Anschub für die Energiewende

Audi engagiert sich bei der Produktion und Entwicklung erneuerbarer Kraftstoffe. Die Audi e-fuels – Audi e-gas, e-benzin und e-diesel – bewirken eine CO2-Reduktion von bis zu 80 Prozent. Wie nahe sind die Kraftstoffe tatsächlich an den Bedürfnissen der Kunden, und welche Perspektiven haben sie mittelfristig? Reinhard Otten, Fachmanager für Klimaschutz und Ressourcenschonung, beantwortet unsere Fragen.

13.11.2018

Herr Otten, was genau ist die Idee hinter den Audi e-fuels?
Reinhard Otten:
Die Audi e-fuels sind nachhaltige Kraftstoffe, bei deren Herstellung dieselbe Menge CO₂ gebunden wird, die das Auto im Betrieb auf der Straße später wieder emittiert. Das Kohlenstoffdioxid wird also im Kreislauf geführt, vom Schadstoff wird es zum Wertstoff. Als treibende Kraft bei der Herstellung der Audi e-fuels dient regenerative Energie.

Audi e-gas, Audi e-benzin und Audi e-diesel – was ist das im Einzelnen?
Audi e-gas ist synthetisches Methan. Wir produzieren einen Teil des benötigten Audi e-gas seit fünf Jahren selber in einer sogenannten Power-to-Gas-Anlage in Werlte im Emsland, die wir zusammen mit Partnerunternehmen gebaut haben. Das e-gas entsteht in zwei Verfahrensschritten aus erneuerbarer Energie, Wasser und CO₂. Letzteres stellt eine benachbarte Reststoff-Biogasanlage bereit. Unser e-gas eignet sich zum Antrieb von Ottomotoren, die für den Betrieb mit Erdgas konzipiert sind ...

... die Audi mit seinen g-tron-Modellen auch anbietet.
Genau. Aktuell haben wir in den Modellfamilien Audi A3, A4 und A5 je ein g-tron-Modell im Portfolio. Der Betrieb mit Audi e-gas ist nahezu CO₂-neutral, denn wir nutzen CO₂, das sowieso in die Atmosphäre gelangen würde, und vermeiden das Verbrennen fossiler Kraftstoffe. Und die Energie, die wir zur Herstellung brauchen, beziehen wir zu 100 Prozent aus erneuerbarem Strom. Die Power-to-Gas-Anlage wird prioritär dann hochgefahren, wenn die Wind- und Solarkraftwerke in der Region mehr Strom produzieren, als das lokale Netz aufnehmen kann.
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Rechnerisch verbrauchen Audi g-tron-Kunden in Summe kein fossiles Erdgas.

Reinhard Otten
Aber direkt tanken kann der Kunde Audi e-gas nicht.
Nein, es gelangt über das Erdgasnetz zu den etwa 3.500 CNG-Tankstellen, die es in Europa gibt. Unsere g-tron-Kunden tanken das e-gas sozusagen indirekt über ein zertifiziertes Bilanzierungsverfahren. Es stellt sicher, dass die benötigte Menge an CNG durch Einspeisung erneuerbaren Methans ersetzt wird. Dabei orientieren wir uns an der realen Jahresfahrleistung der g-tron-Fahrzeuge, die fortlaufend durch den Kundendienstservice ermittelt wird. Rechnerisch verbrauchen daher die Audi g-tron-Kunden in Summe kein fossiles Erdgas.

Wie ist der Stand bei den beiden anderen alternativen Kraftstoffen?
Beim Audi e-diesel starten wir bald mit zwei Partnerfirmen den Aufbau einer industriellen Anlage in Laufenburg auf der Schweizer Rheinseite. Dort nutzen wir Wasserkraft als Energiequelle für einen Prozess, der wie in Werlte mit Wasser und CO₂ beginnt.  Beim Audi e-benzin haben wir jetzt das Laborstadium hinter uns gelassen. Vor einigen Monaten hat eine Anlage in Leuna eine erste Charge von 60 Litern hergestellt, die jetzt in Versuchsmotoren getestet wird.

Keiner kann jetzt mehr ernsthaft behaupten, wir könnten nicht zu 100 Prozent auf erneuerbare Energie umsteigen.

Reinhard Otten
Wie ist Ihr Team bei Audi aufgestellt?
Unser e-fuels-Kernteam ist klein, aber schlagkräftig. Die Kolleginnen und Kollegen kommen aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen – Fahrzeugtechnik, Chemie, Biologie, Umwelttechnik. Im Unternehmen stehen wir mit allen wichtigen Entwicklungsbereichen im Austausch, vor allem mit den Kollegen der Antriebsentwicklung.

Sie haben dicke Bretter zu bohren. Was motiviert Sie?
Die Tatsache, dass wir mit unseren Audi e-fuels einen großen Beitrag zur Energiewende leisten können. Unsere Audi e-gas-Anlage in Werlte arbeitet ja nach dem Power-to-Gas-Prinzip – sie wandelt Strom aus instabilen Energiequellen wie Wind oder Sonne in Erdgas um und macht ihn dadurch speicherbar. Die Anlage war die erste ihrer Art weltweit und hat in der ganzen Energiewirtschaft ein neues Denken und viele Nachfolgeprojekte angestoßen. Keiner kann jetzt mehr ernsthaft behaupten, wir könnten nicht zu 100 Prozent auf erneuerbare Energie umsteigen. Die Speicherbarkeit von Strom ist der Schlüssel dazu.
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Genial finde ich den Gedanken, dass wir als Autohersteller die Triebfeder für eine essenzielle Energiewende-Technologie werden können.

Reinhard Otten
Wie hat die Geschichte angefangen?
Vor acht Jahren habe ich über die Herausforderungen der Energiewende nachgedacht und das Prinzip einer solchen Anlage, das damals nur einer Handvoll Wissenschaftlern bekannt war, auf ein Stück Papier gezeichnet. Ich habe immer wieder erklärt, dass unsere zukünftigen Elektro-, Wasserstoff- und CNG-Autos durch die Power-to-Gas-Technologie nachhaltig werden können, und gemeinsam mit einem Audi-Kollegen, der heute mein Chef ist, gelang es mir dann, immer mehr Leute in der Firma davon zu überzeugen, bis hinauf zum Vorstand. Darauf sind wir stolz. Es freut mich persönlich, dass man hier im Team wirklich etwas erreichen kann.

Aber Hand aufs Herz: Haben die Audi e-fuels die Chance, sich am Markt durchzusetzen, oder ist ihre Herstellung einfach zu teuer?

Durchsetzen werden sie sich früher oder später sowieso, aber das Wann hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einer davon ist der Rohölpreis am Weltmarkt, ein anderer die Einschätzung der Politik, die neuen Kraftstoffe als schon heute notwendige Alternative zu bewerten. Ein starker Hebel könnte es sein, die CO₂-Minderung durch e-fuels auf den Flottenverbrauch des Herstellers anzurechnen. Die Produktion von e-fuels könnte sehr schnell wirtschaftlich werden, insbesondere bei der Kombination von g-tron und e-gas. Genial finde ich den Gedanken, dass wir als Autohersteller die Triebfeder für eine essenzielle Energiewende-Technologie werden können. Diese Idee motiviert mich jeden Tag.
Welcher Energieträger wird sich langfristig durchsetzen: Ökokraftstoff oder Ökostrom?
Beide. Es gibt in vielen wichtigen Märkten einen klaren Trend zur Elektromobilität, aber sie alleine kann die angestrebte Minderung der Treibhausgas-Emissionen nicht stemmen, weil sie aus vielerlei Gründen nicht beliebig schnell eine große Verbreitung finden kann. Angesichts der sehr unterschiedlichen Märkte und Zielgruppen brauchen wir als Ergänzung zwingend erneuerbare Energieträger für die vielen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die noch viele Jahre lang auf den Straßen unterwegs sein werden.

Diese e-fuels müssen übrigens nicht zwingend in Deutschland produziert werden, sondern können z. B. auch aus dem sonnenreichen Nordafrika kommen. Und wenn sie eines Tages im Pkw nicht mehr gebraucht werden sollten, bleiben noch andere Branchen, wie die Kunststoffindustrie, der Güterverkehr auf der Straße oder auch der Luft- und Seeverkehr. Heute sind unsere neuen Kraftstoffe ein Audi-USP und ein Ausweis für „Vorsprung durch Technik“, aber sie sind notwendig für das Erreichen der Klimaziele und zudem technologie- und anwenderoffen.
Reinhard Otten, Nachhaltige Produktentwicklung AUDI AG

Reinhard Otten, Nachhaltige Produktentwicklung AUDI AG

Reinhard Otten

Reinhard Otten kam 1968 in Lemgo zur Welt. Nach dem Abitur in Bad Schwartau studierte er an der TU Berlin Fahrzeugtechnik und Verkehrswesen, schon damals mit einem Fokus auf alternative Antriebe. 1994 und 1995 arbeitete er als freier Motorjournalist, Anfang 1996 ging er zur AUDI AG. Nach verschiedenen Tätigkeiten in Produktmarketing und Vertrieb, unter anderem in Spanien, wechselte Otten 2002 in die Technische Entwicklung, wo er sich auf Umwelt- und Energiethemen spezialisierte.

Von 2010 an begleitete er als Stratege und stellvertretender Projektleiter die Planung und den Aufbau der von ihm initiierten Audi e-gas-Anlage in Werlte, die 2013 in Betrieb ging. Seit Herbst 2017 verantwortet Reinhard Otten als Fachmanager die Strategie für Klimaschutz und Ressourcenschonung im Bereich Nachhaltigkeit Produkt.
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Alternative Antriebe

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Neben der Motoreffizienz verfolgen wir bei den Audi g-tron Modellen und Audi e-gas als Krafstoff auch die Ökologie des gesamten Engergiesystems.

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