Mobilität im Wandel

In den kommenden Jahren wird sich die Art und Weise, wie wir von A nach B gelangen verändern. Dazu tragen zum einen alternative Antriebe einen wichtigen Teil bei – zum anderen innovative Technologien, die automatisiertes und autonomes Fahren ermöglichen. Dieser Wandel geht mit der Entwicklung von urbanen Ballungsräumen Hand in Hand.

Digitalisierung, Vernetzung und Big Data sind zu Schlüsselbegriffen des 21. Jahrhunderts geworden, deren Reich- und Tragweite keinesfalls auf finalem Stand ist: im Gegenteil, in den kommenden Jahren werden sich diese Bereiche weiter ausbauen – vor allem in den großen Ballungsräumen. Städteplanung und Verkehrsnetz gehören in dieses Gesamtkonzept – und somit auch moderne Fortbewegungsmittel. Konzeptfahrzeuge wie der Audi e-tron quattro concept sowie der Audi e-tron Sportback concept geben schon heute einen ersten Einblick, wie die Zukunft der Mobilität bei der Marke mit den vier Ringen aussehen könnte. Und sie zeigen: Moderne Fahrzeuge sind schon längst nicht mehr nur Transportmittel, um von A nach B zu gelangen. Sie sind vielmehr zu mobilen Devices geworden, die den Fahrer beim Unterwegssein durch unterschiedliche Assitenzsysteme unterstützen. Audi arbeitet zudem daran, diese Technologie weiterzuentwickeln und dadurch dem Fahrer die Verantwortung mehr und mehr während der Fahrt abzunehmen – und dies auch irgendwann in Serie zu ermöglichen.

Moderne Fahrzeuge sind schon längst nicht mehr nur Transportmittel, um  von A nach B zu gelangen. Sie sind vielmehr zu mobilen Devices geworden, die den Fahrer beim Unterwegssein durch unterschiedliche Assitenzsysteme unterstützen.

Damit dies möglich ist, sind komplexe, elektronische Komponenten im Fahrzeug erforderlich, die Daten erfassen können, auswerten und daraus eine Handlung ableiten. Kameras, Sensoren und die zentrale Steuereinheit (zFas) stehen dabei im ständigen Austausch miteinander. Die gesammelten Daten werden über Infotainment-Komponenten für Fahrer und Passagiere entsprechend aufgearbeitet und dargestellt. Das Kommunikationsmodell in Echtzeit wird bei der Mobilität von morgen weiter aufgezogen: Nicht nur Fahrzeug und Passagier kommunizieren miteinander, sondern auch Fahrzeug und Umwelt, Fahrzeug und Fahrzeug – und sogar Fahrzeuge mit dem städtischen Raum. Zwar klingt dies nach reiner Zukunftsmusik, jedoch befassen sich unterschiedliche Projekte bereits heute mit einzelnen Disziplinen daraus, die sich dann in ferner Zukunft zum großen Ganzen zusammensetzen.

 

Zu diesen Projekten gehört beispielsweise die Überlegung, wie man Straßen künftig mit zusätzlichen Benefits anreichern könnte. Im Bereich der Elektromobilität bietet die Wireless Charging Technologie –  also das induktive Laden – eine spannende Möglichkeit. Diese Technologie ist aktuell für das statische Laden an einem festen Ort vorgesehen, doch in Zukunft könnte dies dynamischer werden: sogenannte Wireless Charging Roads sollen dafür sorgen, dass die Batterie von Elektro-Fahrzeugen, die mit der entsprechenden Technologie ausgestattet sind, beim Überfahren von längeren mit Wireless Charging Platten ausgestatteten Abschnitten, geladen wird. Projekte dieser Art werden bereits heute getestet.

Und auch in Somerville bei Boston (USA) hat man die Zukunft im Blick. Audi ist dort aktiv in die Stadtplanung involviert. Gemeinsam mit der Stadt und vor Ort aktiven Immobilienentwicklern arbeitet Audi an der intelligenten Integration von Technologien und Services in ein integriertes Mobilitätssystem. So kann beispielsweise mit Car-to-X-Kommunikation der Verkehrsfluss in Städten verbessert oder mit pilotiertem Parkenassistenzsysteme der Raum für individuelle Mobilität reduziert werden. Experten wie Carlo Ratti glauben fest daran, dass diese Technologie dafür sorgen könnte, dass nicht nur Staus, sondern auch Unfälle in Zukunft drastisch reduziert werden. Der italienische Architekt ist Leiter des Senseable City Lab am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Gründer der Carlo Ratti Associati Designpraxis. Wenn es eine erste Adresse auf der Welt für Innovationen rund um lebenswerte Städte der Zukunft gibt, dann ist es Rattis Labor in Cambridge. Im Interview gibt er einen Einblick auf seine Sicht der Dinge.

Prof. Carlo Ratti, Leiter des Senseable City Lab am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Gründer der Carlo Ratti Associati Designpraxis
Redaktion: Digitalisierung und Vernetzung in urbanen Ballungsräumen: Der Begriff „Smart City” ist allgegenwärtig. Man hat mittlerweile ein wenig den Eindruck, dass dieser Begriff inflationär verwendet wird. Was genau macht eine Stadt smart?

Carlo Ratti: Dieser Begriff wird mittlerweile tatsächlich übermäßig oft verwendet – und ich mag ihn auch nicht wirklich. Dahinter steht allerdings ein umfassenderer technologischer Trend: Das Internet erreicht unsere Lebenswelt und wird zum Internet der Dinge – einem Netzwerk aus physischen Geräten, Fahrzeugen, Haushaltsgeräten und anderen Gegenständen, die mit Elektronik, Software, Sensoren, Aktoren und einer Netzwerkanbindung ausgestattet sind, die es diesen Objekten ermöglicht, sich miteinander zu verbinden und Daten auszutauschen. Das hat zur Folge, dass viele Aspekte städtischen Lebens einem raschen Wandel unterworfen sind: von der Energieversorgung bis hin zum Abfallmanagement, von der Mobilität bis hin zur Wasserversorgung, von der Städteplanung bis hin zum bürgerschaftlichen Engagement. 

Unsere Mobilität wird sich in den kommenden Jahren drastisch verändern –  inklusive des Straßenverkehrs im städtischen Raum. Gehören alternative Antriebe wie der rein elektrische zu den großen Game Changern?

Elektrofahrzeuge könnten im Hinblick auf die Energieträger eine entscheidende Rolle spielen, da sie mit erneuerbaren Energien betrieben werden und unsere Transportsysteme nachhaltiger machen können. Der größte Wandel wird meines Erachtens jedoch bei den autonomen Fahrzeugen stattfinden. „Ihr“ autonomes Auto könnte Sie morgens mit zur Arbeit nehmen und anschließend ein anderes Familienmitglied oder auch einen Nachbarn irgendwohin bringen, anstatt unbenutzt auf einem Parkplatz zu stehen. Möglicherweise werden hier gar die Grenzen zwischen öffentlichem und Individualverkehr verwischt.

 

Allerdings wird unsere Akzeptanz des Teilens davon abhängen, wie sich unsere Werte verändern werden – vor allem im Hinblick auf die Rolle des Automobils als Statussymbol. Ich glaube, dass das möglich ist. Bereits vor mehr als 100 Jahren prägte der norwegische Soziologe Thorstein Veblen den Begriff Geltungskonsum. Veblen hatte erkannt, dass damals Familien Autos oder andere Wertgegenstände nur kauften, um mit ihrem sozialen Status zu demonstrieren. Heute findet jedoch ein Wandel statt. Durch das Internet und sozialen Medien sowie eine bedeutsame urbane Revolution sind neue Möglichkeiten entstanden, seinen eigenen sozialen Status zu zeigen – beginnend mit dem Paradigma des Teilens.

„Elektrofahrzeuge könnten im Hinblick auf die Energieträger eine entscheidende Rolle spielen, da sie mit erneuerbaren Energien betrieben werden und unsere Transportsysteme nachhaltiger machen können.“

Wie beurteilen Sie den derzeitigen Ist-Stand der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge?

Ich denke, dass die heutige Infrastruktur noch ausbaufähig ist, aber es geht schnell voran! Erst vor kurzem haben wir in einer Studie versucht, die Standorte der Elektrofahrzeug-Ladestationen in der Stadt Boston zu optimieren. Dazu haben wir zunächst einmal eine riesige Menge an Mobilfunkdaten erhoben, die über die Bewegungen von einer Million Nutzern über einen Zeitraum von vier Monaten Auskunft gaben. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Analyse der Verhaltensdaten der Nutzer die besten Lösungen hervorbringt, wenn es darum geht, was für die Fahrer komfortabel ist und wie viele Ladestationen benötigt werden.

Welche Auswirkungen wird der Wandel auf unseren Alltag haben?

Wenn wir uns mit dem Design jedes einzelnen Fahrzeugs beschäftigen, können wir uns in Bezug auf Elektrofahrzeuge und autonome Fahrzeuge vorstellen, dass sie für uns zu einem erweiterten Zuhause werden. Während der Fahrt werden wir viele andere Dinge unternehmen können – zum Beispiel ein Buch lesen oder ein Nickerchen machen.

Sie sind durch ihre Arbeit am MIT vertraut mit dieser Thematik. Wie nehmen Sie das Bewusstsein, die Akzeptanz in einem Umfeld wahr, das sich damit weniger befasst? Und was entgegnen Sie Skeptikern?

Ich glaube an die Autonomie der Technologie, die eine entsprechende Reaktion der Menschen nach sich ziehen wird. Die Skeptiker werden schnell verstummen – genau wie bei der Dampfmaschine oder dem Automobil des 20. Jahrhunderts.

Big Data – Volumen der Weltweit generierten Daten:

Das Statistik-Portal Statista hat berechnet: Im Jahr 2016 wurden weltweit rund 16 Zettabyte an Daten generiert, eine gigantische Zahl mit 21 Nullen. Ein Zettabyte sind eine Billion Gigabyte. 2025 sollen es bereits 163 ZB sein. Das wären dann gut 5,2 Millionen Gigabyte pro Sekunde.