Audi Production Lab: Hier entsteht Zukunft
missing translation: fa.article-intro.reading-time – 02/25/2026

Mit Leidenschaft und Pioniergeist spürt das Audi Production Lab Innovationen für die Fahrzeugproduktion auf. Leiter Henning Löser gibt spannende Einblicke in Projekte, die den Fahrzeugbau von morgen verändern können.
Henning Löser, Audi forscht an Innovationen für die Fahrzeugproduktion der Zukunft. Die Automobilwoche bezeichnete das Team einmal als „Die Andersmacher“. Was ist an der Arbeit im Audi Production Lab, kurz: P-Lab, so ungewöhnlich?
Im P-Lab schaffen wir bewusst Laborbedingungen in der Realität. Das macht unseren Ansatz einzigartig: Wir entwickeln und testen Produktionstechnologien genau dort, wo sie später eingesetzt werden – im direkten Umfeld der Fertigung und der Technischen Entwicklung. Das erlaubt uns, Innovationen früh unter echten Produktionsbedingungen zu bewerten und gemeinsam mit den Teams vor Ort so weiterzuentwickeln, dass sie stabil, skalierbar und serientauglich werden.
Für uns ist diese Nähe entscheidend. Sie verkürzt Wege, beschleunigt Entscheidungen und sorgt dafür, dass gute Ideen schnell ihren Weg in die Werke finden.

Henning Löser ist Leiter des Audi Production Lab.
Das Audi P-Lab ist seit seiner Gründung 2012 kontinuierlich gewachsen. Wie ist das Team heute aufgestellt – und welche Bedeutung hat seine Weiterentwicklung für die Produktionsinnovation von Audi?
Das Team im Audi Production Lab ist seit der Gründung deutlich gewachsen: Heute arbeiten im P-Lab mehr als 20 Mitarbeitende – ergänzt durch viele Kolleginnen und Kollegen aus der Produktion und Logistik, die projektweise bei uns andocken. Diese Mischung aus einem spezialisierten Kernteam und dem Wissen aus den Werken macht unsere Arbeit so wirkungsvoll.
Wir entwickeln Innovationen nicht für die Produktion, sondern mit ihr. Unser Anspruch ist es, neue Technologien frühzeitig zu identifizieren, unter realen Bedingungen zu testen und so in die Serie zu bringen, dass sie der gesamten Organisation nutzen. Das ist ein zentraler Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Produktion.
"Wir betreiben im P-Lab eine Ideenkultur."
Warum braucht es für die Optimierung von Produktionsprozessen ein eigenes Labor, bzw. Testflächen? Lassen sich neue Ideen nicht einfach in der laufenden Serienproduktion ausprobieren?
In der Großserie müssen Prozesse extrem stabil und effizient laufen – ein idealer Ort für Experimente ist sie nicht. Deshalb braucht es einen „Raum“ wie das P Lab, in dem wir mutig ausprobieren können. Es kann vorkommen, dass viele Ansätze nicht sofort funktionieren. Von 1000 Versuchen können 999 scheitern und erst der tausendste gelingt. Aber genau diese Lernschleifen sind entscheidend, um Durchbrüche zu erzielen, die wir anschließend in robuste Serienprozesse übersetzen können. Wir verstehen uns als Übersetzer: zwischen Innovationskultur und Serienrealität. Wir wollen eine Idee vom ersten Proof of Concept in einen 24/7 fähigen Produktionsprozess bringen.

Kabel gehen von einem Server ab: Mit der lokalen Serverlösung Edge Cloud 4 Production (EC4P) schafft Audi die Basis für eine flexible und datengetriebene Produktion. Im Hintergrund sitzt Henning Löser, Leiter des Audi Production Lab.
Audi hat die EdgeCloud4Production (EC4P) in der Großserie in Betrieb genommen. Eine virtuelle speicherprogrammierbare Steuerung (vSPS) von Siemens auf der Plattform Edge Cloud 4 Production sorgt für eine vollvernetzte Fabrikautomatisierung. Entwickelt wurde das Ganze im P-Lab. Was hat es mit der Lösung auf sich und worin liegt ihr Vorteil?
Die Edge Cloud 4 Production ist ein weiterer Meilenstein für eine datengetriebene Fertigung. Sie ermöglicht es, Steuerungen zu virtualisieren und Prozesse in Echtzeit ortsunabhängig zu überwachen. Die virtuelle SPS ist eines der sichtbarsten Ergebnisse unserer Arbeit. Sie zeigt, wie wir klassische Automatisierung mit modernen IT‑Architekturen verbinden können.
Der Vorteil: mehr Flexibilität, weniger Hardwareabhängigkeit und schnellere Updates. Außerdem reduzieren wir die Hardwarekosten. Die Produktion benötigt zum Beispiel weniger Hardware direkt an den Maschinen. Das verringert nicht nur Anschaffungs-, sondern auch Wartungskosten. Außerdem lässt sich die Software zentral verwalten und aktualisieren, sodass wir neue Funktionen schneller einführen und Ressourcen effizienter nutzen können. Damit legen wir die Grundlage für eine hochvernetzte, softwaregetriebene Fertigung. Das Interesse aus der ganzen Welt zeigt, wie relevant dieser Ansatz für die gesamte Industrie ist.

Eine virtuell gesteuerte Fertigung in den Böllinger Höfen ermöglicht eine flexible, datengetriebene Produktion.
"Eine bunte Folie mit Thesen nützt uns in der Produktion nichts."

Im Werk Neckarsulm fahren fahrerlose Transportsysteme durch eine Produktionshalle.
Auf welche P‑Lab‑Projekte blicken Sie besonders stolz zurück?
EdgeCloud4Production gehört definitiv dazu. Es ist eines der bekanntesten Projekte, die wir im P-Lab umgesetzt haben.
Auch Projekte mit künstlicher Intelligenz haben wir gestartet: An mehreren Standorten prüft KI etwa Schweißpunkte im Karosseriebau auf ihre Qualität. Zudem haben wir mit einer eigenen Teststation das 5G-Datennetz intensiv geprüft. Unsere Erkenntnisse haben wir dann in der 5G-Alliance for Connected Industries and Automation (5G-ACIA) eingebracht – und dort mitformuliert, was die Industrie braucht. Wir haben außerdem neue Erkenntnisse zur Mensch-Roboter-Kooperation und zum Einsatz von Big Data gesammelt.
Einige Themen haben wir auch so weit vorangetrieben, dass wir sie mit den entsprechenden Fachabteilungen fundiert bewerten konnten. Dazu gehört etwa die modulare Montage, da haben wir ein völlig neues Produktionskonzept entwickelt. Nach einer wirtschaftlichen Betrachtung haben wir dann aber entschieden, dass eine Umsetzung nicht den Mehrwert bringt, den wir uns eingangs erhofft haben.
Inwieweit unterscheidet sich das P-Lab von anderen Think Tanks innerhalb des Unternehmens?
Wir machen uns gezielt Gedanken über alles, was die Produktion optimiert. Das P-Lab ist ein wichtiger Baustein der Automotive Initiative 2025 (AI25), einem Innovationsnetzwerk für die digitale Transformation in der Automobilindustrie. So suchen und testen wir etwa Anwendungen mit künstlicher Intelligenz (KI) in der Automatisierungstechnik oder zur Steuerung von Robotern. Zum Produkt, also dem Fahrzeug selbst, kann nebenbei auch einmal eine interessante Idee entstehen, die geben wir dann weiter. Zudem wird bei uns alles physisch getestet, wir müssen es im wahrsten Sinne des Wortes durch Anfassen begreifen. Eine bunte Folie mit Thesen nützt uns in der Produktion nichts. Uns hilft Stahl und Blech und echtes „Auto bauen“. Für neue Vorgehensweisen gibt es anfangs keine Experten, da hilft nur selbst aufbauen, ausprobieren und anpassen.
Woran arbeiten Sie und Ihr Team derzeit im P-Lab?
Aktuell arbeiten wir an mehreren spannenden Projekten, die die Produktion effizienter und nachhaltiger machen sollen. Ein Schwerpunkt liegt auf künstlicher Intelligenz und Robotik: Wir testen, wie Roboter in flexiblen Umgebungen eingesetzt werden können – also nicht nur in perfekt geplanten Abläufen. Ziel ist es, Roboter nicht mehr aufwendig zu programmieren, sondern sie einfach „anzulernen“. So könnten viele Prozesse kostengünstiger automatisiert werden.
Darüber hinaus prüfen wir zum Beispiel, ob Gleichstrom statt Wechselstrom in der Fertigung genutzt werden kann – das würde Energie sparen und CO2-Emissionen reduzieren. Außerdem entwickeln wir neue Logistik- und Montagesysteme, die KI und Robotik kombinieren, um die Produktion noch smarter zu machen.
Ein Projekt, das für uns eine besondere Bedeutung hat, ist die weitgehend automatisierte Kabelstrangfertigung und der Einbau ins Fahrzeug. Daran arbeiten wir im Rahmen des Zukunftsprojekts Next2OEM gemeinsam mit mehreren Partnern – vom Zulieferer bis zum Einbau im Werk. Das ist bemerkenswert, denn bislang sind branchenweit nur wenige Prozent der Kabelbaumfertigung automatisiert. In Ingolstadt entstand hierzu ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderter Demonstrator, der die komplette Prozesskette abbildet: von der Fertigung über die integrierte Vormontage bis hin zum automatisierten Einbau – zentral gesteuert über ein durchgängiges System.
Der Nutzen ist erheblich: weniger Logistikaufwand, höhere Prozesssicherheit und drastisch verkürzte Reaktionszeiten bei Änderungen – nicht mehr Wochen, sondern Minuten. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen im nächsten Schritt in die Großserie künftiger Fahrzeugprojekte einfließen.
Dieses Projekt zeigt exemplarisch, worauf es im P‑Lab ankommt: komplexe, traditionell manuelle Bereiche mit digitalen, datengetriebenen und automatisierten Ansätzen neu zu denken – und die Produktion damit fit für die Zukunft zu machen.

Im Zukunftsprojekt Next2OEM zeigt Audi am Standort Ingolstadt gemeinsam mit zehn Partnern, wie die Fertigung sowie Montage eines Kabelbaums vollständig digitalisiert und automatisiert erfolgen kann – vom Zulieferer bis zum Einbau im Werk.
"Wir rechnen mit bahnbrechenden Neuerungen."
Was halten Sie in den Bereichen Produktion und Logistik für die größten Herausforderungen der Zukunft?
Heute vorauszusehen, was wir morgen brauchen werden, gestaltet sich immer schwieriger. In der Literatur sprechen die Kollegen von einer volatilen, also extrem sprunghaften und unvorhersehbaren Entwicklung. Als sicher dürfte aber gelten, dass durch die Digitalisierung weiterhin sehr, sehr viel passieren wird. Gerade in der Produktion rechnen wir durch Fortschritte in der Sensorik, Steuerungs- und Halbleitertechnik sowie Software und KI-Technologien mit bahnbrechenden Neuerungen, die heute noch gar nicht vorhersehbar sind. Das birgt großartige Chancen, aber eben auch Herausforderungen. Weil wir keine Glaskugel haben, heißt das für uns: flexibel bleiben, offen denken und kontinuierlich lernen. Immer neugierig in die Welt blicken. Dafür sind wir bei Audi mit Schulungskonzepten, dem Bildungswesen und der Audi Akademie gut aufgestellt.
Wovon lassen Sie sich persönlich inspirieren, um kreativ und innovativ zu bleiben?
Auch privat fasziniert mich alles Technische. Ich lese und recherchiere dazu sehr viel, probiere auch gern neue Dinge aus, um sie zu verstehen. Aktuell programmiere ich an einem Makerprojekt mithilfe von KI-Codierungsassistenten und bin von der Unterstützung, die sie bieten, total begeistert. Zudem verlasse ich auch mal den Boden der Realität und lasse mich von Science-Fiction-Büchern und -Filmen inspirieren. Viele Technologien, die dort beschrieben sind, stehen heute kurz vor der Umsetzung – und genau das fasziniert mich.


