Auf den Spuren der Zukunft

Wie Menschen sich die Zukunft vorstellen, nimmt großen Einfluss darauf, wie sie ihre Gegenwart gestalten und leben. Das gilt für den individuellen Lebensentwurf genauso wie für die gesamte Gesellschaft und kann wissenschaftlich-technische wie auch soziale und mentale Entwicklungen betreffen. Für ein Unternehmen ist es unabdingbar, sich ebenfalls Gedanken über die Zukunft zu machen – nicht nur über eigene Ziele und Ansprüche, sondern vor allem auch darüber, wie sich die Menschen, die mit ihm in Berührung kommen, ihre Zukunft vorstellen. Was für Hoffnungen haben sie, auf welche Wünsche oder Ängste kann und sollte man als Unternehmen reagieren und damit aktiv an der Gestaltung von Zukunft mitwirken?

05.07.2018

Muster erkennen

Bei der Analyse von Zukunftsbildern stößt man immer wieder auf dieselben Muster. So gibt es eine optimistische Haltung gegenüber dem Fortschritt, der dann als permanente Entwicklung zum Besseren gedacht wird. Im Gegensatz dazu steht eine pessimistische Gesinnung, die mit der Zukunft einen Verfall assoziiert und die Vergangenheit verklärt. Schließlich trifft man auch auf Menschen, für die die Unterschiede zwischen verschiedenen Epochen nur marginal sind, die also glauben, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in grundlegenden Dingen einander gleichen. 

So gut man Typen von Zukunftsvorstellungen unterscheiden kann, so selten liegen sie jedoch in Reinform vor. Vielmehr wechseln die meisten Menschen je nach Situation und Thema von einer Vorstellung zu einer anderen.

Der Blick zurück in die Geschichte

Die Vergangenheit ist wichtig für ein besseres Verständnis von Zukunft: Wie stellten Menschen verschiedener Zeitalter und Kulturen sich Zukunft jeweils vor? Wie viel Einfluss zur Gestaltung von Zukunft trauten sie sich selbst dabei zu? Welche Konsequenzen hatten die jeweiligen Zukunftsfantasien auf die weitere Entwicklung, gerade im Bereich von Wissenschaft und Technik?

 

Die folgende Sammlung von Zukunftsbildern zeigt, mit was für unterschiedlichen Ideen und Emotionen sich Menschen das ausmalten, was über ihre jeweilige Gegenwart hinausging. Zugleich wird deutlich, wie oft sich bestimmte Vorstellungen wiederholten und wann diese, früher oder später, tatsächlich Realität wurden – inwieweit Zukunft also tatsächlich ein Stück weit vorhersehbar war. Der Blick in die Vergangenheit hilft somit, den Blick für die Zukunft zu schärfen und das, was kommen könnte, kalkulierbarer zu machen.

Antike und Mittelalter: Zeichen und Mythen

   

Neuzeit und Aufklärung: Aufbrüche

 

Moderne und Avantgarde: Neue Horizonte und Grenzüberschreitungen

   

Bildserie „Im Jahr 2000“, um 1900

„Wie könnte die Welt in 100 Jahren aussehen?“, fragte sich eine Gruppe von Künstlern um Jean-Marc Côté. Daraus entstand eine Reihe von Postkartenmotiven, die erstmals zur Weltausstellung in Paris gezeigt wurden. Die Bilder sind ganz im Geiste des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts angelegt. Der Fokus liegt auf möglichen Entwicklungen in der Industrie und wie Maschinen künftig handwerkliche Tätigkeiten ersetzen könnten. Die erdachten Zukunftsbilder sind dabei durchaus positiv: Die Zukunft verspricht eine Verbesserung der Lebensqualität, da Technik als Helfer im Alltag mühevolle Arbeiten abnimmt. 
Cover „Amazing Stories“, 1928

Cover „Amazing Stories“, 1928

Während sich in den berühmten dystopischen Zukunftsromanen von Aldous Huxley und George Orwell eine düstere Technikangst ausdrückt, zeichnen die bereits etwas früher entstandenen Pulp-Magazine – sogenannte „Schundhefte“ – noch ein buntes und abenteuerliches Bild der Zukunft. In „Amazing Stories“ wurde 1926 erstmals der Begriff „Science Fiction“ verwendet, der schnell zum Genrebegriff avancierte und einen ersten Boom auslöste. Gängige Themen waren Weltall, Aliens, Superhelden, Krieg. Soziologische, psychologische oder gar politische Themen blendeten die Autoren hingegen nahezu vollständig aus.

 

Credit: Foto: George Morgan; Frank R. Paul Estate

 

Werkangaben: Amazing Stories, September 1928, Experimenter Publishing Company Inc. (Hrsg.); Künstler: Frank R. Paul.

Gegenwart: Neue Unsicherheit

   

Zukunft – quo vadis?

Die Geschichte der Zukunftsbilder verrät viel über die Mentalität der Kultur, in der die einzelnen Bilder entstanden sind. Gleichzeitig zeichnet sie die Entstehung eines Wertesystems, das uns bis heute prägt. Gleichberechtigung, Selbstbestimmung, das Streben nach Nachhaltigkeit: Diese Werte sollten erst erträumt, mussten erst in ein Zukunftsbild projiziert werden, bevor sie in der Gegenwart Akzeptanz erlangten.

Zukunft vorherzusehen und beherrschbar zu machen, ist über den gesamten Zeitverlauf hinweg ein wiederkehrendes Muster. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Der Unterschied zur Vergangenheit: Heute ermöglicht uns die Digitalisierung eine ganz andere Herangehensweise. Die Verfügbarkeit von Daten und Algorithmen, die diese intelligent verknüpfen, weckt neue Hoffnungen, künftige Ereignisse berechenbar zu machen. Gleichzeitig lässt die rasante technologische Entwicklung viele Menschen mit Fragen zurück. Die Skepsis gegenüber kommenden Entwicklungen spiegelt sich in zeitgenössischen Zukunftsbildern wider. Sie zeigen eine größere Zurückhaltung als noch zu Zeiten der Moderne.

Für Entwicklung und Fortschritt, ja für jede Veränderung des Status quo bedarf es einer Gesellschaft, die offen und positiv in die Zukunft blickt. In diesem Sinne sind gerade Unternehmen, die stark auf Veränderungen in der nahen Zukunft setzen, gefordert, Verständnis und Vertrauen aufzubauen. Dialog und Transparenz sind der Schlüssel für Offenheit und den Willen zur Veränderung. Zukunft ist nichts, was man passiv erwartet, sondern etwas, über dessen Gestalt in der Gegenwart entschieden wird.

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