Ingolstadt

Bedienkonzepte für das Jahr 2030

Wie werden wir Autos in zehn Jahren bedienen? Mit Gesten, durch Sprache, über Hologramme oder mit den Augen? Innovations-Entwickler Michael Herter und Interface-Designer André Georgi arbeiten daran, die Zukunft zu gestalten.

25.10.2018

Wir entwickeln Usecases-basiert und berücksichtigen die Bedürfnisse unserer Premiumkunden.

Michael Herter
Herr Herter, Herr Georgi, können Sie kurz umreißen, woran Sie mit Ihren Teams arbeiten?
Michael Herter:
Ich leite die Innovationsentwicklung für das User Interface und die User Experience. Unsere Aufgabe ist, zu antizipieren, welche Wünsche und Forderungen der Kunde von morgen an die Anzeige und Bedienung im Fahrzeug stellen wird. Wir testen neue Technologien, beobachten Trends und prüfen, ob und wie wir diese ins Auto integrieren können. Dabei geht es auch immer darum, das Produkterlebnis des Nutzers bei der Interaktion mit dem Produkt noch weiter zu optimieren. Wir entwickeln Usecases-basiert und berücksichtigen die Bedürfnisse unserer Premiumkunden. Dabei ergeben sich die Anforderungen der Zukunft, die wir dann technologisch umsetzen müssen. Mein Team umfasst im Augenblick elf Personen mit völlig unterschiedlichen Kompetenzen – vom Ingenieur zum Psychologen, vom Designer zum Mediziner.

André Georgi: Ich bin im Audi-Design Leiter für den Bereich Interface Hardware, also für die Teile, die unsere Kunden anfassen. Wir sind ein Team mit 14 Designern und drei Koordinatoren, das in der Technischen Entwicklung und darüber hinaus sehr vielseitig vernetzt ist. Unsere wichtigsten Partner sitzen in der elektronischen Entwicklung, dort pflegen wir zu Michaels Abteilung einen sehr engen Kontakt.
Michael Herter, Vorentwicklung Bedienkonzepte Audi

Michael Herter, Vorentwicklung Bedienkonzepte Audi

Michael Herter kam 1968 in Friedrichshafen am Bodensee zur Welt. Nach einer Lehre studierte er auf dem Zweiten Bildungsweg an der Hochschule Ulm Produktionstechnik. Unmittelbar nach dem Abschluss trat er 1996 in die AUDI AG ein, wo er verschiedene Aufgaben in der Logistik und Führungsaufgaben in mehreren Bereichen der Technischen Entwicklung übernahm; Auslandsaufenthalte führten ihn nach Brasilien und China. Seit 2017 verantwortet Herter die Innovationsentwicklung User Interface und User Experience im Bereich Entwicklung Elektrik/Elektronik.

Designer und Vorentwickler arbeiten ja immer in der Zukunft – wie weit reicht Ihr Zeithorizont?
Michael Herter:
Die ersten Produkte unserer gemeinsamen Arbeit werden wir von 2022 an im Auto erleben. Einzelne Ideen gehen schon in Richtung 2030. Wir schauen nach vorne, entwickeln eine Vision und denken über die möglichen Schritte dorthin nach – im Rahmen einer langfristigen Planung. Wir müssen auch immer bedenken, dass manche Technik-Trends rasch wieder vom Markt verschwinden können. Wer spricht in der Consumer-Elektronik heute noch von 3D-Fernsehern mit Shutterbrille?

Wobei sich aber das Entwicklungstempo insgesamt immer weiter beschleunigt, getrieben gerade durch die Consumer-Elektronik…
Michael Herter:… und durch die künftigen autonom fahrenden Autos. Hier werden sich die Bedienkonzepte radikal ändern. Deswegen diskutieren wir bei vielen neuen Projekten im ersten Schritt oft noch nicht über die konkrete Technik, sondern hauptsächlich über die Funktion. Wir konzentrieren uns dabei stärker auf den Usecase des Kunden, also auf seinen konkreten Nutzen.

 

Unser Ziel ist immer eine möglichst einfache und intuitive Interaktion zwischen Mensch und Auto.

Michael Herter

André Georgi, Interface-Design

André Georgi, Interface-Design

André Georgi wurde 1977 in Zwickau geboren. Seine Familie war eng mit der Auto Union, der Vorläuferin der AUDI AG, verbunden. Nach dem Abitur studierte er an der HTW Dresden Fahrzeugtechnik. 2000 schrieb er seine Diplomarbeit im Design von Volkswagen und absolvierte in München ein Aufbaustudium Transportation Design. Seit 2002 arbeitet Georgi für Audi – zunächst als Lichtdesigner, danach als Leiter im Industrial Design und seit 2017 im Interieurdesign. Dort verantwortet er das Interface Hardware-Team.

Für diese neuen Mobilitätserlebnisse möchten wir Bedienlösungen einsetzen, die alle Kommunikationskanäle des Menschen ansprechen.

André Georgi
Und wie könnten diese neuen Usecases aussehen?
André Georgi:
Im Aicon, unserem Showcar von der IAA 2017, haben wir die Idee des Eye-Tracking demonstriert: Der Fahrer wählt eine Funktion auf einem Bildschirm aus, indem er den Blick auf sie fixiert. Um sie zu aktivieren, tippt er mit dem Finger zweimal auf eine sensitive Holzblende neben seinem Sitz, den er sehr weit verschieben kann. Der Audi Aicon ist als First-Class-Fahr-kapsel gedacht, die einen eines Tages beispielsweise in München abholt und direkt zum Meeting nach Berlin bringt. Unterwegs hat man alle Freiheiten – man kann arbeiten, skypen, essen oder einen Film ansehen. Für diese neuen Mobilitätserlebnisse möchten wir Bedienlösungen einsetzen, die alle Kommunikationskanäle des Menschen ansprechen – sehen, hören, sprechen, tasten.

Michael Herter: Ob Gestensteuerung, Eye-Tracking, Holografie oder Health-Sensorik – wir durchleuchten all diese Themen und gleichen sie mit den Usecases ab, weil wir keine Entwicklungen vorantreiben wollen, die keinen echten Mehrwert für unsere Kunden liefern. Unser Ziel ist immer eine möglichst einfache und intuitive Interaktion zwischen Mensch und Auto. Der Fortschritt bei bestimmten und neuen Technologien, z.B. der Künstlichen Intelligenz ist so rasant, dass wir dort große Sprünge erleben werden.

André Georgi: Und dabei dürfen wir unsere Kunden nicht überfordern, sie sollen schrittweise Vertrauen zur Künstlichen Intelligenz im Auto gewinnen. Wir können sie durch die Gestaltung der Bedienelemente fördern, durch Farben und Materialien, durch Ruhe und Harmonie.
Image
Image
Image
Woher kommen Ihre Erkenntnisse und Impulse?
André Georgi:
Wir Designer leben davon, permanent unserer Neugier nachzugehen und uns über die Medien und unsere Umwelt zu informieren und inspirieren zu lassen. Wir wollen wissen, wie andere Kulturen denken, wie sich Gesellschaften verändern. Dazu verfügen wir über ein breites internationales Netzwerk.  Was bedeutet das konkret?

André Georgi: Wenn wir beispielsweise ein Research-Projekt in Seoul starten, ziehen wir natürlich unsere südkoreanischen Kollegen dazu, die in Workshops über ihre Erfahrungen berichten. Intern arbeiten wir permanent daran, unsere Zusammenarbeit weiterzuentwickeln – wir wollen noch freier, agiler und eigenverantwortlicher werden. In meiner bisherigen Tätigkeit für Audi hatte ich viel mit Firmen wie Leica oder Occhio zu tun, die ähnlich wie wir sehr hochwertige Produkte herstellen. Diese Marken müssen sich immer wieder neu erfinden und ständig an sich arbeiten, um das Tempo der Digitalisierung auf ihren schnellen Märkten mitzugehen und ihren Anspruch einzulösen, an der Spitze zu stehen. Da sehe ich viele Parallelen zu uns.

Michael Herter: Die frühe und intensive Zusammenarbeit zwischen Andrés und meiner Abteilung zeigt sehr gut, wie wir in der Technischen Entwicklung von Audi arbeiten. Wir denken, handeln und agieren über Bereichsgrenzen hinweg. Wir tauschen uns aus, profitieren von den Gedanken des anderen, testen gemeinsam Ideen, gehen neue Wege. Wenn wir unsere Projektteams zusammenstellen, nutzen wir neue und interdisziplinäre Methoden wie z.B. Design Thinking oder scrum. Dabei prüfen wir immer wieder, welche Kooperationen auch mit branchenfremden Unternehmen möglich sind, die beide Partner gleichermaßen an bestimmten Punkten weiterbringen. Auch andere Firmen müssen auch neue Ideen generieren. Hierbei interessiert  uns die Elektronik- und die Designbranche am meisten. Ein wichtiger Punkt für uns sind auch Start-ups, weshalb wir auch eng mit unseren Scouts der Audi.Denkwerkstatt in Berlin zusammenarbeiten. Dieses Vorgehen ermöglicht uns, Funktionen schneller und kreativer zu entwickeln und ins Fahrzeug zu bringen.

Wie gut sind Sie mit den großen Auslandsmärkten vernetzt?
Michael Herter:
Ebenfalls wichtig sind für uns die Märkte in Asien und Nordamerika. Hier haben wir auch kreative Stützpunkte – die AIR-Offices, die Abkürzung für Audi Innovation Research, und die Future Centers des Konzerns. Auch die kümmern sich intensiv um die jeweilige Start-up-Szene. Und natürlich beobachten wir das Geschehen in der Consumer-Elektronik sehr genau, vom Einzug der Roboter in den Haushalt bis hin zu neuen Connectivity-Lösungen.

Wir Designer leben davon, permanent unserer Neugier nachzugehen und uns über die Medien und unsere Umwelt zu informieren und inspirieren zu lassen.

André Georgi

Arbeitgeber AUDI AG
Arbeitgeber AUDI AG

Karriere

Arbeitgeber AUDI AG

Wir leben Vorsprung durch Technik. Eine starke Unternehmenskultur, die Freiräume bietet sowie innovatives Handeln, das Fortschritt ermöglicht, haben Audi zu dem gemacht, was es heute ist.

Diese Website verwendet Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Diese können Sie in Ihren Browsereinstellungen ändern.