Ingolstadt

Wie Elektromobilität unseren Alltag verändert

Die Debatte über die Reichweite und Ladeinfrastruktur greift zu kurz. Bei der Elektromobilität wird mehr ausgewechselt als der Motor. Elektroautos brechen etablierte Strukturen auf. Für die Automobilbranche zählen künftig die optimale Vernetzung und die richtigen Partner.

14.03.2019 Text: Dirk Böttcher — Fotos: Tobias Sagmeister
Illustrationen: Eva Revolver
Lesezeit: 5 min

Produktion von Elektro­fahr­zeugen und Plug-in-Hybriden bis 2021 (Prognose Gesamt­markt)

China wird mit dem höchsten Produktionsvolumen den Markt anführen, gefolgt von den USA und Deutschland 1.

Elektromobilität: Aufbau einer Infrastruktur

Um zu verstehen, wie die Elektromobilität unser Leben verändern wird, schauen wir auf eine  Straßenlaterne. Seit Generationen steht sie Spalier, beginnt abends zu leuchten und erlischt dann wieder. Meistens aber macht sie: nichts. Man kann an ihr sein Fahrrad anschließen oder Nachrichten über verlorene Schlüssel hinterlassen – das war’s dann schon.

Eine smarte Straßenleuchte hingegen – wir spulen vor in die Zukunft der Elektromobilität – zeigt sich als wahrer Tausendsassa: Man kann an ihr Smartphones oder Elektrofahrzeuge aller Art aufladen und den Strom per Handy bezahlen. Die Lampe ist so schlau, dass sie dem vorbeifahrenden Verkehr nicht nur Spalier steht, sondern Auto für Auto analysiert. Diese Daten spielt sie zusammen mit denen der Kollegen am Straßenrand einem noch schlaueren Rechner zu. Der errechnet daraus in Echtzeit, wie man zum Beispiel die Ampeln schaltet, damit der Verkehr in der Stadt schön im Fluss bleibt. Dass so eine Straßenlaterne nachts auch noch leuchtet, wird fast schon zur Nebensache.

Schöne Grüße aus der Zukunft? Die Zutaten dafür gibt es längst. Und sie funktionieren, schon heute. Bei der Elektromobilität wird mehr ausgewechselt als der Motor. Die Debatte über die Reichweite von Batterien, über Ladestationen statt Tankstellen greift zu kurz. Die elektrisch angetriebenen Autos stoßen Entwicklungen an, die unseren Alltag verändern. Sie brechen etablierte Strukturen auf und fördern die Kooperation zwischen Branchen. So entstehen neue Services rund um das vernetzte Fahren, von intelligenten Ladeinfrastrukturen bis hin zu Abrechnungsmodellen. Es gilt, neue Standards zu kreieren und umzusetzen, dafür verschmelzen Cooperation und Competition. Coopetition lautet das Schlagwort: Bewährte wie neue Akteure tragen ihren Teil zur besten Lösung bei, um gemeinsam das Ziel zu erreichen.

Die beiden wohl wichtigsten Fragen lauten: Woher kommt der Strom? Und wer bietet die Infrastruktur? Das können die Automobilhersteller nicht allein leisten. Dafür wird die elektromobile Ära zu vielfältig sein. Es ist ja keineswegs so, dass sich einzig diese Branche neu justiert. Die Stromkonzerne etwa verbinden Gebäude oder ganze Siedlungen mit smarten Netzen, damit der Strom immer dort vorhanden ist, wo er gerade benötigt wird. Elektroautos spielen in diesen komplexen Strukturen eine wichtige Rolle. Sie speichern zukünftig Energie, verbrauchen sie oder speisen ungenutzte Kapazitäten ihrer Batterien ins Netz  – und werden so Teil des Systems. Technisch alles möglich, schon heute.

Elektroautos: Warten auf den Durchbruch

Was möglich ist, muss allerdings gefördert werden, um Realität zu werden. Daher legen Regierungen weltweit ambitionierte Programme zur Förderung der Elektromobilität auf. Die Kernfelder: Ausbau der Ladeinfrastruktur, Kaufanreize für Kunden sowie Elektrofahrzeuge in Fuhrparks von Behörden. Ein Vorbild könnte Norwegen sein. Dort sind Elektroautos von der Importsteuer und der 25-prozentigen Mehrwertsteuer befreit. Sie genießen einen privilegierten Status auf den Straßen, wie Mautbefreiungen, kostenlose Fährfahrten und in einigen Städten auch kostenlose Parkplätze. Das Ergebnis: 2018 besaß fast jedes zweite in Norwegen neu zugelassene Auto einen Elektro- oder Plug-in-Hybridantrieb.

Von solchen Werten sind größere Märkte noch weit entfernt. In China lag die Quote bei 4,5 Prozent, in den USA bei 2,1 Prozent, während Deutschland auf 2,0 Prozent zulegte. Selbst wenn die Zuwachskurve schon heute in den Industriestaaten steil nach oben zeigt: Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group geht davon aus, dass noch 2020 nur 5,0 Prozent der Pkw weltweit per Plug-in-Hybrid- oder Elektromotor angetrieben werden. Erst im kommenden Jahrzehnt nimmt die Elektromobilität richtig an Fahrt auf und der Elektroanteil steigt auf mehr als ein Drittel, in hochentwickelten Märkten sogar noch weiter.

Forschen für bessere Elektrobatterien

Mitentscheidend für den Erfolg der Elektromobilität ist ein Ende der Reichweitendebatte. Derzeit befürchten Autofahrer, mit ihrem Elektromobil unterwegs liegen zu bleiben. Mangels Reichweite. Also wird an der Ladeinfrastruktur und leistungsfähigeren Batterien getüftelt. Die klassischen Lithium-Ionen-Akkus könnten durch sogenannte Feststoffbatterien ersetzt werden, einige Hersteller schwören dafür auf Phosphatverbindungen, andere auf Natrium. Dann sollen 800 Kilometer möglich sein.

Die Batterien stehen auch aus einem anderen Grund im Fokus: wegen der schieren Menge, die es braucht, um die Mobilität weltweit zu elektrifizieren. Wenn in den Städten nur noch Elektromobile surren, werden irgendwo Fabriken die Batterien dafür herstellen müssen. Und deren Herstellung verlangt bislang nach Rohstoffen, deren nachhaltige Förderung eine Herausforderung darstellt.

Ladeinfrastruktur auf gutem Weg

Wahrscheinlich verliert die Reichweitendebatte an Brisanz, sobald ein verlässliches Netz von Ladestationen aufgebaut wird. Genau dieses Netz wird enger gespannt, überall in der Welt. In Dänemark gibt es inzwischen mehr Ladestationen als Tankstellen. Bis 2020 will IONITY ein Netz von rund 400 Schnellladestationen in 25 europäischen Ländern betreiben. Das Unternehmen, ein Joint Venture mehrerer Autohersteller, ist ein gutes Beispiel für Coopetition. Und dafür, wie die Autobauer über scheinbare Grenzen hinausdenken – und handeln.

Das Produkt wird Teil des Systems und der Infrastruktur, in der unterstützende Apps nicht weniger wichtig sind als Motorleistung. Um solche Apps zu entwickeln, kooperieren die Konzerne mit Softwareschmieden. Um ein dichtes Netz von Ladesäulen zu spannen, binden sie Stromversorger ein. Navigationssysteme führen Elektroautos zu zehntausenden Ladepunkten. Ladevorgänge werden über nur einen Vertrag mit einheitlichen und transparenten Preismodellen automatisch zum Monatsende abgerechnet, eine Art Kreditkarte für Mobilität. Schon bald werden sich Fahrzeuge mittels kryptografischer Verfahren beim Laden einfach selbst autorisieren.

Elektromobilität bewegt die Menschen

Damit bieten Hersteller ihren Kunden ein umfassendes Ökosystem. Schließlich wollen die ein Auto nicht nur vors Haus stellen, sondern es auch mit der heimischen Stromproduktion koppeln. Hier entwickeln die Unternehmen Angebote, die die nötige Hardware, aber auch smarte Lösungen beinhalten, um zum Beispiel den Strom zu kostengünstigsten Zeiten oder nur den eigenerzeugten Solarstrom zu laden.

Klug umgesetzt, kann und wird die Elektromobilität die Menschen also bewegen – und zwar in der ganzen Doppeldeutigkeit des Wortes. Das Auto kommuniziert mit dem Fahrer, mit anderen Fahrzeugen und der Infrastruktur und passt sein Fahr- und Ladeverhalten entsprechend an. Städte werden ihre Systeme verbinden, öffentlicher Nahverkehr, eigenes Fahrzeug, Carsharing-Modelle gehen fließend ineinander über, der Bedarf an Parkflächen wird signifikant sinken, die Bewohner werden städtischen Raum zurückgewinnen. Ob man allerdings sein Fahrrad künftig noch an Straßenlaternen anschließen kann, ist fraglich. Die sind ja dann Hightech.

Elektromobilität in Zahlen

Laden

30 min

um den e-tron an der Schnellladesäule zu 80 % aufzuladen

Reichweite

371 km

an Strecke schaffen Elektroautos 2019 im Durchschnitt

Batterien

–73 %

Kostensenkung für Lithium-Ionen-Batterien von 2013 bis 2020

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