Ingolstadt

Das Produktdesign der Zukunft ist grün

Drei Milliarden Tonnen – das ist die Masse an hochwertigen Materialien, die jedes Jahr in der Europäischen Union als Abfall entsorgt werden. Prof. Dr. Michael Braungart, Professor für Ecodesign an der Leuphana Universität Lüneburg und Mitentwickler des Konzepts Cradle to Cradle (C2C), will mit der Wegwerfgesellschaft aufräumen. Sein biologisches Kreislaufsystem lässt keine Abfälle zurück – ganz im Sinne der Natur. Welchen Ansatz Audi hier verfolgt und welche Rolle Nachhaltigkeit im Automobildesign spielt, erklärt Barbara Krömeke, Fachexpertin für Leder und Lederverarbeitung bei Audi.

13.11.2018

Der Audi Aicon: Nachhaltigkeit als Ziel für die Fahrzeugentwicklung

Audi arbeitet mit Hochdruck an einer Mobilität von morgen, die Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette berücksichtigt. Ein Paradebeispiel dafür ist der Audi Aicon, das spektakuläre Concept Car von der IAA in Frankfurt/Main 2017. Der luxuriöse 2+2-Sitzer wird rein elektrisch angetrieben, eine Batterieladung reicht für 800 Kilometer Strecke.

Nachhaltigkeit als Innovationschance zu begreifen, ist nicht nur aus Unternehmenssicht, sondern auch aus Kundensicht wichtig.

Barbara Krömeke
Der Nachhaltigkeitsansatz, für den sich Audi beim Aicon entschieden hat, geht jedoch über die Antriebstechnik hinaus und bezieht auch das Design mit ein. „In weiten Bereichen des Interieurs sind reycelbare und recycelte Materialien im Einsatz“, erklärt Barbara Krömeke. Die Sitzbezüge bestehen aus Climatex – einem Stoff aus Polyesteroberware- und reiner Wolle in der Unterware, der nach dem C2C-Konzept entwickelt wurde und sich nach Ende des Fahrzeuglebens sortenrein trennen und wiederverwerten lässt. „Das Ausgangsmaterial für den Bodenteppich sind Garne von alten Fischernetzen. Diese Garne werden abgeschoren, zu Granulat geschreddert und danach zu neuen Fäden versponnen, um dann wieder für einen neuen Bodenteppich in Fahrzeugen eingesetzt werden zu können“, führt die Expertin weiter aus. Nachhaltigkeit als Innovationschance zu begreifen, ist nicht nur aus Unternehmenssicht, sondern auch aus Kundensicht wichtig – da sind sich Barbara Krömeke und Prof. Michael Braungart einig.
Audi Aicon
Audi Aicon

Konzeptfahrzeuge

Audi Aicon

Designstudie, Technikträger, Mobilitätskonzept: Mit beispielloser Konsequenz schöpft der Audi Aicon alle Möglichkeiten einer autonomen Luxuslimousine der Zukunft aus.

Warum wir oftmals das Falsche perfekt machen

Was ist der Unterschied zwischen effizient und effektiv? Prof. Dr. Michael Braungart erläutert ihn an einem Beispiel. Kunst, so erklärt er, habe nie zum Ziel, effizient zu sein – sie sei jedoch durchaus effektiv. Große Künstler hätten Wege gefunden (oder erfunden), die Herzen ihres Publikums zu erreichen, was auf Effektivität schließen lasse. Bisher handeln die Menschen in den wohlhabenden Gesellschaften größtenteils nach der Devise „Von der Wiege zur Bahre“ und erzeugen dabei jede Menge Abfall, giftige Substanzen und Umweltverschmutzung. Selbst dort, wo die Hersteller Wert auf Ökoeffizienz legen, begnügen sie sich faktisch damit, die unbeabsichtigten negativen Konsequenzen der Produktions- und Konsumprozesse zu reduzieren.
Barbara Krömeke

Barbara Krömeke

Barbara Krömeke ist Fachexpertin für Leder und Lederverarbeitung bei Audi und verantwortlich für das Projekt A8. Sie berichtete von den Projekten und Visionen der Marke im Bereich Ecodesign.
Prof. Dr. Michael Braungart

Prof. Dr. Michael Braungart

Prof. Dr. Michael Braungart ist Professor für Ecodesign an der Leuphana Universität Lüneburg und entwickelte zusammen mit William McDonough das Cradle to Cradle-Konzept. Im Oktober war er zu Gast bei Audi und gab einen Einblick in die Thematik.

Warum nicht besser sein und einen möglichst großen positiven Fußabdruck hinterlassen?

Prof. Dr. Michael Braungart
Das Cradle to Cradle-Konzept (Von der Wiege zur Wiege), das Prof. Dr. Michael Braungart und der US-amerikanische Architekt William McDonough schon Ende der 90er Jahre entwickelt haben, setzt sich Ökoeffektivität zum Ziel. Es steht für kontinuierliche Materialkreisläufe und positiv definierte Materialien, die für Mensch und Umwelt gesund sind. Die Ökoeffektivität, die es anstrebt, stellt einen neuen Qualitätsansatz dar: Es geht darum, die Möglichkeiten der Industrie so zu verbessern, dass natur- und umweltunterstützende Produkte und Prozesse möglich werden. Ein Produkt, das Abfall produziert, ist ein Qualitätsproblem.

„Weniger schlecht ist noch lange nicht gut“, bilanzierte Prof. Dr. Michael Braungart bei der Vortragsreihe in Ingolstadt. Die heute häufig genannte Zielsetzung, den ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten, findet der Professor falsch, denn sie führe langfristig nur zu einem schlechten Gewissen in der Bevölkerung. Der C2C-Entwickler macht einen anderen, radikalen Vorschlag: „Warum nicht besser sein und einen möglichst großen positiven Fußabdruck hinterlassen?“. Cradle to Cradle sieht den Menschen als Chance und nicht als Belastung. Es geht nicht darum, die Umwelt vor uns zu schützen, sondern darum, gute Produkte herzustellen.

Grünes Produktdesign

Das Thema wurde im Rahmen der Audi-internen Vortragsreihe „Perspektive Verantwortung“ behandelt.
Vortragsreihe „Perspektive Verantwortung“

Nachhaltigkeitsstrategie

Vortragsreihe „Perspektive Verantwortung“

Die Vortragsreihe „Perspektive Verantwortung“ bietet den Mitarbeitern die Möglichkeit, sich mit Vertretern von Non-Governmental Organizations (NGOs), mit Wissenschaftlern und mit Politikern zum Thema Nachhaltigkeit auszutauschen.

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