#quattroroadtrip - HOKKAIDO CALLING

Drei Freerider unterwegs auf einer waghalsigen Reise durch Japan -  Jérémie Heitz (CH), Sam Smoothy (NZL) und  Dane Tudor (CAN).


Aufregend und intensiv - ein Roadtrip der besonderen Art: Begleiten Sie drei Freeride Profis bei der Entdeckung fremder Terrains auf ihrem Weg nach Hokkaido und erfahren Sie mehr im Erfahrungsbericht der neuseeländischen Freeride-Legende, Sam Smoothy.  
 

"Wir ziehen eine einzige Spur durch die stillen Ebenen, schneiden in die weiße Vollkommenheit eine dunkle Linie, die zu beiden Seiten von weichen Kreisen gesäumt wird, unser Aufstieg der einzige Hinweis auf menschliches Dasein um uns herum", Sam Smoothy.

 

Sam Smoothy (Text), Mason Mashon (Fotos).

Nächstes Ziel: Japan

Die Inselnation Japan ist Heimat von 127 Millionen Menschen und damit einer der am dichtesten besiedelten Orte der Erde. "Ist es möglich, einen Fleck zu finden, den noch kein Mensch betreten hat? Werde ich bisher Unbekanntes entdecken?", fragt sich Sam Smoothy.

 

 

Hokkaido ist die nördlichste der vier japanischen Hauptinseln. Als die Freerider in der Hauptstadt Sapporo ihre Ausrüstung zusammenstellen, versuchen Neonreklamen sie zum Shopping zu verleiten. Ganz oben auf der Liste: isolierte Gummistiefel mit Stahlspike-Sohlen. Auf den Straßen eine niemals endende Bewegung, Menschen, die an ihnen vorbeihetzen, fest mit ihren 4G-Hightech-Smartphones verbunden. "Sobald wir die Autos beladen haben, ergreifen wir die Flucht, nach Norden, weit weg vom Trubel und der Hektik, hinein in das Weiß", so Sam Smoothy.

Eine weiße, schneebedeckte Landschaft und ein sanftes Rauschen ziehen an den Sportlern vorbei. Jede Nacht fallen fünfzehn Zentimeter Neuschnee und jeden Tag wagen sie sich mit ihrer Ausrüstung in ein neues Gebiet dieses abgelegenen und brusttiefen Pulverschneehimmels. Der Schnee, der in seiner blendenden Schönheit jeden Laut, jeden Schmerz und jeden Kummer, jeden Ärger über die Welt da draußen vergessen lässt, lässt jedes einzelne Barthaar vor Kälte erstarren. Dreiundzwanzig Minuten dauert es, bis der Gesichtsschmuck der Freerider wieder enteist ist.

Aufsteigen. Freeriden. Sushi. Onsen. Und das Ganze wieder von vorn.

Ein trübes Bild menschlicher Zufriedenheit, eine schimmernde Fata Morgana, die sich im Dampf der plätschernden, von Holzwänden eingefassten heißen Quellen versteckt. Die Athleten wechseln von einem wolkenverhüllten Tal zum nächsten, wenden sich von den Menschenmengen ab und suchen im unberührten Freeride-Eldorado in Japan nach der schnellsten und extremsten Line.

 

Eine unvollendete Symmetrie erhebt sich vom Damm eines Wasserkraftwerks. Ein voluminöser Ausbruch gleichmäßig angelegter Betonterrassen, geziert von meterlangen samtigen Landeplätzen durchziehen diesen Powder-Highway durch Hokkaido. "Unsere ganz eigene Pyramide von Gizeh wartet nur darauf, von uns geplündert zu werden. Im absoluten Gegensatz zum Frieden, den wir unter den Bäumen gefunden haben, stürzen wir uns die wilde Buckelpiste hinunter, bevor wir über dunklen, eisigen Wassern zum Stehen kommen, die zur Bewegungslosigkeit erstarrt sind."

 

Die Athleten wählen einen weiteren abgelegenen sowie unberührten Bergpass als Route und schlagen sich mit ihren Kräften durch den immer höher werdenden Schnee. Erschöpft, aber durch und durch zufrieden, dösen sie Abend für Abend erschöpft ein oder lassen den Blick in die Ferne wandern, wo die Flocken vor ihren Wimpern einen filigranen Tanz aufführen. "Eine leise Andeutung eines Lächelns huscht über mein Gesicht, blind für alles vor vollkommener Träumerei", sagt Sam Smoothy.

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