28.11.2018

NEUE DTM-WELT: LOÏC DUVAL WAR SCHON DA

Weiter Richtung gemeinsame Zukunft: 2019 machen die europäische DTM und die japanische Super GT ihren nächsten großen Schritt zur Vereinigung in einer neuen internationalen Rennserie. Die beiden beliebten Tourenwagen-Klassen bestreiten erstmals gemeinsam Rennen. Und zwar zwei – eines in Europa, eines in Japan.
2017 in Motegi (Japan): Demonstrations-Event von DTM und Super GT

2017 in Motegi (Japan): Demonstrations-Event von DTM und Super GT

Audi-Werkspilot Loïc Duval kennt den japanischen Automobilsport wie kein anderer DTM-Fahrer. Sieben Jahre, von 2006 bis 2012, hat der Franzose seinen schnellen Job in Japan gemacht und dabei zwei Meistertitel gewonnen. Von 2013 bis 2016 war Duval für Audi im Rahmen der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC im Japan-Einsatz. Und 2017 hat er in Hockenheim und Motegi die Show-Events von DTM und Super GT als Fahrerbotschafter mitgemacht. Was erwartet die DTM im Land der aufgehenden Sonne? Was kommt auf seine ehemaligen Kollegen aus Japan bei ihrem Gastspiel in Europa zu? Loïc Duval erklärt es hier:
„IN JAPAN WIRD SOFTER GEFAHREN“

„IN JAPAN WIRD SOFTER GEFAHREN“

Loïc Duval: „In Japan werden Tourenwagen-Rennen sehr, sehr akkurat gefahren. In Europa ist es im Zweikampf und beim Überholen üblich, dass du mit deinem Auto das Auto deines Gegners auch mal berührst. Dieses Rennfahren mit Kontakt ist in Japan in der Regel verboten. Tust du es doch, wirst du meistens bestraft. Das macht die Rennen der Super-GT-Serie anders – aber nicht unbedingt fairer. Vielleicht passt es so am besten: In Japan werden Tourenwagen-Rennen softer gefahren als in Europa.“

„JAPANISCHE TEAMS SIND PERFEKTIONISTEN“

Loïc Duval: „Egal, ob als Rennfahrer oder als sonst was: Wenn du als Europäer zum ersten Mal in Japan arbeitest, kriegst du anfangs einen Kulturschock. Vor allem die Sprache ist ein Riesenproblem. Denn nur wenige Japaner sprechen Englisch, von Französisch, Deutsch oder anderen europäischen Sprachen ganz zu schweigen. Und warum habe ich kein Japanisch gelernt? Dazu hätte ich regelmäßig und längerfristig in eine Schule gehen müssen und dafür fehlte mir einfach die Zeit. Also habe ich mit meinen Teams, für die ich in Japan Super Formula und Super GT gefahren bin, zuerst nur englische Wortfetzen ausgetauscht. Oft haben wir auch mit Händen und Füßen geredet.

Doch irgendwie funktionierte es. Vor allem deshalb, weil die Japaner Fremden gegenüber besonders hilfsbereit sind: Sie wollen dich verstehen und dass du dich wohlfühlst. Auch da sind sie, wie bei so vielem, absolute Perfektionisten. In einem Rennteam zum Beispiel fragen sie dich bei einem Problem mit deinem Auto so lange aus, bis sie dich bis ins allerletzte Detail verstanden und eine Lösung gefunden haben. Japaner, die zum Rennfahren nach Europa kommen, dürften es in diesem Punkt schwerer haben.“
„FAHRFEHLER ZAHLST DU IN BAR“

„FAHRFEHLER ZAHLST DU IN BAR“

Loïc Duval: „Die Rennstrecken in Japan sind ziemlich anders. Mit Ausnahme von Fuji sind sie noch nach älteren Mustern gebaut. Es gibt meistens weniger und kleinere Auslaufzonen. Und die bestehen, anders als auf den meisten modernen europäischen Kursen, nicht aus Asphalt, sondern weiterhin aus Gras oder Kies: Sobald du an einer solchen Stelle zu schnell bist, riskierst du in Japan viel mehr Schäden an deinem Auto als in Europa. In Japan gilt, salopp ausgedrückt: Fahrfehler zahlst du in bar – und auf jeden Fall mehr!“

„DIE BESTEN MOTORSPORT-FANS DER WELT“

Loïc Duval: „Seit 2012 lebe ich nicht mehr in Japan, komme höchstens noch ein-, zweimal im Jahr zu Besuch. Und dann passierte mir im Oktober 2018 das: Ich kam als TV-Experte eines französischen Fernsehsenders zum Japan-Grand-Prix der Formel 1. Schon am Eingang der Rennstrecke von Suzuka sprachen mich Fans an, die mich wiedererkannten. Sie wollten wie früher, als ich in Japan Meister der Super Formula und der Super GT war, jede Menge Autogramme und Fotos. Es gab in Suzuka sogar eine Tribüne, wo die Zuschauer ein Loic-Duval-Banner hochhielten und mir zujubelten.

Ganz klar, die Japaner sind die besten Motorsport-Fans der Welt. Ja, oft sind es sehr, sehr viele und du musst dich durch solch riesige Fangruppen Schritt für Schritt durcharbeiten. Doch es ist so klasse, wenn du und deine Arbeit so dermaßen geschätzt werden. Und sobald dir japanische Rennfans abseits der Strecke begegnen, respektieren sie deine Privatsphäre total und stören dich nicht. Und das machen sie mit jedem Fahrer so, selbst mit solchen Superstars wie Fernando Alonso oder Lewis Hamilton.“
„ALLES SAUBER, PÜNKTLICH – UND FREUNDLICH“

„ALLES SAUBER, PÜNKTLICH – UND FREUNDLICH“

Loïc Duval: „Generell hat mir die japanische Kultur von Anfang an sehr gut gefallen. Bevor ich nach Japan kam, kannte ich die asiatische Welt kaum und war skeptisch. Doch dann wurde ich in Japan total positiv überrascht: alles sauber, pünktlich – und freundlich! Ich lebte erst ein Jahr lang in Gotemba am Mount Fuji, danach fünf Jahre in Tokio. Was mich als Franzosen und als Fan von sehr gutem Essen dort besonders beeindruckt hat: Keine Stadt hat mehr Restaurants mit Michelin-Sternen als Tokio. Mit meinem deutschen Rennfahrerkollegen André Lotterer, der auch viele Jahre in Japan und Tokio gelebt hat, war ich oft unterwegs. Auch er hat seine Japan-Zeit extrem genossen.

Speziell ist und bleibt für mich auch das Reisen in Japan. Denn es ist viel leichter als in Europa. Beispiel Zugfahren: Bahnhöfe, Bahnsteige, Abfahrtszeiten, sogar Ticketpreise, all das wird über viele, viele Jahre nicht verändert. So kannst du dich als Fremder ganz schnell zurechtfinden und sicher fühlen. Außerdem: In Japan sind alle und alles pünktlich, wirklich pünktlich.“
„ERDBEBEN SIND FÜR JAPANER ALLTAG“

„ERDBEBEN SIND FÜR JAPANER ALLTAG“

Loïc Duval: „Wer wie ich mitten aus Frankreich kommt, der kennt Erdbeben nur aus dem Fernsehen. Als ich in Japan mein erstes Erdbeben miterlebte, bekam ich den totalen Schreck. Doch meine Ingenieure und Mechaniker sagten bloß: ,Ja, das ist ein Erdbeben. Na und?‘ Und weiter ging der Werkstattalltag. Für die Japaner ist es normal, dass immer wieder mal ihre Häuser wackeln.

Das große Erdbeben von 2011, bei dem so viele Menschen starben und das Kernkraftwerk von Fukushima schwer beschädigt wurde, ist und bleibt allerdings meine schlimmste Japan-Erinnerung. Meine schwangere Frau und ich waren mitten auf der Straße, als es losging. Wir hörten nur noch das Zischen und Knallen der abreißenden Stromkabel. Ich dachte für einen Moment: Gleich bricht der Boden unter unseren Füßen auf. Danach haben wir unser Appartement in Tokio aufgeben und sind nach Europa gezogen. Seitdem war ich nur noch zu einzelnen Renneinsätzen in Japan.“

„UNSER GEMEINSAMES RACING WIRD ECHT COOL“

Loïc Duval: „Auf die beiden Rennen, die DTM und Super GT in der Saison 2019 zusammen und gegeneinander fahren werden, freue ich mich riesig. Unser gemeinsames Racing wird echt cool, vor allem das Rennen in Japan. All meinen DTM-Kollegen kann ich versprechen: Das wird absolut klasse, eine echt tolle neue Erfahrung! Und umgekehrt gilt das natürlich auch für all die Super-GT-Piloten aus Japan, die 2019 zum ersten Mal nach Europa kommen werden.“

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