Allan McNish mit dem Audi e-tron FE05

12.12.2018 Lesezeit: 10 min

FORMEL E: DAS HERZ FÄHRT WEITER

Allan McNish mit Helm

Ex-Rennfahrer Allan McNish ist seit 2017 Chef des Formel-E-Teams Audi Sport ABT Schaeffler. Mitte Dezember 2018 starten er und sein Team als Titelverteidiger in seine fünfte Saison in der rein elektrischen Rennserie. McNish hat Ende 2013 seine Karriere am Lenkrad beendet. Der Schotte stieg bis in die Formel 1 auf und fuhr auch DTM. Vor allem aber war er im Langstrecken-Motorsport und mit Audi erfolgreich. Dreimal gewann Allan McNish für die Marke mit den Vier Ringen die 24 Stunden von Le Mans, viermal die 12 Stunden von Sebring. 2013 wurde er mit seinen Audi-Fahrerkollegen Tom Kristensen und Loïc Duval Langstrecken-Weltmeister.

Allan McNish in der Box

Was sind seine wichtigsten Lehren nach dem ersten Jahr im neuen Job? Was ist 2018/2019 für Audi entscheidend, um seinen Mannschaftstitel in der neuen Formel-E-Saison erfolgreich verteidigen zu können? Wie unterschiedlich sind die Jobs Rennfahrer und Teamchef? Allan McNish beantwortet es hier.

Allan McNish im Gespräch mit Lucas di Grassi und Daniel Abt

„BEIDE FAHRER IM BLICK“

Was Allan McNish aus seiner ersten Saison als Teamchef gelernt hat: „Den Blick auf zwei Fahrer zu konzentrieren. Sicherzustellen, dass beide die gleichen Möglichkeiten haben. Ein weiterer wichtiger Lerneffekt aus der vergangenen Saison: Sich immer auf die bestmögliche Lösung zu fokussieren, wenn es mal nicht so läuft.“

Audi e-tron FE05 auf der Rennstrecke

„BEREITER FÜRS UNERWARTETE“

Was der Formel-E-Teamchef von Audi in der neuen Saison anders machen wird: „Wir haben unser neues, nach den neuen Formel-E-Regeln gebautes Auto, den neuen Audi e-tron FE05, in vielen Punkten gegenüber dem Vorgänger-Modell verbessert. Außerdem sind unsere Fahrer, Lucas di Grassi und Daniel Abt, fokussiert auf all die Parameter, die sie weiter verbessern können. Wir vom Team konzentrieren uns ebenfalls auf allen möglichen Gebieten, um noch besser zu werden. Und ich selbst will mich noch mehr und besser vorbereiten auf alles Unerwartete. Letztes Jahr habe ich nämlich besonders das gelernt: Die Ein-Tages-Events der Formel E sind dermaßen intensiv, dass dabei immer etwas Unerwartetes passiert. Und zwar in jedem der vielen, vielen Bereiche, für die ich verantwortlich bin.

Allan McNish im Digital Lauch Video Saison 5 vor dem Saisonstart 2018/2019

Allan McNish in der Box

„TEAMCHEF SEIN MACHT MÜDER“

Wie anders der Teamchefjob als der Fahrerjob ist: „Als Teamchef muss ich viel mehr reden. Neben der Marketing- und Medienarbeit, die du als Fahrer neben dem Fahren ja auch hast, muss ich heute an einem Rennwochenende aber auch noch zu all den Meetings der Teamchefs, der Hersteller, des Automobil-Weltverbands FIA und der Rennpromotor, um Audi dort zu repräsentieren. Ganz ehrlich: Wenn ich heute von Rennen heimkomme, bin ich müder als früher als Fahrer.

„PERMANENT HÖCHSTER LEISTUNGSDRUCK“

Wo die beiden Jobs Parallelen haben: „Gleich ist dabei das oberste Ziel: Du musst gewinnen. Der Weg dahin ist für Fahrer und Teamchefs in vielen Punkten der gleiche. Rennfahrer sind sehr anpassungsfähig und deshalb, ehrlich gesagt, auch für jede Art von Business geeignet. Ein Rennfahrer ist es gewohnt, permanent Leistung bringen zu müssen und meist nur für ein Jahr einen Arbeitsvertrag zu haben. Das bedeutet: Du musst jeden Tag Leistung bringen. Bringst du die nämlich nicht, dein Nachfolger wird sie bringen. Permanent höchstem Leistungsdruck standzuhalten, das vor allem verbindet die Jobs von Rennfahrern und Teamchefs sehr.“

Allan McNish in der Box

„AN DER BOX MIT IM COCKPIT“

Wie sehr das Fahrerherz von Allan McNish immer noch schlägt: „Ich frage mich permanent ganz bewusst: Was brauchen unsere beiden Fahrer? Ich selbst war als Rennfahrer schon in allen Situationen, die Lucas und Daniel heute erleben. Manchmal erwische ich mich dabei, wenn ich Ihnen via Onboard-Kamera zuschaue: Ich fahre selbst mit, bereite im Kopf ihre nächsten Überholmanöver vor und so weiter. Ich kann an der Box nichts ändern, doch ich fühle so mit, als würde ich selbst im Cockpit sitzen. Fakt ist: Die Fahrer haben den härtesten Job. Sie müssen in Sekundenbruchteilen auf der Strecke Entscheidungen treffen, die Sieg oder Niederlage bedeuten. Und es ist immer einfacher, von außen zu urteilen. Wenn du aber wie ich selbst die Erfahrung hast, was alles drinnen im Cockpit passiert und passieren kann, kannst du besser auf Augenhöhe mit Rennfahrern diskutieren.“

Allan McNish an der Boxenmauer

„ZUSCHAUEN LEICHTER ALS GEDACHT“

Wie schwer ihm fällt, nicht mehr selbst zu fahren: „Das ist okay für mich. Das hat mich übrigens sehr überrascht. Es wäre ja verständlich zu denken: ,Wenn ich jetzt im Auto säße, dann würde ich es so oder so anders machen.‘ Aber so habe ich noch nie gedacht. Insofern fällt mir das Zuschauen leicht. Aber die Schmetterlinge im Bauch vor dem Start, diese leichte Nervosität, all das empfinde ich immer noch genauso wie zu meiner Zeit als Fahrer. Aber ich möchte nicht mehr zurück ans Steuer. Deshalb fahre ich unsere Rennautos auch nicht selbst.“

Allan McNish auf dem Podium

„NIE ERWARTETE EMOTIONEN“

Wie anders das Gefühl bei einer Siegerehrung als Teamchef ist: „Diese Zeremonien aus der letzten Formel-E-Saison 2017/2018 gehören zu den stolzesten Momenten meines Lebens. Als Rennfahrer war es schon sehr, sehr befriedigend, wenn ich gewonnen habe und da oben auf dem Podium stand. Wie schon gesagt: Ein Rennfahrer muss sich jeden Tag ganz alleine neu beweisen. Doch als Teamchef, wo ich zusammen mit allen meinen Kollegen an der Rennstrecke, bei Audi Sport in Neuburg und bei ABT Sportsline in Kempten die Siege erarbeitet habe, erlebte ich Emotionen, die ich niemals auf einem Siegerpodest oder bei einer Feierveranstaltung wie der FIA-Jahresehrung erwartet hätte. Ich hatte ja nicht mal mehr damit gerechnet, überhaupt noch einmal auf einem Podium zu stehen. Umso schöner war es auch, dass ich noch mal Champagner versprühen durfte.“

Allan McNish mit Dr. Wolfgang Ullrich auf dem Podium

„DREI BESONDERE MÄNNER“

Wer seiner alten Teamchefs für Allan McNish Vorbild ist: „Das sind drei besondere Männer: Zuerst David Leslie, bei dem ich nach meiner Kart-Zeit das Rennen mit Autos angefangen habe. Ihn trieb die reine Lust am Motorsport an. Am Ende meiner Karriere war es Dr. Wolfgang Ullrich, bis Ende 2017 der Audi-Sportchef. An ihm schätze ich so sehr seine Aufrichtigkeit. Wir haben 1999 per Handschlag meinen Wechsel zu Audi vereinbart. Der war genauso viel wert wie ein schriftlicher Vertrag. Das war für mich ein sehr wichtiger Punkt. Mittendrin in meiner Karriere war Jackie Stewart, mein schottischer Landsmann, sehr wichtig und wirksam für mich. Jackie war ja immer wegweisender Mentor für mich. Doch als ich für sein Team Formel 3000 gefahren bin, hat mich seine Professionalität, dieses Höchstlevel an Detailarbeit, sehr beeindruckt und sehr geprägt. Alle drei dieser Männer waren oder sind sehr unterschiedlich, doch eines hatten oder haben sie gemeinsam: Sie wollen unbedingt gewinnen.“

Audi e-tron FE05 in der Box

„VORBEREITUNG UND TEAMGEIST“

Was entscheidend ist, um auch 2018/2019 Audi in der Formel E zum Erfolg zu führen: „Zum einen die beste Vorbereitung von Autos und Equipment für die Rennen. Unsere neuen Autos sind mittlerweile von der FIA homologiert, also technisch abgenommen. Wir können laut Reglement daran also nichts mehr Gravierendes ändern. Umso wichtiger ist: Wir müssen auf alles vorbereitet sein, was passieren kann und damit klarkommen.“

„Zweitens: Wir müssen ein Team sein. Auch wenn nur einer unserer Fahrer am Ende Fahrer-Champion werden kann und dadurch teamintern Wettbewerb herrscht. Wir haben zwei sehr schnelle, clevere Fahrer und dazu noch unseren erstklassigen Entwicklungs- und Testpiloten Nico Müller im Hintergrund. Ich denke, Sie alle haben verstanden, wie wichtig Teamgeist bei Audi ist. Denn nur wenn wir ein Rennen beenden, können wir es auch gewinnen. Wir sind uns sehr klar im Team von Audi Sport ABT Schaeffler, wie wir unser Ziel, wieder erfolgreich zu sein, erreichen können. Daran müssen wir uns halten. Der Rest hängt vom Verlauf des Wettbewerbs ab.“

Audi e-tron FE05 auf der Rennstrecke

„FOKUS, FOKUS, FOKUS!“

Der Leitsatz von Allan McNish für die neue Formel-E-Saison: „Der ist sehr einfach: Fokus, Fokus, Fokus! Wir müssen uns total auf unseren Job konzentrieren. Der Gewinn des Mannschaftstitels der Formel E, den wir letzte Saison geschafft haben, ist Geschichte. Deine Geschichte bestimmt nicht deine Zukunft. Deine Zukunft bestimmt nur, was du im Hier und Jetzt tust.“

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