Wie und wo nutzt Audi Künstliche Intelligenz?
missing translation: fa.article-intro.reading-time – 08/07/2025

Künstliche Intelligenz (KI) hilft nicht nur, Zeit und Geld zu sparen, sondern ist der Gamechanger in vielen Bereichen. Durch ihren gezielten Einsatz schafft Audi eine Umgebung, die Mitarbeitende unterstützt, das Arbeiten effizienter macht und hohe Qualitätsstandards erfüllt.
Audi treibt den Einsatz von KI voran und das in allen Geschäftsbereichen. Immer mit dem Ziel, Mitarbeitende zu entlasten und noch innovativer und effizienter zu werden.
„Wir integrieren aktuell KI mit Nachdruck überall dort, wo es möglich und sinnvoll ist, und skalieren Anwendungen konsequent.
Gerd Walker, Audi Vorstand für Produktion und Logistik
Audi setzt auf Ausbau einer systematischen Datenorganisation
Um KI in der Breite zu nutzen, ist nicht nur eine effiziente Skalierung wichtig, sondern vor allem eine gute Datenorganisation. Sie ist die Grundlage, um die schiere Menge an Daten nutzbar zu machen und Innovation voranzutreiben.
Die Datenmenge ist vor allem in der Fertigung bei Audi besonders hoch: Mehrere hundert Petabyte gibt es bereits. Ein Petabyte sind etwa 1.000 Terabyte. Oder anders ausgedrückt: Genug Speicherplatz für rund 223.000 Filme in DVD-Qualität. Täglich entstehen in der Produktion tausende Gigabyte an neuen Daten. Mit der Einführung immer neuer KI-Tools nutzt Audi systematisch deren Potenzial. Allein in der Produktion treibt Audi mehr als 100 KI-Ansätze in verschiedenen Reifegraden voran, die das Unternehmen nach und nach etabliert und auf neue Anwendungsfälle skaliert – Tendenz steigend.

Schnelle Labelanalyse
Einer dieser Anwendungsbeispiele ist in der Qualitätsüberwachung bei Audi zu finden und heißt IRIS (Intelligent Recognition and Inspection System). Diese bildverarbeitende KI überprüft Labels an Fahrzeugen in der Montage: Klebt zum Beispiel das Label, das Infos zum erlaubten Kraftstoff liefert, auf dem richtigen Bauteil? Ist die Position korrekt? Stimmen Inhalt und Sprache? Eine Kamera nimmt die Bilder für die Echtzeitauswertung auf und weist die Mitarbeitenden im Anschluss auf mögliche Fehler hin. So reduziert IRIS die aufwändige Prüfarbeit und spart den Mitarbeitenden Zeit.

KI macht Schweißspritzer dingfest
Auch bei der Qualitätsüberwachung von Produktionsprozessen kann KI unterstützen. Ein Beispiel ist die automatisierte Erkennung von sogenannten Schweißspritzern. Das sind kleine Materialablagerungen, die im Karosseriebau beim Schweißen auf verschiedenen Blechteilen entstehen. Diese Schweißspritzer können dazu führen, dass unter anderem Leitungen beschädigt werden oder Korrosionsschutzschichten nicht vollständig abdichten.
Bislang war die Suche nach diesen Materialablagerungen eine aufwändige Tätigkeit für die Mitarbeitenden. Eine bildverarbeitende KI bietet nun eine Lösung: Um die Spritzer zuverlässig zu identifizieren, machen Kameras hochauflösende Aufnahmen an acht verschiedenen Stellen des Karosserieteils. Eine Lichtquelle markiert die entsprechenden Stellen, damit Mitarbeitende gezielt nachschleifen können. Im nächsten Automatisierungsschritt wird ein Roboterarm die Nacharbeit übernehmen.
Bis zu 30 Prozent Zeitersparnis bei Ausschreibungsanalysen
Seit kurzem setzt Audi auch bei Angebotsanalysen im Rahmen von Ausschreibungen auf KI. In kaum einem anderen Bereich sind Ausschreibungen so aufwändig wie in der Fertigungsplanung: Da kommen schon einmal 500 bis 1.000 Seiten Lastenheft von Audi und mehr als 100 Seiten Angebot je Lieferant zusammen. Wenn dann bei einer einzigen Ausschreibung rund 15 Angebote eingehen, sind die Planungsteams bei Audi viele Wochen beschäftigt.
"Tender Toucan", ein von Audi entwickeltes KI-gestütztes Tool, vereinfacht und beschleunigt den Ausschreibungsprozess. Im ersten Schritt erstellt es auf Basis des Lastenhefts eine Liste mit Anforderungen, die im Angebot enthalten sein müssen. Im zweiten Schritt sucht die Anwendung die passenden Abschnitte aus dem Angebot zusammen, gleicht deren Inhalte mit den Anforderungen ab und bewertet den Erfüllungsgrad. Die Mitarbeitenden in der Planung müssen dafür lediglich im ersten Schritt alle Dokumente in das Tool laden und die Checklisten überprüfen und bestätigen. Mit Hilfe von "Tender Toucan" können sie am Ende bis zu 30 Prozent ihrer Zeit sparen.
Baukasten für weitere Chatbots
Zeit sparen soll auch der sogenannte LLM Blueprint – ein Tool, um KI-Anwendungen in der Fläche, schnell und effizient umzusetzen. LLM steht für Large Language Models. Das sind große Sprachmodelle, die mit riesigen Datenmengen trainiert werden und die Basis für viele gängige Chatbots wie ChatGPT oder Gemini darstellen.
Der LLM Blueprint, den ein internes KI-Team bei Audi zusammen mit Microsoft entwickelt hat, stellt eine Art Baukastenprinzip für Chatbots dar. Damit hat das KI-Entwicklungsteam die Grundlage für schnelle, individuelle Chatbot-Lösungen über das gesamte Unternehmen hinweg geschaffen. Entwicklerteams müssen so neue Anwendungsideen nicht komplett von Null erstellen, sondern können auf dem aufbauen, was sie bereits für andere Anwendungsfälle entwickelt haben.

KI unterstützt im Designprozess
Auch bei kreativen Aufgaben kann KI die Mitarbeitenden bei Audi unterstützen: Die KI-basierte Software FelGAN, eine Eigenentwicklung der Unternehmens-IT und des Audi Designs, erstellt eine Vielzahl fotorealistischer Felgendesigns oder kombiniert bestehende Designs neu miteinander. Die Design-Teams erhalten auf diese Weise einen nahezu unbegrenzten Ideenfundus und können eigene Entwürfe und Fotos in das System integrieren.
Verantwortungsbewusster Umgang mit KI
Audi bekennt sich zum verantwortungsvollen und ordnungsgemäßen Umgang mit KI. Grundlage hierfür sind die Audi Verhaltensgrundsätze (Code of Conduct), eine Grundsatzerklärung, eine Betriebsvereinbarung und eine Unternehmensrichtlinie zu KI sowie eine Digitale Ethik. Diese Dokumente schreiben ethische und regulatorische Grundsätze fest, nach denen KI bei Audi entwickelt, genutzt und eingesetzt wird.
Aktuell etabliert Audi Prozesse im Unternehmen, um die Anforderungen des EU AI Act umfassend zu erfüllen. Der EU AI Act ist das weltweit erste umfassende Gesetz für KI-Systeme. Ziel der europäischen Verordnung ist es, klare Regeln für den Einsatz von KI zu schaffen und Innovation zu fördern. Dabei sollen europäische Werte gewahrt sowie Sicherheit, Gesundheit und Grundrechte geschützt werden.
Innerhalb des EU-Gesetzes spielt AI Literacy eine wichtige Rolle. Damit ist die Fähigkeit gemeint, KI zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und verantwortungsvoll zu nutzen. Bei Audi gibt es für Mitarbeitende ein vielfältiges Weiterbildungsangebot, so dass sie die Potenziale von KI nutzen und gleichzeitig deren Risiken erkennen und vermeiden können.

Arbeit und KI im Sinne der Beschäftigten menschlich gestalten: Andrea Nahles (m.), die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, zu Gast bei Jörg Schlagbauer (2.v.l.), dem Vorsitzenden des Audi Betriebsrats.
Arbeit und KI im Sinne der Beschäftigten menschlich gestalten: Andrea Nahles (m.), die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, zu Gast bei Jörg Schlagbauer (2.v.l.), dem Vorsitzenden des Audi Betriebsrats.
Kooperation mit Partnern
Als Schlüsseltechnologie von hoher Komplexität und starker Dynamik spielt KI schon heute eine immer wichtigere Rolle. Durch ihren gezielten Einsatz schafft Audi eine Produktionsumgebung, die nicht nur effizienter und kostengünstiger ist, sondern auch höchste Qualitätsstandards erfüllt.
KI unterstützt darüber hinaus die Entwicklung der Produkte sowie Geschäftsprozesse und Abläufe. KI kann in vielen Anwendungsfällen dem Menschen monotone Aufgaben abnehmen und wertvolle Unterstützung bei der Bewältigung komplexer Aufgaben bieten.
Um KI bestmöglich nutzbar zu machen, setzt Audi auf starke Partner vor allem innerhalb des Digitalen Ökosystems Heilbronn. Hinter dem Begriff Ökosystem steht der Zusammenschluss von Unternehmen, wissenschaftlichen Institutionen und dem Innovationspark für Künstliche Intelligenz (IPAI) . Das IPAI soll Europas größtes Netzwerk für KI werden und startet 2025 mit dem Bau eines 23-Hektar großen Campus. Audi ist seit 2023 Mitglied im IPAI.
Events und Awards: So holt sich Audi weitere KI‑Impulse
Audi nutzt weitere Formate, um neue Ideen aus dem Ökosystem und der Startup-Szene zu erhalten, mögliche Kooperationen zu bewerten und Kompetenzen auszubauen. Das Unternehmen engagiert sich unter anderem bei wichtigen KI-Events wie dem DeepRacer Cup, dem KI-Festival Heilbronn und dem Startup-Festival Slush´D. 2025 verleiht Audi gemeinsam mit dem Veranstalter Campus Founders den Co-Innovation Award. Mit dieser Auszeichnung werden Innovationen in wichtigen Geschäftsbereichen wie Entwicklung, Vertrieb, Produktion und Logistik mit dem Schwerpunkt KI gefördert. Der Gewinner des Awards erhält die Chance, sein Produkt bei Audi unter realen Bedingungen zu testen.


