Mailand

Mehr als eine Zukunftsvision

Audi und Italdesign stellen Pop.Up Next vor: das selbstfahrende, selbstfliegende, vollständig autonome und elektrisch betriebene Flugtaxi-Konzept. Angus Frazer teilt seine Gedanken zu den Auswirkungen auf das urbane Leben der Zukunft.

13.05.2019 Text: Angus Frazer   Fotos: Greg White Lesezeit: 4 min

The Pop.Up Next concept

Wie oft steckten Sie schon im Stau und haben sich gewünscht, Sie könnten einfach auf einen Knopf auf dem Schaltknüppel drücken oder am Lenkrad ziehen, um Ihr Auto in die Lüfte zu erheben und über das Verkehrschaos hinwegzuschweben? Ein Traum, der unmöglich scheint? Keineswegs. Allerdings erwartet niemand, dass sich einer der großen Autohersteller ernsthaft mit einer solchen Idee beschäftigen würde. Auf dem Genfer Autosalon 2018 wurde jedoch das Modell eines fliegenden Autos in voller Größe vorgestellt. Und was ziert die Motorhaube? Ein Audi-Emblem mit den markanten vier Ringen. Dieses Konzept mit dem Titel Pop.Up Next ist ein Gemeinschaftswerk von Audi, Italdesign und Airbus und die Weiterentwicklung eines früheren Projekts mit dem Namen Pop.Up, das 2018 vom, zu Audi gehörenden Mailänder Design- und Konstruktionsbüro, Italdesign in Genf präsentiert wurde.

Wir konzipieren nur Dinge, die in irgendeiner Form einmal Realität werden können. Die zugehörige Technologie muss bereits existieren, um das Konzept realisierbar zu machen.

Christian Bolognesi, Sprecher von Italdesign

Pop.Up Next läutet nicht per se die Ära des fliegendes Auto ein – vielmehr handelt es sich dabei um ein selbstfahrendes, selbstfliegendes, vollständig autonomes und elektrisch angetriebenes Taxi, das in mehreren Modi betrieben werden kann. Die zweisitzige Passagierkabine ist mit einem elektrisch angetriebenen und völlig autonomen, fahrbaren Allrad-Bodenmodul verbunden. Für den Flugmodus wird die Kabine autonom vom Bodenmodul gelöst und an einem Flugmodul mit acht Rotoren oder einer Drohne befestigt, um senkrecht nach oben abzuheben.

The Pop.Up Next concept interior

Mit Angus an Bord

Die von der Luftfahrt inspirierten Sitze verfügen über eine Mesh-Struktur, die sich der Körperform der Passagiere anpasst.

Nicolas Bussetti, Designer, Italdesign

Das Konzept wirkt auf jeden Fall cool und futuristisch, sowohl außen als auch in der ultra-minimalistisch gehaltenen Kabine. Meine Daten und meine „Reiseroute“ wurden bereits in einer App auf meinem Smartphone registriert. Beim Einstieg werde ich von PIA (Abkürzung für Personal Intelligent Assistant), meiner sprechenden Assistentin erkannt und begrüßt. Die Sitze sind bequem und dahinter ist ausreichend Platz für ein paar kleine Taschen. Möglicherweise wird das fliegende Taxi jedoch kleiner konzipiert, sobald es in Produktion geht. Das „Dashboard“ vor mir besteht aus einem riesigen Bildschirm mit Augmented-Reality-Technologie, auf dem ich Symbole durch einfaches Bewegen meiner Augen hervorheben kann.

Durch Drücken auf ein kleines Touchpad zwischen den Sitzen kann ich die gewünschte Umgebungsbeleuchtung und die Art der Musik auswählen, die ich über die in den Kopfstützen integrierten Lautsprecher hören möchte. Natürlich gibt es viel Glasfläche für eine gute Rundumsicht, während man über die Stadt schwebt. Der Boden unter meinen Füßen wurde jedoch absichtlich nicht transparent gestaltet, wie Nicolas betont: „Es war uns wichtig, dass die Passagiere eine gute Sicht haben, um das Erlebnis zu genießen, aber der Boden ist undurchsichtig konzipiert, um Sicherheit zu vermitteln und Ängste zu vermeiden.“

The Pop.Up Next concept

Vertrauen ist alles

Wie würde ich mich wohl fühlen, wenn ich mich tatsächlich in einem echten, batteriebetriebenen und von einer Drohne in die Lüfte erhobenen Fahrzeug ohne Pilot befände? „Sicher würde man einer autonomen Flugmaschine nicht sofort hundertprozentig vertrauen, auch wenn wir bereits mit von Autopiloten gesteuerten Flugzeugen um die Welt fliegen“, räumt Stefano Mancuso ein, Koordinator der Projekteinheit für elektrische und elektronische Architektur bei Italdesign. „Aber bis das fliegende Taxi Realität wird, geschätzt im Jahr 2030, werden wir uns daran gewöhnt haben, autonome Fahrzeuge zu nutzen. Und wenn diese Taxis in der Luft sind, wird es immer menschliche Unterstützung geben. In einem Kontrollzentrum ist stets jemand da, mit dem die Passagiere sprechen können und der in der Lage ist, bei Bedarf die Fernsteuerung zu übernehmen.“ Also bitte ich Stefano um eine ehrliche, spontane Antwort: „Würden Sie sich mit dem fliegenden Taxi in die Lüfte erheben?“ „Ja, das würde ich“, antwortet er sofort. „Ich werde jedoch nicht beim ersten Flug dabei sein, da sich unser CEO bereits dafür angemeldet hat!“

Eines der großen Probleme, die es noch zu überwinden gilt, ist die Akzeptanz.

Massimo Martinotti, Leiter Mobilitätslösungen Italdesign

The Pop.Up Next concept

Der Weg ist das Ziel

Das Unternehmen hat bereits im vergangenen Jahr anlässlich der Drone Week in Amsterdam einen Flug in der Öffentlichkeit durchgeführt, allerdings mit einem Modell im Maßstab 1:4. Das Flugmodul platzierte dabei eine Passagierkapsel akkurat auf dem Bodenmodul, das dann autonom vom Testgelände fuhr. Dies war ein Beweis für die Wirksamkeit des von Airbus entwickelten Kupplungssystems und dessen effizienter Schließ- und Verriegelungsfunktionalität. Das Luftmodul ruht derzeit auf Stelzen, um das Andocken zu erleichtern. Es ist jedoch vorgesehen, dass Derartiges nicht mehr benötigt wird, sobald das Konzept die Produktionsreife erreicht.

Um das Projekt mit Modellen in voller Größe zu verwirklichen, wären leistungsstärkere Batterien als die heute verfügbaren erforderlich. Airbus arbeitet derzeit an der Entwicklung dieser Technologie. Die Lärmbelastung ist ein weiteres Problem. So bemüht man sich um eine Reduzierung des hohen surrenden Geräuschs, das jedem bekannt ist, der schon einmal eine kleine Drohne beobachtet hat. Italdesign entwickelt gemeinsam mit Audi die Batterie- und Elektromotorentechnologie für das Bodenmodul; ein Bereich, in dem sich die Ingenieure von Audi bereits als äußerst kompetent erwiesen haben, wie die jüngste Markteinführung des SUV e-tron beweist. Daher ist auch ein Audi-Ingenieur Teil des Teams von Italdesign in Italien.

Es wird eine Weile dauern, bis die Drohnen in großer Zahl verfügbar sein werden – vielleicht bis 2030.

Massimo Martinotti, Leiter Mobilitätslösungen Italdesign


Nehmen wir also an, dass die Technologie so weiterentwickelt werden kann, dass der sichere Betrieb des fliegenden Taxis gewährleistet ist, alle rechtlichen Probleme erfolgreich gelöst werden können und die Öffentlichkeit nicht nur froh darüber ist, solche Fahrzeuge nutzen zu können, sondern auch in einer Stadt zu leben, in der diese ständig über einem schweben. Wie könnte das alles in der Praxis funktionieren und bis wann könnte es soweit sein? „Es wird eine Weile dauern, bis die Drohnen in großer Zahl verfügbar sein werden – vielleicht bis 2030“, erklärt Massimo. „Wir schätzen, dass bis dahin weltweit 200.000 bis 300.000 Drohnen in Betrieb sein könnten, mehrere Tausend könnten in einer Stadt wie London eingesetzt werden. Wir gehen davon aus, dass sie zunächst nur in streng begrenzten Luftkorridoren operieren, vielleicht vom Flughafen aus fliegen und auf einem Turm in der Innenstadt landen. Aber auf lange Sicht könnte es möglich sein, den gesamten Luftraum zu öffnen und ihnen damit mehr Freiraum zu geben.“

Während das aktuelle Modell auf eine kurze, innerstädtische Reichweite ausgelegt ist, geht Massimo davon aus, dass im Zuge des technischen Fortschritts möglicherweise sogar längere Strecken zurückgelegt werden können. Massimo ist davon überzeugt, dass das fliegende Taxi Realität werden wird und freut sich sehr darauf, einen Flug darin zu unternehmen. „Immerhin“, fügt er lächelnd hinzu, „hatte die Menschheit schon immer den Traum, in die Zeit Leonardo da Vincis und seiner Flugmaschinen zurückzukehren.“

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