Ingolstadt

Verantwortungsvolles Handeln wird zum Wettbewerbsvorteil

Wie kommt die Automobilindustrie wieder zurück auf die Überholspur? Innovative und dabei agile Unternehmen erkennen den richtigen Zeitpunkt, setzen den Blinker und beschleunigen mutig. Bram Schot und Reto Ringger im Gespräch.

14.03.2019 Text: Janina Weigel Fotos: Tobias Sagmeister, Thomas Dashuber Lesezeit: 5 min

Weltweite Investitionen in nachhaltige Geldanlagen

Das Interesse an Nachhaltigkeitsaspekten ist in Europa besonders groß. 1

Audi CEO Bram Schot erkundet mit Reto Ringger, werteorientierter Vermögensverwalter und CEO der Globalance Bank, wie Unternehmen zu schnelleren Prozessen und Entscheidungen kommen – und warum die Kapitalmärkte diese Entschlossenheit honorieren.

Bram Schot und Reto Ringger vor Audi e-tron
Der Audi e-tron elektrisiert: Reto Ringger und Bram Schot nach der Probefahrt.

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 26.2-22.6 kWh/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 0 g/km

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 26.2-22.6 kWh/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 0 g/km

Der Kapitalmarkt begegnet etablierten Automobilherstellern aktuell mit Skepsis. Neue Player, wie beispielsweise Tesla, wecken Fantasie. Warum ist das so?

Schot:
Ohne Tesla wären wir bei der Elektromobilität nicht so weit, wie wir heute sind. Vor dieser Leistung habe ich großen Respekt. Mit fast zwei Millionen Autos im Jahr ist Audi allerdings anders skaliert und hat ein anderes Geschäftsmodell. Wir haben eine ambitionierte Roadmap E. Den Start macht der Audi e-tron. Er ist der Game Changer in der Elektromobilität. Modernste Technik in einem überzeugenden Design – Sie werden nicht widerstehen können.

Ringger: Ich bin gespannt. Auf das Auto – und darauf, wie sehr der langfristige Erfolg von Audi mit dem Erfolg des e-tron verknüpft ist.

Schot: Mit dem e-tron und dem e-tron Sportback, der auch noch 2019 startet, stoßen wir die Tür auf in eine neue Ära. Dabei geht es nicht allein darum, wie viel Marktanteile elektrisch angetriebene Fahrzeuge morgen oder übermorgen haben. Noch sind die konventionell angetriebenen Autos die Basis für unseren Erfolg. Das wird sich sukzessive verändern – je nachdem, wie unsere Kunden die Elektromobilität annehmen. Klar ist aber auch: Es verändert sich nicht nur der Antrieb. Früher stand das Auto als Produkt im Fokus, alles andere hat sich darumgruppiert. Heute gestalten die Menschen sich Lebenswelten, in denen das Auto zwar weiterhin eine wichtige, aber eine integrierte Rolle spielt. Das ist neu.

Ringger: Das fordert den Autoherstellern ab, ihr Selbstverständnis zu hinterfragen. Es reicht nicht mehr, tolle Autos zu produzieren. Die Autobauer müssen sich als Mobilitätsanbieter völlig neu erfinden. Wenn ich sehe, welche Unternehmen wirklich mit Tempo, Innovation und Erfolg unterwegs sind, dann werden die meist noch von Gründern geführt. Das ist bei Amazon, Facebook, Google und bei Alibaba so, bei Apple war das genauso. Solche unternehmerisch geführten Unternehmen verändern die Spielregeln, verglichen damit wirken die von Managern geführten Unternehmen wie schwerfällige Kolosse. Wie vermeiden Sie diese Behäbigkeit bei Audi?

Schot: Es ist tatsächlich eine Riesenherausforderung, mit dieser Geschwindigkeit Schritt zu halten. Unser USP ist nicht mehr ausschließlich die Technologie. Entscheidend sind in dieser volatilen Welt die richtigen Leute und die Kultur. Damit können wir viel mehr verändern als früher – nie war der Unterschied zwischen dem Vorstellbaren und dem Umsetzbaren so klein wie heute. Unsere Vorstellungskraft ist das einzige Limit.

Ringger: Genau, und die Herausforderung für einen CEO ist dabei, Mitarbeiter mit diesen Fähigkeiten anzuziehen. Out-of-the-box-Fähigkeiten, also die Kompetenz, kreativ und ungewöhnlich ohne Grenzen zu denken, werden immer wichtiger. Als Unternehmer und auch als Investor erlebe ich immer wieder, dass die Bedeutung der Kultur derjenigen der Strategie um ein Vielfaches überlegen ist. Der bekannte Berater Peter Drucker hat dazu gesagt: „Culture eats strategy for breakfast.“

Schot: Deswegen habe ich mir zum Start als neuer CEO das Feedback der Mannschaft eingeholt. Dabei haben wir ganz viele Ideen entwickelt, die unser Unternehmen voranbringen. Damit das gelingt, ist jede Führungskraft gefordert. Sie muss Vorbild sein, präsent sein, evaluieren, coachen, Selbstbewusstsein im Team schaffen. Ehrlichkeit und Vertrauen müssen dafür die Basis sein. Aber nicht jeder muss alles perfekt machen. Ich bin für mehr Experimentierfreude und für mehr Mut zu unpopulären Entscheidungen.

Ringger: Weil Risikofreude nicht der ausgeprägteste Charakterzug in Konzernen ist?

Schot: Da will ich nicht widersprechen. Die Autoindustrie ist zu wenig risikobereit und zu komplex. Wir müssen Komplexität rausnehmen – und Innovationen beschleunigen, entweder inhouse oder mit Partnern. Allzu rigide Planung, davon bin ich fest überzeugt, würgt neue Ideen ab. Den notwendigen Wandel werden robuste, innovative und vor allem agile Unternehmen besonders erfolgreich gestalten. Die Fähigkeiten und die Motivation der Mitarbeiter sind hierbei der differenzierende Faktor.

Reto Ringger im Audi e-tron

Reto Ringger

Reto Ringger (55) war Gründer von SAM Sustainable Asset Management und hat 2011 die Globalance Bank in der Schweiz gegründet, die er heute als CEO leitet. Reto Ringger ist ein Unternehmer und Pionier an der Schnittstelle zwischen Finanzmarkt und Nachhaltigkeit. Seit über 20 Jahren befasst er sich mit Zukunftsthemen. Für seine unternehmerischen Erfolge hat Reto Ringger zahlreiche Awards erhalten.

Reto Ringger, Bram Schot im Audi e-tron
Reto Ringger testet den neuen Audi e-tron. Das erste vollelektrische Modell von Audi kennzeichnet den Start in eine neue Ära, davon ist CEO Bram Schot überzeugt.

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 26.2-22.6 kWh/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 0 g/km

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 26.2-22.6 kWh/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 0 g/km

Wie nehmen Sie die Mitarbeiter bei Audi mit auf diesen Weg?

Schot: Es geht nicht darum, Mitarbeiter zu verändern, sondern Mitarbeiter aufzuladen. Aus Plan, Plan, Plan muss Play, Play, Play werden. Am wichtigsten ist ein gemeinsamer Sinn. Wir müssen den Audi Spirit wieder beleben. Dazu ist eine flexiblere Organisation notwendig. Erfolg setzt Schnelligkeit voraus. Schnelligkeit braucht einfache Prozesse, und klare Prozesse kommen von selbstbewussten Leuten. Wir brauchen mehr kollektive Intelligenz und weniger Hierarchie. Das liegt uns Holländern: flache Hierarchien, nahbar sein, experimentieren …

Reto Ringger, Bram Schot im Audi e-tron

Und das alles unter den aufmerksamen Augen der Investoren an den Kapitalmärkten. Ärgert Sie deren momentan mangelnde Zuversicht, was die Zukunft der Automobilhersteller angeht?

Schot: Nein, der Kapitalmarkt honoriert eine konkrete Zukunftsperspektive insbesondere dann, wenn die Unternehmensentwicklung konsequent daran ausgerichtet wird. Das schafft Vertrauen. Dieses klare Bild erarbeiten wir gerade und richten Audi mit unserer Strategie sowie unseren Maßnahmen zur Stärkung der Marke konsequent darauf aus. Ich will keine aggressive Volumenpolitik. Ich würde lieber weniger Autos verkaufen und dafür mehr Geld verdienen mit genau den Produkten, die den Kunden begeistern. Bis zur Hauptversammlung im Mai haben wir die Handlungsfelder, Messgrößen und die zugehörigen Ziele definiert, an denen wir uns in den nächsten Jahren messen lassen werden.

Ringger: Seit 25 Jahren beschäftige ich mich damit, wie Sustainability an den Aktienmärkten belohnt oder bestraft wird. Das deutsche Wort „Nachhaltigkeit“ ist dabei leider zu einer leeren Hülse verkommen. Ich bevorzuge den Begriff „Zukunftsfähigkeit“. Und die Börse erzählt uns, wo die Zukunft stattfindet. Aktien werden gekauft, weil die Anleger davon ausgehen, dass Unternehmen sich der neuen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen annehmen und ihr Geschäftsmodell rasch anpassen. Die Automobilindustrie steht diesbezüglich vor großen Herausforderungen und ein Automobilhersteller muss darauf drei Antworten haben. Erstens: Ja, wir haben verstanden. Zweitens: Ja, wir setzen das schnell und kompetent um. Deshalb werden wir – drittens – zu den Gewinnern des Wandels gehören. Am Schluss zählen Taten und nicht Worte. Dann wird solch demonstrierte Zukunftsfähigkeit auch von der Börse belohnt.

Schot: Somit ist Audi auf einem guten Weg, denn wir haben verstanden, wir setzen um und, ja, wir nutzen den Wandel unserer Industrie als Chance für unser Unternehmen. Es geht nicht nur um Innovationen, es geht auch ums Fokussieren. Wir werden unser Geschäft konsequent an den Kundenwünschen ausrichten. Und wir müssen jünger, weiblicher und internationaler werden. Denn ein Großteil unseres Wachstums wird auch weiter aus China kommen. Wir müssen Kosten optimieren und die Marke schärfen. Denn Audi ist eine starke Marke. Und ich bin überzeugt: Wir werden Audi wieder zum Maßstab machen.

Abraham Schot

Vorstand

Abraham Schot

Vorsitzender des Vorstands und kommissarisch verantwortlich für den Bereich Marketing und Vertrieb

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