Audi startet in China neu durch

Wie Audi die Präsenz im größten Absatzmarkt noch weiter ausbauen will und Antworten auf die besonderen Bedürfnisse vor Ort findet, darüber sprechen Audi CEO Markus Duesmann und Audi China Präsident Werner Eichhorn.

20.07.2021 Interview: Marius Holfert – Fotos: AUDI AG  Talking Sustainable Business Lesezeit: 5 min

Talking Sustainable Business Key Facts

  • Auf der Auto Shanghai hat Audi vier Weltpremieren vorgestellt: Das brandneue Konzeptfahrzeug Audi A6 e-tron concept und den rundum erneuerten Audi Q5L; dazu den Audi A7L und eine noch in Tarnfolie gehüllte SUV-Studie mit dem Namen Audi concept Shanghai – die beiden letztgenannten sind die ersten Produkte des neuen Partners SAIC Audi.
  • Außerdem hat der Automobilhersteller vor Kurzem mit dem chinesischen Partner FAW (First Automotive Works) ein neues Unternehmen für rein elektrische Autos gegründet: die Audi FAW NEV Company.

China als zentrale Säule für den Erfolg von Audi

Herr Duesmann, als Sie im Frühling 2020 bei Audi als neuer CEO gestartet sind, haben Sie kurz danach auch die Verantwortung für das Chinageschäft übernommen. Sie, Herr Eichhorn, steuern etwa seit demselben Zeitpunkt als Präsident von Audi China die Aktivitäten direkt vor Ort. War das der Startschuss dafür, dass sich Audi jetzt noch stärker auf China konzentrieren will?

 

Duesmann: Gerade hat ein Kunde das siebenmillionste Fahrzeug in China in Empfang genommen – einen Audi e-tron. Daran sehen Sie, dass Audi also schon seit Langem auf China setzt. Gemeinsam mit unserem chinesischen Partner FAW sind wir seit über 30 Jahren erfolgreich vor Ort und waren der erste Premiumhersteller, der das langfristige Potenzial des Marktes genutzt hat.

Im Laufe der Zeit ist der Markt natürlich für die gesamte Branche zunehmend wichtiger geworden und hat auch für Audi immer weiter an Bedeutung gewonnen. China ist eine zentrale Säule für den Erfolg von Audi insgesamt. Gleichzeitig konzentrieren wir uns neben China auch auf Europa und die USA.

 

Eichhorn: Gerade das vergangene Jahr 2020 hat die Bedeutung des Marktes erneut deutlich gemacht. Trotz der Herausforderungen durch die Coronapandemie haben wir dort mehr als 700.000 Fahrzeuge ausgeliefert – das ist ein neuer Rekord!

Deshalb richten wir unser Geschäftsmodell jetzt konsequent neu aus. Es geht um maßgeschneiderte Chinalösungen, das heißt mehr Ressourcen, Know-how, Entscheidungskompetenz und Verantwortung vor Ort. Hier haben wir gerade in den vergangenen Monaten wichtige Meilensteine erreicht. 

„Ich erlebe in China eine große Aufgeschlossenheit für neue Technologien und den Willen, Innovationen schnell umzusetzen.“

Markus Duesmann, Vorsitzender des Vorstands und Vorstand für Baureihen der AUDI AG

Was unterscheidet die chinesische Kundschaft zum Beispiel von der europäischen?

 

Eichhorn: Auf jeden Fall sind chinesische Premiumautokäufer_innen deutlich jünger als in der EU. Das Durchschnittsalter liegt bei 35 und in Europa bei 56 Jahren. 37 Prozent kaufen sich erstmals ein Auto, während es in Deutschland nur weniger als ein Prozent sind. Die Funktionen in den Autos müssen nah am Leben dieser Zielgruppe sein: Entsprechend zentrale Bedeutung haben Infotainment und Connectivity-Funktionen. Ebenso sollten die Modelle an sich dem Premiumanspruch gerecht werden und einfach Spaß machen. Um das im Fokus zu behalten, stehen wir immer im Dialog mit den Kund_innen. Da leistet das Audi Innovation Research Office in Peking seit mehreren Jahren einen wichtigen Beitrag. Mithilfe unserer Marktforschungscommunity holen wir die Kundenmeinungen ein, die dann in den Entwicklungsprozess unserer lokalen Produkte einfließen – ganz nach dem Motto: In China, für China! Ähnlich machen wir das übrigens auch in Deutschland und den USA.

 

Herr Duesmann, was können wir von China lernen?

 

Duesmann: China ist in vielen Bereichen Innovationstreiber und gibt bei der Digitalisierung das Tempo vor. Das begeistert mich als Technikfan natürlich besonders. Ich erlebe in China eine große Aufgeschlossenheit für neue Technologien und den Willen, Innovationen schnell umzusetzen.

 

Und wie hält Audi mit dem Digitalisierungstempo in China Schritt?

 

Eichhorn: Wir entwickeln vor Ort genau die Lösungen, die für unsere Kund_innen den größten Mehrwert liefern – gemeinsam mit den lokalen Champions wie unter anderem Tencent. Ein gutes Beispiel sind etwa die neuen speziell auf den chinesischen Markt ausgelegten Connectivity- und Infotainment-Lösungen, die seit vergangenem Jahr in lokalen Audi Modellen verfügbar sind und die es ermöglichen, die Steuerung beliebter chinesischer Apps direkt in das Fahrzeug zu integrieren. Außerdem sind wir einer der ersten Premiumhersteller in China, der mehrere Testlizenzen für autonomes Fahren in ausgewählten Städten erhalten hat. Seit 2018 sind unsere Ingenieur_innen mit ihren Testfahrzeugen Tausende Kilometer in Peking und der zentralchinesischen Stadt Wuxi unterwegs, um die neuesten technischen Standards der Verbindung vom Auto zur städtischen Infrastruktur für die Serienreife vorzubereiten. 

Neuausrichtung der Chinastrategie

Herr Eichhorn hat die Neuausrichtung der Chinastrategie bereits erwähnt. Was beinhaltet diese?

 

Duesmann: Wir haben in den vergangenen Monaten an drei zentralen Punkten einen Durchbruch bei der strategischen Weiterentwicklung in China erzielt. Dazu zählt zum Beispiel, dass wir in Changchun ein neues Werk bauen, wo künftig Premiumelektroautos basierend auf der Premium Platform Electric (PPE) für den chinesischen Markt gefertigt werden. Dazu haben wir mit unserem Partner FAW ein Unternehmen gegründet, die Audi FAW New Energy Vehicle Company. Zum ersten Mal werden wir damit an einem Kooperationsunternehmen in China die Mehrheit halten. 

Die strategische Neuausrichtung von China fußt auf drei Säulen

Die strategische Neuausrichtung von China fußt auf drei Säulen

Audi FAW New Energy Vehicle Company

Changchun

FAW Audi Sales Company

Hangzhou

SAIC Partnership

Shanghai

Eichhorn: Wir gehen davon aus, dass spätestens im Jahr 2030 jährlich etwa 40 Prozent aller im Markt China verkauften Premiumfahrzeuge NEVs sein werden. Mit unseren zukünftigen Produkten werden wir dafür bestens vorbereitet sein. Schon jetzt treiben wir unsere E-Offensive in China intensiv voran. Der vollelektrische Audi e-tron wird inzwischen bei FAW-VW lokal gefertigt, der e-tron Sportback ist gerade in den Markt gestartet und der e-tron GT wird ebenfalls als Importfahrzeug nach China kommen. Zusammen mit dem im April enthüllten Q4 e-tron und weiteren Modellen aus der e-tron Familie werden wir bis 2025 fünf BEVs lokal produzieren. Bis 2025 werden wir sieben batterieelektrische Fahrzeuge in China im Portfolio haben.

 

Was sind die beiden anderen Meilensteine, von denen Sie gesprochen haben?

 

Duesmann: Wir haben zudem unsere Vertriebs- und Marketingaktivitäten in China in einer neuen Vertriebsgesellschaft, der FAW Audi Sales Company, gebündelt. Bisher war dafür ein Geschäftsbereich im Joint Venture FAW-Volkswagen zuständig, die Audi Sales Division; jetzt haben wir eine eigene Gesellschaft gegründet, in der die Vertriebsaktivitäten in China unter einem Dach vereint sind. Standort ist die ostchinesische Metropole Hangzhou in der Provinz Zhejiang, eine der dynamischsten und innovationsstärksten Regionen Chinas und ein Hub für Hightech und Digitalisierung.

Und der dritte wichtige Schritt, um uns in China noch breiter aufzustellen, ist die Zusammenarbeit mit einem zusätzlichen Partner, der Shanghai Automotive Corporation (SAIC).

 

Was erhoffen Sie sich von der Partnerschaft mit SAIC?

 

Eichhorn: Mit den zusätzlichen Modellen, die in nächster Zeit auf den Markt kommen, können wir gemeinsam mit den beiden Partnern FAW und SAIC ganz neue Segmente erschließen, die Bedürfnisse der chinesischen Kund_innen noch besser bedienen und unsere Produktoffensive in China fortsetzen. SAIC ist einer der bedeutendsten Hersteller in der Volksrepublik und seit Jahren ein bewährter Partner im Volkswagen Konzern. Mit Shanghai bekommen wir außerdem einen neuen Produktionsstandort dazu.

 

Sie haben auf der Auto Shanghai vier Weltneuheiten präsentiert. Inwiefern stehen diese Modelle für die Neuausrichtung in China?

 

Duesmann: Mit FAW und SAIC sind wir in Shanghai zum ersten Mal auf einem gemeinsamen Messestand aufgetreten. Diese enge Zusammenarbeit steht auf jeden Fall für unsere Neuausrichtung.

 

Eichhorn: Gemeinsam mit unseren beiden Partnern haben wir die Zukunft made by Audi präsentiert. Dazu zählt auch das brandneue Konzeptfahrzeug Audi A6 e-tron concept. Damit zeigen wir, wie elegant und dynamisch unsere künftigen Modelle auf der PPE-Plattform aussehen. Mit mehr als 700 Kilometern Reichweite ist dies ein weiterer Baustein unserer Elektrooffensive. Außerdem bringen wir mit dem Audi Q5L eines unserer Topseller-Modelle mit langem Radstand frisch überarbeitet auf den chinesischen Markt. Gebaut wird das erfolgreiche SUV weiterhin im Werk Changchun im Joint Venture FAW-VW.

Unser neuer Partner SAIC hatte sozusagen Heimspiel in Shanghai und hat auch zwei Newcomer vorgestellt. Zum einen die rein elektrische SUV-Studie mit dem Namen Audi concept Shanghai, deren Serienversion in der zweiten Jahreshälfte 2021 enthüllt wird. Zum anderen den neu entworfenen Audi A7L. Die Limousine wird schon im Laufe des Jahres 2021 in Shanghai gefertigt werden und ab dem nächsten Jahr auf dem chinesischen Markt verfügbar sein.

Audi e-tron GT quattro: Stromverbrauch kombiniert*: 19,6–18,8 kWh/100km (NEFZ); 21,8–19,9 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

Audi e-tron GT quattro: Stromverbrauch kombiniert*: 19,6–18,8 kWh/100km (NEFZ); 21,8–19,9 kWh/100km (WLTP)CO₂-Emissionen kombiniert*: 0 g/km

„Wir gehen davon aus, dass spätestens im Jahr 2030 jährlich etwa 40 Prozent aller im Markt China verkauften Premiumfahrzeuge NEVs sein werden. Mit unseren zukünftigen Produkten werden wir dafür bestens vorbereitet sein.“

Werner Eichhorn, Präsident Audi China

Weltneuheiten Auto Shanghai

Ausblick 2021

Zum Schluss noch die Frage: Wie sind Ihre Erwartungen für das kommende Jahr in China?

 

Duesmann: Audi konnte in den ersten drei Monaten 2021 bereits mehr als 418.749 Autos in China absetzen. Und auch im April und Mai hielt der positive Trend dort weiter an. Natürlich müssen wir – mit Blick auf die Halbleiterthematik und die anhaltende Coronapandemie – bei aller Euphorie verhalten optimistisch bleiben. Doch das vergangene Jahr hat auch gezeigt, dass es noch viel Potenzial im Premiumsegment gibt. In China haben wir hier ein Gesamtwachstum von fast 11 Prozent gegenüber 2019 erreicht. Auch der Markt für New Energy Vehicles wächst weiter. Das ist für uns ein klares Zeichen, dass wir mit unserer Produkt- und Chinastrategie genau richtig liegen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

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