempo, Strecke oder Kalorienverbrauch auswerten lassen. Künstliche Intelligenz (KI) betreffe nicht mehr nur Roboter, sagt Baidu-Chef Robin Li: „Jeder kann KI.“

Shenzhen
Shenzhen, auch Silicon Valley Chinas genannt, gilt als Epizentrum für Elektromobilität, Elektronik und Telekommunikation. Die Metropole ist eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt.
Illustration

Internet User in Mio. Quelle: McKinsey Global Institute

Heiß auf die neuesten Technologien

Vorbei die Zeiten, da China als Werkbank der Welt massenhaft Billigprodukte für Europa und die USA produzierte. Nach Jahrzehnten mit zweistelligen Wachstumsraten zählt das Reich der Mitte inzwischen zu den führenden Industrienationen. Nun werden Milliardensummen in die Forschung und Entwicklung neuester Technologien gesteckt. Nirgendwo werden so viele Patente angemeldet wie in China. Mit dem staatspolitischen Strategieplan „Made in China 2025“ setzt Peking endgültig an zum Sprung zur „Industriesupermacht“.

Die Aufgeschlossenheit der Chinesen für neue Technologien hilft. Das zeigt sich im Alltag etwa bei den Restaurants von Haidilao, einer der populärsten Restaurantketten Chinas. Die Warteschlangen vor den Filialen in rasant wachsenden Metropolen wie Shenzhen, Chongqing oder Guangzhou sind so bekannt wie die Qualität der Hot-Pot-Gerichte, bei denen man Fisch, Fleisch, Gemüse und Nudeln in Brühen köcheln lässt.

Das Handy im Auto, das Auto im Handy
Für die meisten jüngeren Chinesen stand der erste Computer nicht auf dem Tisch, sondern war ein Smartphone in der Hand. Wobei Chinesen das Handy weniger als Rechner denn als elektronischen Begleiter oder gar als ihr virtuelles Ich verstehen. Schnittstellen zwischen digitaler und realer Welt gibt es reichlich. Chinesen chatten nicht nur über ihr Smartphone, sie ordern und bezahlen Kleidung, Essen, Urlaub und nicht zuletzt Autos übers Netz. Kredite und Versicherungen? Abgeschlossen übers Smartphone. Den Shuttle zum Flughafen? Geordert und bezahlt per Handy. Diese offene Begeisterung macht China zum Orientierungsmarkt für die Technologien der Zukunft.

Fusion von Tradition und Moderne

Haidilao führt die Tradition mit der Zukunft in vollkommen automatisierten Gaststätten zusammen. Roboter nehmen die Bestellung auf, schneiden in der Küche das Gemüse, filetieren das rohe Fleisch und servieren es anschließend am Tisch. Die Kunden zeigen sich ob der Fusion von Tradition und Moderne hellauf begeistert. Die Zubereitung werde sicherer und sauberer, heißt es. Ein Koch könne sich in den Finger schneiden, das Fleisch im Topf nicht ausreichend gegart sein – all das werde in Zukunft dank der „smarten“ Angestellten ausgeschlossen.

Kein Meter ohne Smartphone

„Chinesen stehen neuen Technologien sehr viel positiver gegenüber als Europäer oder Amerikaner“, sagt Jeffrey Towson von der Universität Peking. Um diesen Unterschied zu verstehen, empfiehlt der Experte, den Chinesen in die Hand zu schauen: Dort befindet sich das Smartphone. Rund 700 Millionen Chinesen nutzen es derzeit. Immer online, immer erreichbar.

Chinesen machen wirklich alles mit ihrem Mobile Device, Telefonieren ist dabei noch das Profanste. Sie chatten, schauen Videos, bestellen, belegen Kurse, buchen Taxen, Hotels oder Zugtickets. Und am Ende bezahlen sie auch alles mit dem Smartphone. „In Europa hat man Bargeld dabei, die Moderneren benutzen Kreditkarten“, sagt Towson. In China werden Kreditkarten nie modern werden. Vom Luxushotel bis hin zum Straßenhändler – überall wird mobil mit dem Smartphone bezahlt. Von Leapfrogging sprechen Experten, dem gezielten Überspringen einer bestimmten Technologie.

Immer online, immer erreichbar. Chinesen machen wirklich alles mit ihrem Mobile Device.

Immer online, immer erreichbar. Chinesen machen wirklich alles mit ihrem Mobile Device.

Der Weg zum Erfolg führt über Digitalisierung

Vom mobilen Bezahlen über Big Data bis zum minutenschnellen Liefern bestellter Produkte – Chinas rasante Modernisierung basiert auf der umfassenden Digitalisierung. Wichtig ist den Nutzern dabei vor allem, dass der Service schnell und bequem ist. So erklärt sich auch der Erfolg des Start-ups Luckin Coffee. Luckin wurde zwar erst im November 2017 gegründet, doch seither legt das Unternehmen ein atemberaubendes Tempo vor und attackiert nun den Branchenprimus. „Starbucks setzt auf eine gute Location, Luckin hingegen will in dein Smartphone“, erklärt Towson den unterschiedlichen Ansatz. In den blau-weißen Luckin-Filialen kann nur per Handy bezahlt werden.

Das Smartphone ebnet den Weg zum Erfolg in China. Das lässt sich auch auf den Straßen Pekings beobachten. Dort haben die Anbieter Mobike und Ofo durch ihren digitalen Sharing-Service das Fahrradfahren wieder attraktiv gemacht. An fast jeder Straßenecke stehen Dutzende der knallbunten Räder. Es gibt keine festen Stationen mehr, die Räder sind über das Smartphone via GPS zu orten. Wer den QR-Code auf dem Schutzblech einscannt, erhält per SMS eine Zahlenkombination, um das Schloss zu öffnen – und los geht die Fahrt. Schnell und günstig, digital und bequem.

Quote für Elektroautos

Während bei den Fahrrädern menschlicher Krafteinsatz vorwärts führt, setzen Autos dafür verstärkt auf Energie aus Elektromotoren. „Durch New Energy Vehicles kann China ein Weltmarktführer in der Autoindustrie werden“, sagt Hu Xingdou, Professor am Pekinger Institut für Technologie. In China wurden 2018 erstmals mehr als eine Million Fahrzeuge mit Elektro- und Plug-in-Hybridantrieb verkauft. In keinem anderen Land der Erde fahren so viele Elektromobile.

Dieser Anteil wird sich erhöhen, dafür sorgt eine staatliche Elektroquote. Vereinfacht ausgedrückt haben Autohersteller folgende Vorgaben zu erfüllen: Ab 2019 müssen zehn Prozent ihrer in China produzierten Fahrzeuge elektrisch sein, 2020 bereits zwölf Prozent. 2025 sollen 25  Prozent aller in China verkauften Fahrzeuge Elektroautos sein.

Bereit für die digitale Ära

Patente

420.144

2017 gingen die meisten erteilten Patente nach China

Smartphones

85 %

17 von 20 Chinesen verfügen über ein Smartphone

Internet

98 %

Desktop oder Tablet? Nein: Chinesen surfen fast immer per Handy

China als Blaupause

So wird China zur Blaupause für die automobile Welt – nicht zuletzt wegen der Offenheit für technologische Innovationen. 83 Prozent der Chinesen würden der Beratungsfirma Boston Consulting Group zufolge grundsätzlich ein selbstfahrendes Auto kaufen, bei den Deutschen sind es lediglich 48  Prozent. Und laut einer McKinsey-Studie sind schon jetzt 52 Prozent der Chinesen willens, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Hauptsache, sie haben ein Auto verfügbar – bequem per App zu ordern.

Entscheidend ist für chinesische Kunden, wie selbstverständlich sich das Auto in ihre digitale Welt einfügt. Es geht um allgegenwärtige Verfügbarkeit und digitale Konnektivität. So entwickelt sich das Auto in China zu einer Art Smartphone für die Straße – einem wahren Mobile Device.

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