So klingt der Sound eines Elektroautos

Seit Sommer 2019 müssen in der EU alle neu zugelassenen Elektro- und Hybridautos einen künstlichen Außensound haben. Höchste Zeit, bei den Audi Sound-Designern nachzufragen, wie sie den Klang mischen. Nur so viel: Didgeridoo-Klänge tönen durchs Büro.

17.09.2019 Lesezeit: 4 min

Je drei Laptops, Bildschirme und Boxen. Regler, Verstärker und Kabel in allen Farben. So sieht der Schreibtisch von Audi Sound-Designer Rudi Halbmeir aus. Hinter ihm an einem Regal lehnen ein Didgeridoo, eine Gitarre, ein Geigenbogen und ein Keyboard. Sind wir in einem Tonstudio? Für seine Mitarbeiter im Großraumbüro wirkt es manchmal so. Und irgendwie stimmt es auch. Denn an seinem Schreibtisch mischt Halbmeir die Töne für den Außensound, unter anderen des Audi e-tron für China und die USA.

Das Highlight am Arbeitsplatz: Unter seinem Schreibtisch verstecken sich ein Gaspedal und ein Lautsprecher, mit dem er einen fiktiven e-tron beschleunigen und gleichzeitig den Sound direkt hören kann. Er tritt das Pedal durch, der Sound wird lauter, virtuelle Amplituden schlagen an den Monitoren aus... Gänsehaut. Für Halbmeir ist das ganz normal. Er dreht an ein paar Reglern und klickt sich durch die Tonspuren. „Die Benutzeroberfläche haben wir selbst geschrieben. Damals gab es das, was wir wollten, noch nicht auf dem Markt.“ Ein selbstgemachtes Soundstudio am Arbeitsplatz also. Von der Stange kann ja schließlich jeder.

Der Außensound vom Audi e-tron besteht etwa aus über 30 ver­schiedenen Tonspuren, die wir über­einander­legen.

Rudi Halbmeir, Sound-Designer

So wird der Sound eines Elektroautos designt

Seit 2009 ist Halbmeir verantwortlich für die Akustik bei den Audi-Modellen. Der gelernte Elektrotechniker und studierte Maschinenbauer machte sein Hobby zum Job. „Ich spiele sieben Instrumente und habe ein Tonstudio zu Hause. Da hat sich mein Vorgesetzter damals gedacht: Das könnte doch passen“, erzählt er mit einem Schmunzeln.

Seitdem hat er sich eine Datenbank aus mehreren hundert Soundfiles und Tönen zusammengestellt. „Da stecken verschiedene Synthie-Sounds oder auch aufgenommenes Autobahnrauschen mit drin. Ich experimentiere gerne. Was etwa ein guter Ton ist: die Gitarre mit dem Geigenbogen zu streichen oder Didgeridoo-Klänge“, verrät Halbmeir und bläst zum Beweis einen langen Ton durch sein Didgeridoo.

Der Sound reagiert auf die Bewegungen des Elektroautos

Wie klingt der perfekte Außensound für den Audi e-tron? Er muss und soll Aufmerksamkeit in der Umgebung des Elektroautos schaffen. Die Geräusche müssen per EU-Verordnung bis 20 km/h deutlich hörbar sein. In den USA sind sie bis 31 km/h Pflicht. Sie signalisieren Fußgängern und Radfahrern, dass sich ein Auto nähert, beschleunigt oder bremst. „Das klappt nicht nur durch die Lautstärke, sondern auch durch einen sich verändernden Sound“, erklärt Halbmeir. Monotone, gleichbleibende Töne speichert das Gehirn schnell als „normales“ Hintergrundgeräusch ab.

Sounddesign hautnah: Wie klingt ein Elektroauto?

 

Tonstudio Elektroauto: Stephan Gsell und Rudi Halbmeir am Arbeitsplatz

Teamwork für den e-tron: Mit Kollege Stephan Gsell „komponiert“ Rudi Halbmeir den Sound fürs Elektroauto.

Der Sound soll nicht als nervig oder unangenehm wahrgenommen werden. Frequenz und Lautstärke sind ausschlaggebend. Entscheidend ist die Mischung der richtigen Töne, die einen Sound entstehen lassen. „Das ist fast wie bei einer Sinfonie. Der Außensound vom Audi e-tron besteht etwa aus über 30 verschiedenen Tonspuren, die wir übereinanderlegen. 15 davon laufen immer parallel. Ich nenne die Art des Sounds realistisch-technisch, nicht zu harmonisch. Sonst geht der Sound nicht ins Unterbewusstsein“, erklärt Halbmeir.

Bei der Komposition vertraut er auf seine Intuition: „Ich lasse mich von den verschiedenen Tönen leiten. Ich spüre, ich höre und ich fühle die Musik. Mein Bauch ist da oft wichtiger als mein Ohr.“

Lauscher auf im Labor: Der e-tron-Sound im Test

Im Soundlabor testen Stephan Gsell und Rudi Halbmeir den Sound nicht nur am Schreibtisch, sondern auch am Modell: einem Audi e-tron Technikträger. „Das ist sehr wichtig, weil die Lautsprecher andere sind und sich die Klänge am Auto ganz anders anhören“, erklärt Halbmeir. Dafür gehen die beiden ins Audi-Soundlabor. „Das Soundlabor ist ein Semi-Freifeldraum. Das bedeutet, dass der Raum an den Decken und Wänden reflexionsarm ist, aber einen normalen, schallreflektierenden Asphaltboden hat“, erklärt Gsell. Der promovierte Elektrotechniker ist seit 2015 im Akustik-Team.

Das Labor sieht mit den Schaumstoffkeilen an Wänden und Decke futuristisch aus. Mitten drin steht ein e-tron Technikträger, umgeben von kleinen Mikrofonen. In dem Raum verschwindet das gesprochene Wort fast gänzlich. Es erinnert an das Gefühl im Flugzeug oder beim Tragen von Noise-Canceling-Kopfhörern.

Der passende Sound für alle Manöver des Elektroautos

“Wer Audi fährt, soll auch Audi hören.”

Stephan Gsell, Sound-Designer

Wo versteckt sich der Außensound im e-tron? Vor dem rechten Vorderrad befindet sich ein kleiner Lautsprecher. Fährt das Auto rückwärts beziehungsweise schneller, erhöht sich der Pegel und das Geräusch wird lauter. Der Klang wird in Abhängigkeit von den Fahrparametern, wie Geschwindigkeit oder Last, dynamisch an die Fahrsituation angepasst. „Das Geräusch soll nicht nur das Gesetz erfüllen, sondern angenehm und ein einfach ein guter Sound sein. Wer Audi fährt, soll auch Audi hören“, sagt Sound-Designer Gsell.

Die Abteilung der Gesamtfahrzeugakustik hat sich beim e-tron bewusst gegen die Klangcharakteristik eines konventionellen Verbrennungskraftfahrzeugs entschieden. „Der e-tron soll sich nach einem E-Fahrzeug anhören und nicht einen Verbrenner vorgaukeln“, sagt Halbmeir. Interessant dabei: Aufgrund unterschiedlicher Pegelvorgaben wird das erste Audi Elektroauto in der EU exakt so klingen wie das für China, aber anders als das für die USA.

Paradoxon beim Sounddesign: früher leise, heute laut

Halbmeir hört sich noch einmal den Sound des e-tron an und sagt mit einem Zwinkern: „Es ist schon lustig: Früher musste ich das Auto so leise wie möglich machen. Jetzt muss ich es mit künstlichen Sounds wieder lauter machen.“

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