Marc Lichtes Audi e‑Design

Die Elektromobilität verändert das Automobildesign der Zukunft. Marc Lichte, Leiter Audi Design, über die wichtigsten Merkmale im Exterieurdesign des Audi e-trons.

05.10.2020 Protokoll: Bernd Zerelles Foto: Robert Fischer — Film: graupause Lesezeit: 5 min

Marc Lichte Leiter Audi Design

„Noch nie waren die Zeiten für uns Autodesigner so aufregend wie heute. Genau jetzt ist die beste Zeit, Automobildesign neu zu denken, neu zu gestalten – kurz: Autodesign in die Zukunft zu führen. Die Transformation zur Elektromobilität ebnet dafür den Weg. Die vergangenen 100 Jahre wurde Autodesign immer gleich gedacht. Im Mittelpunkt stand das Meisterwerk Motor. Darum herum wurde eine Karosserie gestaltet, die schön aussieht. Und ganz zum Schluss wurde ein Interieur festgelegt.

Die Zukunft wird exakt konträr gedacht. Denn bei der Elektromobilität existiert das technologische Meisterwerk Verbrennungsmotor nicht mehr. Der Kunde mit seinen Wünschen steht im Vordergrund. Für welchen Use Case soll das Auto sein? Langstrecke, Stadt, Freizeit? Wie muss das passende Interieur dafür aussehen? Soll ich darin arbeiten können, lesen, schlafen? Und ganz zum Schluss gestalten wir Designer dann das Exterieur.

Bei dieser Transformation verfolgen wir eine klare Strategie: Wir stoßen unsere Kunden nicht mit irritierender Gestaltung vor den Kopf. Denn E-Mobilität ist ein komplett neuer Ansatz der Fortbewegung, der Offenheit von den Kunden fordert. Wir nehmen unsere Kunden Schritt für Schritt mit auf diese gemeinsame Reise in die Zukunft. Mit jedem neuen Audi Elektrofahrzeug werden wir dann progressiver im Design. Dabei wird eines immer Bestand haben: Alle Audi sind hochattraktiv im Design. Denn das ist einer der Audi Kernwerte, für den ich mit meinem gesamten Designteam stehe.“

Die Magie der Proportionen

„Die Basis für ein gutes Design sind die Proportionen. Die technische Plattform von Elektroautos ermöglicht uns Designern, Fahrzeugproportionen zu gestalten, von denen wir schon lange träumten. Wenn wir Fahrzeugentwürfe skizzieren, zeichnen wir immer riesige Räder und kurze Überhänge. Das ist natürlich abstrahiert, wie bei der Skizze eines Modeschöpfers, der beim Entwurf eines Kleids die Beine des Models auch extra lang skizziert.

Diese Fahrzeugproportionen werden jetzt Realität. Die Motoren der Audi e-tron sitzen auf den Achsen, die Batterie im Boden dazwischen, die Fahrzeugkabine in der Mitte wächst in den Dimensionen und schiebt die größeren Räder (um das Gewicht gut tragen zu können) nach außen. Die A-Säule wandert deutlich weiter nach vorn, es existiert ja kein Motor mehr unter der Fronthaube. Riesen-Radstand, Riesen-Räder, geringe Überhänge: Diese ganz neuen Proportionen definieren den einzigartigen Charakter von Elektrofahrzeugen.“

Audi Q4 e-tron concept
Der Audi Q4 e-tron concept mit den Traumproportionen eines Elektrofahrzeugs: langer Radstand, große Räder, geringe Überhänge.

Am Gesicht erkennt man einen Audi

„Audi besitzt eine lange Tradition als progressivster Anbieter von Premiumfahrzeugen. Wir sind kein Elektro-Start-up, das auf einem weißen Blatt eine neue Autoform zeichnet. Bei Audi ist der Singleframe-Grill an der Front die Signatur, er hebt uns als Gesicht aus der Masse.

Der Audi Singleframe verbindet den Kühler oben und unten zu einer Einheit. Aber: Was tun, wenn bei einem Elektrofahrzeug kein Kühler mehr vorhanden ist? Wie zeigen wir, dass es ein Elektroauto ist und trotzdem noch ein Audi? Mein Team hatte eine so simple wie geniale Idee: Beim Audi mit Verbrennungsmotor ist der Singleframe-Grill immer schwarz, denn er ist offen und belüftet den dahinter liegenden Kühler. Bei den Audi e-tron ist der Singleframe optisch invertiert, immer in Wagenfarbe und dunkel eingefasst. Von Weitem erkennt man so: Es ist ein Audi, aber es ist ein E-Fahrzeug. Der Singleframe lässt einen Audi zum Audi werden. Auch einen Elektro Audi.“

Singelframe-Grill Audi e-tron
Das Gesicht jedes Audi e-tron: der geschlossene Singleframe-Grill.

Digitales Licht visualisiert Vorsprung

„Jedes unserer Designs muss in erster Linie ausstrahlen: Hier kommt ein Audi. Aber ein Elektroauto muss natürlich auch sehr deutlich sagen: Hier kommt die Zukunft. Und Zukunft ist Digitalisierung – wie das Licht der Audi e-tron. So wird die Serienversion des Audi Q4 e-tron concept über digitales Tagfahrlicht verfügen. Darauf bin ich sehr stolz. Das Besondere daran: Diese digitale Tagfahrlichtgrafik kann sich jeder Kunde individuell gestalten. Einer mag vielleicht drei X in der Lichtsilhouette, der andere lieber einen horizontalen Streifen. Das ist nicht nur Personalisierung, sondern vor allem: Digitalisierung sichtbar gemacht. Übrigens gilt das selbstverständlich nicht nur für die Front-, sondern auch für die Heckleuchten, die darüber hinaus noch durch ein animiertes Leuchtenband verbunden sind.

Wir arbeiten auch schon daran, dass die Scheinwerfer zukünftig mit Passanten kommunizieren können. Das ist eine Voraussetzung für autonomes Fahren. Denn wenn im Stadtverkehr zukünftig der Blickkontakt zwischen Fußgänger und Fahrer wegfällt, weil der Fahrer beim autonomen Fahren zum Beispiel seine Mails liest, werden die Scheinwerfer diese Kommunikation übernehmen müssen.

Beim digitalen Licht werden wir Schritt für Schritt progressiver. Jeder zukünftige Audi e-tron wird über diese Funktionen verfügen.“

Digitales Tagfahrlicht Front
Das digitale Tagfahrlicht an Front und Heck wird sich jeder Kunde beim Serienfahrzeug des Audi Q4 e-tron concept individuell gestalten können.

Der Schweller betont das Herz

„Bei der Elektromobilität ist das Herz des Fahrzeugs nicht mehr der Motor unter der Fronthaube, sondern die Batterie im Fahrzeugboden. Über welche Kapazität verfügt sie, wie leicht ist sie, und welche Reichweite ermöglicht sie? Deshalb verfügt jeder Audi e-tron über einen expressiv gestalteten Schweller, der sehr deutlich signalisiert: Hier liegt jetzt das Herz des Autos. Die Fronthaube der Audi e-tron ist viel ruhiger gestaltet. Powerdomes auf der Motorhaube gehören der Vergangenheit an.

Apropos Batterie: Die Air Intakes in der Front, links und rechts des Singleframes, sind im Gegensatz zum Singleframe in Teilen der Jalousie geöffnet. Sie leiten Luft zur Batterie im Fahrzeugboden, um diese zu kühlen. Denn eine erhitzte Batterie lädt langsamer. Die Audi e-tron verfügen über eine besonders effiziente Kühlung und laden daher sehr schnell.“

Schweller Audi e-tron und Air Intakes an der Front
Hier sitzt das Herz des Audi e-tron: Der Schweller betont die Batterie. Air Intakes in der Front leiten Luft gezielt zum Kühlen der Batterie.

Muskeln verweisen auf das quattro Gen

„Ein Audi mit Verbrennungsmotor besitzt viele harte Kanten im Design. Die Audi e-tron Modelle der Zukunft dagegen zeigen weicher gestaltete und betontere Muskeln. Damit machen wir im Design der Fahrzeuge diese Evolution des Antriebs deutlich. Wir unterbrechen die Schulterlinie des Designs, die jahrzehntelang auf einer Höhe verlief, in der Mitte der Fahrzeugseite, setzen sie nach unten und betonen mit weich gezeichneten Linien die Muskeln der Fahrzeugsilhouette an Front und Heck – und somit alle vier Räder.

Das ist auch eine Reminiszenz an den quattro Antrieb, der tief verankert in den Audi Genen ist. Denn auch bei Audi e-tron werden wahlweise alle vier Räder angetrieben.“

Marc Lichte gestikuliert
Betontere Muskeln im Design verdeutlichen die Evolution des Elektroantriebs.

Aerodynamik ist wichtiger denn je

„Nicht nur progressives Design ist fest in der Marke Audi verankert, sondern auch progressives Denken für Nachhaltigkeit. Alle Audi sind selbstverständlich im Windkanal geformt, um so effizient wie möglich zu sein. Weniger Windwiderstand bedeutet: Weniger Energieressourcen werden für den Vortrieb benötigt. Deshalb legen wir auf aerodynamisches Design bei all unseren Audi e-tron noch einmal ein ganz besonderes Augenmerk. Bei Elektrofahrzeugen kann die Aerodynamik – neben vielen anderen Faktoren – die Reichweite erhöhen. Wir sehen uns hier als Designer ganz klar verpflichtet.

Der Gesamtkörper unserer Audi e-tron ist eine strömungsgünstige Tropfenform mit einem schnellen, fließenden Dach, die Linien ziehen hinten ein und münden in bewussten, scharfen Abrisskanten. In der Seitenlinie ergibt die Anformung der Räder vorn und hinten eine gerade Abrisskante. Der gesamte Unterboden der Audi e-tron ist strömungsgünstig abgedeckt, er mündet im Diffusor am Heck. Und auch die neuen Felgen sind aerodynamisch verkleidet und sehen dennoch aus wie ein sportliches Rad mit Speichen.

Nicht zuletzt tragen unsere virtuellen Außenspiegel ebenfalls zu einem sehr niedrigen Luftwiderstand bei – und machen Vorsprung sichtbar.“

Flying Roof der C-Säule und Schweller am Heck
Flying Roof der C-Säule und Schweller am Heck sind für optimale Luftströmung gestaltet.
Verkleidung der Felgen und virtuelle Rückspiegel
Verkleidung der Felgen und virtuelle Rückspiegel optimieren den Luftwiderstand.

Nachhaltigkeit weiter gedacht

„Nachhaltigkeit spiegelt sich in unserer Haltung in allen Facetten wider. So entwickelten unsere Ingenieure für die Audi e-tron einen Lack, der deutlich mehr Sonne reflektiert. Das Fahrzeug heizt sich weniger stark auf, die Klimaanlage muss weniger kühlen und verbraucht weniger wertvollen Strom der Fahrzeugbatterie.

Und nur ein kurzer Hinweis auf das Interieur der Audi e-tron zum Schluss: Recycelter Stoff wird in nicht allzu ferner Zukunft Leder in Premiumfahrzeugen ablösen. Bei Audi wird es auch eine vegane Linie in der Innenausstattung geben. Den Paradigmenwechsel des neuen, nachhaltigen Antriebskonzepts der Elektromobilität bringen wir auch im Innenraum zum Ausdruck.“

Lackierung Audi e-tron Modelle
Ein spezieller Lack der Audi e-tron reflektiert Sonnenlicht stärker.
Silhouette und Portrait Marc Lichte

Marc Lichte

Marc Lichte, 51, begann bereits während des Transportation-Design-Studiums an der Hochschule Pforzheim 1996 seine berufliche Laufbahn bei der Volkswagen AG. Seit 2014 leitet Marc Lichte das Audi Design. In dieser Position verantwortet er ein Team von über 400 Designern und neben dem Exterieur- und Interieurdesign auch den Bereich Colour & Trim sowie die Gestaltung der Rennwagen. Mit dem Entwurf des Audi Prologue Concept 2014 definierte Lichte bei Audi die Zukunft der automobilen Oberklasse neu. 2015 folgte mit dem Audi e-tron quattro concept seine erste Vision eines Audi Elektrofahrzeugs. Zuletzt zeigte Marc Lichte mit den Showcars AI:CON, AI:ME, AI:RACE und AI:TRAIL, welche Fahrzeugkonzepte uns in der Zukunft erwarten könnten.

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