Meaningful work - Umweltschutz - Tue Grünes und rede darüber!
Technik und Umweltschutz – wie passt das zusammen? Bei der Audi Stiftung für Umwelt ziemlich gut. Michael Hügel ist seit 2007 bei Audi und hat die Stiftung mit aufgebaut. Sein wichtigstes Projekt: Begeisterung für Umwelt schaffen, und das ohne erhobenen Zeigefinger.
„Ich pendle zwischen Büro, Homeoffice und frischer Luft.“ Egal von wo aus Michael Hügel arbeitet, er ist gerne von der Natur umgeben. Entweder bei lokalen Baumpflanzaktionen, die die Audi Stiftung für Umwelt organisiert, oder auch in seinem Homeoffice: Er lebt mit seiner Familie in einem Holzhaus. „Mir war es wichtig, beim Hausbau vor allem nachwachsende Baustoffe zu verwenden“, erklärt Hügel, für den Umweltschutz viel mehr ist als ein Nine-to-five-Job.
2007 startete Michael Hügel bei Audi, damals in der Abteilung Umweltmanagement. Den Schritt zu den Vier Ringen ging er sehr gezielt: „Ich wusste, bei einem Konzern wie Audi kann man etwas bewegen.“ Schon im Umweltmanagement stieß Michael Hügel das eine oder andere Umweltschutzprojekt an, quasi nebenbei. „Mein Chef und ich fragten uns, lange bevor das Umweltthema so aktuell wurde, wie wir Verantwortung auch über die Gesetze und Verordnungen hinaus wahrnehmen könnten.“ Und so entstand die Audi Stiftung für Umwelt.
Die Stiftung wurde 2009 bewusst als gemeinnützige Gesellschaft und 100-prozentige Tochter der AUDI AG gegründet. „Uns war es wichtig, dass bereits in der Namensgebung erkennbar wird, dass der Fokus auf Natur und Umweltthemen liegt.“
Die Gründung einer eigenständigen Umweltstiftung durch einen Automobilhersteller war damals eher ungewöhnlich und stellte innerhalb der Branche eine Besonderheit dar.
Natur und Technik im Verbund
Zunächst konzentrierte sich die Audi Stiftung für Umwelt auf naturbezogene Projekte zu Umweltschutz und Artenvielfalt, wie beispielsweise das Gründungsprojekt „Eichenwald“: „Wir haben dabei nicht einfach wild Bäume gepflanzt, sondern uns gemeinsam mit der Technischen Universität München gefragt: Wie können wir Bäume so pflanzen, dass wir eine möglichst hohe Kohlenstoffbindung bei gleichzeitig hoher Biodiversität erreichen?“, sagt Hügel. Im Zuge der Internationalisierung dieses langfristigen Forschungsansatzes wurden bislang mehr als 100.000 Eichen nahe der Standorte Brüssel, Győr, Sant’Agata Bolognese, Neckarsulm, Ingolstadt und San Jose Chiapa im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen gepflanzt. Einige davon wurden mit Sensoren ausgestattet, um ohne Vor-Ort-Besuche die Entwicklung der Bäume analysieren zu können. Im Laufe der Zeit kamen verstärkt Projekte hinzu, bei denen der Umweltschutz mit der Audi DNA – und damit auch mit „Vorsprung durch Technik“ – verbunden wurde. Daraus entstand beispielsweise das heutige Handlungsfeld „Greenovation“, das Projekte zur Entwicklung und Erprobung neuer technologischer Ansätze im Umwelt- und Naturschutzbereich unterstützt und deren Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht.
So half die Stiftung unter der Projektleitung von Hügel dem bayerischen Landesbund für Vogelschutz (LBV), die Weiterentwicklung einer stationären Telemetrie-Technik zu unterstützen, mit der Aufenthaltsorte, Aktivitätsmuster und Verlustereignisse von Brachvogelküken genauer erfasst werden können. Die daraus gewonnenen Daten helfen dem LBV, Schutzmaßnahmen wie Mahdverschiebungen, Besucherlenkung und Lebensraumanpassungen gezielter abzuleiten. In einem Pilotprojekt im Altmühltal wurden deshalb Küken mit eben dieser Technologie ausgestattet. Damit lassen sich die Bewegungen der Vögel beobachten und gezielte Schutzmaßnahmen ableiten.
„Uns war es wichtig zu zeigen: Die Umwelt steht hier im Vordergrund.“
Seit 2019 unterstützt das Team um Michael Hügel das deutsch-indische Start-up Nunam. Nunam hat es sich zur Aufgabe gemacht, bereits genutzten Lithium-Ionen-Batterien ein zweites Leben zu geben – mit dem Ziel, neue Lösungen zur Weiterverwendung von Batterien aufzuzeigen und zu erproben und so eine Energiespeicherung zu ermöglichen. Begonnen hat die Zusammenarbeit mit Stromspeichern aus gebrauchten Laptop-Batterien, mit denen Obststände von Straßenhändlern in Indien beleuchtet wurden. Im neuesten Projektmeilenstein hat Nunam aus Batteriemodulen ausrangierter Testfahrzeuge einen stationären Stromspeicher für eine Rikscha-Ladestation in Indien aufgebaut. Die E-Rikschas können dort über eine solarbetriebene Ladeinfrastruktur geladen werden. Die Initiative soll dazu beitragen, die Mobilität dörflicher Produktionsgemeinschaften zu verbessern und zusätzliche Einkommensmöglichkeiten zu erschließen, insbesondere für indigene Frauen.
Ein weiteres Projekt, auf das Michael Hügel sehr stolz ist, steht bei ihm zu Hause im Holzregal seines Homeoffice zwischen Umweltfachbüchern. Es hat 145 Seiten, wurde nach den Regeln der Kreislaufwirtschaft hergestellt und ist zu 100 Prozent recyclingfähig: das Buch „Greenovation“.
Alle können mitmachen
„Natürlich interessiert mich die Zukunft, ich will schließlich den Rest meines Lebens darin verbringen.“ Diese Worte Mark Twains zieren die erste Seite des „Greenovation“-Buches. „50 Ideen und Technologien für eine lebenswerte Zukunft“ – so der Untertitel – sowie Lifehacks für den Alltag sind in der Fibel für Umweltbewusstsein enthalten, plus zahlreiche weitere inspirierende Themen: Wie man Abfallprodukte richtig upcycelt (also in neuwertige Produkte umwandelt). Wie man smart Wasser spart. Und was Technik von der Natur lernen kann. Das Buch entstand unter der Projektleitung von Michael Hügel. „Mir ist es nicht nur wichtig, Projekte anzustoßen. Wir wollen ein Bewusstsein schaffen und Begeisterung für den Umweltschutz wecken, aber das undogmatisch und ohne erhobenen Zeigefinger. Das Unternehmen bietet dafür eine sehr gute Plattform. Frei nach dem Motto: Tue Grünes und rede darüber.“