Ingolstadt

Elektromobilität funktioniert nur im System

Elektromobilität verändert nicht nur, wie wir Auto fahren. Sie verändert unser Leben. Am häufigsten werden wir zu Hause laden – aber auch unterwegs braucht es einen Ort für Energie. Deshalb macht Audi die Elektromobilität für seine Kunden alltagstauglich – weit hinaus über die Markteinführung seines ersten vollelektrischen Modells, des e-tron. Audi unterstützt seine Kunden weltweit bei der Integration der Elektromobilität in ihre Lebenswelt. Über diesen ganzheitlichen Ansatz spricht Dr. Stefan Niemand, verantwortlich für Elektrifizierung in der Baureihe Audi e-tron.

13.11.2018 Aktualisiert am 12.03.2019  — Text: Franziska Queling — Fotos: Tobias Sagmeister Talking Business Lesezeit: 5 min

Der Audi e-tron ist ein Game Changer, davon zeigt sich Dr. Stefan Niemand überzeugt. Er ist seit 2011 bei Audi und seit 2016 verantwortlich für die Elektrifizierung in der Baureihe.

Der Audi e-tron ist ein Game Changer, davon zeigt sich Dr. Stefan Niemand überzeugt. Er ist seit 2011 bei Audi und seit 2016 verantwortlich für die Elektrifizierung in der Baureihe.

Im September 2018 wurde der Audi e-tron in San Francisco vorgestellt. Das vollelektrische SUV kommt bei Kunden gut an: Ende 2018 gab es schon knapp 20.000 Vorbestellungen. Was bedeutet dieses Modell für Audi?
Niemand: Der Audi e-tron ist für uns mehr als ein ganz normales neues Modell. Mit dem e-tron bricht Audi auf ins Zeitalter der Elektromobilität. Er ist das erste Premium-SUV für einen komfortablen Alltagsnutzen – und das bei ansprechendem Design und innovativen Features. Es war uns wichtig, in diesem schnell wachsenden Segment früh ein starkes Elektroauto zu präsentieren. Und unsere Produktionsplanung im Werk Brüssel zeigt, dass wir an den Audi e-tron als Volumenmodell glauben. Zusammen mit dem e-tron Sportback ist der belgische Standort ausgelastet. Ebenso wichtig war uns der ganzheitliche Ansatz bei diesem Thema.

Wie genau sieht Ihre ganzheitliche Strategie zum Thema Elektrifizierung aus?
Elektrifizierung geht weit über das Auto hinaus – sie funktioniert nur als System. Neben Preis und Reichweite des Fahrzeugs sind die Ladeinfrastruktur sowie die Ladedauer wichtige Erfolgsfaktoren, damit die Elektromobilität ihren Durchbruch erlebt. Auch wenn wir Premiumhersteller für Automobile sind, wollen wir einen Beitrag zum integrierten Ökosystem der Elektromobilität leisten. Nur so ist ein Premiumerlebnis für unsere Kunden auf ganzer Linie möglich. Dabei geht unser Engagement beispielsweise von der Beteiligung am OEM-übergreifenden Joint Venture IONITY, das Schnellladestationen entlang der europäischen Hauptverkehrsachsen aufbaut, über die Expansion mit Electrify America in den USA bis hin zu Ladelösungen zu Hause, die in den USA durch eine Kooperation mit Amazon Home Services ergänzt werden. Wir hoffen, dass wir so auch die Akzeptanz in der Bevölkerung ankurbeln können und damit zum Erfolg der Elektromobilität beitragen.

Keine Angst vor langem Laden: Audi bietet seinen Kunden mit dem Audi e-tron ein Auto an, das sehr effizient ist und auf vielfältige Weise lädt. Und das mit einem Zeitaufwand von zehn Sekunden: fünf Sekunden einstecken, fünf Sekunden abstecken.

Keine Angst vor langem Laden: Audi bietet seinen Kunden mit dem Audi e-tron ein Auto an, das sehr effizient ist und auf vielfältige Weise lädt. Und das mit einem Zeitaufwand von zehn Sekunden: fünf Sekunden einstecken, fünf Sekunden abstecken.

Worin bestehen die Bedenken, die Sie entkräften wollen?
Eines ist sicherlich die Angst vor der langen Ladezeit. Wir bieten unseren Kunden mit dem Audi e-tron ein Auto an, das effizient ist und auf vielfältige Weise laden kann: In der Garage und unterwegs mit Wechselstrom oder auch im neuen Gleichstrom-Ladenetz von IONITY – dort lässt sich die Batterie in rund einer halben Stunde wieder für die nächste Langstreckenfahrt aufladen. Außerdem glauben viele, dass Laden komplizierter ist als Tanken. Dabei wird gerne übersehen, dass das Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz unseren Kunden jeden Tag einen vollen „Tank“ bietet, und das mit einem Zeitaufwand von zehn Sekunden: fünf Sekunden einstecken, fünf Sekunden abstecken. Damit braucht es für die üblichen täglichen Fahrten überhaupt keinen Besuch an der „Tankstelle“ mehr. Falls es auf längeren Strecken oder am Zielort doch nötig ist, laden unsere e-tron Kunden sehr komfortabel mit dem Audi e-tron Charging Service. Er verschafft ihnen mit einer einzigen Karte Zugang zu 80 Prozent der öffentlichen Ladepunkte – also über 72.000 Stück in ganz Europa. Das geht alles auch voll vernetzt mit dem Smartphone. Im Laufe des Jahres 2019 wird sich das Auto sogar selbst an der Säule autorisieren und diese freischalten. Das ist unser Verständnis von einfacher und sorgloser Elektromobilität. Auch der Routenplaner inklusive Anzeige von Ladestationen auf der geplanten Tour liefert hier einen großen Mehrwert.

Durchblick dank Digitalisierung: Gleichzeitig sorgt der Rückspiegel für eine noch optimalere Aerodynamik.

Durchblick dank Digitalisierung: Gleichzeitig sorgt der Rückspiegel für eine noch optimalere Aerodynamik.

Bis 2025 soll jeder dritte verkaufte Audi elektrisch sein und das Unternehmen will ungefähr 800.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride verkaufen. Wie wollen Sie diese ambitionierten Ziele erreichen?
Mit dem Audi e-tron setzen wir den Startschuss für die umfassende Audi Roadmap E der kommenden Jahre. Ziel ist es, alle Segmente bis 2025 ganz oder teilweise zu elektrifizieren. Die nächsten Schritte nach dem Audi e-tron machen der e-tron Sportback und der Audi Q2 L e-tron für China. 2020 folgt die Serienversion des e-tron GT concept, kurz danach bieten wir außerdem ein elektrifiziertes Modell im Kompaktsegment an.

Audi verfolgt den ganzheitlichen Ansatz: e-tron steht für mehr als das Auto, denn Elektromobilität geht darüber hinaus – sie funktioniert nur als System.

Audi verfolgt den ganzheitlichen Ansatz: e-tron steht für mehr als das Auto, denn Elektromobilität geht darüber hinaus – sie funktioniert nur als System.

Einige Analysten und Wettbewerber behaupten, die Produktrendite sei die größte Herausforderung in puncto Elektromobilität – vor allem wegen der Batteriekosten. Wie will Audi hier Gewinne einfahren?
Natürlich bedeuten neue Technologien zu Beginn immer hohe Kosten – auch, um unserem gewohnten Qualitätsanspruch nachzukommen. Mit einer wettbewerbsfähigen Kostenstruktur erreichen wir dabei trotzdem unsere gesetzten Ziele. Dazu nutzen wir beispielsweise Synergien im Konzernverbund mit modularen Baukästen, Plattformen und Gleichteilen. Ebenso spielen Innovationen gerade bei der Batterietechnologie sowie dem elektrischen Antriebsstrang, die ständige Optimierung der Wertschöpfungskette, Komplexitätsreduktion und Entscheidungen zur Lokalisierung eine wichtige Rolle. Im Volkswagen Konzern arbeiten wir dazu gemeinsam an der Elektroarchitektur für das Kompakt- und High-End-Segment. Diese Synergiepotenziale auszuschöpfen ist ein klarer USP der Konzernstruktur. Enge Zusammenarbeit, eindeutige Verantwortungsbereiche und Skalierung sind hier die Treiber für Profitabilitätssteigerung – ob mit Volkswagen oder Porsche. Die Premium-Architektur Elektrifizierung (PPE) beispielsweise wird bereits 2022 zum Tragen kommen. Bis zu 30 Prozent Effizienzsteigerung gegenüber einer jeweils markenindividuellen Entwicklung sind bei Audi wie bei Porsche so zu erreichen. Auch Größenvorteile durch Skaleneffekte spielen eine bedeutende Rolle – und hier ist der Volkswagen Konzern mit einem Jahresabsatz von mehr als zehn Millionen Autos klar im Vorteil. Audi erschließt außerdem neue Umsatzquellen, also etwa digitale Zusatzleistungen, die der Kunde per App buchen kann, oder auch Lade- und Energie-Services. Irgendwann werden Elektroautos genauso günstig sein wie Verbrenner.

Wann ist irgendwann?
Allzu lange werden wir nicht warten müssen. Ich bin überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren so weit sein werden.

Damit das Laden nicht länger dauert als die Kaffeepause

  • Der Audi e-tron ist das erste Fahrzeug der Audi E-Offensive, mit der die Premiummarke bis 2025 alle Segmente ihres Portfolios elektrifiziert. Dazu gibt es in dichter Abfolge rund 30 elektrifizierte Modelle: 2019 startet der Audi e-tron Sportback als zweites Elektroauto, während in China der Q2 L e-tron an den Start geht. 2020 folgt die Serienversion des e-tron GT concept von Audi Sport. Ebenfalls 2020 präsentiert Audi ein Elektromodell im Premiumkompaktsegment.
  • Audi will im Jahr 2025 rund 800.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride verkaufen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen bis Ende 2023 rund 14 Milliarden Euro in Zukunftsinvestitionen fließen, vor allem in Felder wie Elektromobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung. Das Unternehmen zielt ab auf eine Profitabilitätssteigerung innerhalb des Konzerns: durch eindeutige Verantwortungsbereiche und Skalierung – ob mit Volkswagen oder Porsche.
  • Neben Preis und Reichweite der Autos sind die Ladeinfrastruktur und die Ladedauer wichtige Erfolgsfaktoren für die Elektromobilität. Deswegen leistet Audi einen Beitrag zum integrierten Ökosystem – beispielsweise durch die Beteiligung am OEM-übergreifenden Joint Venture IONITY, durch die Expansion mit Electrify America in den USA oder Ladelösungen zu Hause.
  • Über sein Tochterunternehmen Electrify America baut der Volkswagen Konzern insgesamt 2.000 Schnellladestationen entlang der Hauptverkehrsachsen der USA auf, an denen jedes Elektroauto unabhängig von der Marke geladen werden kann. Diese Initiative basiert auf den Vergleichsvereinbarungen mit den US-Behörden infolge der Dieselthematik.

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