Austria

Holz: die nachhaltige Energiequelle für sauberen Strom?

Neue, nachhaltige Lösungen sind gefragt, wenn es darum geht, die Energiequelle der Zukunft zu finden. Experten aus Österreich sind allerdings der Meinung, dass auch althergebrachte Methoden eine echte Alternative sein können. Vor allem wenn es um etwas so Elementares geht, wie das Verbrennen von Holz.

28.08.2020 Copyrights & Fotos: National Geographic Text: Charlotte Duck Lesezeit: 3 min

Dieser Inhalt ist im Rahmen einer Partnerschaft mit der AUDI AG und National Geographic entstanden und wurde auf nationalgeographic.com veröffentlicht.

 

In Binderholz werden die Sägespäne von verarbeitetem Rundholz gesammelt, getrocknet und verbrannt, um Strom für 12.000 Haushalte in der Gegend zu erzeugen. Die Forstbehörden stellen sicher, dass das bei der Verbrennung freigesetzte CO₂ vom Rest des Waldes wieder absorbiert wird, um eine vollständige Kohlenstoffneutralität zu gewährleisten.
In Binderholz werden die Sägespäne von verarbeitetem Rundholz gesammelt, getrocknet und verbrannt, um Strom für 12.000 Haushalte in der Gegend zu erzeugen. Die Forstbehörden stellen sicher, dass das bei der Verbrennung freigesetzte CO₂ vom Rest des Waldes wieder absorbiert wird, um eine vollständige Kohlenstoffneutralität zu gewährleisten.

Bäume für die Energiegewinnung zu fällen, widerspricht der allgemeinen Vorstellung von nachhaltigem Handeln. Dabei wird Holz bereits seit Tausenden von Jahren als Wärmequelle und seit mehr als einem Jahrhundert als Energiequelle genutzt. Der Zusammenhang zwischen Entwaldung und globaler Erwärmung hat allerdings dazu geführt, dass Holz als mögliche alternative Energiequelle gerne übersehen wird. Neue, in Österreich erprobte forstwirtschaftliche Produktions- und Bewirtschaftungstechniken, deuten jedoch darauf hin, dass Bäume tatsächlich eine Schlüsselrolle bei der Deckelung unseres Energiebedarfs spielen könnten – wie nachhaltig die Techniken tatsächlich sind, hängt davon ab, wie wir sie anwenden.

Stichwort Wiederaufforstung

In Österreich muss man nicht sehr weit gehen, um einen Baum zu finden. Der überwiegende Teil des Landes – 47 Prozent, um genau zu sein – ist von Wäldern bedeckt. Von daher ist es auch nicht überraschend, dass diese natürliche Ressource für die Deckung des Energiebedarfs genutzt wird. Nachhaltige Forstwirtschaft bedeutet allerdings mehr, als einfach nur einen Baum zu fällen und einen neuen anzupflanzen.

„Ein Waldbesitzer muss alle zehn Jahre das jährliche Gesamtwachstum seines Waldes bestimmen“, erklärt Christian Rakos vom europäischen Pelletsverband (European Pellet Council (EPC)). „Wenn 1000 Kubikmeter Wald im Jahr durch Baumwachstum hinzukommen, ist das das Volumen, das jedes Jahr gefällt werden kann.“ Berechnungen wie diese haben dazu beigetragen, Gesetze zu formulieren, die die progressive Forstwirtschaft in Österreich regulieren. Jegliche Abweichungen davon werden sehr ernst genommen und von speziellen Behörden kontrolliert. Darüber hinaus bedarf jede Baumfällung von mehr als einem halben Hektar der Freigabe durch diese Waldpolizei. Auch wird regelmäßig kontrolliert, ob abgeholzte Gebiete umgehend wieder aufgeforstet werden oder diese sich innerhalb von fünf Jahren auf natürliche Weise regenerieren.

Zudem werden gefährdete Arten im Wald sorgfältig überwacht, und wenn es sein muss, die jeweilige Forstwirtschaft stark eingeschränkt, um deren Lebensräume zu schützen. Sollte ein Wald unerwartet durch Naturkatastrophen, wie einen Sturm, eine Krankheit oder Schädlinge, zerstört werden, dann werden auch die zu fällenden Bäume im Folgejahr entsprechend reduziert. Etwa vierzig Prozent des jährlichen Waldwachstums in Österreich bleiben unberührt. Unter dem Strich bedeutet dies, dass die Wälder tatsächlich wachsen.

Jeder Aspekt des Forstwirtschaftsprozesses wird bis ins kleinste Detail überwacht – Förster berechnen die Wachstumsrate und sorgen dafür, dass weniger Holz geschlagen wird, als jedes Jahr nachwächst.
Jeder Aspekt des Forstwirtschaftsprozesses wird bis ins kleinste Detail überwacht – Förster berechnen die Wachstumsrate und sorgen dafür, dass weniger Holz geschlagen wird, als jedes Jahr nachwächst.

Keine Verschwendung bei der Holzverarbeitung

Spezielle Regulierungen in puncto Wiederaufforstung machen nur einen Aspekt in Österreichs nachhaltiger Forstwirtschaft aus. Ist ein Baum gefällt, folgt der Prozess der Nutzung dem Prinzip der Kaskadierung, wobei der wertvollste Teil des Baumes – der Stamm – in Holzprodukte umgewandelt wird – meist zu Bau- oder Möbelzwecken.

Nicht-Stammholz wird zu Brettsperrholz (BSP/CLT) verarbeitet – derzeit das fortschrittlichste und zugleich nachhaltigste Baumaterial, das es gibt. Studien haben gezeigt, dass der Einsatz von BSP über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes, in dem es verwendet wurde, tatsächlich den Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre reduziert. Mit der Zeit könnte BSP sogar die Abhängigkeit von Stahl, Beton und sogar Plastik im Hausbau reduzieren, welche jeweils bereits bei der Produktion große Mengen an Kohlenstoffen freisetzen.

Am Ende bleiben vom Baum dann nur noch die Baumrinde und Sägemehl übrig, die bisher als Abfallprodukte entsorgt oder bestenfalls als Untergrund für Kinderspielplätze Verwendung fanden.

Mittlerweile werden diese Abfallprodukte allerdings zu Holzpellets verarbeitet und als alternativer und durchaus nachhaltiger Brennstoff verwendet. Selbst wenn bei der Herstellung der Pellets und dem Transport fossile Energien genutzt werden, liegt die Kohlenstoffdioxid-Einsparung bei 74 Prozent im Vergleich zur Kohle als Energiequelle.

Nathalie Binder, deren Familienunternehmen Binderholz nahe Innsbruck Biomasse erzeugt, weist darauf hin, dass die Nutzung von Biomasse auf diese Weise noch weitere, nachhaltige Vorteile bietet. Ein Teil des erzeugten Ökostroms wird direkt im Werk wiederverwendet und bildet dadurch einen positiven Energiekreis. „Die Abfallbaumrinde wird thermisch in Ökostrom und in Wärme umgewandelt, um das Sägemehl zu trocknen, das wir für die Pelletproduktion verwenden“, meint sie. Der Großteil des von Binderholz generierten Ökostroms wird in das öffentliche Versorgungsnetz eingespeist, um etwa 12.000 Haushalte zu versorgen und gleichzeitig heißes Wasser für ein komplettes Dorf in der Nähe bereitzustellen.

Es hat nicht lange gedauert, bis diese Idee in Österreich auf Nachahmer stieß. Mittlerweile gibt es 42 Holzpelletanlagen mit gleichem Funktionsprinzip im ganzen Land verteilt. Außerdem hat sich mit Bioenergie 2020+ das weltweit größte Bioenergie-Forschungszentrum in Österreich angesiedelt.

Heizen mit Pellets

Holzpellets setzen nur wenige Emissionen frei. Eine Holzpelletzentralheizung für eine Großfamilie zum Beispiel hinterlässt nur 1kg Asche im Jahr in Form von Feinstaub – was angesichts der 50.000 Tonnen Feinstaub, die in Österreich jährlich produziert werden, ein geringer Bruchteil ist. Einen alten mit Holz oder Öl betriebenen Heizkessel durch eine Holzpelletheizung zu ersetzen, bedeutet eine Reduzierung der Emissionen um bis zu 90 Prozent. Ein weiterer Vorteil des Pelletkessels ist die einfache Bedienung und Sauberkeit. Nur zwei der Gründe, die für die zunehmende Beliebtheit in Österreich und auch Deutschland, Italien, Frankreich oder Großbritannien beitragen.

Was hält die Zukunft bereit?

Wenn Techniken wie in Österreich auch global zur Anwendung kommen und auf geografische Besonderheiten angepasst werden, können Pellets durchaus ein Teil der Lösung unseres steigenden Energiebedarfs sein. In Uganda beispielsweise, wo die Bewaldung durch die Verwendung von Holzkohle und Brennholz zurückgegangen ist, entwickelte der Ofenhersteller Awamu einen Pelletkochherd, der Pellets aus Reisschalen verwendet anstelle von Pellets aus Rinde und Sägemehl – aber dabei immer noch das gleiche umweltfreundliche Verfahren nutzt. Mit ein wenig Glück und einigen Investitionen wird nachhaltiges, umweltfreundliches Kochen möglicherweise bald zur Normalität in Afrika. Das Gleiche gilt für China, wo die Abhängigkeit von Kohle zu einer enormen Luftverschmutzung führt. Chinesische Forscher haben dort zusammen mit Experten aus Österreich den Bau einer Pelletanlage mit Abfallstroh als Pilotprojekt beschlossen, das eine echte Alternative sein könnte. Zwar gibt es noch viele Herausforderungen, was unseren steigenden Energiebedarf betrifft, aber alternative Brennstoffe auf dem Markt machen dennoch Hoffnung. Vor allem wenn sie wirklich nachhaltig sind.

Dr. Leslie Dewan

Dr. Leslie Dewan

Dr. Leslie Dewan ist Mitbegründerin und Vorstandsvorsitzende von Transatomic Power, einem Unternehmen für die Konstruktion von Kernreaktoren mit Sitz in Cambridge, Massachusetts, das dort die nächste Generation nachhaltiger Kernkraftwerke entwickelt. 2013 hat Sie am MIT in Nukleartechnik mit einem Forschungsschwerpunkt in Computational Nuclear Materials promoviert. Davor hat Dewan für ein Robotikunternehmen in Cambridge gearbeitet und Such- und Rettungsroboter sowie Ausrüstung für die Identifizierung von chemischen und nuklearen Waffen entwickelt.

Dewan wurde mit dem MIT Presidential Fellowship und dem Department of Energy Computational Science Graduate Fellowship ausgezeichnet. Sie ist Mitglied der MIT Corporation, dem Leitungsgremium des Massachusetts Institute of Technology. Sie wurde außerdem vom Time Magazine zu den "30 People Under 30 Changing the World", zum MIT Technology Review "Innovator Under 35", zum Forbes "30 Under 30" Honoree und zum World Economic Forum Young Global Leader ernannt.

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