Teamplay am Lenkrad

Beim Langstrecken-Motorsport müssen sich mehrere Rennfahrer die Arbeit im Cockpit etappenweise teilen. Wie funktioniert dieses Teamplay am Lenkrad? Das erklären die Audi Sport-Fahrer Frank Stippler und Dries Vanthoor, die gemeinsam auf einem Audi R8 LMS GT3 gewonnen haben.

21.08.2019 Lesezeit: 5 min

Frank Stippler und Dries Vanthoor halten ein Lenkrad

DIE MANNSCHAFTSAUFSTELLUNG

Audi Sport customer racing unter der Leitung von Chris Reinke verfügt über ein Aufgebot von Profirennfahrern und bringt sie bei seinen eigenen strategischen Einsätzen und als Unterstützung seiner Kunden weltweit ans Steuer. Zum Beispiel bei klassischen 24-Stunden-Rennen wie auf dem Nürburgring und in Spa-Francorchamps. Zwei bei solchen Marathonwettbewerben erfolgreiche Piloten sind der Deutsche Frank Stippler und der Belgier Dries Vanthoor.

„Konstanz und Schnelligkeit, entspannt bei allen Wetterbedingungen und sehr teamfähig.“ Für Chris Reinke sind das die wichtigsten Qualitäts- und Auswahlkriterien für seinen Fahrerstamm. Audi Sport customer racing legt die Fahrerteams, die im Langstrecken-Motorsport je nach Renndauer und -distanz aus zwei, drei oder sogar vier Piloten bestehen, gemeinsam mit den Teamchefs fest, die solche Einsätze für Audi durchführen. Dazu zählen etwa die erfolgreichen Teams WRT von Vincent Vosse und Phoenix Racing von Ernst Moser.

Audi R8 LMS auf der Rennstrecke

DER MANNSCHAFTSWAGEN

Der Audi R8 LMS GT3 der zweiten Generation ist bei Audi der Langstrecken-Rennwagen für die großen Marathonklassiker. Der seriennahe Sportwagen entspricht dem internationalen Motorsport-Reglement FIA GT3 und ist seit 2015 weltweit ein großer Sieger für Audi Sport. In der Saison 2019 hat der Audi R8 LMS GT3 unter anderem die 24 Stunden von Dubai und das 24h-Rennen Nürburgring gewonnen, dazu viele weitere einzelne Rennen auf verschiedenen Kontinenten.

TECHNISCHE DATEN

  Audi R8 LMS
Fahrzeugtyp Sportwagen nach Reglement FIA GT3
Motor Benzin-V10-Saugmotor
Hubraum 5.200 ccm
Leistung Bis zu 585 PS*
Drehmoment Über 550 Nm
Antriebsart Heckantrieb
Getriebe Sequenzielles, pneumatisch betätigtes Sechsgang-Sportgetriebe mit Wippenschaltung
Abmessungen 4.573 / 1.997 / 1.171
Länge/Breite/Höhe (mm)
Gewicht 1.235 kg**
Tankinhalt 120 l
0–100 km/h 3,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 305 km/h
  * festgelegt durch BoP der Serienveranstalter
** Homologationsgewicht wird zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt
Frank Stippler und Dries Vanthoor

MANNSCHAFTSDIENLICH GEBAUT

Mit drei Features lässt sich der Audi R8 LMS GT3 bei Langstrecken-Rennen auf Fahrer verschiedener Größe anpassen:

Audi R8 LMS auf der Rennstrecke

DAS MANNSCHAFTSSPIEL

Kompromiss, das ist das Schlüsselwort, wenn mehrere Rennfahrer sich ein Rennauto teilen müssen. Denn: Alle Profipiloten, die Audi Sport customer racing unter Vertrag hat, sind extrem schnell, aber teils auf sehr unterschiedliche Weise. Da gibt es die, die ein untersteuerndes Auto bevorzugen. Das bedeutet: An der Haftgrenze tendiert ein solcher Rennwagen zum Geradeausschieben über die Vorderräder. Tendenz übersteuernd, das ist die genau entgegengesetzte fahrerische Vorliebe. Wenn also bei zu hohem Kurventempo das Heck des Wagens zum Drift nach außen neigt. Außerdem gibt es Rennfahrer, die lieber immer noch klassisch mit dem rechten Fuß bremsen. Oder eben mit dem linken, wie es seit dem Wechsel vom Kupplungspedal zum Kupplungshebel am Lenkrad im Motorsport zum neuen Standard wurde.

Reifenwechsel beim Boxenstopp eines Audi R8 LMS

„Das Ziel der Fahrzeugabstimmung sollte ein Auto sein, das sich in der Kurve weitestgehend neutral verhält und mit dem alle Fahrer gut klarkommen“, sagt Frank Stippler. Der 44 Jahre alte Routinier ist einer der erfahrensten Audi Sport-Fahrer überhaupt. Er ist als zweimaliger Gewinner der 24 Stunden vom Nürburgring und als Sieger der 24 Stunden von Spa einer der erfolgreichsten GT3-Profis und bei Langstrecken-Rennen deshalb sehr geschätzt. „Neben einem guten Abstimmungskompromiss ist es sehr wichtig, dass sich eine Fahrercrew versteht und auch Spaß zusammen hat“, ergänzt Dries Vanthoor. Der 21-jährige Nachwuchspilot konnte mit Audi Sport bereits zwei Langstrecken-Klassiker gewinnen: 2018 die 12 Stunden von Bathurst und 2019 – gemeinsam mit Frank Stippler – das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.

Boxenstopp eines Audi R8 LMS

DIE MANNSCHAFTSTAKTIK

Wer fährt im Qualifying um den bestmöglichen Startplatz? Wer sitzt beim Start am Steuer? Wer nachts, bei Regen, am Schluss? All diese Fragen werden bei Audi Sport customer racing und seinen Einsatzteams schon in den Wochen vor einem Langstrecken-Rennen entschieden. „Wir wissen aus langjähriger Erfahrung, wer grundsätzlich für welche Aufgabe am besten geeignet ist“, sagt Ernst Moser. Wichtig, so der Phoenix-Teamchef weiter, sei für die gute Motivation einer Fahrercrew vor allem dies: „Jeder muss ausreichend Verantwortung haben, jeder seine spezielle Aufgabe. Beim einen ist es das Qualifying, beim anderen der Start, beim nächsten jenes.“

Audi R8 LMS auf der Rennstrecke

Eine besondere Last trägt immer der Startfahrer. Das hat Dries Vanthoor seit seinem ersten Rennen auf der Langstrecke begriffen: „Ruhig sein und bleiben, das ist entscheidend für den Erfolg. Wir müssen als Team im Cockpit und natürlich auch an der Box dafür sorgen, dass wir gerade am Anfang nichts überstürzen. Damit wir in den letzten drei Stunden eines solchen Rennens vorne mit dabei sind, angreifen und um den Sieg kämpfen können.“

Audi Sport Team WRT in der Boxengasse

Und doch: In der heute enorm professionellen GT3-Kategorie ist jedes Langstrecken-Rennen vom Start bis ins Ziel ein Sprint – sogar die Events über die 24-Stunden-Distanz. „Allein 30 oder 40 Sekunden, die du zum Beispiel durch einen Fehler bei einem Boxenstopp verlierst, können dich den Sieg kosten“, weiß WRT-Boss Vincent Vosse. Was zur Folge hat: In jeder Phase herrscht Höchstdruck für Fahrer, Ingenieure und Mechaniker.

Boxenstopp eines Audi R8 LMS

DER MANNSCHAFTSGEIST

„Im Grunde sind alle Rennfahrer Egoisten und kämpfen nur für sich selbst“, sagt WRT-Boss Vincent Vosse. Der Belgier weiß das nur zu gut. Er war selbst Rennfahrer, bevor er seinen eigenen Rennstall aufmachte. „Wir verlangen unseren Fahrern ab, dass sie im Vorfeld eines Langstrecken-Rennens möglichst viel Zeit zusammen verbringen, sich auf das gemeinsame Ziel konzentrieren und während des Wettbewerbs so viele Informationen wie möglich miteinander austauschen.“ Dieser Austausch passiert vor allem über Funk. „Während der letzten fünf Runden, bevor ich mein Auto an einen Teamkollegen übergebe, informiere ich ihn über Funk über alle aktuellen Besonderheiten auf der Strecke und am Auto“, erklärt Dries Vanthoor. Beim Fahrerwechsel, wenn jedem Handgriff und jedem Schritt volle Konzentration gilt, ist nicht mehr drin als ein schnelles „Good luck!“

Audi Gruppenbild bei den 24h Spa 2019

Bei Audi Sport customer racing haben Teamgeist und Teamplay allergrößte Priorität. „Dabei auch immer Kameradschaft und Freundschaft in den Fokus der Fahrer zu bringen ist extrem wichtig“, betont Phoenix-Teamchef Ernst Moser. Nach 2012 und 2014 holte er auch 2019 mit seiner Truppe beim 24h-Rennen Nürburgring den dritten Sieg für Audi Sport beim Eifelklassiker. Insgesamt war die Marke damit seit 2012 fünf Mal erfolgreich beim Ein-Tages-Marathon in der „Grünen Hölle“. Und auch Phoenix Racing hat dieses Rennen insgesamt bereits zum fünften Mal seit 2000 gewonnen.

Lenksäule des Audi R8 LMS

„Im Grunde ist es eine Charakterfrage“, sagt Frank Stippler. Die Persönlichkeiten der Fahrer sind für ihn vor allem entscheidend für erfolgreiches Teamplay am Lenkrad. „Für Starallüren und Einzelgänger ist da wenig Platz“, bekräftigt er. Vor allem Rücksichtnahme während der bei Langstrecken-Rennen für die Piloten ohnehin nur kurzen Schlafphasen ist Stippler besonders wichtig. „Vielleicht ist es ja mein Alter“, fügt er hinzu und lacht. Bisher jedenfalls hat er noch immer ein ausreichend stilles Schlummerörtchen ganz für sich allein gefunden. Wo, das wird nicht verraten. Auch das gehört zur Routine eines alten Langstrecken-Hasen. Für einen Nachwuchspiloten wie Dries Vanthoor ist hingegen ein ganz anderer Faktor ausschlaggebend: „Ich werde unruhig, wenn im oder am Auto etwas Unerwartetes passiert und ich dann nicht selbst drinsitze.“

TEAMPLAY
AM LENKRAD

Frank Stippler, Chris Reinke, Dries Vanthoor, Frédéric Vervisch und Pierre Kaffer auf dem Podium
Rennhelme
Audi R8 LMS auf der Rennstrecke

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