Autodesign bei Audi: Grenzenlose Kreativität

Sie stellen Alltag und Konventionen infrage und sind ihrer Zeit weit voraus: Die Designstudios in Beijing, Malibu und Ingolstadt mit insgesamt 450 Expert_innen bilden die Keimzellen für neue Modelle, Showcars und innovative Mobilitätskonzepte von Audi.

15.07.2021 Lesezeit: 4 min

Die Ansiedlung rund um den Erdball zeigt: Audi ist eine globale Marke und arbeitet ununterbrochen am automobilen Portfolio der Zukunft. Über das Design-Headquarter in Ingolstadt sind die Standorte miteinander vernetzt und stehen in engem Kontakt. Zugleich leben die drei Kreativschmieden den Wettbewerb: Bevor aus Entwürfen Realität wird, müssen sie sich erst einmal in einem internen Wettbewerb durchsetzen. Darüber hinaus nutzt das Audi Design seine Studios in China und den USA als Seismografen: Die Teams spüren vor Ort Trends aus Mobilität, Kunst und Kultur auf und adaptieren sie für den lokalen sowie internationalen Markt.

Philipp Römers, Leiter Design Exterieur, Marc Lichte, Audi-Chefdesigner, Norbert Weber, Leiter Design Interieur
Philipp Römers, Leiter Design Exterieur, Marc Lichte, Audi-Chefdesigner, Norbert Weber, Leiter Design Interieur

China ist weltweit der größte Einzelmarkt von Audi. Der größte Absatzmarkt der Welt schafft dabei seine eigenen Trends und Maßstäbe. Deshalb gibt es seit 2011 ein eigenes Designstudio in Beijing. Der Standort liegt im prosperierenden Chaoyang-Bezirk der hektischen 22-Millionen-Metropole. Hier legt Designleiter Stephan Fahr-Becker mit seinem 13-köpfigen Team den Schwerpunkt auf den chinesischen Kundenkreis und unverwechselbares Design für den Markt. „‚In China für China entwickeln‘ lautet unser Credo – sei es mit unseren Serienprojekten, Showcars oder Konzeptvisionen. Dazu müssen wir eine Beziehung zur Zukunft aufbauen, die drei bis fünf Jahre vor uns liegt“, sagt Fahr-Becker. Am Standort arbeiten Entwurfsdesigner_innen, CAD-Grafiker_innen und Color & Trim-Expert_innen mit einem ganzheitlichen Ansatz am Fahrzeuginterieur und -exterieur der Zukunft. Mit dabei: Yunzhou Wu.

„Für Chines_innen ist das Auto Arbeitsplatz und Lebensraum in einem. Es ist nicht nur Transportmittel, sondern Verlängerung des eigenen Ichs und repräsentiert überdies Individualität und insbesondere Wohlstand.“

Yunzhou Wu

Mehr als ein Statussymbol

  

Yunzhou Wu und Stefan Fahr-Becker, Standort Peking

Yunzhou Wu und Stefan Fahr-Becker, Standort Peking

„Das Erscheinungsbild der Fahrzeuge darf gewagter, farbiger und insgesamt auffälliger ausfallen als beispielsweise in Europa“, erklärt Wu. „Im Innenraum spielen neben Fahrerlebnis und Exklusivität vor allem Konnektivität und Interaktion eine immer wichtigere Rolle, wenn wir hier etwa während der Rushhour im Stau stehen“, sagt der Audi-Designer. Wu, der fließend Deutsch, Englisch und Mandarin spricht, war sieben Jahre lang als Interieurdesigner bei Audi in Ingolstadt tätig. Nun lebt der 36-Jährige seit drei Jahren wieder in China als Koordinator des Interieur-Designteams. „Als Designer_innen überführen wir den rasanten Geschmackswandel und Impulse in eine möglichst universelle Designsprache und letztendlich in konkrete Entwürfe und Produkte.“

Digitales Autodesign über Kontinente hinweg

Mit dem Designteam um Audi Chefdesigner Marc Lichte ist Beijing eng vernetzt. Mittels VR-Brillen treffen sich die Teams aus Beijing und Ingolstadt regelmäßig zu virtuellen Design-Meetings, in denen sie realistische und proportionsgetreue 3D-CAD-Modelle begutachten. Mehrere Designer_innen können sich gleichzeitig einloggen und erkennen sich als Avatare. Früher wurden fotorealistische 2D-Computergrafiken eingesetzt und physische Modelle, deren Fertigung per Handarbeit nicht nur kostspielig war, sondern auch mehrere Wochen dauerte. CAD-Daten lassen sich nun ganz einfach nach Ingolstadt übermitteln. Über Nacht werden dort die physischen Clay-Modelle zum Anfassen gefräst. „In den vergangenen Jahren haben wir die VR-Anwendungen als Standard-Tool im Designprozess etabliert. Das Feedback ist gleich da und wir können Bewertungen bereits in einem sehr frühen Stadium treffen“, sagt Studioleiter Fahr-Becker. Wu ergänzt: „Diese digitale Form der Zusammenarbeit ist mittlerweile zentraler Baustein für die konsequente Implementierung chinesischer Kundenanforderungen in der frühen Produktentstehungsphase.“

Malibu: Epizentrum für Lifestyle und digitale Technologien

Wenn Stephan Fahr-Becker und Yunzhou Wu abends ihr Büro in Beijing verlassen, klingelt bei Gael Buzyn in Südkalifornien bald der Wecker. Buzyn ist Leiter des Designstudios von Audi im Herzen von Malibu, unweit der Strandpromenade des Surf-Paradieses und zweiten Wohnsitzes zahlreicher Hollywoodstars. Der gebürtige Franzose ist für die Geschicke der Dependance an der Westküste der USA verantwortlich. „Wie Beijing ist Malibu im Design-Kosmos von Audi ein wichtiger Satellit, um die Marktgegebenheiten und Kundenbedürfnisse vor Ort für die Marke zu verstehen und zu interpretieren“, sagt Buzyn, der schon als Kind von Autos fasziniert war. „Der ‚American Way of Life‘ ist ohne Auto undenkbar. In den Vereinigten Staaten gibt es mehr zugelassene Fahrzeuge als Führerscheine“, sagt er und lächelt. „Wir sind hier, weil Kalifornien Epizentrum und Taktgeber für Lifestyle, neue Fahrzeugtrends und digitale Technologien ist. Was hier heute ‚in‘ ist, will morgen vielleicht die ganze Welt haben.“

Gael Buzyn, Standort Malibu
Gael Buzyn, Standort Malibu

„Der Mix an Erfahrungen und das gemeinsame ‚Brennen´ für Visionen treibt uns immer wieder zur Höchstform.“

Gael Buzyn

Kalifornische Design-Kreativität trifft deutsche Effizienz

Gael Buzyn startete im Jahr 2016 alleine in einem sieben Quadratmeter kleinen Raum. Mittlerweile arbeiten im Team zwölf Designer_innen, Tendenz steigend. Für 21 ist Platz. „Der Mix an Erfahrungen und das gemeinsame ‚Brennen´ für Visionen treibt uns immer wieder zur Höchstform“, sagt Buzyn. Das neue Design Loft von Audi trägt dazu bei. Hier steht die Kreativität im Vordergrund, aus Ingolstadt kommen vor allem die technische Unterstützung und der physische Modellbau. „Dinge, die wir am Tage anstoßen, werden über Nacht in Deutschland weitergedacht oder organisiert“, sagt der Studioleiter. „Wenn wir aufwachen, haben wir die Antwort.“

Herausforderungen bei der Entwicklung eines Audi

„Der Wettbewerb motiviert uns“, sagt Buzyn. Für seine Designer_innen liegen die Schwierigkeiten auch weniger in der Vision eines neuen Modells. Die Herausforderungen ergeben sich für ihn vielmehr aus den Marktgegebenheiten sowie der Technologie und deren Umsetzbarkeit: „Kommt das, was wir kreieren, noch zu früh? Ist es sicher? Ist es cool? Ist es effizient? Für uns setzt die Kundschaft den wesentlichen Orientierungspunkt“, sagt Buzyn, der den Freiheitsgrad, die „Carte Blanche“ lobt, die Ingolstadt seinem Studio bei neuen Ansätzen und der Form, Ideen zu präsentieren, gewährt. Buzyn: „Wir sind eine große Familie in der Audi Design-Welt und gutes Autodesign entsteht im Dialog.“

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