Nachhaltige Städteplanung

Die dänische Hauptstadt gilt nicht nur als eine der lebenswertesten Städte, sie will bis 2025 auch die erste CO₂-neutrale Metropole der Welt werden.

Text: Daniela Schröder, Foto: Benne Ochs


20 Minuten, das ist der Maßstab. Bei der Suche nach einer neuen Wohnung und nach der besten Kita. Beim Entscheid für oder gegen einen anderen Job. Wenn es um die lässigste Bar für einen Feierabend-Drink geht und um das perfekte Restaurant für den Wochenendbrunch. „20 Minuten“, sagt Mikael Colville-Andersen und schwingt sich von einem weißen Rennrad. „In Kopenhagen dauert alles nur 20 Minuten mit dem Rad.“ Er lacht. „Jedenfalls fühlt es sich so an.“ Colville-Andersen schiebt sich die Sonnenbrille in die Haare und das Rad in einen Pulk Fahrräder, die vor einem containerähnlichen Gebäude parken. Trangravsvej 8 auf Papirøen, eine Art Halbinsel im alten Kopenhagener Hafen, die Adresse seines Büros. Colville-Andersen, dunkelgraues Hemd, Jeans, weiße Sneaker, war früher als Filmregisseur tätig. Doch fürs Filmedrehen hat er nur noch selten Zeit. Seit einigen Jahren ist Colville-Andersen Dänemarks oberster Fahrrad-Lobbyist, niemand verkörpert die Radbewegung so sehr wie er. Für fast hundert Städte in aller Welt hat seine Beratungsfirma ein Radwegesystem entworfen, darunter Dublin und Detroit. „Aber Kopenhagen nimmt das Thema Fahrradfahren ernster als alle anderen Städte“, sagt er. „Hier ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine Infrastruktur geschaffen worden, die das Rad zu einem attraktiven, wettbewerbsfähigen Transportmittel gemacht hat.“

„City of Cyclists“ nennt sich die dänische Hauptstadt stolz, kaum eine Metropole pusht das Verkehrsmittel Fahrrad stärker, grüne Mobilität spielt in Kopenhagens Zukunftsplänen eine tragende Rolle. Auf „Lebenswerteste Städte der Welt“-Listen stets weit oben platziert, will Kopenhagen auch beim Thema Umwelt ein Vorreiter sein: Im Jahr 2025 soll die Stadt die erste CO2-neutrale Metropole der Welt sein. Was nicht bedeutet, dass die Einwohner dann gar kein klimaschädliches Kohlendioxid mehr verursachen. Es geht darum, neben dem Vermeiden von CO2 den Ausstoß des Klimagases an einer Stelle durch Umweltfreundlichkeit an anderer Stelle auszugleichen. Dabei verfolgt Kopenhagen einen umfassenden Ansatz: Verkehr, Gebäude, Energie, Wasser – die gesamte Stadtentwicklung ist auf das Ziel „grün und sauber“ ausgerichtet. Seit 2005 sind die CO2-Emissionen in Kopenhagen um 38 Prozent gesunken, bis 2025 will die Stadt weitere 900.000 Tonnen Kohlendioxid einsparen. Ein ambitioniertes Ziel. Doch die große Mehrheit der Kopenhagener steht hinter dem Plan, 87 Prozent finden es gut, dass ihre Stadt CO2-neutral werden soll.

„KOPENHAGENS TRADITION VON PILOTPROJEKTEN IST EINZIGARTIG. DIE STADT PROBIERT GUTE IDEEN AUS, UM ZU SEHEN, OB DARAUS GROSSARTIGE ENTSTEHEN.“


- Mikael Colville-Andersen, Experte für urbane Mobilität

Die 2017 fertiggestellte Copenhagen International School ist mit 1.200 Schülern nicht nur die größte Schule der Stadt, sondern mit über 12.000 Solarmodulen auch eines der Gebäude mit der größten Solarfläche in Dänemark.

Außerdem gehe es nicht allein darum, die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern, argumentiert Morten Kabell, Kopenhagens Bürgermeister für Technik und Umwelt: „Im Kampf gegen Klimawandel spielen Metropolen weltweit eine Schlüsselrolle, da sie für den Großteil der global verursachten CO2-Emissionen verantwortlich sind.“ Kopenhagen trage daher Verantwortung für das Weltklima. Kabells Fazit: „Mit unseren Klimainitiativen wollen wir eine international führende Rolle einnehmen und andere Städte dazu inspirieren, Ähnliches zu tun.“

Ein paar Meter von Radwege-Planer Colville-Andersens Büro entfernt, überquert eine besondere Brücke das alte Hafenbecken: Die Bryggebroen, eröffnet 2006 und damals zwischen Hafenseite und Altstadt die erste Brücke seit siebzig Jahren. Das Design: funktional, schlicht, modern – der typisch dänische Stil. Eigens für Radfahrer und Fußgänger konstruiert, war es das Bauprojekt, mit dem der Aufschwung der Radbewegung in Kopenhagen begann. Heute ist Bryggebroen eine von vielen Radbrücken der Stadt, weitere sind im Bau oder geplant. Insgesamt 1.000 Kilometer Radwege ziehen sich durch den zwei Millionen Einwohner zählenden Großraum Kopenhagens, dazu kommen noch mehrere Hundert Kilometer Fahrradspur auf den Straßen.

Radfahren in Kopenhagen ist bequem und sicher. Auch wer die Stadt nicht kennt, findet sich auf dem Zweirad sofort zurecht. Die Wege verlaufen getrennt von Autos und Fußgängern, sind mit Symbolen und Markierungen  gekennzeichnet und breit genug zum stressfreien Überholen, auch mit Dänemarks Exportschlager, den Lastenrädern. An den Hauptrouten ins Zentrum sind die Ampeln so getaktet, dass Radfahrer mit konstant 20 Stundenkilometern Geschwindigkeit grüne Welle haben, LED-Lämpchen im Asphalt fungieren als Tempomat. Dennoch stehen die Radfahrer mittlerweile oft im Stau.

61 Prozent der Menschen im Zentrum und 41 Prozent der Kopenhagener in den Vororten steigen täglich aufs Rad, insgesamt 1,4 Millionen Kilometer legen sie pro Tag im Durchschnitt zurück. Die Lokalpolitiker sehen das Radfahren als zentrales Element der Stadtidentität, bis 2025 soll Kern-Kopenhagen autofrei sein. Dafür will die Verwaltung die Fahrradinfrastruktur weiter ausbauen, das größte Projekt sind 28 Rad-Highways mit separaten Tempospuren, die Vororte und Zentrum verbinden. Gegen Staus setzt die Stadt auf Digitaltechnik: In der nächsten Ampelgeneration stecken Sensoren, die auf Grün schalten, wenn sich ein Pulk Radfahrer nähert. Kopenhagen ist beliebt, die Einwohnerzahl wächst, Prognosen zufolge steigt sie bis 2025 um 14 Prozent. Mehr Menschen, das bedeutet mehr Verkehr. Mehr Fahrräder. Aber auch mehr Autos. Für 2025 rechnen die Behörden mit einem Plus von 27 Prozent bei den Radfahrern und einem Zuwachs von 20 Prozent bei den Automobilen, vor allem in den Vororten. Um die selbst gesetzten Klimaziele zu erreichen, baut Kopenhagen die Infrastruktur für alternative Antriebsarten aus: Ladestationen für Elektroautos, Wasserstofftankstellen, reduzierte Parkgebühren für Besitzer von Fahrzeugen mit neuen Antrieben. Die Behörden selbst gehen mit gutem Beispiel voran: 64 Prozent des Verwaltungsfuhrparks tanken bereits Wasserstoff oder Strom, neue öffentliche Busse müssen statt Diesel- einen Elektroantrieb haben.

Morgens kurz vor neun, Medizinische Fakultät der Universität Kopenhagen. Forscher und Studenten strömen in das 15 Stockwerke hohe Gebäude. Der Maersk Tower, im Januar 2017 eröffnet, gilt als modernstes Bauwerk einer Bildungseinrichtung in Dänemark. Vollgepackt mit Energiespartechnik, verkleidet mit flügelartigen Kupferplatten. Sie folgen dem Stand der Sonne und sorgen für Schatten – eine Klimaanlage ohne Strom. Und das Kupfer gibt dem Gebäude eine ungewöhnliche Optik, „durch den Einfluss des Wetters verändert sich im Laufe der Zeit die Farbe“, sagt Thue Borgen Hasløv vom Kopenhagener Architektenbüro C. F. Møller, das den Maersk Tower plante. Die Dänen sind bekannt für schlichtes, schönes Design, das zugleich funktional ist. Wobei funktional mittlerweile bedeutet: Das Gebäude ist grün. „Überall, wo eine neue Wohn- oder Geschäftsimmobilie entsteht, geht es um Energieeffizienz und Nachhaltigkeit“, weiß Hasløv. „Grüne Gebäude sind seit Jahren ein großes Thema in der Stadt, und mit dem politischen Kurs zur CO2-Neutralität steht der Bausektor nun besonders im Fokus.“ Auch hier geht Kopenhagens Verwaltung mit gutem Beispiel voran: Bis 2025 soll der Energieverbrauch von öffentlichen Gebäuden wie etwa Schulen um 40 Prozent sinken, was saniert wird, bekommt sparsame Beleuchtung, neue Fenster, moderne Dämmtechnik. Insgesamt bringt es der Gebäudebereich zwar auf lediglich sieben Prozent weniger CO2, allerdings ist das Energiesparen der günstigste Weg, um Emissionen zu drosseln. Zugleich gehört das Energieerzeugen zum Plan: Mehr als 60.000 Quadratmeter Solarmodule will die Stadt in den nächsten Jahren auf öffentlichen Gebäuden installieren. Das entspricht der Fläche von gut acht Fußballfeldern.

Dass sich Investitionen in Sonnenenergie rechnen, beweist bereits das Gebäude der Copenhagen International School. Sie liegt direkt an einem Hafenbecken, drumherum alte Lagerhäuser, Möwen kreischen, Kräne hieven Stahlboxen auf Containerschiffe. Die Außenhülle der Schule besteht aus 12.000 Solarplatten, sie erzeugen 60 Prozent der von ihr konsumierten Energie. Eine Schule mit integriertem Kraftwerk, je nach Lichteinfall und Blickwinkel schimmern die Module türkis bis tiefblau. Auf dem Dach wachsen viele Arten von Grün – ein weiterer Baustein der CO2-Strategie. Kopenhagen hat für Neubauten eine Gründach-Vorschrift erstellt, 20.000 Quadratmeter bepflanzte Dachfläche gibt es bereits, jedes Jahr sollen 5.000 Quadratmeter dazukommen. In allen Klimaprojekten der Stadt machen Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft von Anfang an gemeinsame Sache: Die Technische Universität Dänemark und Kopenhagens kommunaler Energieversorger entwickeln innovative Technologien für grüne Gebäude; beim Erforschen künftiger Energiesparmethoden kooperieren die Behörden mit den größten Bau- und Immobilienfirmen der Stadt, mit nationalen und internationalen Telekommunikationsanbietern.

Etwa in Albertslund, einem Vorort im Westen von Kopenhagen. Aus einem alten Industriegebiet ist hier ein Freiluft-Hightech-Showroom geworden, zwei Dutzend Unternehmen testen auf dem Gelände gut 50 neue Straßenbeleuchtungssysteme. Alle Lampen sind auf stromsparende LEDs umgerüstet, integrierte Sensoren steuern das Licht, nur wenn sich ein Fahrzeug nähert, strahlen die Lampen hell. Zugleich dienen die Sensoren als Datensammler: Das schlaue Lichtsystem soll eine Echtzeit-Infoquelle für Rad- und Autofahrer werden und letztlich die Situation auf den Straßen entspannen, es soll den Winterdienst optimieren und der Müllabfuhr einen Einsatz nach Bedarf ermöglichen. Schon heute setzt Kopenhagen auf LEDs, bisher wurden 20.000 Straßenlampen umgerüstet, der Energiespareffekt liegt bei 57 Prozent.

Dank des sogenannten Mode-3-Kabels lässt sich der Audi A3 Sportback e-trona3etron an öffentlichen Ladesäulen innerhalb von circa 2,5 Stunden komplett aufladen.

Früh an die Zukunft und an die Umwelt dachten die Kopenhagener auch bei der Produktion von Energie. Wie es begann, ist am besten vom Amager Beach aus zu sehen, Kopenhagens Stadtstrand, etwa 20 Fahrradminuten dauert es vom Rathausplatz ins Naherholungsgebiet. Jogger und Skater sind auf der künstlichen Insel unterwegs; Schwimmer, des Windparks Surfer und Kajakfahrer im Wasser; Familien picknicken in den Dünen. Amager liegt am Øresund, der Meerenge zwischen Dänemark und Schweden, verbunden über eine imposante Schrägseilbrücke, die fast acht Kilometer lange Øresundsbroen. Und vor Amager steht ein anderes Riesenbauwerk im Wasser, auf das nicht allein die Kopenhagener, sondern ganz Dänemark stolz ist: Middelgrunden, 20 Windräder, die sich vor der Küste drehen; der weltweit erste kommerzielle Meereswindpark, nur dreieinhalb Kilometer vom Strand entfernt. Als in den 1970er-Jahren die Ölpreise explodierten und die Industrieländer Energiealternativen suchten, entschied sich die dänische Regierung gegen Atomkraft und investierte stattdessen in erneuerbare Energiequellen wie Windkraft, schon damals war das Umweltbewusstsein der Dänen stark ausgeprägt. „Mitte der 1990er-Jahre hatten einige Kopenhagener Ingenieure dann die total verrückte Idee, Windkrafträder so weiterzuentwickeln, dass sie im Wasser installiert werden können“, erzählt Middelgrunden-Manager Erik Christiansen. „Wobei es so verrückt gar nicht war, eine Hauptstadt hat nun mal keine Flächen zum Erzeugen grüner Energie. Allerdings haben wir das Meer direkt vor der Haustür – also nutzen wir es. Middelgrunden wurde nicht nur zum nationalen Symbol des grünen Wandels, es war auch das Vorbild für Partnerschaften zwischen Energieversorgern und Bürgern“, sagt Christiansen. Der Offshore-Windpark ist als kommunale Kooperative organisiert, ein in Dänemark traditionelles Wirtschaftsmodell, das sich auch heute durch sämtliche Sektoren zieht. Zehn Windräder gehören dem dänischen Energiekonzern Dong, zehn Windräder den 8.600 privaten Investoren und Anteilseignern von Middelgrunden. Die Windfarm liefert gut vier Prozent des Stromkonsums in Kopenhagen, Tendenz steigend.

Noch verursacht das Produzieren von Strom und Wärme den Großteil der CO2-Emissionen Kopenhagens. Was zugleich bedeutet: Hier steckt das größte Sparpotenzial. 80 Prozent des Gesamtziels will die Stadt mit dem Ausbau neuer Energieformen erreichen: Windkraft und Solarenergie, vor allem aber durch das Ersetzen von Kohlekraft mit erneuerbarer Biomasse. Zwei Kraftwerke verfeuern künftig ausschließlich Holzpellets, nach dem Prinzip „Abfall zu Energie“ versorgt eine neue Müllverbrennungsanlage bereits Tausende Haushalte der Stadt mit Wärme und Strom. Die futuristische Architektur der Anlage erinnert an arabische Luxushotels. Und was praktisch ist, sieht in Kopenhagen nicht nur gut aus, es macht auch Spaß: Auf das Schrägdach des Designer-Kraftwerks bauen die Architekten eine Skipiste.

Umgerechnet fast 1,7 Milliarden Euro lässt sich Kopenhagen das Umkrempeln des Energiesektors kosten, der komplette Klimaplan bringt es auf eine Investitionssumme von rund 27 Milliarden Euro. Investitionen, die sich rechnen, meint Kopenhagens Umwelt- und Technik-Bürgermeister Kabell. Allein die Exporte grüner Technologien legen laut Kabell jedes Jahr um zwölf Prozent zu, vor allem aber entständen neue Jobs. Im Bauwesen, in der Energiebranche, im Transportsektor – das Umsetzen des Klimaplans soll mehr als 30.000 neue Vollzeitstellen schaffen. Kabells Fazit: „Was aus Umweltgründen sinnvoll ist, das macht auch für die Wirtschaft Sinn.“

Dass die Rechnung aufgeht, zeigt das Beispiel Middelgrunden: Die Pionier-Windfarm machte Dänemark zum globalen Vorreiter bei erneuerbarer Energie aus dem Meer. Nicht allein beim Verbrauch, auch bei der Technik: Die neu entwickelte Turbine war der Urtyp aller Offshore-Turbinen, mit denen sich dänische Hersteller weltweit einen Namen machten. In Kopenhagen spezialisierten sich lokale Unternehmen auf Betrieb und Wartung des lokalen Windparks, aktuell bereiten die Firmen die Verjüngung von Middelgrunden vor, knapp zwei Jahrzehnte nach dem Start des Projekts lässt die Kooperative die alten Windräder ab- und neue aufbauen. „Investitionen in grüne Energie sind nicht nur gut für Umwelt und Lebensqualität einer Stadt“, sagt Middelgrunden-Manager Christiansen. „Sie sind auch gut für Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit.“ Und es lebt sich gut in einer Stadt, die ökologische Ideale verfolgt. Saubere Luft und viel Grün sind ein wesentlicher Gesundheitsfaktor, kombiniert mit einem schön gestalteten öffentlichen Raum steigern sie die Attraktivität einer Stadt. Wie das aussehen kann, zeigt Ørestad auf der Insel Amager, Kopenhagens jüngster Stadtteil. Vor 25 Jahren begann die Planung, schon damals sollte das neue Quartier zukunftsweisend sein.

In Ørestad dominieren Holz-Glas-Gebäude und Wohnhäuser mit kleinen Gärten, weite Parks und Bäume. „Man lebt in einer Großstadt, aber fühlt sich wie auf dem Land“, sagt Nina Truelsen, die mit ihrer Familie vor drei Jahren aus der Innenstadt nach Ørestad zog. Der Stadtteil liegt nicht direkt an der Küste, doch Wasser ist hier überall. Zehn Kilometer künstliche Kanäle durchziehen Ørestad, „das ganze Jahr über ist das Wasser kalt und klar“, sagt Truelsen. Für die gute Wasserqualität sorgt die lokale Verwaltung mit einer eigens entwickelten Technik, die verschmutztes Regenwasser von Straßen und Dächern filtert, bevor es in die Kanäle fließt. Sauberes Wasser direkt vor der Haustür – auf dem Weg zur rundum grünen Stadt kümmert sich Kopenhagen auch um Kleinigkeiten. Oder wie es Bürgermeister Kabell sieht: „Man muss auch Mut zu ungewöhnlichen Lösungen haben, die der Stadt ein Profil und einzelnen Stadtteilen ein Merkmal und eine eigene Identität verleihen.“ Das große Ziel der CO2-Neutralität zu erreichen werde nicht einfach sein. „Es gibt jede Menge Hürden und Herausforderungen“, gesteht Kabell. „Aber wir werden es schaffen.“ Ohnehin ist das Thema CO2 nur ein erster Schritt. Im Jahr 2050, so heißt das nächste Ziel, soll Kopenhagen komplett ohne Kohle, Öl und Gas auskommen.

Facts & figures


Alternative Antriebe

Das Ziel von Audi lautet CO2-neutrale Mobilität, und die Antwort auf diese Herausforderung heißt Audi tron. Neben der Elektromobilität (Audi e-tron) setzen die Ingolstädter auch auf das Konzept Audi g-tron (Erdgas, Biomethan und Audi e-gas) sowie mittelfristig auf den Brennstoffzellenantrieb im Audi h-tron.

Carbon Footprint
Der CO2-Fußabdruck (engl. carbon footprint) gibt die Menge an CO2-Emissionen an, die ein Mensch oder ein Produkt in einem bestimmten Zeitraum, z. B. seinem Lebenszyklus, erzeugt. Im Falle von Produkten ergeben das benötigte Kohlendioxid für Herstellung, laufenden Betrieb und Entsorgung den CO2-Fußabdruck.

Die CO₂-Allianz
Bei der Carbon Neutral Cities Alliance (CNCA) handelt es sich um einen Zusammenschluss von bisher 20 Städten, die nach Klimaneutralität streben und bis 2050 eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 80 Prozent erreichen wollen. Zu den Mitgliedsstädten gehören neben Kopenhagen, Stockholm und Oslo auch Berlin, London, Washington und Sydney. Ziel des Städtebundes ist die gemeinsame Entwicklung von Vorgehensweisen, aber auch politische Einflussnahme. Auf 5.400 m2 arbeiten am Audi Standort Brüssel 2.525 Mitarbeiter an dem ersten rein elektrisch angetriebenen Serienmodell von Audi sowie den Modellen Audi A1 und Audi S1. Ab 2018 soll die vollständige CO2-Neutralität des belgischen Werks erreicht und es entsprechend zertifiziert werden. Bereits 2013 installierte das Werk die größte Photovoltaik-Anlage im Raum Brüssel.

Die Europäische Umweltagentur hat ihren Sitz in Kopenhagen. Seit 1994 ist sie dafür zuständig, politische Entscheidungsträger mit Informationen und Daten über den Zustand und die Entwicklung der Umwelt in der EU zu versorgen. Schon seit den 1990er-Jahren ist die gesamte Stadtentwicklung Kopenhagens konsequent nachhaltig ausgerichtet: von der Verkehrsplanung bis zur alternativen Energiegewinnung. Umgerechnet rund 175 Millionen Euro sind im Kopenhagener Klimaplan für Mobilitätsprojekte eingeplant. Sie sollen den CO2-Ausstoß der Stadt um acht Prozent drosseln.

Dänisches Stilbewusstsein: Weil den Kopenhagenern der erste Entwurf des Windparks Middelgrunden mit drei geraden Reihen nicht gefiel, setzten die Planer die Windräder als riesigen Bogen ins Wasser. Kopenhagens Bürger wollen noch mehr Windkraft, 85 Prozent unterstützen erste Pläne für weitere Windanlagen vor ihrer Küste.

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