Positive Energie am Polarkreis

Am norwegischen Polarkreis soll mit dem Svart das erste energiepositive Hotel entstehen. Der Entwurf stammt vom renommierten Osloer Architekturbüro Snøhetta.

08.06.2020 Text: Bernd Zerelles Foto: Plomp (Design: Snøhetta) Lesezeit: 4 min

Der Rundbau des Hotels Svart steht halb an Land, halb im Wasser des Holandsfjords. Im Hintergrund ist das Tal mit dem Gletscher Svartisen zu sehen.

Der Ort

Die Berge, das Eis und das Meer: Es ist ein magischer Ort hier nördlich des Polarkreises am Fuße des zweitgrößten Gletschers Norwegens, dem Svartisen, der durch die Gemeinde Meløy in der Provinz Nordland verläuft. Der kreisförmige Körper des Svart erstreckt sich vom Fuße des Almlifjellet-Berges bis in das klare Wasser des Holandsfjords. Der Ort in dieser unberührten Natur kann nur auf dem Wasserweg erreicht werden. Ein energieneutraler Bootsshuttle soll das Hotel Svart mit der nächstgelegenen Stadt Bodø verbinden.

 

„Architektur in einer so kostbaren Umgebung bringt klare Verpflichtungen mit sich, um die natürliche Schönheit, die Fauna und Flora dieses Ortes, zu erhalten. Für uns war es wichtig, ein nachhaltiges Gebäude zu planen, das nur einen minimalen ökologischen Fußabdruck in dieser wunderschönen Natur hinterlässt“, sagt Snøhetta-Gründungspartner Kjetil Trædal Thorsen. „Der Bau eines energiepositiven Hotels ist ein wesentlicher Faktor für die Schaffung eines nachhaltigen Reiseziels, das die Besonderheiten dieses Ortes berücksichtigt: seine seltenen Pflanzenarten, das saubere Wasser und das tiefblaue Eis des Svartisen-Gletschers.“

 

So ist auch der Name des Hotels Svart, was im Norwegischen Schwarz bedeutet, als direkte Hommage vom Namen des Gletschers Svartisen (norwegisch: Schwarzeis) abgeleitet.

Der kreisförmige Entwurf des Svart gewährleistet einen 360-Grad-Blick in die Natur. Der Hotelkomplex soll nur 15 Prozent der Energie eines vergleichbaren Hotels verbrauchen, das nach aktuellen Baustandards - jedoch nicht nachhaltig - geplant ist.
Der kreisförmige Entwurf des Svart gewährleistet einen 360-Grad-Blick in die Natur. Der Hotelkomplex soll nur 15 Prozent der Energie eines vergleichbaren Hotels verbrauchen, das nach aktuellen Baustandards - jedoch nicht nachhaltig - geplant ist.

Die Idee

Das Svart soll nicht nur einen um 85 Prozent geringeren jährlichen Energieverbrauch aufweisen im Vergleich zu einem gleichwertigen Hotel, das nach modernen Gebäudestandards gebaut wird. Es soll sogar seine eigene Energie produzieren, um einen nachhaltigen, autarken Betrieb zu gewährleisten. Dafür haben die Architekten von Snøhetta vorab eine umfassende Studie der jährlichen Sonneneinstrahlung an dem Standort in der durch Berge abgeschirmten Fjordlandschaft durchgeführt. Daraus ergab sich die kreisförmige Gestaltung des Hotels.
 
Sowohl Hotelzimmer als auch Restaurants und Terrassen sind dadurch strategisch günstig angeordnet, um die Energie der Sonne zu jeder Jahreszeit zu nutzen. Die Fassaden schützen im Sommer, wenn die Sonne hoch am Himmel steht, vor Sonneneinstrahlung und machen künstliche Kühlung überflüssig. Während der Wintermonate, wenn die Sonne tief am Himmel steht, ermöglichen die großen Fenster der Fassade ein Maximum an Sonneneinstrahlung, um die natürliche Wärmeenergie der Sonne zu nutzen.

Das Dach des Hotels ist mit norwegischen Sonnenkollektoren verkleidet, die mit sauberer Wasserkraft hergestellt werden, wodurch der CO₂-Fußabdruck noch weiter reduziert wird. Aufgrund der langen Sommernächte in diesen nördlichen Breitengraden erhoffen sich die Betreiber des Svart eine hohe Ausbeute von Sonnenenergie. Das Hotel nutzt auch geothermische Brunnen, die an Wärmepumpen angeschlossen sind. Diese beheizen das Gebäude und reduzieren so den Gesamtenergieverbrauch. Beim Bau werden energieintensive Materialien wie Stahl und Beton so weit wie möglich vermieden. Die Verwendung von lokalem Holz in Konstruktion und Verkleidung minimiert die Umweltbelastung des Gebäudes weiter.

Die Holzstelzen, auf denen das Hotel steht, sind im Meeresboden verankert.

Der Entwurf

Das Tragwerk für den ringförmigen Svart-Entwurf sieht eine Stelzenkonstruktion auf wetterfesten Holzpfählen vor, die sich mehrere Meter unter der Oberfläche des Fjords erstrecken. Sie verleihen dem Gebäude nicht nur das transparent schwebende Aussehen, sondern sorgen auch dafür, dass die Natur am Bauort nur minimal punktuell berührt wird. Die Konstruktion ist zudem eine Referenz an lokale Bauweisen. Dabei inspirierte die Architekten zum einen das Rorbu, das traditionelle Haus der Fischer, welches auf Stelzen steht, als auch das Fiskehjell, ein Konstrukt zum Trocknen von Fisch, welches die A-förmigen Träger der Svart-Konstruktion vorgibt. Dadurch entsteht zwischen der Wasseroberfläche und dem Baukörper auf Stützen außerdem eine Holzpromenade für Spaziergänger. Die Höhe der Struktur erlaubt es Wassersportlern, unter dem Hotelkorpus zum Beispiel mit Booten hindurchzupaddeln.
 
Das Hotel, das über 100 Zimmer verfügen wird, soll nicht nur Übernachtungsgästen, sondern auch Tagesgästen und der örtlichen Gemeinde offenstehen. In einem integrierten Schulungs- und Designlabor soll weiter an dem energiegewinnenden Betrieb der Anlage geforscht werden. Darüber hinaus ist geplant, einen nachhaltigen Bauernhof zu bewirtschaften, um Zutaten für die vier Restaurants des Hotels direkt vor Ort zu beziehen. Aktuell sind Aussagen zum Zeithorizont der Projektumsetzung mit Vorsicht zu genießen. Ziel sei, das Svart bis 2023 zu realisieren, heißt es.

Die Hotelzimmer im Inneren des Kreisbaus zeigen zum Wasser. Unter den Zimmern verläuft auf den Stützen ein Steg, der als Rundweg dient. Von diesem Steg führt ein Abgang zu einem Schwimmpodest aus Holz, das die Menschen begehen können.
Das Entrée der Nationaloper in Oslo ist innen mit viel Holz verkleidet.

Seit mehr als 30 Jahren gestaltet Snøhetta einige der bekanntesten öffentlichen und kulturellen Projekte auf der ganzen Welt. Das Büro erlangte 1989 internationale Bekanntheit, als es den Zuschlag für den Bau der neuen Bibliothek in Alexandria, Ägypten, erhielt. Es folgten weitere renommierte Bauwerke wie die norwegische Nationaloper in Oslo (Foto oben) oder der Pavillon des Nationalen Gedenkmuseums 9/11 am ehemaligen World Trade Center in New York. Bei allen Projekten verfolgt Snøhetta einen transdisziplinären Ansatz, der Architektur, Landschaftsgestaltung, Interieur-, Grafik- und Produktdesign vereint. So ist auch das Design für Norwegens neue Banknoten ein Entwurf des Architekturbüros. Snøhetta erhielt unter anderem den World Architecture Award für die Bibliothek Alexandria und für die norwegische Nationaloper. Seit ihrer Fertigstellung im Jahr 2008 wurde die norwegische Nationaloper mit vielen Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem European Prize for Urban Public Space, dem International Architecture Award sowie dem Global Award for Sustainable Architecture in 2010. Im Jahr 2016 kürte das amerikanische „Wall Street Journal“ Snøhetta zum Architekturinnovator des Jahres.

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