Kopenhagen

Copenhill: Nachhaltigkeit als Lebensgefühl

Kopenhagen will bis 2025 CO₂-neutral werden. Ein ambitionierter Vorsatz, den die dänische Hauptstadt mit ihrer Vorreiterrolle in nachhaltiger Stadtentwicklung zielstrebig verfolgt. Mit einer Müllverbrennungsanlage, die Energie liefert und zudem Naherholungsgebiet samt Skipiste im urbanen Raum ist, geht die Reise in Richtung Klimaneutralität weiter.

13.06.2019 Text: Michael Lehmann
Fotos & Video: The Distillery Lesezeit: 3 min

Müllverbrennungsanlage Amager Bakke Kopenhagen
Die Kopenhagener Müllverbrennungsanlage Amager Bakke ist sowohl Wärme-, und Stromlieferant als auch Naherholungsgebiet samt Skipiste.

Skifahren auf einer Müllverbrennungs­anlage

Nachhaltigkeit als umfassendes Lebensgefühl zu implementieren – das ist ein Kernziel der dänischen Hauptstadt und auch der selbst auferlegte Arbeitsauftrag des renommierten Architekten Bjarke Ingels, der der städtischen Müllverbrennungsanlage Amager Bakke im Kopenhagener Bezirk Christianshavn mit seiner Philosophie der „hedonistischen Nachhaltigkeit“ sprichwörtlich Leben einhaucht. Schon heute zeigt Kopenhagen, die grüne Metropole Dänemarks mit alternativen Mobilitätskonzepten, smarten Umwelttechnologien oder dem Bau von energieeffizienten Gebäuden, wie der Plan aufgehen kann. Aus dem Abfall der Kopenhagener produziert die Hybridanlage jährlich Fernwärme für 60.000 Haushalte. Zusätzlich werden mehr als 30.000 Häuser mit elektrischer Energie versorgt. Und: Amager Bakke erfreut die Einwohner der dänischen Hauptstadt unter dem Projektnamen Copenhill als Naherholungsgebiet mit Wanderwegen und einer 500 Meter langen Skipiste, hoch über dem Öresund.

Identitätsfindung auf dem Copenhill

Künftig können Bewohner und Touristen auf dem Dach der Müllverbrennungsanlage Ski fahren. Damit können sie sich so nicht nur den einen oder anderen Trip in die Berge, sondern auch jede Menge CO₂ sparen. Zusammen mit dem schwedischen Freeskier Jesper Tjäder beantwortet Stararchitekt Bjarke Ingels im Film die Frage, wie Ökologie, Ökonomie und soziale Verantwortung in einer zunehmenden Urbanisierung auf spielerische Weise zusammenfinden können.

Die Effizienz von Copenhill: 400.000 Tonnen verarbeiteter Müll pro Jahr bedeuten

60.000

Haushalte mit Wärme versorgt

30.000

Haushalte mit Strom versorgt

100.000

Tonnen Asche für den Straßenbau wiederverwendet

Müllverbrennungsanlage Amager Bakke Kopenhagen

Hedonistische Nachhaltigkeit: In Zukunft genießen

Ein spannender Aspekt der Architektur ist es, den Rahmen für das Leben, das wir führen wollen, zu schaffen.

Bjarke Ingels, Architekt

Die Gestaltung von urbanem Lebensraum kann durchaus mit einem hedonistischen Ansatz einhergehen, der voraussetzt, dass ökologisches Bewusstsein nicht gleichzusetzen ist mit Verzicht. So wird eine nachhaltige Stadtplanung nicht als notwendiges Übel betrachtet, sondern als echte Chance für mehr Lebensqualität. Das Hybridprojekt Copenhill ist nur ein Beispiel dafür, wie eine multifunktionale Infrastruktur neue Möglichkeiten in Städten eröffnet und Nachhaltigkeit erlebbar macht. Wie sieht urbanes Leben im nachverdichteten Raum aus? Welche Träume, Sehnsüchte, aber auch Verpflichtungen haben Menschen in der Zukunft? Ingelsʼ Ansatz geht weg von den gängigen städtebaulichen Maßnahmen. Hedonistische Nachhaltigkeit soll Spaß machen und die Frage nach einer verantwortlichen und attraktiven Lebensweise in Großstädten mit einem gewissen Augenzwinkern beantworten.

Die Ressource Müll

In Amager Bakke werden täglich bis zu 300 Lkw-Ladungen Abfall von rund 600.000 Privathaushalten und knapp 70.000 Unternehmen angeliefert. Aus einer Tonne Abfall erzeugen die beiden Öfen der Anlage dann 2,7 MWh Wärme und 0,8 MWh Strom. In Hochzeiten verbrennen sie zusammen bis zu 70 Tonnen davon pro Stunde. Das entspricht einem Gewicht von etwa sechs Linienbussen.

Um den Kopenhagenern bildlich zu demonstrieren wie viel das ist, ist ein weiteres Projekt in Planung: für jede freigesetzte Tonne CO₂ soll der Schornstein der Anlage in Zukunft einen gigantischen Ring aus Rauch ausstoßen. Ein Hinweis, der die Städter auf ironische Art und Weise an ihren Konsum und nachhaltiges Handeln erinnert.

Kopenhagens Plan für ein besseres Klima

Die Stadtverwaltung in Kopenhagen nimmt den Plan für eine Klimaneutralität bis 2025 ernst. Heiz-, und Stromkosten sollen in gewerblichen Gebäuden um 20 Prozent und in privaten Haushalten um 10 Prozent gesenkt werden. Dafür setzt man noch stärker auf die ohnehin schon etablierte Energieerzeugung aus Windkraft, Geothermie und Solarenergie. Um den Auflagen gerecht zu werden, geht die Regierung selbst mit gutem Vorbild voran. Die Fahrzeuge der Stadt werden künftig ausschließlich mit Strom, Wasserstoff oder Biokraftstoffen betrieben. Die Kopenhagener stehen hinter diesen Entscheidungen: Schon jetzt gibt es mehr Fahrräder als Autos in Kopenhagen. Etwa die Hälfte der Einwohner nutzt das Fortbewegungsmittel auf dem täglichen Weg zur Arbeit. Bis 2025 sollen sogar 75 Prozent aller Fahrten mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgen.

Nachhaltiges Handeln mit einem guten Gefühl multiplizieren, um im Ergebnis mehr Lebensqualität zu erzielen: In Kopenhagen scheint die Formel zu funktionieren. Vielleicht landet Dänemark beim World Happiness Report auch deshalb regelmäßig auf den vorderen Plätzen. Auf einem ressourcensparenden Müllberg spazieren und Skifahren zu gehen, macht jedenfalls nicht nur die Bewohner glücklich, sondern auch die Umwelt.

Nachhaltige Städteplanung
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Urbanes Leben 24.10.2018

Nachhaltige Städteplanung

Die dänische Hauptstadt Kopenhagen gilt nicht nur als eine der lebenswertesten Städte, sie will bis 2025 auch die erste CO₂-neutrale Metropole der Welt werden.

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