Der Herr des Rings: Frank Stippler

Frank Stippler hat auf dem Nürburgring mehr Erfahrung als jeder andere Fahrer von Audi Sport. Rund 375.000 Kilometer spult der Deutsche von 2004 bis 2019 auf der legendärsten deutschen Rennstrecke ab. Zweimal gewinnt er das 24-Stunden-Rennen Nürburgring im Audi R8 LMS. Diesen 2009 eingeführten High-Performance-Sportwagen von Audi Sport customer racing entwickelt Stippler in der „Grünen Hölle“ als Testpilot von Anfang an mit wie auch zahlreiche Modelle der S- und RS-Baureihen von Audi.

17.06.2020 Lesezeit: 5 min

Frank Stippler in einem Audi R8 LMS
Frank Stippler

RING-DEBÜT MIT PAPA

Seine ersten Runden auf dem Nürburgring dreht Frank Stippler 1979. Da ist er vier Jahre alt. Der Ring, wie Fahrer und Fans die Traditionsstrecke in der Eifel nennen, besteht damals allein aus der Nordschleife. Dieser Kurs ist 22,8 Kilometer lang. 1983 wird er beim Bau des zusätzlichen neuen Grand-Prix-Kurses auf 20,8 Kilometer verkürzt. Frank Stippler ist bei seinem Ring-Debüt stolzer Beifahrer. „Mein Papa hatte sich 1975, im Jahr meiner Geburt, einen Alfa Romeo Bertone gekauft“, erzählt Frank Stippler. „Als Entwicklungsingenieur hat er daran erst den Motor und nach und nach einige andere Sachen verbessert. Bei seinen Praxistests auf dem Nürburgring bin ich schon relativ früh mitgefahren.“

Erstmals selbst am Steuer umrundet „Stippi“ die Nürburgring-Nordschleife-Kurven 1993 nach seinem 18. Geburtstag. Sein Auto: Ein Fiat Panda, den der Führerschein-Neuling von seiner Mutter übernommen hat. „Dieser Wagen hatte einen 850-Kubikmotor, sagenhafte 34 PS beziehungsweise 25 kW und eine Spitzengeschwindigkeit von 120 km/h“, weiß der Deutsche noch haargenau. Obwohl das Budget des jungen Kfz-Mechanikers aus Bad Münstereifel bei Köln knapp ist, beherrscht er die 73 Nordschleifen-Kurven in kürzester Zeit wie im Schlaf.

Stipplers Lerntrick: „Ich konnte mir damals bei meinen regelmäßigen Ring-Ausflügen immer nur Touristentickets für maximal sieben bis zehn reale Runden leisten. Danach bin ich abends, kurz vor dem Einschlafen, im Bett liegend mit geschlossenen Augen so lange weiter auf der Nordschleife gefahren, bis ich virtuell exakt die gleichen Rundenzeiten wie zuvor real auf der Strecke schaffte. Alle Kurven, alle Brems-, Schalt- und Beschleunigungsmanöver habe ich im Geiste einige hundert Male rekapituliert und abgespeichert.“

Bereits als 15-Jähriger beginnt Frank Stippler eigenhändig einen Alfa-Romeo-Oldtimer zu restaurieren und für historische Rennen vorzubereiten. Damit steigt er mit 18, kurz nach seinen ersten praktischen Nürburgring-Fahrerlebnissen, in den historischen Motorsport ein. Bald darauf startet er auch in aktuellen Touren- und Sportwagen. Nach der Ausbildung zum Kfz-Mechaniker setzt das Renntalent noch ein Maschinenbau-Studium obendrauf. 2003 ist „Stippi“ beruflich und sportlich besonders erfolgreich: Er schafft das Ingenieurs-Diplom, gewinnt die Deutschland-Wertung des Porsche Carrera Cup und holt als Champion des internationalen Porsche Supercup gleich noch seinen zweiten Meistertitel.

Audi R8 LMS auf der Rennstrecke
Abt-Audi TT-R auf der Rennstrecke

RING-ARBEIT ALS AUDI WERKSFAHRER

Dreifach dekoriert beruft Audi Ingenieur und Doppel-Champion Stippler 2004 zu einem seiner Werksfahrer: „Neben ersten Renneinsätzen war ich vor allem auf dem Nürburgring bei der Weiterentwicklung des Abt-Audi TT-R vom auf Sprintrennen ausgelegten DTM-Auto zum Langstrecken-Fahrzeug dabei.“ Vor allem die Kraftübertragung, Getriebe und Antriebswellen mussten damals für die Dauerbelastung passend verstärkt werden. Bei seinem ersten 24-Stunden-Rennen Nürburgring für Audi wird er 2004 im optimierten Abt-Audi TT-R Vierter.

Der frischgebackene Ingenieur und erfahrene Nürburgring-Spezialist hat seinen neuen Arbeitgeber auf Anhieb überzeugt: Frank Stippler kann nicht nur extrem schnell Auto fahren, er kann auch jede Reaktion eines Wagens erspüren und beschreiben. Bald schon heißt es bei den Technikern und den Kundenteams von Audi: „Wenn Stippi am Auto irgendwas anmerkt, dann sollten wir da ganz genau draufschauen.“ Immer öfter darf der 1,91 Meter große Neuzugang deshalb nun auch Fahrzeuge der S- und RS-Baureihen von Audi testen und diesen sportlichen Serienmodellen auf dem Nürburgring den letzten Feinschliff vor der Markteinführung geben. Mit ihrem anspruchsvollen Streckenprofil, mit der Kompression in der Fuchsröhre, den Schlägen im Karussell oder dem Sprung am Pflanzgarten zum Beispiel, ist die Nordschleife des Nürburgrings für jedes Auto maximale Belastung im Zeitraffer, die ultimative Härteprüfung.

Frank Stippler bei der Präsentation des Audi R8 LMS

So wächst Stippler weiter in seiner Zweifachfunktion als Rennfahrer und Entwicklungspilot. Nach zwei Jahren in der DTM für Audi konzentriert er sich anschließend auf den GT-Sport und findet dort bei der Marke mit den Vier Ringen einen weiteren Traumjob: „Ab 2008 war ich bei der Entwicklung des neuen Kundensport-Projektes Audi R8 LMS dabei.“ Auch dieser spektakuläre GT-Bolide mit einem vor der Hinterachse platzierten 5,2-Liter-V10-Saugmotor macht mit Frank Stippler am Steuer auf dem Nürburgring entscheidende Entwicklungsschritte in der Praxis.

„Bis alles perfekt funktioniert an einem Rennwagen und das Gesamtpaket aus Fahrwerk, Motor, Getriebe und Reifen im extrem engen Wettbewerb absolut fehlerfrei und megaschnell ist, ist es ein sehr, sehr langer Weg“, sagt Stippler. Der in diesem Fall besonders erfolgreich für Audi endet: Seit seinem Verkaufsstart 2009 hat der Audi R8 LMS weltweit zahlreiche Rennen und Titel gewonnen – allein fünf Mal das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Das Erfolgsmodell von Audi Sport customer racing ist mittlerweile in drei verschiedenen Versionen, nämlich GT2, GT3 und GT4, erhältlich, und somit ein äußerst variabel einsetzbares Kundensportmodell.

Nachts bei den 24h Nürburgring
Karte der Nürburgring-Nordschleife auf der Tür eines Audi R8 LMS

ENTSCHEIDENDE RING-ERKENNTNISSE

Insgesamt rund 375.000 Kilometer hat Frank Stippler bei Tests und Rennen für Audi auf dem Nürburgring gefahren – etwa 300.000 Kilometer in Serienmodellen und 75.000 Kilometer in Rennwagen. Trotzdem begeistert ihn immer noch jede Runde durch die „Grüne Hölle“: „Das faszinierende an der Nordschleife ist, dass sie im Prinzip nur aus Schlüsselstellen besteht. Auf seinen knapp 21 Kilometern ist dieser Kurs sehr flüssig, in einem Guss zu fahren. Das ist einzigartig und macht für mich seinen so besonderen Reiz aus.“ Die liebsten Streckenabschnitte rund um die mittelalterliche Nürburg-Ruine sind für ihn die schnellsten. „Ecken wie Flugplatz und Schwedenkreuz, die in hohen Gängen und bei hohen Geschwindigkeiten je nach Abtrieb deines Autos so gerade eben noch voll oder eben doch nicht ganz voll gefahren werden können“, erklärt der Herr des Rings.

Frank Stippler in einem Audi RS Q8

Die richtige Balance zwischen Mut und Vorsicht muss Frank Stippler gleichermaßen im Rennauto wie im Serienmodell finden auf dem Nürburgring. Denn: „Auch beim Testen wird jedes Straßenautos von Audi volle Kanne gefahren“, sagt er. Nur so lassen sich laut Stippler die letzten wenigen Schwachpunkte der jahrelangen Vorentwicklung eines Serienfahrzeugs aufspüren und ausbügeln. Für jedes neue RS-Modell stehen dabei mindestens 8.000 Kilometer Dauerlauferprobung auf der Nürburgring Nordschleife auf dem Programm. Das entspricht leicht einem ganzen Autoleben. „Ganz entscheidend dabei ist, dass ich am Limit und doch sehr feinfühlig fahre. Damit ich all das, was ich als noch nicht harmonisch genug empfinde, absolut exakt spüre und es danach auch für meine Technikerkollegen nachvollziehbar zu Papier bringen kann“, so der Entwicklungsingenieur und Rennprofi.

An Bord eines jeden Vorserienmodells ist bei den Ring-Prüfungen durch Frank Stippler auch immer auch eine Reihe hochsensibler Messgeräte. Doch das Fahrgefühl des Testpiloten bleibt ein ganz entscheidender Faktor. „Aus allen gewonnenen Informationen suchen die Verantwortlichen bei Audi schließlich den bestmöglichen finalen Abstimmungskompromiss für Handling, Fahrwerkhärte, Differenzial-, Getriebe- und Schaltungsabstufung sowie für alle anderen Fahrzeugbereiche. Damit unsere Kunden immer ein Auto bekommen, das selbst unter anspruchsvollsten Bedingungen höchste Sicherheit und Zuverlässigkeit bietet und das jede Fahrt zum genussvollen Erlebnis macht“, erläutert Stippler.

Kraftstoffverbrauch kombiniert*: 12,1 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert*: 277–276 g/km

Kraftstoffverbrauch kombiniert*: 12,1 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert*: 277–276 g/km

UNVERGESSLICHE RING-PROJEKTE

Sein wichtigstes Nürburgring-Projekt als Rennfahrer ist und bleibt für Frank Stippler der Audi R8 LMS, vor allem dessen GT3-Variante. Diesen inzwischen in seiner zweiten Generation laufenden High-Performance-Sportwagen hat er von Anfang maßgeblich mitgeprägt. Damit hat er seine bisher wichtigsten Ring-Siege errungen – beim 24-Stunden-Rennen von 2012 und 2019. „Der 2012er Sieg bleibt mir am tiefsten in Erinnerung, denn es war der erste für Audi überhaupt beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Dafür haben wir lange gekämpft, waren in den Jahren davor schon mehrfach ganz nah dran am größten Pokal und dann ist er uns doch noch entglitten“, betont Stippler.

Frank Stippler in einem Audi RS Q8

Bei Serienautos sind ihm besonders diese erfolgreich gelösten Ring-Aufgaben präsent: „Zum einen der neue Audi RS Q8 mit Hybrid-Technologie, mit dem wir im Herbst 2019 den bestehenden Nürburgring-Nordschleifen-Rundenrekord für SUV-Fahrzeuge um zwölf Sekunden unterboten haben. Zum anderen die aktuelle, die vierte RS 4-Generation, bei der wir eines der insgesamt harmonischsten, homogensten Fahrzeuge entwickelt haben. Für mich persönlich ist der Audi A4 RS Avant das beste Serienauto der Welt“, bilanziert Stippler.

RS Q8: Kraftstoffverbrauch kombiniert*: 12,1 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert*: 277–276 g/km

RS 4 Avant: Kraftstoffverbrauch kombiniert*: 9,2 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert*: 211–210 g/km

RS Q8: Kraftstoffverbrauch kombiniert*: 12,1 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert*: 277–276 g/km

RS 4 Avant: Kraftstoffverbrauch kombiniert*: 9,2 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert*: 211–210 g/km

Kraftstoffverbrauch kombiniert*: 12,1 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert*: 277–276 g/km

Kraftstoffverbrauch kombiniert*: 12,1 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert*: 277–276 g/km

Frank Stippler

RING-EMPFEHLUNG

Nach allein mehr als 15 Jahren intensivster Nürburgring-Erfahrungen im Dienst von Audi kann die „Grüne Hölle“ selbst Frank Stippler immer noch überraschen. „Bis jetzt habe ich Glück gehabt, aber bei den für die Eifel typischen blitzartigen Regenschauern nützt dir auch noch so viel Streckenkenntnis wenig“, sagt er und präzisiert: „Binnen einer Runde, also innerhalb von sieben, acht Minuten, kann es nämlich an einer Stelle für wenige Augenblicke geregnet haben. Und das kannst du oft nicht erkennen, wenn du in deiner nächsten Runde an die betreffende Stelle kommst. Weil das Regenwasser speziell auf der Nordschleife mit ihren zahllosen unterschiedlichen Asphaltfarben vielfach nicht zu unterscheiden ist von Lichtreflexen und Schatten.“

Allen, die privat selbst einmal auf der Nordschleife fahren wollen, empfiehlt er daher, sich immer einen möglichst großen Respekt vor dieser großartigen Strecke zu bewahren.

FRANK
STIPPLER

Frank Stippler
Frank Stippler in einem Audi R8 LMS
Dries Vanthoor, Pierre Kaffer, Frédéric Vervisch, Frank Stippler

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