Fashion 3.0: ein Shirt, das hören kann

Das Londoner Label CuteCircuit gilt als Vorreiter der Smart Fashion. Mit ihrem SoundShirt definieren die Designer die Zukunft der Mode.

19.08.2020 Text: Nadine Kaminski Foto & Video: Courtesy of CuteCircuit Lesezeit: 6 min

Mode erfinden, die unser Leben wirklich verbessert: Das Leitprinzip des Londoner Tech-Fashion-Labels CuteCircuit ist so simpel wie bahnbrechend. Aktuellster Geniestreich der kreativen Köpfe von CuteCircuit, Francesca Rosella und Ryan Genz, ist das SoundShirt – ein softes, ultraleichtes Oberteil, das mit Hilfe eingewebter Mikrotechnologie und eigens entwickelter Software Musik als Vibration und Haptik am Körper spürbar macht. Die erste Version entwickelten Francesca und Ryan für die Jungen Symphoniker Hamburg. Francesca berichtet: „Vor vier Jahren kontaktierten uns Mitarbeiter des Orchesters. Sie hatten die Idee, eine unserer Erfindungen, das HugShirt, zu nutzen, um ihre Musik für hörgeschädigte Menschen erlebbar zu machen.“ Besagtes Shirt hatten Francesca und Ryan bereits 2001 im Rahmen eines Graduiertenprogramms am Interaction Design Institute Ivrea in Italien entwickelt. Es war die Initialzündung für ihre gemeinsame Firmengründung gewesen und seitdem stetig weiterentwickelt worden. Idee und Produkt gelten bis zum heutigen Tag als brillant und sind mehrfach preisgekrönt: Ein körpernah designtes Shirt aus leitfähigem Material simuliert – inzwischen per App steuerbar – eine personalisierte Umarmung.

Aus Sound wird Haptik

Das SoundShirt sei die Weiterentwicklung dieser Idee, erläutert uns Francesca. „Bei einem Konzert funktioniert das so: Richtmikrofone nehmen jedes Instrument einzeln auf, der Sound wird digitalisiert und in unsere Software überführt. Das Besondere ist, dass wir verschiedene Areale des Shirts mit verschiedenen Teilen des Orchesters verbunden haben. Die Streicher spürt man an den Armen, von der ersten Violine auf der Schulterpartie bis zum Cello am Unterarm. Rechts und links in der Taille fühlt man die Holzbläser, Drums und Blechbläser am Rücken und in der Körpermitte. Der Sound durchdringt das Publikum geradezu.“ Für Gehörlose – wie auch Hörende – ein einzigartiges Erlebnis: Man erfährt die Kompositionen und das Gemeinschaftsgefühl eines Live-Konzertes in ungeahnter Intensität. Durch das begeisterte Feedback der allerersten Nutzer ermutigt, konnte CuteCircuit das Erlebnis inzwischen sogar noch komplexer gestalten: Statt der ursprünglichen 16 sogenannten Actuation Areas sind nun ganze 30 auf dem Shirt verteilt. Innerhalb der einzelnen Areale sorgen zudem jeweils drei Arten von Mikromotoren für unterschiedlich intensive Amplituden.

Besonders wichtig ist dem Designteam dabei, dass man die Technik im Shirt nicht spürt – bis man sie spüren soll. „Alle unsere Entwürfe sind kabellos. Sie sollen sich wie Mode anfühlen, nicht wie Gadgets.“ Die winzigen Prozessoren, Batterien und Konduktionsschleifen sind so schmal und flexibel, dass sie sich buchstäblich nahtlos in das umgebende konduktive Smart-Fabric-Gewebe einbetten lassen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, mussten Ryan und Francesca einige frustrierende Erfahrungen mit Zulieferern machen – das Ergebnis ihrer Aufträge an Techniklieferanten waren klobige, scharfkantige Elemente, die nichts mit ihrer Vision zu tun hatten. Schließlich reichte es Ryan, einem studierten Kulturanthropologen, Web- und Interface-Designer: Er lernte selbst, Schaltkreise zu entwerfen. So entstand ein erstes herzförmiges, hauchdünnes Exemplar, das heute im Chicago Museum of Science and Industry zu bewundern ist. „Daher auch unser Name“, erklärt Francesca. „CuteCircuit“ ist englisch für ‚niedlicher Schaltkreis‘.“

2020: Das SoundShirt im Alltag

Aus einem hochspezialisierten High-End-Produkt wird nun nach und nach ein Stück Smart Fashion für alle. Auf der Website von CuteCircuit kann man das SoundShirt bereits vorbestellen. Die Entwicklung einer neuen Steuerungs-App läuft auf Hochtouren – es wird einen in die App eingebundenen Music-Player geben: Man wählt einen Song aus der eigenen Musikbibliothek, daraufhin werden die Daten des Tracks vom Algorithmus der CuteCircuit-Software ausgelesen, analysiert, in einzelne Frequenzen gespalten und auf die verschieden Areale des Shirts verteilt. Per Visualisierungs-Interface kann man der App dabei sogar zusehen. Es entsteht ein mehrdimensionales Hör- und Fühl-Erlebnis – wie mit der ursprünglichen Software im Konzertsaal, auch wenn die Musik aus dem Smartphone stammt. Francesca und Ryan rechnen damit, dass die App in zwei bis drei Monaten erhältlich sein wird. „Auch in der Gaming- und E-Sports-Szene sind die Shirts bereits heiß begehrt“, weiß Ryan.

Der Mensch von heute will sich vernetzt fühlen. Und dieses Prinzip, diese Fähigkeit bringen wir in die Mode.

Ryan Genz

Wie CuteCircuit zum Kultlabel wurde

Fashion auf Haute-Couture-Niveau. CuteCircuit-Entwürfe werden in Design- und Technikmuseen rund um den Globus ausgestellt, auch eine Designkollaboration mit Chanel gab es schon. Dazu entstanden vielbeachtete Auftragsarbeiten für Weltstars wie Katy Perry oder U2. „U2 kamen auf uns zu, weil sie nach einer Möglichkeit suchten, ein Publikum von 60.000 Menschen bis zur letzten Reihe in das Konzerterlebnis einzubinden. Wir entwarfen also illuminierbare Jacken und animierten dann die eingewebten Mikro-LEDs in Bezug zum ebenfalls animierten Bühnenbild. In einer Situation sah es aus, als würden die Musiker von einer riesigen konischen Leinwand aus auf die Bühne gebeamt. Aus der Menge kam ein einziges großes Wow“, erinnert sich Francesca, die den Moment backstage beobachtete.

Etwas anders gestaltete sich die Zusammenarbeit mit US-Megastar Katy Perry: „Katy hatte eines unserer Designs, ein illuminiertes Haute-Couture-Kleid namens ‚Galaxy Dress‘, im Museum of Science and Industry gesehen und wollte es unbedingt auf der Met-Gala tragen“, erzählt Francesca. Ein beachtlicher Auftrag, denn der jährlich vom New Yorker Metropolitan Museum of Art ausgetragene Ball gilt als extravagantestes Modeevent der Welt. „Die Herstellung des Galaxy Dress hatte sechs Monate gedauert, deshalb konnten wir ihr diesen Wunsch leider nicht erfüllen. Aber wir fertigten innerhalb weniger Tage einen anderen Entwurf für sie an und brachten ihn ihr persönlich nach New York – bis ins Hotelzimmer. Als wir nach der Gala wieder in London am Flughafen ankamen, prangte unser Kleid auf allen Titelseiten. Ein irrer Moment.“

Die Designer verwenden verschiedene Technologien und Smart Fabrics. Aber ihr Lieblings-Tool, quasi ihre gestalterische Signatur, ist die Arbeit mit Mikro-LEDs. „Wir haben einen speziellen LED-Stoff entwickelt – wir nennen ihn Magic Fabric“, erklärt Ryan. „Mit Hilfe dieses Stoffes kann man jede Farbe, jede Bewegung, jede Form kreieren. Er macht unsere Kleidungsstücke zu tragbaren Leinwänden. Unsere Mikro-LEDs sind so flach wie ein Blatt Papier. Sie werden in den Stoff laminiert, der dabei flexibel und weich bleibt. Die Technik dazu ist von uns patentiert. Es ist eine ganz neue Art, Mikrotechnologie in Kleidung zu integrieren.“

Mit Hilfe von Mikro-LEDs kann man jede Farbe, jede Bewegung, jede Form kreieren. Sie machen die Kleidungsstücke zu tragbaren Leinwänden.
Mit Hilfe von Mikro-LEDs kann man jede Farbe, jede Bewegung, jede Form kreieren. Sie machen die Kleidungsstücke zu tragbaren Leinwänden.

Connectivity: die Zukunft der Mode

Mit HugShirt, SoundShirt, smarten Haute-Couture-Entwürfen und Superstar-Kollaborationen sind dem Designer-Duo in den vergangenen 15 Jahren Meilensteine gelungen. Wie stellen sich die beiden die Mode der Zukunft vor? Francesca, die für Haute-Couture-Labels und große Modeunternehmen arbeitete, bevor sie sich dem Interaction Design zuwandte, zeichnet ein sehr präzises Bild: „Alle technischen Gadgets, die man jetzt noch mit sich herumtragen muss, werden mit ihren Sensoren und Prozessoren in den Fasern unserer Kleidung verschwinden. Wir werden selbst entscheiden, was wir ein- und ausschalten, aber mobile Technik und Social Media werden ein Teil unserer Garderobe sein.“

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der smarte Mode zur Mode der Zukunft machen könnte: ihre Nachhaltigkeit. Francesca: „Es wird nicht mehr um Massenkonsum gehen, sondern um immer höhere Qualität und immer mehr Möglichkeiten. Man produziert und kauft nicht mehr ein neues Kleidungsstück, sondern Software-Updates mit neuen Animationen und Designs. Wir geben schon jetzt eine lebenslange Garantie auf unsere Bekleidung. Denn wir wissen: Sie kann immer repariert, recycelt oder upgedatet werden.“

Und Ryan fügt hinzu: „Viele Menschen denken immer noch, das Konsumprinzip von Mode und das von Technologie seien unvereinbar. Wenn du heute ein Telefon kaufst, erwartest du, dass es dich auf fortschrittlichere Art und Weise mit Freunden und Familie verbindet als noch vor zehn Jahren. Das gilt für alle Produkte, die uns besonders nah sind und unseren Lifestyle bestimmen. Kauft man sich ein hochwertiges neues Auto, erwartet man andere und bessere Features als beim letzten. Dabei geht es in Zukunft weniger um ein pures Höher, Schneller, Weiter an immer ausgefeilteren Produkten. Und schon gar nicht um Innovation als Selbstzweck. Sondern darum, dass der Mensch einen immer höheren Anspruch an sein Leben als solches entwickelt. Er will sich vernetzt fühlen. Und dieses Prinzip, diese Fähigkeit bringen wir in die Mode.“

Mode, Material und Mobilität

Ein Gastbeitrag von Simona Falcinella, Head of Color & Trim bei Audi: Autos sind ein hochgradig anpassbares Hightech-Produkt, das uns nicht nur bewegt, sondern auch perfekt vernetzt: im Innenraum mit unseren Geräten, über das Internet mit der Außenwelt und über vielfältige Sensoren mit unserer direkten Umgebung. Unsere Fahrzeuginnenräume sind das Vernetzungsmodul zwischen dem Fahrzeug und seinen Insassen: Ort der physischen Interaktion, an dem jedes Element – über seine gestalterische Schönheit hinaus – eine spezifische Funktion hat. Von großer Bedeutung ist dabei die Haptik der Oberflächen. Sie müssen sich angenehm anfühlen, atmungsaktiv und widerstandsfähig sein und in jeder Fahrsituation Griffigkeit und Komfort bieten. Die Materialauswahl für unsere Interieurs ist aber nicht nur im Hinblick auf ihre sichtbare ästhetische Oberfläche und die Oberflächenbehandlungen relevant: Unter der obersten Schicht befindet sich bei jedem Material eine spezifische Konstruktion und ein sinnvoller, intelligenter Konstruktionsprozess, der darauf abzielt, die bestmögliche Performance zu erreichen. Unsere Materialien haben ein strukturelles und funktionelles Rückgrat – gepaart mit einer ausdrucksstarken und ästhetischen Designbotschaft. Design, Mode, Trends und Gesellschaft sind eng miteinander verbunden und beeinflussen sich ständig gegenseitig. Wir beobachten Mode- und Designströmung sehr genau, um Inspiration und Ideen zu erhalten. Anschließend arbeiten wir diese Ideen aus, filtern und übersetzen sie in eine reine Audi Designsprache und in den charakteristischen Farb- und Materialcode von Audi. So bleiben wir relevant, unverwechselbar und fit für die Zukunft.

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