MEET UP!

Was bringt die Zukunft und mit wem kann ich sie erobern?

6pm: Open Door. Diese Info ist – neben dem Veranstaltungstitel – wahrscheinlich die wichtigste eines jeden Meet-Up. Denn dann beginnt das große Netzwerken: Beim lockeren Get-Together oder im Vieraugengespräch. Zwischen Snacks und Drinks sucht man Gleichgesinnte, knüpft neue Kontakte und versucht sich vielleicht sogar mit dem Pitch der eigenen Geschäftsidee.
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One’s company, two’s a crowd and three’s a party

Die zentrale Frage des Abends: Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Gastgeber ist Audi Innovation Research, gemeinsam mit den Teams von Audi mobility und Audi CODE (Continious Optimization and Digital Engineering). Die drei teilen sich einen Co-Working-Space in Downtown San Francisco. In ihrem Arbeitsalltag beschäftigen sie sich mit ganz unterschiedlichen Themen – von Trendforschung und Innovation Scouting über Premium-Mobilitätsangebote bis hin zu Lösungen im digitalen Ökosystem.

Das Thema: Next Generation Mobility

 

 

Treffpunkt für den gemeinsamen Gedankenaustausch ist das Audi-Terminal in der South Van Ness Avenue. Die ersten Gäste sind früh vor Ort und werfen einen Blick hinter die Kulissen. Es ist ein buntes Publikum, das sich für die Arbeit von Audi interessiert. Die meisten kommen direkt aus dem Büro, ihr Smart Casual Look spiegelt die lockere Atmosphäre in der amerikanischen Metropole wider. Und auch viele Nachwuchstalente wollen wissen, was Audi zu sagen hat: Studenten und Absolventen mischen sich in die Menge, stellen Fragen und suchen neue Kontakte.

„Hi everybody, let’s get started,“ begrüßt Mira von Audi Innovation Research die knapp 200 Gäste. Die kleine schwarze Moderationskarte in ihrer Hand täuscht – denn die Themen des heutigen Abend sind die großen unserer Zeit: autonomous driving, share economy, cloud computing und artificial intelligence (AI).  

 

 

Mensch und Maschine – eine Beziehung auf Augenhöhe?

Markus Auerbach, Leiter Audi Innovation Research, analysiert Trends und Innovationen stets aus Kundenperspektive. Für ihn ist die Implementierung künstlicher Intelligenz der große Game Changer. Er ist überzeugt: AI markiert den nächsten Evolutionsschritt in der Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Fortbewegungsmittel.

Markus Auerbach,
Audi Innovation Research

„Historisch betrachtet war das Pferd unsere erste Wahl, um von A nach B zu kommen: ein treuer Begleiter, mit dem wir kommunizieren konnten, der auf uns reagiert hat und vielleicht sogar auf Zuruf angetrabt kam. Das Auto als Maschine hat diese emotionale Bindung stark reduziert. Die einstige Interaktion wurde zur One-Way-Kommunikation. Der Begleiter wurde zum Gefährt. AI hebt dieses Verhältnis nun auf ein neues Level: Die Maschine wird zum intelligenten Gegenüber. Das Auto wird unsere Eigenheiten kennen und mit uns kommunizieren – und wenn wir wollen, kommt es auf Zuruf auch angefahren.”

Positionierung im Mobilitätsmarkt der Zukunft: Was ist mir meine Zeit wert?

“Mobility on demand” ist ein gutes Stichwort für Maria. Als Leiterin von Audi mobility in San Francisco verfolgt sie den Mobilitätsmarkt mit großer Aufmerksamkeit. Der große Treiber hinter der steigenden Nachfrage sind die verschiedenen Mobilitätsbedürfnisse der Verkehrsteilnehmer. Für Eric Sanchez, CEO des Start-Ups Revl und Teilnehmer des Audi Meet-Up, ist die Wahl des Fortbewegungsmittels situationsabhängig: „Im Alltag will ich vor allem möglichst schnell an mein Ziel kommen. Da ist es für mich eher zweitrangig, in welchem Auto ich sitze. Das ändert sich natürlich, wenn ich am Wochenende einen Road Trip plane – da ist dann der Weg das Ziel. Und die Wahl meines Autos eine bewusste Entscheidung.“

 

Um derartige Use Cases dreht sich Marias Arbeit: Mit ihrem Team entwickelt sie digitale Geschäftsmodelle, die verschiedene Mobilitätsbedürfnisse beantworten. „Ich denke, das Schlüsselwort für die Zukunft ist Unabhängigkeit“, sagt Maria. Im Gespräch mit Markus reflektiert sie über die Entwicklung einer neuen Zielgruppe. „Die Menschen wollen in jeder Situation mobil sein – und dabei maximal flexibel bleiben. Es entsteht eine neue Kundengruppe, die sich ungern festlegt – dafür aber sehr neugierig ist und gerne neue Produkte ausprobiert. Schneller Zugang zu Mobilität wird daher immer wichtiger als der Besitz eines eigenen Autos. Unser Service ‚Audi on demand’ ist auf diesen Lifestyle zugeschnitten: Mit unserer App erhält unser Kunde Zugang zu einer virtuellen Garage: Er kann aus dem gesamten Audi Produktportfolio wählen – zum Skifahren einen SUV, für einen Landausflug nach Nappa ein Cabrio.“ Die Flexibilität beschränkt sich dabei nicht nur auf die Wahl des Autos. ‚Audi on demand‘ will sowohl das Mobilitätsbedürfnis als auch  die Zeit des Kunden bestmöglich adressieren.

Maria Bittner,
Audi mobility

„Als Premium-Anbieter differenzieren wir uns über ein ‘Mehr’ an Freiraum, den wir unseren Kunden ermöglichen. Fahren wird zum Erlebnis, ohne die bekannten Painpoints“, sagt Maria und spricht damit zum Beispiel die Warteschlangen bei einer klassischen Autovermietung an. „Der gewünschte Audi wird direkt zur Tür geliefert. Wir sparen dem Kunden Zeit, die er dann mit seinem Audi verbringen kann. Eine Premium-Positionierung im Mobilitätsmarkt der Zukunft wird von der Frage getrieben sein: Was ist mir meine Zeit wert?”

Audi CODE: Die Architekten des digitalen Ökosystems der Zukunft

Marias Team hat mit dem Service-Portfolio von Audi mobility bereits den Weg des klassischen Automobilvertriebs verlassen. Es ist der erste Schritt auf dem Weg zum digitalen Mobilitätsdienstleister. Technologisch steht das Unternehmen damit vor der Herausforderung, die neuen Geschäftsmodelle IT-seitig zu unterstützen. Mit Audi CODE haben Jeff Titus und Patrick Rumpel ein Team geschaffen, das die IT-Trends im Silicon Valley frühzeitig antizipiert und in skalierbare Lösungen überführt. Als ‘best practice’ stärken sie die Architektur der künftigen IT-Infrastruktur.

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„Unser Fokus liegt auf den Bereichen Multi-Cloud Computing, der Automatisierung des Software-Entwicklungsprozesses und Lösungen für Data Driven Business. Hier in San Francisco haben wir den nötigen Freiraum, arbeiten an Prototypen und testen sie im Markt. Danach stellen wir die Ergebnisse allen Marken für einen internationalen Roll-out im Konzern zur Verfügung.“

Soviel zum Tagesgeschäft. Darüber hinaus arbeitet das CODE-Team an mehreren Pilotprojekten, wobei gerade die Themen Virtual und Augmented Reality immer mehr an Bedeutung gewinnen. An diesem Abend können die Gäste das legendäre Rennen von Le Mans nahezu live in der Box erleben: Brille auf und Film ab.

Künstliches Bewusstsein: Der erste Schritt zur virtuellen Unsterblichkeit

Dr. Florian Neukart, Principal Data Scientist, greift das Thema AI später am Abend noch einmal auf – allerdings mit einer guten Portion Quantenphysik: „Im Mobilitätssektor werden wir AI zunächst in autonomen Fahrzeugen zu sehen bekommen. Ein nächster Schritt ist die Vernetzung der einzelnen Einheiten zu einem gemeinsamen Datenpool. Das intelligente Auto wird damit Teil einer intelligenten Fahrzeugflotte, die zeitgleich auf die Infos jeder einzelnen Einheit zugreifen kann. Mithilfe dieser Multi-Agent-Systeme können Autos nicht nur autonom agieren, sondern auch kooperieren und so gemeinsam auf einen optimierten Verkehrsfluss und die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer hinwirken.“  Durch Vehicle-to-Vehicle-Communication werden sich Autos künftig gegenseitig vor Gefahrensituationen warnen und diese sogar für einander auflösen. Oder auch mit der Infrastruktur interagieren – man denke nur an eine optimierte Ampelschaltung, die sich flexibel dem Verkehrsaufkommen anpasst.“

Hört man Florian zu, erkennt man schnell seine Faszination für künstliche Intelligenz. Diese Neugier lässt ihn auch neben seiner Arbeit nicht los: Als Wissenschaftler und Dozent an der Universität Leiden in den Niederlanden forscht er an der nächsten Entwicklungsstufe: Künstlichem Bewusstsein. Beim Audi Meet-Up gibt er einen Einblick in sein Forschungskonzept: „Das Substrat, um künstlich bewusste Entitäten (ACE – Artificial Conscious Entity) zu schaffen, ist meiner Meinung nach das menschliche Gehirn. Um einen Einblick in die neuronalen Verbindungen zu gewinnen, werden Elektroden in das Gehirngewebe gepflanzt. Die Signale, die wir auf diese Weise erhalten, kommen bereits in exzellenter Qualität an. Und auch was die übrigen Leistungsfaktoren betrifft, haben wir Fortschritte gemacht: Bioelektrische Verunreinigungen beispielsweise können wir mittlerweile gut behandeln. Und wir sind heute schon in der Lage, die neuronale Wirkung einzelner Gehirnzellen oder ganzer Gruppen aufzuzeichnen. Verglichen mit ECoG-Elektroden (Elektrokortikographie) können wir so die koordinierte Aktivität einer viel größeren Anzahl von Neuronen erfassen.“

Die visionärsten – und teils rein hypothetischen –  Ansätze befassen sich, so Florian, mit der Substitution von Gehirnzellen durch Nanobots.  Auch das Einpflanzen eines ultrafeinen Netzes ins Gehirngewebe wäre seiner Aussage nach denkbar. Ziel dieser verschiedenen Herangehensweise sei dabei immer, eine  nahtlose Schnittstelle zwischen Gehirn und künstlichen Systemen zu schaffen und damit sukzessiv das Gehirn durch künstliche Komponenten zu ergänzen, nachzubilden und schließlich zu ersetzen. „In nicht allzu ferner Zukunft könnte unsere biologische Komponente somit nur mehr einen Teilaspekt unserer Existenz ausmachen, deren Verlust nicht das Ende ist“, sagt Florian und zeichnet das Bild von einer virtuellen Unsterblichkeit.

Je detaillierter Florian in die technischen Tiefen eintaucht, desto mehr kristallisiert sich, wer für das Thema brennt. Bei Zeynep Akata, Visiting Scholar an der UC Berkely, hat Florian einen Nerv getroffen. „Ich fand Florians Idee, eine Mensch-Maschine-Verbindung zu schaffen, richtig spannend. Mit Quanten-Chips in unserem Gehirn könnten wir unsere Denkprozesse auf eine Weise verbessern, wie es sonst nur Maschinen möglich ist. Wir könnten uns besser konzentrieren, unsere Aufmerksamkeit auch auf Details verwenden und komplexe Rechenoperationen durchführen.“

 

Nach dem offiziellen Teil geht es auch für die Redner in die Menge. Doch mit Reden ist noch lange nicht Schluss – im Gegenteil, jetzt geht es erst richtig los. Maaike Doyer, Co-Founder von Business Models Inc., kennt die Meet-up Kultur in San Francisco gut. Vor einem Jahr hat sie in San Francisco ein Büro für den US-amerikanischen Markt geöffnet. „In der Bay Area dreht sich alles ums Networking. Die Leute sind sehr interessiert, suchen den Austausch und teilen gerne ihre Ideen und Erfahrungen. Letztlich geht es darum: Was bringt die Zukunft und mit wem kann ich sie erobern?“

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