Time to green

Wer hätte gedacht, dass gerade Las Vegas, die schillerndkünstliche Wüstenmetropole, ein Pionier in Sachen Smart City sein würde? Dieser riesige Erlebnispark, wo nach landläufiger Meinung mehr imitiert als kreiert wird. Hier lässt sich schon jetzt erleben, wie sich Konnektivität und Mobilität gegenseitig befeuern. Dank der magischen Formel Car-to-X und, um im Bild zu bleiben, Audi als inspirierendem Entertainer.

 

TEXT Steffan Heuer

FOTOS Huseyin Erturk  

Freitagabend auf dem berühmten „Strip“ von Las Vegas. Ein steter Strom fließt auf dem Las Vegas Boulevard. Sechs Spuren bewegen sich von Norden nach Süden und treffen mit der viel befahrenen West Sahara Avenue auf zehn Spuren dichten Ost-West-Verkehr. Eigentlich ein Rezept für sehr viel Stress hinterm Steuer. Doch eine kleine, aber kaum zu übersehende Anzeige im optionalen Audi virtual cockpit des Audi Q7 macht die Stop-and-go-Fahrt durch das Entertainment-Mekka etwas entspannter. Sobald sich der Wagen der Kreuzung nähert, erscheinen ein rotes Ampelsymbol und ein „Time-to-Green“-Countdown in der digitalen Anzeige. Noch 68, 67, 66 Sekunden: Wie lange es dauert, bis die Ampel vor einem auf Grün springt, ist kein Geheimnis mehr. Also den Fuß vom Gas und langsam auf die Kreuzung zurollen. An der nächsten großen Kreuzung sind es nur 32 Sekunden, bevor das Signal pünktlich auf Grün wechselt.


Willkommen in der Welt der Car-to-X-Technologien, die vernetzte, intelligente Mobilität Schritt für Schritt Realität werden lassen. Als erster Hersteller hat Audi Ende letzten Jahres mit dem Dienst Ampelinformation in Las Vegas den ersten echten Car-to-X-Dienst gestartet und plant, „Time-to-Green“ bald auch in anderen US-Städten einzuführen. Traffic Light Information (TLI) ist ein Meilenstein auf dem Weg zu mobiler Schwarmintelligenz, bei der Fahrzeuge nicht nur mit der Stadt, sondern auch untereinander kommunizieren werden, um wichtige Details wie Reisezeit, Routenführung, Kraftstoffverbrauch
und selbst Parkplatzbelegung in Echtzeit zu optimieren.


So unscheinbar die rote Ampel auf der Anzeige ist: Ein Selbstversuch auf den Straßen der Zwei-Millionen-Metropole, die jährlich mehr als 40 Millionen Touristen besuchen, macht greifbar, was man eigentlich schon vermutet: Die vernetzte Welt hat längst Einzug in den Straßenverkehr gehalten.

Audi Magazin Spotify-Playlist
Time to green

  • Brock Berrigan – A Night In Vegas
  • The Weekend – Heaven Or Las Vegas
  • Ceelo Green – Bright Lights Bigger City
  • Doll Phace, Snoop Dogg – Let’s Go To Vegas (Remix)
  • Katy Perry – Waking Up In Vegas (Radio Edit)
  • Mary J. Blidge, The Dream – Vegas Nights
  • Daft Punk, Pharrell Williams, Nille Rogers – Get Lucky (Radio Edit)
  • Clubstrophobia – Vegas
  • Lady Gaga – Poker Face
  • Calvin Harris – Vegas
  • The B-52’s – Queen Of Las Vegasspotify
„Time-to-Green“: Im Audi virtual cockpit oder Head-up-Display (beides optional) wird angezeigt, ob im Rahmen der erlaubten Geschwindigkeit die nächste grüne Ampel erreicht werden kann. Istdas nicht der Fall, zählt ein Countdown die Zeit bis zur nächsten Grünphase. Pilotprojekte in Europa haben gezeigt, dass Autofahrer dank der Information über die Ampelschaltung vorausschauender unterwegs sind. In Tests ist die Zahl der Autos, die im Verkehr bis zum Stillstandabbremsen müssen, um rund 20 Prozent gesunken. So konnten im Pilotprojekt etwa 15 Prozent Kraftstoff eingespart werden.

Der Audi Q7 ist ein Flaggschiff intelligenter Fahrassistenzsysteme. Das optionale Audi virtual cockpit und das Head-up-Display sorgen für wichtige Informationen im direkten Sichtfeld des Fahrers. Mit den optionalen Diensten von Audi connectaudiconnect ist man mit dem Internet vernetzt – eine Voraussetzung für den Dienst Ampelinformation in Las Vegas. Dank integrierter SIM-Karte mit LTE-/UMTS-Unterstützung für stabilere, bis zu zehnmal schnellere Datenverbindung. Bei der optionalen adaptive cruise control Stop & Go nutzt der Stauassistent innerhalb der Systemgrenzen und im Geschwindigkeitsbereich bis 65 km/h auf gut ausgebauten Straßen die Radar-, Ultraschallsensoren und die Frontkamera, um durch sanfte Lenkeingriffe zu führen, sodass man der vorausfahrenden Kolonne folgt. Der optionale Parkassistent sucht per Ultraschallsensoren nach geeigneten Parkplätzen entlang der Fahrbahn und unterstützt innerhalb der Systemgrenzen beim Ein- und Ausparken. Der Fahrer muss Gas geben, bremsen, Gangwechsel vornehmen und den Parkvorgang überwachen. Der optionale Prädiktive Effizienzassistent (zusammen mit einem Navigationssystem erhältlich) passt im Zusammenspiel mit aktiver adaptive cruise control (ebenfalls optional) im Rahmen der Systemgrenzen die Geschwindigkeit an Topografie, Tempolimits und vorausfahrende Verkehrsteilnehmer an.

Mit diesem Wissen vor Augen wird die Fahrt durch Las Vegas deutlich angenehmer – so als würde man vor einem Aufzug warten und sehen, in welchem Stockwerk er sich gerade befindet. Und entspannt sekundengenau wissen, wann man denn endlich abgeholt wird. Erste Erfahrungswerte zeigen: Wer sehen kann, wann die Ampel auf Grün schaltet, kommt entspannter ans Ziel. Entspannung im Straßenverkehr ist mehr als eine Frage des Komforts. Wer entspannt ist und weniger Stress verspürt, ist sicherer unterwegs. Die Kommunikation von Autos mit der sie umgebenden Infrastruktur kann darüber hinaus auch den Kraftstoffverbrauch im Stadtverkehr um bis zu 15 Prozent senken. So die Aussicht.


Las Vegas verfügt über rund 1.300 Ampelanlagen, von denen bislang 1.100 ihre Schaltphasen aussenden. Audi hat es als erster Hersteller geschafft, diese Daten im IT-Backend aufzubereiten. Rohdaten der Signalanlagen werden von der Firma Traffic Technology Services (TTS) in Oregon mit historischen Daten verglichen, auf ihre statistische Verlässlichkeit geprüft und in Echtzeit via LTE-Mobilfunk auf den Bordcomputer geschickt, sofern der connect PRIME Dienst freigeschaltet ist. Das funktioniert in den USA zurzeit bei allen aktuellen Audi Q7 und Audi A4 Modellen, die mit Audi connect ausgerüstet sind. Dabei trägt jedes Fahrzeug, das eine Ampelkreuzung in Las Vegas überquert, zur Verbesserung des Systems und der Qualität der Vorhersage bei, sodass die Funktion „Time-to-Green“ immer weiter verbessert werden kann. Was keine einfache Aufgabe ist, da vielspurige Kreuzungen über komplex geschaltete Ampelphasen verfügen, die etwa auf zwei Linksabbiegerspuren und Hunderte von Fußgängern Rücksicht nehmen müssen.

Als erste Stadt, die einen Ampel-Countdown anbietet, sieht sich Las Vegas als Vorreiter von intelligenter Mobilität, die Infrastrukturdaten ohne Zeitverlust in individuelle Fahrzeuge einspielt. „Ich habe bereits bei der ersten Testfahrt erkannt, dass Ampelinformationen für einen Fahrer sehr wertvoll sind, da sie das eigene Fahrverhalten sofort positiv beeinflussen“, sagt Dan Langford, der das „Nevada Center for Advanced Mobility“, kurz: NCAM, leitet. Das NCAM ist eine zentrale Anlaufstelle, um Projekte rund um intelligente Mobilität voranzutreiben. „Es sieht verblüffend einfach aus, doch dahinter verbirgt sich eine erhebliche technische Leistung.“ Software an Bord und in der Cloud ist schon heute in der Lage, aus dem Fahrverhalten und ständig einfließenden Umfelddaten wie eben Ampelschaltphasen dazuzulernen. In Zukunft kann sich ein Auto selbstständig Regeln für das Verhalten im Straßenverkehr erarbeiten, sie verfeinern und im Zuge des pilotierten Fahrens mit anderen Autos und externen Diensten teilen. Autonome Fahrzeuge der kommenden Generationen „sehen“ so ihre Umgebung, ohne Ampeln optisch erkennen zu müssen wie ein Mensch.


Frühzeitig in wegweisende Car-to-X-Technologien zu investieren, wie wir es gemeinsam mit Audi tun, ist die Zukunft. Es ist bedeutend sicherer und effizienter als einfach mehr Geld in den Straßenbau zu stecken“, sagt Tina Quigley, General Manager der örtlichen Verkehrsbehörde RTC, die für Verkehrsplanung und -management in ganz Südnevada verantwortlich ist. „Wir wünschen uns jedes Auto als lebendigen Sensor, der Daten empfängt und sendet, um den Verkehrsfluss und damit das Leben für jeden Verkehrsteilnehmer zu verbessern. ,Time-to-Green‘ ist ein erster wichtiger Schritt.“


Ampelinformation
kann das Sprungbrett für weitere Dienste sein, um Fahrer und Fahrzeug intelligenter und effizienter zu machen. So lassen sich die Phasen für mehrere Ampeln entlang der geplanten Route darstellen und Tempoempfehlungen anzeigen, um auf der „grünen Welle“ zu rollen. Im Gegenzug könnten Kommunen die anonymisierten Daten vernetzter Fahrzeuge verwenden, um Probleme beim Verkehrsmanagement frühzeitig zu erkennen – zum Beispiel das Warten an Ampeln, ohne dass Verkehr kreuzt, zu vermeiden.

Mehr Infos:

Auch in Somerville bei Boston (USA) ist Audi aktiv in die Stadtplanung involviert. Gemeinsam mit der Stadt und vor Ort aktiven Immobilienentwicklern arbeitet Audi an der intelligenten Integration von Technologien und Services in ein integriertes Mobilitätssystem. So kann beispielsweise mit Car-to-X-Kommunikation der Verkehrsfluss in Städten verbessert oder mit pilotiertem Parken der Raum für individuelle Mobilität reduziert werden. www.audi-urban-future-initiative.com

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