München

Audi und Microsoft im Gespräch über die neue Rolle der IT

Die Rolle der IT wandelt sich vom Enabler im Hintergrund zum Treiber strategischer Entwicklungen. Das sorgt für neue agile Prozesse. Wie diese in Unternehmen umgesetzt werden, darüber diskutiert Sabine Bendiek, Geschäftsführerin von Microsoft Deutschland, mit Audi CIO Frank Loydl.

14.03.2019 Text: Michael Prellberg – Fotos: Julian Baumann Talking Business Lesezeit: 4 min

Treffpunkt: das Data:Lab in München, die Digitalschmiede des Volkswagen Konzerns.

Microsoft ist einer der wertvollsten Konzerne der Welt. Vor fünf Jahren schien das unvorstellbar. Was ist nötig, damit Investoren diese erfolgreiche Transformation goutieren?

Bendiek: Langer Atem und Vertrauen. Wir haben transparent gemacht, welche Ziele wir erreichen wollen – und gezeigt, dass wir sie erreichen. Das sorgt für Resonanz, auch in dem Sinne, dass Anleger bereit sind zu investieren. Microsoft sieht Informationstechnologie als grundlegenden Befähiger für neue Arten des Zusammenarbeitens, bei denen Menschen intuitiv mit Maschinen interagieren. Digitale Transformation bedeutet, dass IT in jedem Produkt und in fast jeder Lebenssituation in irgendeiner Form vorhanden ist. 

Frank Loydl, braucht die Transformation bei Audi ebenfalls einen langen Atem?

Loydl: Ja, allerdings sind IT und Digitalisierung das Kerngeschäft von Microsoft. Bei Audi ist das Kerngeschäft Mobilität, und die ist stark mit Hardware verbunden. Generell übernimmt die IT bei der Transformation des Unternehmens die Rolle des wesentlichen Treibers. Strategisch betrachten wir dabei drei Perspektiven: Teil eins betrifft das Produkt Auto und die produktnahe IT. Teil zwei sind Connect-Dienste und neue digitale Geschäftsmodelle. Der dritte Teil betrifft die bestehende Unternehmens-IT. Das können wir nicht alles in einen Topf werfen. Der wesentliche Wandel liegt darin, dass wir aus den Silos der einzelnen Geschäftsbereiche wie „IT für Entwicklung“ oder „IT für Produktion“ herauskommen und uns nach konkreten Technologiefeldern intelligent ausrichten. Da wir nicht auf grüner Wiese beginnen, haben wir das Transformationsprojekt NEXT:IT ins Leben gerufen, um die Audi IT aus der bestehenden in diese neue Struktur zu migrieren.

Bendiek: Übergänge zwischen den Bereichen zu flexibilisieren, ist der richtige Weg. Nur so wird agile Zusammenarbeit möglich. Dazu ist es wichtig, die Anforderungen der Bereiche an solchen Schnittstellen zu kennen und die Mitarbeiter aktiv mitgestalten zu lassen, um wirklich durch IT unterstützen zu können.

Loydl: Damit sind wir mittendrin in der Transformation. Uns ist es wichtig, möglichst viele Beteiligte ins Boot zu holen –  nicht als Zuschauer, sondern als Ruderer. Das ist sicherlich eine Herausforderung in der Autowelt, die aktuell noch stark in industriehierarchischen Strukturen verwachsen ist.

Bendiek: Transformation braucht Technologie als Mittel zum Zweck. Doch im Mittelpunkt bleibt der Mensch. Da sind auch Führungskräfte gefordert. Wir fragen: Wie geht ihr mit den Menschen um? Wie schafft ihr es, ganze Teams anzunähern und mitzunehmen?

Loydl: Genau. In meinen Augen braucht es für die Transformation ein gemeinsames Wertesystem, auf das sich alle im Unternehmen beziehen können, also  Respekt, Mut und Offenheit. Das sorgt für weniger Zielkonflikte, weil auf der Werteebene schnell eine Verbindung entsteht. Unter diesen Voraussetzungen können wir agile Arbeitsweisen nachhaltig in die Organisation implementieren und gleichzeitig die individuellen Kompetenzen der einzelnen Mitarbeiter stärken. Dennoch: 100 Prozent Agilität halte ich dabei nicht für sinnvoll. Vielmehr wollen wir Arbeitsmodelle „hybrid agile“ einsetzen, also flexibel und abhängig von der jeweiligen Aufgabe. Für mich ist ein barrierefreies und werteorientiertes Zusammenarbeiten der wichtigste Schlüssel zum Erfolg.

Sabine Bendiek, Geschäftsführerin Microsoft Deutschland.

Sabine Bendiek, Geschäftsführerin Microsoft Deutschland.

Sabine Bendiek

führt Microsoft Deutschland seit 2016. Die Betriebswirtin wechselte nach dem Studium am MIT (Massachusetts Institute of Technology) und Zwischenstationen als Unternehmensberaterin in die IT-Branche, war vor Microsoft Managerin bei Dell und Geschäftsführerin von EMC Deutschland.

Wie entscheidend sind digitale Werkzeuge, damit sich diese Möglichkeiten entfalten?

Bendiek: Sie können eine wichtige Rolle spielen. Kollaborationsplattformen helfen zu verändern, wie wir arbeiten, und uns ständig weiterzuentwickeln. Das geht über einen kombinierten Prozess: Ich habe eine neue Technologie, ich verändere die Einstellung meiner Führungskräfte und ich begeistere ganz unterschiedliche Mitarbeiter dafür, diese neue Welt der Kommunikation zu leben.

In dieser neuen Welt wird zunehmend unternehmensübergreifend agiert. Mal ist man Kunde, mal Partner. Wie funktioniert das zwischen Audi und Microsoft?

Loydl: Wir arbeiten bereits heute konzernweit intensiv mit externen Partnern wie Microsoft zusammen, etwa bei der Cloud-Entwicklung. Und wir sind gerade dabei, Office 365 und damit neue Werkzeuge für die Kollaboration einzuführen, die unsere bewährten Tools der Zusammenarbeit ergänzen. Da tauschen wir intensiv Erfahrungen aus, wie wir maximalen Nutzen aus diesen IT-Lösungen ziehen – über Bereiche und Ländergrenzen hinweg. Co-Innovation wird bei Audi Geschwindigkeit, Qualität und auch Effizienz steigern. Zukünftig werden wir je nach Thema die Wertschöpfung inhouse stärken oder in Zusammenarbeit mit Partnern wie Microsoft digitale Produkte oder Plattformen entwickeln, um unseren Kunden Mehrwert zu bieten.

Frank Loydl, CIO von Audi.

Frank Loydl, CIO von Audi.

Frank Loydl

stieg nach dem Studium der Technischen Informatik in die IT-Branche ein. 2013 wechselte er zu Volkswagen, wo er die IT-Steuerung des Konzerns übernahm und die Softwareentwicklung verantwortete. Seit Februar 2018 ist Loydl CIO von Audi.

Audi auf dem Weg zur NEXT:IT

  • Die strategische Rolle der Audi IT als wesentlicher Treiber der digitalen Transformation im gesamten Unternehmen fokussiert sich auf drei Bereiche: erstens auf das Produkt Auto und die produktnahe IT, zweitens auf neue digitale Produkte und Services und drittens auf die Unternehmens-IT, die Prozesse im Hintergrund steuert.
  • Das Transformationsprojekt NEXT:IT setzt sich zum Ziel, agilere Prozesse zu etablieren und die IT bei Audi neu aufzustellen – nicht nach Geschäftsbereichen, sondern nach Technologien. Zudem sollen unterschiedliche Arbeitsmodelle so gestaltet werden, dass sie optimal zu der jeweiligen Aufgabenstellung passen. Das Schlagwort lautet „hybrid agile“.
  • Audi setzt auf vernetzte  Plattformen im gesamten Volkswagen Konzern. Themen wie etwa Connected Car werden übergreifend im Volkswagen Konzern abgebildet, um maximale Synergien zu erzielen.
  • Außerdem geht Audi verstärkt unternehmensübergreifende Kooperationen ein. Sie ermöglichen es, Entwicklungen schneller und effektiver voranzutreiben.

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