Ein Mann, zwei Jobs

Ein Rennauto ist nicht genug. Jedenfalls nicht für Robin Frijns. Der Audi Werksfahrer aus den Niederlanden bestreitet in dieser Saison zwei internationale Rennserien: DTM und Formel E. Was unterscheidet das Racing im Audi RS 5 DTM vom dem im Audi e-tron FE05? Was macht die Jobs beim Audi Sport Team Abt Sportsline und beim Audi Kundenteam Envision Virgin Racing so reizvoll? Robin Frijns erklärt es hier.

12.06.2019 Lesezeit: 6 min

Robin Frijns

MEINE ZWEI AUTOS

Audi RS 5 DTM auf der Rennstrecke

AUDI RS 5 DTM

Robin Frijns: „Der Audi RS 5 DTM ist ein geschlossener Class-1-Rennwagen mit Kohlefaser-Monocoque, Zweiliter-Turbomotor mit vier Zylindern (Leistung über 610 PS/450 kW), Heckantrieb und semiautomatischem, sequenziellem Sechsgang-Getriebe. Rund 300 km/h Topspeed sind damit möglich.“

Audi e-tron FE05 auf der Rennstrecke

AUDI e-tron FE05

Robin Frijns: „Der Audi e-tron FE05 ist ein offener FIA-Formel-E-Rennwagen mit Kohlefaser-/Aluminium-Monocoque, elektrischer Motor-Generator-Unit (Leistung maximal 340 PS/250 kW), Heckantrieb und Eingang-Renngetriebe. Sein Topspeed beträgt rund 240 km/h.“

MEINE ZWEI COCKPITS

Robin Frijns: „Im DTM-Auto sitzt du auf der linken Fahrzeugseite und ziemlich weit hinten, im Formel-E-Auto in der Mitte des Wagens. Im DTM-Tourenwagen hast du vor und neben dir jede Menge Instrumente.

Robin Frijns im Audi e-tron FE05

Im Vergleich dazu ist das Formel-E-Cockpit sehr klein und eng. Die meisten Knöpfe, Hebel und Anzeigen sind auf dem Lenkrad platziert. Der Einstieg ins Auto ist etwas schwieriger: Zurerst muss ich auf den Halo, das seit 2019 vorgeschriebene Schutzbügelsystem über dem Cockpit, springen und von dort ins Cockpit. Übrigens: Ich steige in meinen dachlosen Audi e-tron immer von der linken Seite ein und auf der rechten Seite aus.

 

Logischerweise ist diese Gewohnheit beim Audi RS 5 DTM nicht machbar. In diesem komplett geschlossenen Tourenwagen muss ich wie in ein Straßenauto von der linken Seite einsteigen. Allerdings: Die Türe ist dann noch nicht angebracht. Links kommt die Tür erst ans Auto, kurz bevor ich aus meiner Box rausfahre.“

Audi RS 5 DTM auf der Rennstrecke

MEINE ZWEI FAHRWEISEN

Robin Frijns: „Das Kurvenfahren ist sehr unterschiedlich: Im Formel-E-Auto kann ich nicht hart auf die Bremse treten. Denn dort wird kein Abtrieb durch eine große Karosserie erzeugt wie beim DTM-Fahrzeug. Im Formel-E-Auto lenke ich schärfer, also direkter, in die Kurven ein. Der Richtungswechsel des Autos beim Einlenken ist ebenfalls direkter, weil es mehr als 100 Kilogramm leichter ist als das DTM-Auto.

Audi e-tron FE05 auf der Rennstrecke

In der DTM musst du das Maximum an Abtrieb aus deinem Wagen rausholen. Und du musst das Set-up richtig hinkriegen, weil das in der DTM sehr, sehr sensibel ist. Du musst an jedem kleinen Detail deines Autos arbeiten, um für deinen Fahrstil die bestmögliche Lösung zu finden.

 

Ein Formel-E-Auto musst du so fahren, dass die komplexen Systeme dieses rein elektrischen Rennwagens und all seine Software am besten für dich arbeiten und dir helfen können. Das ist sehr kompliziert und noch komplizierter zu erklären. Jedenfalls hat jeder Rennwagen seine eigenen Geheimnisse, und jeder Rennfahrer muss sie herausfinden.“

Robin Frijns im Audi e-tron FE05

MEINE ZWEI RENNARTEN

Robin Frijns: „Der Start bei Formel-E-Rennen ist ziemlich einfach. Denn du kannst den Motor wegen all der Elektronik und des Eingang-Renngetriebes nicht abwürgen. In der DTM ist es heute sehr schwierig zu starten. Bis zum Ende der letzten Saison hatten wir dort eine Handbremse und damit die Möglichkeit die Kupplung vorzuspannen. Die haben wir jetzt nicht mehr, und manche Fahrer kriegen hier und da keinen optimalen Start hin.

Robin Frijns im Audi RS 5 DTM

Ein weiterer kritischer Punkt beim Start im DTM-Auto ist der Turbomotor, den es seit diesem Jahr hat. Ist deine Drehzahl zu niedrig, fällt dir der Ladedruck ab. Und wenn sie zu hoch ist, dann drehen hinten deine Antriebsräder durch. Es ist sehr sensibel und komplett anders. Definitiv: In der DTM ist es viel schwieriger, einen guten Start hinzukriegen.

 

Das Rennen selbst ist auch sehr verschieden in Formel E und DTM. In der DTM sind heutzutage die Reifen ein großes Thema. Bis letztes Jahr nämlich hatten wir Autos, die mehr aerodynamischen Abtrieb produzierten, die keinen Turbomotor und rund 100 PS weniger Leistung hatten. Jetzt werden die Reifen mehr belastet und verschleißen stärker. Während des Rennens auf deine Reifen aufzupassen, das ist nun definitiv ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg in der neuen DTM-Ära.

Robin Frijns im Audi e-tron FE05

In der Formel E ist Reifenverschleiß kein wirklich großes Thema. Das größte Ding dort ist das Energiemanagement. Das heißt: Zu jeder Zeit während des Rennens das Maximum an Leistung aus deinem Elektro-Antrieb rauszuholen.

 

Sehr unterschiedlich ist auch der Kampf mit deinen Gegnern auf der Strecke. In der DTM ist das einfacher. Dort kannst du mit dem Fahrer eines anderen Autos um mehrere Kurven kämpfen, manchmal sogar eine halbe Runde lang. Das mag ich wirklich. In der Formel E bereitest du deinen Angriff zum Überholen meistens für nur eine Kurve vor.

 

Der Wechsel von meinem Audi RS 5 DTM in meinen Audi e-tron FE05 und umgekehrt ist kein Problem für mich. Ich gewöhne mich ziemlich schnell an jedes dieser Autos, sobald ich am Lenkrad sitze. Das Switchen zwischen zwei Fahrzeugtypen habe ich schon gelernt, als ich in ein und derselben Saison für Audi DTM- und daneben LMP2-Rennen gefahren bin.“

Audi RS 5 DTM auf der Rennstrecke

MEINE ZWEI RENNWELTEN

Robin Frijns: „Der größte Unterschied in den Formaten von Formel E und DTM: In der Formel E fahren wir auf nicht permanenten, speziell gebauten Stadtkursen. In der DTM fahren wir bis auf eine Ausnahme – nämlich den Norisring – auf permanenten Rennstrecken. Das sind wirklich große Anlagen im Vergleich zu den Formel-E-Pisten, wo alles kleiner und enger ist.

Robin Frijns mit seinen Mechanikern

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen beiden Serien: In der Formel E haben wir die Freien Trainings, das Qualifying und das Rennen an einem einzigen Tag. Das gesamte Programm ist in weniger als zwölf Stunden gepackt. Deshalb ist es ziemlich hektisch und stressig.

 

In der DTM haben wir etwas mehr Zeit, um uns mit unseren Ingenieuren hinzusetzen und zu besprechen, was am Auto verbessert werden muss. Wir haben einen Tag mit zwei Freien Trainings und zwei Renntage mit einer Qualifying-Sitzung vor jedem Rennen.

 

Die Atmosphäre ist jeweils auch sehr verschieden: Die Formel E ist erst in ihrer fünften Saison, wächst aber weiterhin enorm. Viele Fans, die sie anschauen kommen, sind absolut neu im Motorsport. Auf der anderen Seite existiert die DTM schon länger als drei Jahrzehnte, und die meisten Menschen folgen ihr aus purer Leidenschaft für Autos und Rennsport. Viele DTM-Fans vergleichen diese großen Tourenwagen mit normalen Straßenautos. Es ist momentan noch schwer, einen Formel-E-Rennwagen mit einem Straßenauto zu vergleichen. Aber: Sehr bald wird die Technologie, die wir heute in der Formel E benutzen, in die Straßenautos der Zukunft übernommen!“

Robin Frijns auf dem Podium

MEIN EINZIGES FAZIT

Robin Frijns: „In verschiedenen Motorsport-Kategorien Rennen zu fahren und Wettkampf zu betreiben, das hat aus mir in den vergangenen Jahren einen kompletteren Rennfahrer gemacht. Ich bin mit Formel-Wagen aufgewachsen, bin sogar bis zum Formel-1-Testfahrer aufgestiegen. Dann bin ich zu schwereren, vollkommen anders ausbalancierten GT-Fahrzeugen gewechselt und fahre jetzt in der DTM und in der Formel E. Ehrlich, ich liebe diese beiden Rennautos wirklich sehr.“

ROBIN
FRIJNS

Robin Frijns auf dem Podium
Robin Frijns im Audi RS 5 DTM
Boxenstopp Audi RS 5 DTM

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