13.06.2018

FORMEL E: DER MANN HINTER DEM CHAMPION

Wohl kein Teammitglied ist für Formel-E-Champion Lucas di Grassi wichtiger als sein Renningenieur Markus Michelberger. Er ist beim Renneinsatz sein erster Ansprechpartner, Vor- und Mitdenker in allen Fragen rund ums Rennauto. Markus Michelberger ist 38 Jahre alt, Diplom-Ingenieur für Maschinenbau und gehört zum Formel-E-Team Audi Sport ABT Schaeffler. Und so arbeitet er.

DIE WOCHEN VOR DEM RENNEN

SCHREIBTISCH UND FAHRSIMULATOR

SCHREIBTISCH UND FAHRSIMULATOR

Training, Qualifikation und Rennen finden in der Formel E an einem einzigen Tag statt. Kein Motorsport-Format ist kompakter und komplexer. Deshalb ist bereits vor den Renn-Events höchster Einsatz der Teams nötig. „Bevor ich als Ingenieur zu einer Rennstrecke komme, sind 70 Prozent meiner Arbeit schon getan“, sagt Markus Michelberger. In den Wochen vor einer Formel-E-Veranstaltung analysiert er mit seinen Kollegen am ABT-Firmensitz in Kempten die für die nächste Rennstrecke nötigen Abstimmungen ­– für Aerodynamik, Fahrwerksmechanik und Elektroantrieb.
Das so entwickelte Start-Set-up für die insgesamt vier Formel-E-Rennwagen vom Typ Audi e-tron FE04 wird anschließend in der Motorsport-Zentrale von Audi in Neuburg an der Donau von den Rennfahrern Daniel Abt (Foto) und Lucas di Grassi im Fahrsimulator überprüft und weiterentwickelt. Jeder von ihnen sitzt dazu mindestens einen ganzen Tag lang im Simulator-Cockpit.

DER TAG VOR DEM RENNEN

STRECKENINSPEKTION

STRECKENINSPEKTION

9.00–10.30 Uhr: Der Tag vor einem Formel-E-Event beginnt für alle Rennställe mit einem Rundgang um die Strecke. Neben den Rennfahrern und ihren Renningenieuren sind auch die Teamleiter, die Cheftechniker und alle Ingenieure mit dabei. Nach dem offiziellen Startmeeting aller Ingenieure und Fahrer am Vorabend ist der sogenannte „Track-Walk“ der nächste wichtige Termin im Zeitplan.   
„Da schauen wir uns Meter für Meter die Feinheiten einer Rennstrecke ganz genau an“, erzählt Markus Michelberger. Also Unebenheiten auf der Fahrbahn und deren wechselnde Beläge. Denn: Die Formel E fährt ja fast ausschließlich auf normalen Straßen von Weltmetropolen wie Hongkong, Berlin, New York oder neuerdings Zürich. Wie weit kann ich die Curbs, die Randsteine, in meine Fahrlinie einbeziehen? Welche kann ich voll cutten, also komplett schneiden? Wo darf ich nur leicht drüberfahren? All diese Fragen diskutieren Michelberger und di Grassi.   
SHAKEDOWN

SHAKEDOWN

15.00–15.30 Uhr: Zum Shakedown, dem Funktionstest, stehen jedem Formel-E-Fahrer nur sechs Runden zur Verfügung. Wichtigste Checkpunkte: Elektro-Antrieb und Fahrwerk-Abstimmung. Beim Auto von Lucas di Grassi läuft dabei alles nach dem Plan von Renningenieur Michelberger. Nach dem Shakedown wird das mechanische und aerodynamische Set-up nach den ersten Praxiserfahrungen weiter verfeinert.   
BOXENSTOPP-TRAINING

BOXENSTOPP-TRAINING

17.45–18.15 Uhr: Eine weitere Besonderheit der Formel E sind die Boxenstopps. Denn dabei werden nicht die Räder getauscht, sondern jeder Fahrer wechselt in ein zweites Auto. Hintergrund: Die Batterien, die derzeit in der Formel E verwendet werden, reichen nicht aus für die komplette Renndistanz. „Wir üben den Fahrzeugwechsel so lange, bis Lucas die Knie wehtun“, erzählt Markus Michelberger und schmunzelt.      

DER RENNTAG

FREIES TRAINING 1

FREIES TRAINING 1

8.00–8.45 Uhr: Der eng getaktete Renntag beginnt für Markus Michelberger und den Rest der Audi Mannschaft morgens um 6.00 Uhr. Vor dem ersten Training müssen in der Box alle Systeme hochgefahren und gecheckt werden. Falls es regnet, bekommen die Autos noch ein spezielles Set-up für Nässe.
Die Hauptarbeit im ersten Freien Training beschreibt Michelberger so: „Während dieser 45 Minuten versuchen wir so viele Informationen herauszufinden: Passt das Energie-Management für unseren vollelektrischen Antrieb? Wie müssen wir unser Set-up der tendenziell immer schneller werdenden Strecke anpassen?“
Außerdem drehen Lucas di Grassi und Teamkollege Daniel Abt meist schon in dieser Trainingssitzung eine Runde im sogenannten Quali-Modus. Das bedeutet: Auf der Strecke wird das Qualifikations-Training simuliert. Also dürfen die Formel-E-Piloten aus ihrer Motor-Generator-Einheit mehr Power abrufen als im Renn-Modus. Konkret: 200 kW (272 PS) statt 180 kW (245 PS).
AUTOS UMBAUEN

AUTOS UMBAUEN

8.45–11.30 Uhr: Mit den im ersten Freien Training gewonnenen Erkenntnissen wird die gesamte Abstimmung der Audi e-tron FE04 optimiert. Gab es in der ersten Übungssession Technikdefekte oder Unfallschäden, wird die Aufgabenliste länger.
FREIES TRAINING 2

FREIES TRAINING 2

11.30–12.00 Uhr: In diesen 30 Minuten liegt der Schwerpunkt für Markus Michelberger und die Mechaniker-Mannschaft des Autos von Lucas di Grassi auf der Vorbereitung fürs Qualifying. Eine weitere Runde im 200-kW-Modus wird absolviert.
QUALIFYING UND SUPERPOLE

QUALIFYING UND SUPERPOLE

12.00–13.00 Uhr: Jetzt geht es für Lucas di Grassi und alle anderen Fahrer um den bestmöglichen Startplatz – und damit um absolute Bestzeiten. Mit maximalem Generator-Output (200 kW/272 PS) und auf der schnellsten Linie, die die Strecke bietet. Zwischen Qualifying und Superpole ­– dem Ein-Runden-Einzelfahren der fünf Quali-Besten – dürfen an der Box nur die bis zu 800 Grad heiß werdenden Bremsen der Formel-E-Rennwagen gekühlt werden. Mehr Arbeit an den Autos ist verboten.   
Markus Michelberger ist in dieser hektischsten Phase des Formel-E-Renntages der Ruhepol. Vor allem die Uhr muss er im Auge behalten. Alles ist eng getaktet. „Wenn Lucas sich für die Super-Pole-Runde qualifiziert, steigt er trotz der kurzen Pause aus dem Cockpit. Ich achte dann mit den Mechanikern darauf, dass er rechtzeitig wieder einsteigt und rausfährt“, erklärt der Renningenieur.
STARTVORBEREITUNG

STARTVORBEREITUNG

13.00–16.00 Uhr: Das Auto, mit dem Lucas di Grassi die Qualifikation gefahren ist, bleibt danach noch rund eine halbe Stunde lang wegen der Kontrolle durch die Kommissare unangetastet – Parc fermé. Währenddessen machen Markus Michelberger und die Mechaniker den zweiten Audi e-tron FE04 mit der Nummer 1 rennfertig. Die Batterie wird vollgeladen, zum letzten Mal wird das mechanische Set-up verfeinert. Sobald am Quali-Fahrzeug wieder gearbeitet werden darf, passiert damit das Gleiche. 
Markus Michelberger checkt auch noch alle Autodaten durch, die während des Qualifyings aufgezeichnet worden sind. Lucas di Grassi widmet sich da längst schon wieder seinen Presse- und PR-Verpflichtungen. Und zwischendurch muss der Titelverteidiger entscheiden, mit welchem seiner beiden Wagen er zuerst ins Rennen gehen will. 
40 Minuten vor dem Start fahren die Formel-E-Autos aus ihren Boxen in die Startaufstellung. Markus Michelberger und Lucas di Grassi, der noch einmal aussteigt, schauen dort ganz genau auf die anderen Autos. „Dann wissen wir, wer im Topspeed schneller sein könnte. Und wer mit mehr Abtrieb fährt und deshalb später bremsen kann“, verrät Michelberger.
RENNEN

RENNEN

16.00–16.55 Uhr: Lucas di Grassi und Markus Michelberger bestreiten die Formel-E-Rennen zusammen – der eine am Lenkrad, der andere am Bildschirm. Denn während der etwa 50 Minuten beziehungsweise rund 100 Kilometer Renndauer sind sie im ständigen Funkkontakt. „Fast in jeder Runde sage ich Lucas, was los ist: Wie er die Bremsbalance anpassen muss, wie er sein geplantes Energie-Management tatsächlich umsetzt, wie viel Energie er selbst und wie viel Energie die Gegner um ihn herum noch haben, welche Set-up-Änderungen er sich fürs zweite Auto wünscht, wann genau er zum Autowechsel an die Box kommt“, so Michelberger. Kein anderes Teammitglied außer ihm spricht Lucas di Grassi jetzt über Funk an – auch nicht Allan McNish, der Formel-E-Teamchef von Audi. Und weil der Funkverkehr oft live im Fernsehen übertragen wird, verwenden Michelberger und di Grassi für manche Infos ihre ganz eigene Geheimsprache.

 

NACH DEM RENNEN

16.55–22.00 Uhr: Wenn Lucas di Grassi einen der drei Podiumsplätze erreicht, gratuliert Markus Michelberger seinem Fahrer und feiert auch kurz mit ihm. Auch für ein Strahlen auf dem Jubelfoto des Teams reicht die Zeit noch. Doch dann ist für den Renningenieur und seine Kollegen weiter Arbeit angesagt.
Die Formel-E-Autos müssen zur Schlusskontrolle der Rennkommissare und dann für den Transport teilweise zerlegt und sicher verpackt werden. Und jede Menge neuer Daten gibt es zum Analysieren. Erst danach ist das Rennen gelaufen für den Mann hinter dem Champion.   

MITDENKER

Image
Image
Image

Schließen

Audi weltweit

Wechseln Sie zu Ihrer Audi Landes-/Vertriebssregionseite und entdecken Sie aktuelle Angebote und Details zu Modellen, Produkten und Services in Ihrem Land / Ihrer Vertriebsregion.

    Diese Website verwendet Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Diese können Sie in Ihren Browsereinstellungen ändern.