Mailand

To Milan

Die traditionsreiche Finanzmetropole Mailand erfindet sich neu: als Epizentrum einer jungen Mode-, Design- und Kunstszene. Die Venturini- Zwillinge, Kreativ-Unternehmerinnen mit großen Visionen, führen durch eine Stadt mit der perfekten Infrastruktur, um ihre Ideen erwachsen werden zu lassen.

01.03.2019 Text: Nadine Kaminski Fotos: Lukas Wassmann
Lesezeit: 11 min

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 7,6-4,7 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 173-123 g/km

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 6,7-4,4 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 153-114 g/km

Camilla und Giulia Venturini mit Freunden in einem Audi Q2

“Mailand hat alles, was wir brauchen. Gewachsene Strukturen, Professionalität, Verlässlichkeit - aber auch Platz und kreativen Austausch. Diese Mischung macht es zu einem guten Nährboden für Neuanfänge.”

 – Camilla Venturini, Modeunternehmerin

 

 

 

Nachmittag in Mailand. Zwei der gegenwärtig aufregendsten jungen Designer­innen warten mit einem Hund im Nieselregen. Kurze Haare, kein Make-up, Kapuzenpulli: Die 30-jährigen Zwillinge personifizieren eine sich neu erfindende Modemetropole jenseits von Föhnfrisuren und Stiletto-Pumps. Giulia und Camilla Venturini werden uns ihr Mailand zeigen. Das Mailand der Zukunft. Sie begrüßen uns herzlich, entschuldigen sich für das Wetter, nennen dem Fahrer eine Adresse. Gemeinsam fädeln wir uns in den vielspurigen Verkehr an der Piazza Duca d’Aosta.

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 6,7-4,4 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 153-114 g/km

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Als Models und Medienschaffende sind die Venturini Sisters der Modeszene schon lange ein Begriff. Im vergangenen Jahr haben die Schwestern ihre Lebensmittelpunkte von Paris und New York nach Mailand verlegt, um ein eigenes Unternehmen zu gründen. Das Handtaschen-Label Medea findet man bereits in Concept Stores von London bis L.A., Modemagazine postulieren ihr Debütmodell Prima als „die neue It-Bag“.

 

Die Stadt durchs Autofenster: Trutzige Wohnblöcke, hinter deren offenen Eingangstoren üppig begrünte, wunderschöne Innenhöfe zu erahnen sind. Understatement in Immobilienform. Alles ist im Fluss, nirgends wartet man lange, der Verkehr ist dynamisch und dabei „höflich“, selbst in der Rushhour. Währenddessen schildert uns Giulia die Logistik ihres Mailänder Bekanntenkreises. „Einige Freunde von mir ziehen aus anderen Teilen Italiens nach Mailand, einfach weil sie jung sind und Lust auf eine große Stadt mit europäischem Flair haben. Dann gibt es aber auch noch die Part-Time Expats.“

Unzählige internationale Firmen eröffnen gerade Büros in Mailand. Viele Freunde und Geschäftspartner der beiden leben nicht hier, sind aber bis zu dreimal im Monat beruflich in der Stadt. Einige junge, aber bereits sehr erfolg­reiche Modelabels haben in den vergangenen Monaten beschlossen, hier Standorte zu unterhalten. Menschen, die entscheiden, was in Tokio, London oder L.A. gerade en vogue ist, verbringen einen Großteil ihres Alltags in Mailand. „In letzter Zeit treffe ich oft zufällig Leute auf der Straße, die ich eigentlich aus New York kenne“, so Camilla. Sie berichtet weiter, von einem guten Freund zum Beispiel, der beim gehypten New Yorker Streetwear-Label Supreme arbeite und ihr trotzdem regelmäßig für einen Aperitivo zur Verfügung stehe. Mailand verhält sich zu Mode wie das Silicon Valley zur Digitalisierung: Die großen Flagship-Eröffnungen, Launch-Partys und Werbekampagnen konzentrieren sich – noch – auf andere Orte, aber wer in der Branche etwas werden und die richtigen Leute kennenlernen will, der sollte jetzt hier sein. Zumindest part-time. Und wo trifft man sich mit den richtigen Leuten? „In der Bar Basso“, antworten die Zwillinge wie aus einem Munde. „Sie ist weltbekannt – in bestimmten Kreisen. Leute aus der Mode-, Design- und Kunstszene finden ihren Weg hierher, egal aus welcher Metropole sie anreisen.“ 

Camilla und Giulia Venturini vor dem Gebäude der Feltrinelli-Stiftung
Camilla und Giulia Venturini sind zurück in der Stadt ihrer Jugend, um dort ihr Modelabel auf feste Füße zu stellen. Sie kennen jeden noch so unscheinbaren Winkel Mailands – und entdecken mit Begeisterung, was sich in ihrer Abwesenheit getan hat. Das Gebäude der Feltrinelli-Stiftung wurde 2016 eingeweiht.

Wir haben einen Mix aus begrünten Wänden, Beton, puristischen Cocktailgläsern und Lichtinstallationen vermutet – und irren. In Mailand leben anscheinend auch die allerhippsten Orte von ihrer Geschichte. Davon, dass sich geschmackssichere Geschäftsreisende aus Kopenhagen oder Venice Beach hier ganz der zeitlosen Opulenz hingeben können, die man von Italien erwartet. Signature-Drink der seit den 40erJahren bestehenden Bar Basso ist der Negroni. Angeblich wurde er sogar hier erfunden. Gereicht wird die bittere, in warmem Orange leuchtende Aperitif-Ikone in einem riesigen Glasschwenker, den man am besten mit beiden Händen hebt. Die Farbwelt der Kulisse: Pastell. Die Möbel darin scheinen ebenfalls leicht zu glimmen, so goldtönig und glattbenutzt ist ihr Holz. Die Ober tragen gestärkte Hemden. Keine Tanktops, keine Tattoos. Der coolste Ort Mailands ist eine Ode an die Eleganz. „Ich glaube, momentan passiert unter jungen Entscheidern, Influencern, Start-up-Gründern und Kunstschaffenden weltweit ein interessanter Leitkulturwandel“, sagt Giulia in ihr Negroni-Glas. „Exzess und Rauhheit gelten nicht mehr als Garanten für Inspiration. Die Menschen, besonders kreative, wollen sich mit klassisch Schönem, reibungslos Funktionierendem und gutem Essen umgeben.“ Destruktivität sei zwar spannend, aber nicht mehr zeitgemäß, wenn man wirklich etwas von Belang erschaffen wolle. „Klar, Mailand ist nicht so progressiv wie New York oder Berlin“, gibt Camilla zu. „Dafür aber wesentlich stressfreier.“

 

Dass Stress überhaupt irgendwo existiert, vergisst man in der Bar Basso schnell. „Hier können Sie den Architekten der Fondazione Prada treffen oder den Kreativentscheider von Louis Vuitton. Und dazu sehr viele junge Menschen aus aller Welt, die gerade dabei sind, etwas aus sich zu machen“, so Giulia. Mailand verbinde für hungrige Young Professionals aus dem In- und Ausland das Beste zweier Welten. Die Genussmentalität, die den Städten Nord­europas und der USA oft abgeht, gepaart mit einem Sinn für Qualität und Effizienz. Ein solides Fundament, auf dem neue Ideen entstehen und wachsen können. „Zu viel Chaos ist nicht gut für Anfänge, auf die man später stolz zurückblicken möchte“, schließt Camilla das Thema und die Cocktail Hour ab.

 

Von den 1940ern in die 1950er-Jahre führt uns der Anblick des Torre Velasca. Die Zwillinge wollen ihn uns zeigen, weil er Mailand in ihren Augen perfekt verkörpert. „Der Turm ist ein Unikum. In keiner anderen Stadt habe ich je etwas Ähnliches gesehen“, sagt Giulia und zuckt fast entschuldigend mit den Schultern. „Er wirkt gleichzeitig alt und modern, außerdem ist seine Position höchst merkwürdig. Wer stellt ein solches, beinahe brutal geradliniges Hochhaus mitten ins Zentrum einer kleinteiligen italienischen Stadt?“ Trotzdem funktioniert der Kontrast: Der 106 Meter hohe Miniwolkenkratzer ist komplett ins Geflecht seiner Nachbarschaft integriert. Sein im Gegensatz zum restlichen Gebäude beinahe filigraner Fuß ist nur von einer schmalen Straße umschlossen, auf deren anderer Seite ungerührt weiter niedrig gebaut wurde. In Mailand entwickelt sich das Neue aus dem Alten, ohne es zu verdrängen. Für ein Land wie Italien, in dem viele Stadtregierungen unter der Last ihrer Geschichte ächzen und teilweise unter der Verantwortung auch politisch kollabieren, hat das eine Vorbildfunktion, die man gar nicht wichtig genug nehmen kann. 

Der Audi Q2 von oben in einem Parkhaus

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 6,7-4,4 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 153-114 g/km

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 6,7-4,4 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 153-114 g/km

Camilla und Giulia Venturini mit Hund

Beim Café im Erdgeschoss des Torre, auf hochbeinigen Sesseln an der Fensterfront, werfen die beiden prüfende Blicke auf alle Handtaschen, die vorbeigeführt werden. Hat der Mailänder Chic ihren eigenen Stil geprägt? Und den ihres Labels? Giulia lässt sich mit ihrer Antwort Zeit. „Ehrlich gesagt: Zu neuen Designs inspiriert werden wir eher auf unseren Reisen. Aber hier in Mailand haben wir eben die Konzentration, Ruhe und Infrastruktur zum Realisieren unserer Ideen.“ Die Gründerinnen befinden sich in einer extrem komplizierten Schaffensphase. Ihre erste Kollektion ist fertig und kam gut an, aber nun warten die Einkäufer mit strengem Blick auf den nächsten, über die Zukunft entscheidenden Clou. „Es geht um die Evolution unserer Marke. Können wir uns weiter­entwickeln, ohne unsere DNA zu verleugnen?“ Die beiden genießen, dass sie in Mailand diesbezüglich anders abschalten können als in New York und Paris. „Dort will ständig jeder wissen, was du gerade in der Pipeline hast, ob man damit Geld verdienen kann, wie neu und aufregend es ist. Wenn du scheiterst, wird genüss­lich darüber getuschelt – wenn du Erfolge feierst, überschlagen sich deine Freunde, um dir zu gratulieren. Hier ist das ganz anders. Mailand könnte fast ein bisschen mehr von diesem Enthusiasmus vertragen, wenn ich es recht bedenke“, erzählt Camilla. 

 

Der Wandel Mailands ist menschengemacht.

Guilia Venturini

Kaum einer ihrer Mailänder Freunde habe ihr im vergangenen Jahr zum Erfolg von Medea gratuliert. „Es ist nicht so, als würde so etwas die Mailänder nicht interessieren – aber hier werden wir nach unserer Menschlichkeit beurteilt und nicht nach unserer Geschäftstüchtigkeit. Hier sind wir zu Hause.“ Und das schon fast ihr ganzes Leben. Ursprünglich kommen die beiden aus der Nähe von Garda am gleichnamigen See. Ihre ersten Berührungspunkte mit urbanem Life­style waren die malerische, gut 250.000 Einwohner zählende Stadt Verona – und eben das etwa zwei Autostunden entfernte Mailand.

 

Im Alter von 17 Jahren wurden die Zwillinge gemeinsam als Models entdeckt und reisten zu ihren ersten Hochglanz-Shootings in die Modemetropole. Beide studierten später Fashion Design in Mailand und fanden danach zum Weltbürger-Lifestyle. Sie arbeiteten in New York und Paris für Fotografen und Magazine, für Labels, Verlage und Showrooms. Ihr Kosmos weitete sich über die Mode hinaus auf Kunst und Musik aus – inzwischen ist ihr Netzwerk exzellent, ihr Image als Trendsetterinnen zementiert und die Zahl derer, die ihre von der Presse bejubelten Medea Bags massenwirksam in den sozialen Medien platzieren, exponentiell steigend. Ihr Mailänder Büro befindet sich in einem Coworking Space mit angeschlossenem Showroom; er ist Teil der Agentur 24/7, die sich als Plattform für junge Designer versteht. Darüber hinaus halten sich die Zwillinge viel in Verona auf, an ihrem Produktionsstandort. „Dort arbeiten wir physischer. Prüfen das Leder, befühlen verschiedene Henkelvarianten. Natürlich haben wir auch deshalb Mailand als Lebensmittelpunkt wiederentdeckt.“ Digitalisierung hin oder her – der Geruch und die Haptik von edlem veronesischem Rohleder sind nicht per E-Mail transportierbar.

 

Was unterscheidet die jungen Gründerin­nen von anderen Modemachern, die es in Mailand ja nicht erst seit gestern gibt? Wie prägen sie das neue Mailand? „Wir bemühen uns um ein möglichst persönliches, nicht austauschbares Image.“ Instagram-Account, Homepage und Werbekampagne der Medea Sisters haben mit dem, was man sich allenthalben immer noch unter Mailänder Mode vorstellt, nicht viel zu tun. Kein Hochglanz, keine bis zur Unkenntlichkeit retuschierten Gesichter, keine Perfektion. So wider­legen sie aktiv beliebte Vorurteile der letzten Jahrzehnte. Mailand sei elegant, aber unsexy, hieß es in der Vergangenheit. Wichtig, ja, aber auch ein bisschen zu langweilig, zu saturiert, zu geschäftsmäßig. Jetzt erobern die Medea-Schwestern und andere junge Gründer/-innen die Stadt für sich, machen sie ehrlicher, weltoffener und lebhafter. Gerade als Mode- und Design-Mekka braucht Mailand diese Frischzellenkur, um nicht als Litfaßsäule des Luxus zu stagnieren. Sondern in Zukunft wieder nachhaltig Stil und Zeitgeist zu prägen. „Der Mailänder Wandel hängt nicht an alter oder neuer Architektur. Er ist menschengemacht“, sagt Giulia voller Überzeugung. Und er geschieht behutsam, nicht kopflos. „Wir lieben Mailand auch für seine über Jahrzehnte gewachsene Infrastruktur, besonders im Hinblick auf das Fashion-Business. Hier haben wir den Rückhalt, unsere Sache gut zu machen und konkurrenzfähig zu bleiben.“ 

Camilla und Giulia Venturini lehnen sich aus den Fenstern eines Audi Q2

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 7,6-4,7 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 173-123 g/km

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 6,7-4,4 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 153-114 g/km

Von jeher einer der wichtigsten Akteure, was diese Infrastruktur anbelangt, ist die Marke Prada. Seit 2015 prägt sie das Gesicht zusätzlich durch ein beispielloses Museumsprojekt. Der von Architektur-Ikone Rem Koolhaas geschaffene Kunstcampus der Fondazione Prada ist unser nächstes Ziel. Auf dem Gelände einer ehemaligen Schnapsfabrik sind drei ganz neue Gebäude entstanden, sieben weitere wurden sorgfältig entkernt und restauriert. Über allem reckt sich ein eigentlich schmuckloser Bau, den Koolhaas komplett mit Blattgold überziehen ließ. Er fängt das Licht selbst bei stahlgrauem Himmel – so treffen Wärme und Prunk auf größtmöglichen Minimalismus. Insgesamt 12.000 Quadratmeter beherbergen zukunftsweisende Ausstellungen und die Kunstsammlung der Familie Prada. „Ich war schon in Ausstellungen auf der ganzen Welt“, sagt Camilla, „aber was hier momentan geboten wird, ist der schiere Wahnsinn und international auf allerhöchstem Niveau.“

 

Auf dem Rückweg aus dem hohen Norden der Stadt zurück ins Getümmel loben wir die vielen kleinen Parks, die links und rechts vorbeiziehen. Giulia und Camilla sehen das etwas kritischer. „Besonders grün ist die Stadt bisher nicht im Vergleich zu anderen Metropolen. Aber das ändert sich zum Glück gerade.“ Ein wahres Ausrufezeichen von einem Anfang machte diesbezüglich der Mailänder Architekt Stefano Boeri mit seinem Bosco Verticale, zu deutsch „Wald, der in die Höhe wächst“. Die zwei aufwendig begrünten Wohntürme ragen unvermittelt vor unserer Windschutzscheibe auf. Sie beeindrucken nicht nur durch die dichte, dschungelartige Flora, die von allen Balkonen zu tropfen scheint, sondern auch durch die organische Formgebung. Fast scheinen sie im Wind zu schaukeln wie Bäume – eine optische Täuschung, die vom typischen Mailänder Zwischenspiel aus Sonne und Wolken im Rücken der Türme und den spiegelnden Außenflächen sehr begünstigt wird. „Ich bin vor zehn Jahren aus Mailand weggezogen“, sagt Camilla, während ihr Zeigefinger unseren Blick lenkt. Hier, in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs, erklärt sie weiter, war man noch vor wenigen Jahren nachts nicht gern allein unterwegs. „Als ich nun wieder zurückkehrte, war der Unterschied zu damals extrem. Die Stadt befindet sich in einem Aufwärtssog.

 

Unsere Hauptstadt Rom hält sich nur mit Mühe über Wasser, während in Mailand ganze Stadtviertel wiedergeboren werden.“ Das Historische wirkt hier nicht museal oder wird gewollt kontrastiert – es wird gepflegt und behutsam in die Jetztzeit überführt. Bibliotheken in brandneuen, Arbeitsämter in jahrhundertealten Gebäuden. Mailand schafft es wie nur wenige Städte, mit all seinen prunkvollen Stadtpalästen als ein großes, gelassenes Ganzes zu erscheinen – trotz vieler 1980er-Jahre-Bausünden, trotz der kühlen, kantigen Neubauten. Hier geschieht der Wandel nicht auf Kosten der Geschichte. Aber die Geschichte behindert auch nicht den Wandel, wie sie es im Rest des Landes tut.

 

Camilla und Giulia lieben den familiären Vibe ihrer Nachbarschaft. Keine Osteria, keine Autowaschanlage, keine Weinbar, in der sie nicht ein paar freundliche Worte mit dem Besitzer wechseln. Distinguierte Mittsechziger in grauen Anzügen, die so lange grimmig schauen, bis ihnen eine beinahe rohe, göttlich zarte Tagliata vorgesetzt wird – die Zwillinge fühlen sich in solcher Gesellschaft mindestens so wohl wie in der Front Row der Mailänder Fashion Week. „Sicher, hier gibt es neuerdings auch viele aufregende Design-Kollektive, vielseitige Kunsträume und hippe Fusion-Restaurants. Aber wir mögen nun einmal die Unaufgeregtheit des klassischen Mailands“, erklärt Giulia auf unsere Nachfrage hin geduldig und deutet auf ihre spinatgrünen Gnocchi in schwerer Sauce. Als würde allein dieser Anblick alles beinhalten, was es über ihr Leben in Mailand zu wissen gibt. 

Der Audi Q2 in der Audi Sonderlackierung „Apple Green“

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 7,6-4,7 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 173-123 g/km

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 6,7-4,4 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 153-114 g/km

Als sie uns am Morgen darauf in ihrem Wohnzimmer empfängt, haben unsere Augen viel zu tun: Diese Grandezza hätten wir hinter der grauen, schmucklosen Fassade – und von der Wohnung einer so jungen Mailänderin – nicht erwartet. Terrazzoböden, Intarsien, Art-déco-Türgriffe. Doch Giulia füllt die Wohnung, die eigentlich aussieht wie ein Filmset von Federico Fellini, so mühelos mit einer Mischung aus Pragmatismus und Energie, dass aus Filmset schnell wieder authentischer Lebensraum wird. Auch Camilla hat sich schon eingefunden und frühstückt in der hellen Küche ein Cornetto. „Ein typischer Arbeitstag beginnt damit, dass wir uns bei mir treffen und den Hund meines Mitbewohners Gassi führen“, ruft Giulia aus dem Nebenraum, während sie zwischen den bunten Kissen auf der ausladenden Ledercouch verzweifelt nach ihrem Hausschlüssel sucht. Von kargem Urban Chic à la New York oder L.A. kann hier wirklich keine Rede sein. Wir quetschen uns in den winzigen, vergitterten Fahrstuhl, der aus dem dritten Stock in die Lobby führt. Unten werden wir vom Concierge ertappt, der in nur halb gespielter Empörung den Finger hebt: „Immer nur drei Personen pro Fahrt!“ Giulia verzieht das Gesicht. „Ich liebe es, in diesem Stück Mailänder Geschichte zu wohnen. Aber wir werden immer noch sehr kritisch beäugt.“ Giulias Viertel besteht zum größten Teil aus  Bauten der frühen 30er-Jahre. Deren Ausstattung sei für damalige Verhältnisse „Hightech“ gewesen, erklärt sie uns. Nicht nur ein Stück Stadtgeschichte also – auch ein Stück Ambitionsgeschichte. Unmodern war Mailand zu keinem Zeitpunkt. Aber oft unsichtbar im Vergleich zu Paris oder London.

Der Audi Q2 auf einer mehrspurigen Straße in Mailand

„Das Galerie- und Ausgehviertel Brera hier ganz in der Nähe ist ebenfalls sehr beliebt bei Mailändern und Touristen. Dort findet man auch die typischen Altstadtgassen, die unsere Freunde sich unter italienischem Dolce Vita vorstellen“, erklärt Camilla weiter. Mailand sei schließlich keinesfalls so hässlich und „unitalienisch“, wie viele glaubten. Sondern nur weniger pittoresk als Padua, Pisa oder Florenz. Und: Man müsse die Schönheit eben suchen, sie dränge sich nicht auf. „Ich mag es hier in Giulias Nachbarschaft. Die Bauten der Moderne geben ihr ein so eigenes Flair. Eine kühle Schlichtheit.“ Aber nur äußerlich, notieren wir beim Gedanken an den wild gestromten, flaschengrünen Marmor und das edle Holz der Eingangshalle. 

 

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 6,7-4,4 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 153-114 g/km

Kraftstoffverbrauch kombiniert *: 6,7-4,4 l/100kmCO₂-Emissionen kombiniert *: 153-114 g/km

Zu Fuß überwinden wir den beinahe nahtlosen Übergang zwischen 100-jähriger Stadtteilkultur und dem brandneuen Vorzeigeviertel Porta Nuova. Rund um die Piazza Gae Aulenti herrscht reges Treiben. Imposante Wolkenkratzer umschließen großzügige Rasenflächen, Fußstege schlängeln sich durch sanft geschwungene, immergrüne Beete. Hier erbringt Mailand einen weiteren Beweis dafür, dass städtebaulicher Fortschritt nah am Menschen passieren muss. Während ein Teil des ambitionierten, bereits preisgekrönten Projekts noch in der Rohbauphase steckt, blüht in den fertiggestellten Gebäuden schon das Leben. Boutiquen, Supermärkte, stylishe Restaurants – nur keine Autos. Porta Nuova ist ein reines Fußgängerviertel. Wir verabschieden uns bei einem letzten Espresso an der futuristischen Piazza. Im Schatten des senkrechten Waldes, Symbol des neuen Mailands.

Camilla und Giulia Venturini
Camilla und Giulia Venturini im Restaurant
Straight outta Vienna
Straight outta Vienna

Kreativität 26.02.2019

Straight outta Vienna

Mavi Phoenix wird als die neue große Musikhoffnung Österreichs gefeiert. Mit unerschütterlicher Zielstrebigkeit setzt sie sich durch, in einer Disziplin, die von Männern dominiert wird – dem Rap.

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