Hightech-Puzzle

Aus rund 4.500 Teilen besteht der stärkste DTM-Audi aller Zeiten. So wurde aus diesem Hightech-Puzzle der Audi RS 5 DTM des Modelljahrgangs 2019 entwickelt, konstruiert und gebaut: der Entstehungsprozess des erfolgreichen neuen Turbo-Tourenwagens mit den Vier Ringen Schritt für Schritt.

07.08.2019 Lesezeit: 5 min

Durchsichtszeichnung des Audi RS 5 DTM
Porträt Andreas Roos

ENTWICKLUNG

Dezember 2014: DTM-Projektleiter Andreas Roos und seine Ingenieurskollegen bei Audi Sport machen den ersten Schritt zum neuen Audi RS 5 DTM und damit zum größten und wichtigsten Tourenwagen-Projekt von Audi der jüngsten Zeit. Die entscheidenden Weichen für eine gemeinsame Zukunft der DTM und der japanischen Rennserie Super GT nach dem Class-1-Reglement sind kurz zuvor gestellt worden. Erster und zentraler Punkt des Auftrags: ein neuer Zweiliter-Vierzylinder-Verbrennungsmotor mit Abgasturboaufladung für den Renneinsatz ab der zu dieser Zeit anvisierten DTM-Saison 2017.

Ulrich Baretzky mit dem Audi DTM-Motor

Ulrich Baretzky, seit mehr als 30 Jahren leitender Motoreningenieur bei Audi Sport, und sein Team haben sich schon seit 2008 mit einem Nachfolge-Aggregat des in der DTM seit 2000 verwendeten Vierliter-V8-Triebwerks beschäftigt. Nachdem die DTM die Einführung neuer Turbomotoren für den Beginn der Saison 2019 festgelegt hat, startet Audi ab Januar 2017 die finale Entwicklungsphase für die zukünftige Rennvariante seines RS 5 Coupés*, auf das die Marke mit den Vier Ringen seit 2013 in der DTM setzt. Interner Name des Projekts: RC8. Das Hauptaugenmerk liegt bei Audi Sport zunächst weiterhin beim Motor. „Für das Gesamtfahrzeug haben wir ab Mitte 2017 erste Konzeptstudien begonnen“, berichtet Andreas Roos.

 

Kraftstoffverbrauch kombiniert*: 9,1–9 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert*: 206 g/km

Kraftstoffverbrauch kombiniert*: 9,1–9 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert*: 206 g/km

Glühende Rohre am Motor

KONSTRUKTION UND PRÜFSTAND

Zwei Liter Hubraum, vier Zylinder, kompakt in Reihe angeordnet, Benzindirekteinspritzung analog zum TFSI-Konzept aus der Serie, Aufladung mittels Abgasturbolader: Das ist bei Audi die technische Basis seines neuen Hightech-Motors für die DTM. Mehr Motorleistung bei reduziertem Triebwerkgewicht und bei gesenktem spezifischem Kraftstoffverbrauch, wodurch der internationale Tourenwagen-Rennsport attraktiver gemacht und zugleich der Bezug zu Serienfahrzeugen mit hoch-effizienten Zweiliter-Turbomotoren weltweit verstärkt werden soll: Das sind die motorsportliche und die unternehmerische Philosophie.

Ingenieure am Prüfstand

Januar 2017: Auf den Prüfständen von Audi Sport läuft die Testarbeit mit dem sogenannten Vollmotor der Neukonstruktion, die im März 2015 begonnen hatte, weiter. Vor dem Vollmotor war mit einer Einzylinder-Version des neuen DTM-Vierzylinders geforscht worden. Fokus bei den Versuchen mit dem Einzylinder war das Brennverfahren.

Frühjahr 2017: Audi Sport testet seinen neuen DTM-Turbovierzylinder auf dem Prüfstand mitsamt Kühlsystem. Alles ist dabei so weit wie möglich so angeordnet, wie es später unter der Fronthaube im Audi RS 5 DTM platziert werden soll. Das bedeutet: der Motor inklusive Wasser- und Öl-Kühlkreislauf, Auspuffanlage plus Turbolader plus Ladeluft-Kühlsystem und Wastegate. Das komplette Paket des neuen DTM-Rennaggregats besteht aus rund 2.000 Einzelteilen.

Ab Sommer 2017 letzte Prüfstandstufe für den neuen Motor: Das Zusammenspiel zwischen dem Turbovierzylinder und dem bewährten sequenziellen Sechsgang-Getriebe wird perfekt in Einklang gebracht. Audi Sport nutzt dafür einen Achsprüfstand. Auf dem wird das komplette Antriebssystem absolut realitätsnah „gefahren“ und pistentauglich gemacht.

Nach insgesamt rund zwei Jahren Aufbauarbeit das zukunftsweisende Ergebnis: Der neue Zweiliter-Vierzylinder Turbomotor für die DTM von Audi leistet mit seinen mehr als 610 PS (450 kW) rund 100 PS mehr als der Vierliter-V8 mit doppelt so vielen Zylindern und doppelt so großem Hubraum und hat mit 650 Nm ein um fast 25 Prozent höheres Drehmoment. Mit 85 Kilogramm wiegt die Neukonstruktion fast nur noch halb so viel wie der Vorgänger.

Und noch ein wesentlicher Fortschritt für Audi: „Der DTM-Motor hat einen extrem niedrigen spezifischen Verbrauch, der sich inzwischen in Regionen bewegt, wo sie früher typischerweise bei Dieselmotoren waren. Wir zeigen in puncto Gewicht und Leichtbau – gerade unter dem Aspekt der CO2-Vermeidung – ein paar Wege auf, die in Zukunft hoffentlich auch den Weg auf die Straße finden, so wie beim ersten TFSI für Le Mans und dem TDI“, betont Motor-Entwicklungsleiter Ulrich Baretzky.

Audi RS 5 DTM in der Box

BAU TESTFAHRZEUG

September 2018: Alle für den Turbomotor und zur Anpassung an das Class-1-Reglement nötigen Modifikationen sind im Detail umgesetzt. Der Aufbau des ersten Audi RS 5 DTM des Modelljahrgangs 2019 beginnt. Wichtigste Unterschiede zum 2018er Fahrzeug: Der komplette Vorderwagen ist an den kompakteren Turbovierzylinder und dessen höheren Kühlbedarf angepasst. Besonders markant: Zusätzliche Lufteinlässe für den Ladeluftkühler in der Frontpartie, die den Audi RS 5 DTM noch aggressiver wirken lassen als das Vorgängermodell.

Audi RS 5 DTM in der Box

Im Herbst 2018 ebenfalls fertig überarbeitet ist die Aerodynamik. Gemäß Class-1-Reglement neu definiert sind für den 2019er DTM-Audi: Unterboden, Front- und Heckdiffusor sowie der Heckflügel, dessen Breite im Vergleich zum Vorjahr um satte 52 Zentimeter vergrößert wurde. Auch diese modifizierten Komponenten sind Einheitsbauteile, so wie bereits seit einigen Jahren Monocoque, Sicherheitskäfig, Katalysator, Antriebsstrang, Getriebe, Bremse, Fahrwerk, Felgen, Reifen und Tank. Damit setzt die DTM konsequent ihren Weg fort zu weiterer Kostenreduzierung und erhöhter Leistungsdichte.

 

Audi Sport Mitarbeiter und der Audi RS 5 DTM

„Weil vor allem das Unterbringen des stark veränderten Kühlsystems im Motorraum eine besondere Herausforderung war, haben wir uns für den Aufbau des ersten Fahrzeugs zirka eine Woche mehr Zeit als üblich genommen“, sagt Andreas Roos. Der Projektleiter präzisiert: „Wegen der höheren Abgastemperaturen mussten wir zum Beispiel besonders darauf achten, dass rund um die Auspuffanlage die thermische Abschirmung an jeder belasteten Stelle passt.“ Audi Sport kann seinen neuen Turbomotor nach fünf Aufbauwochen bereits Anfang Oktober 2018 erstmals im modifizierten Audi RS 5 DTM starten. Das Publikum für den nun stärksten DTM-Audi aller Zeiten ist exklusiv in der Motorsportzentrale in Neuburg an der Donau: die Mitarbeiter von Audi Sport.

TECHNISCHE DATEN

  Audi RS 5 DTM
Fahrzeugtyp Class-1-Rennwagen
Motor Reihen-Vierzylinder-Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung (TFSI)
Hubraum 2.000 ccm
Leistung Über 610 PS; ca. 30 PS Mehrleistung durch Push-to-Pass-Funktion
Drehmoment Über 650 Nm
Antriebsart Heckantrieb
Getriebe Semi-automatisches 6-Gang-Getriebe mit Paddle-Shift
Abmessungen 4.958 (inkl. Heckflügel) / 1.950 / 1.150
Länge/Breite/Höhe (mm)
Mindestgewicht 986 kg (ohne Fahrer)
Tankinhalt 120 l
0–100 km/h Ca. 2,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit Ca. 300 km/h

TESTFAHRTEN 1

16. Oktober 2018: Der erste Audi RS 5 DTM, Modelljahrgang 2019 dreht seine Premiere-Runden. Am Steuer dieses Testträgers: Audi Werksfahrer Mike Rockenfeller, der DTM-Champion von 2013. „Das war in erster Linie ein Funktionstest, um auf dem Prüfstand nicht feststellbare Kinderkrankheiten herauszufinden“, erklärt Andreas Roos. Speziell beobachten die Entwickler von Audi Sport dabei neben den höheren Motortemperaturen die stärkeren Vibrationen, die ein Turbomotor grundsätzlich erzeugt. Mitte November und Anfang Dezember 2018 folgen auf den Kursen von Estoril (Portugal) und Jerez (Spanien) noch zwei mehrtägige Erprobungsfahrten mit dem Testträger.

BAU RENNFAHRZEUGE

Februar/März 2019: Aufbau der acht Einsatzfahrzeuge für die DTM-Saison 2019 bei Audi Sport in Neuburg an der Donau. Das bedeutet: Innerhalb von drei bis vier Wochen werden 120 Baugruppen pro Fahrzeug in präzisester Handarbeit zu den modernsten Hightech-Tourenwagen zusammengefügt. Neben den Audi Technikern mit von der Partie sind während dieses Bauabschnitts wie bei jeder neuen DTM-Modellreihe auch die Ingenieure und Mechaniker der drei bewährten deutschen Einsatzteams: Audi Sport Team Abt Sportsline, Audi Sport Team Phoenix und Audi Sport Team Rosberg. Neu in diesem eingespielten Kreis ist das WRT Team Audi Sport aus Belgien. Als neues Kundenteam geben die erfolgreichen Langstreckensport-Experten 2019 mit zwei neuen Audi RS 5 DTM ihr DTM-Debüt.

Audi RS 5 DTM in der Box

TESTFAHRTEN 2

15. bis 18. April 2018: In der Woche vor Ostern gehen alle acht Einsatzfahrzeuge des Audi RS 5 DTM des Modelljahrgangs 2019 plus der Testträger auf dem Lausitzring erstmals gemeinsam auf die Piste. Dieser DTM-Test ist die Generalprobe für alle Teilnehmer der 33. Saison der Rennserie. Jeder Audi Pilot ist mit seinem nagelneuen Einsatzfahrzeug dabei: Robin Frijns und Nico Müller (Audi Sport Team Abt Sportsline), Loïc Duval und Mike Rockenfeller (Audi Sport Team Phoenix), Jamie Green und René Rast (Audi Sport Team Rosberg) sowie Jonathan Aberdein und Pietro Fittipaldi (WRT Team Audi Sport).

Audi RS 5 DTM auf der Rennstrecke

Nach den vier Tagen, insgesamt 1.883 Runden und mehr als 8.500 Kilometern belegen fünf der neuen Audi RS 5 DTM die ersten fünf Plätze der Bestzeitenliste. „Dass wir es gemeinsam mit unseren Teams Abt Sportsline, Phoenix, Rosberg und WRT geschafft haben, alle Autos rechtzeitig zum Test einsatzbereit zu haben, war ein großer Kraftakt und eine starke Leistung der gesamten Mannschaft“, bilanziert Andreas Roos.

Audi RS 5 DTM auf der Rennstrecke

ERSTE RENNSAISON

4./5. Mai 2019: Die neue Turbo-Ära beginnt in Hockenheim mit zwei Rennen und mit großem Erfolg für den Audi RS 5 DTM, Modelljahrgang 2019. Fünf von sechs möglichen Podestplätzen gehen an Audi Fahrer: Samstags werden Mike Rockenfeller und Robin Frijns Zweiter und Dritter. Sonntags gelingt ein souveräner Dreifachcoup mit René Rast als Sieger, Nico Müller als Zweitem und Robin Frijns erneut als Drittem. An der Box freut sich auch Bram Schot, Vorstandsvorsitzender der AUDI AG, über die großartige Erfolgspremiere.

Nach jedem der neun DTM-Rennwochenenden kehren die Audi RS 5 DTM an die Standorte ihrer Einsatzteams zurück. Dort werden sie zerlegt, alle Teile nach den Prüfanweisungen von Audi Sport genauestens untersucht und bei Bedarf ersetzt. Bei Motor, Kupplung, Frontsplitter und Bremsscheiben ist seitens des DTM-Reglements die Maximalzahl der Teile vorschrieben, die im Verlauf einer Rennsaison ausgetauscht werden dürfen. Innerhalb von acht Tagen steht jedes der acht Hightech-Puzzle namens Audi RS 5 DTM wieder auf den Rädern – bereit zur nächsten Jagd um Punkte, Pokale und Titel.

René Rast mit Lenkrad

WEITERENTWICKLUNG

Für 2020 hat die DTM-Dachorganisation ITR keine Änderungen an den aktuellen Fahrzeugen vorgesehen. Der Entwicklungsstand ist mit der aktuellen Homologation eingefroren und damit keine Weiterentwicklung erlaubt. „Optimierungen sind aufgrund des sehr eng gesteckten Reglements nur in einem kleinen Rahmen möglich“, sagt Projektleiter Roos. Was immer auch kommt: Audi Sport wird all seine Audi RS 5 DTM auch in der nächsten Saison in Bestform an den Start bringen.

HIGHTECH-
PUZZLE

Zweiliter-Vierzylinder Turbomotor
Audi RS 5 DTM auf der Rennstrecke
Audi Turbomotor auf dem Prüfstand

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