Jeder Mensch hat Rechte
Global agierende Unternehmen haben die Verantwortung und Verpflichtung, Menschenrechte in ihren Geschäftsbeziehungen und an allen Standorten weltweit zu achten. Wie Audi das macht, erklären Jasmin Lotze, Compliance-Referentin für das Thema Wirtschaft und Menschenrechte, und Sarah Schwellinger, zuständig für die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien in der Lieferkette bei Audi.
“Audi hat weltweit mehr als 40 Gesellschaften mit mehr als 80.000 Mitarbeitenden und Zehntausenden von Geschäftspartnern – das Unternehmen hat also eine extrem große Verantwortung.”
Jasmin Lotze, Compliance-Referentin für das Thema Wirtschaft und Menschenrechte.
Die konsequente Achtung der Menschenrechte entspricht dem Selbstverständnis von Audi. Deshalb ist sie in den Audi Verhaltensgrundsätzen (Code of Conduct) verankert, die verbindlich für alle Audi Beschäftigten gelten. „Unser Ziel ist, dass wir die Achtung der Menschenrechte in unseren Prozessen berücksichtigen. Das Audi Compliance-Management-System (CMS) hilft bei der systematischen Umsetzung, zum Beispiel durch die Schaffung und Förderung einer Compliance- und Integritätskultur, Risikoanalysen und die Sensibilisierung von Mitarbeitenden und Partnern mittels Trainings", sagt Jasmin Lotze.
Priorisierung nach Risiken
„Tatsächlich beinhaltet der Begriff ‚Menschenrechte‘ eine Fülle an Themen, beispielsweise das Recht auf Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, das Recht, nicht diskriminiert zu werden, aber natürlich auch das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit“, sagt Jasmin Lotze.
Die global agierende Automobilindustrie gilt als Branche mit hohen menschenrechtlichen Risiken. Daher beteiligt sich Audi aktiv im „Branchendialog Automobilindustrie zur Achtung der Menschenrechte entlang der globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten“ – gemeinsam mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Beispielsweise wurden in dessen Rahmen gemeinsam branchenspezifische Handlungsanleitungen zu den Kernelementen menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten erarbeitet, welche auf der Website des BMAS veröffentlicht sind. Und auch entlang der Wertschöpfungskette hat die Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten Relevanz.
Ein gemeinsames Wertesystem leben
In Zeiten der Globalisierung und einer stetig komplexer werdenden Lieferkette beeinflusst das Unternehmen die Arbeitsbedingungen von Beschäftigten weltweit. Sarah Schwellinger, zuständig für die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien in der Lieferkette bei Audi, ordnet ein: „Auf alle Menschen, die in der Lieferkette beteiligt sind, deren Arbeit, Leben und Familien, haben wir meist indirekten, teils sogar direkten Einfluss.“ Das ist eine große Verantwortung.
Die Herausforderungen in der Lieferkette sind groß: Mehr als 12.300 Zulieferfirmen aus mehr 59 Ländern der Welt müssen in einem gemeinsamen Wertesystem integriert und gemanagt werden. Der Code of Conduct für Geschäftspartner des Volkswagen Konzerns fasst dabei zusammen, welche Erwartungen wir an unsere Partner stellen.
S-Rating als Prüfinstrument
Zentrales Instrument zur Überprüfung definierter Anforderungen, z. B. zu Menschenrechten, Arbeitsbedingungen, Arbeitsschutz, Unternehmensethik, Umweltaspekten und Lieferkettenmanagement ist das „Sustainability-Rating“ (S-Rating). Ein positives S‑Rating ist grundsätzlich eine wesentliche Voraussetzung für die Aufnahme bzw. Fortführung einer Zusammenarbeit, vorbehaltlich der jeweils geltenden konzerninternen Vorgaben und Prozesse.
Wenn beispielsweise im Rahmen eines Vor-Ort-Audits festgestellt wird, dass im Brandschutz keine Vorkehrungen getroffen wurden, Feuerlöscher defekt oder falsch montiert waren oder die Fluchtwege versperrt sind, führt dies zu einem negativen Rating. „Das ist keine Kleinigkeit, sondern gefährdet im Ernstfall Menschenleben“, so Sarah Schwellinger. Gefahrenquellen wie diese müssen umgehend beseitigt werden. Dafür ist ein entsprechender Nachweis zu erbringen. Gelingt die Behebung dieser Mängel nicht, kann Audi die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten beenden. „Es geht nicht nur darum, Probleme aufzudecken, sondern diese auch gemeinsam zu lösen“, stellt sie klar.
“Wichtig ist, dass in diesen Initiativen auch Betroffene oder deren Vertreter präsent sind.”
Missstände gemeinsam bekämpfen
Um Menschenrechte in der Lieferkette zu verankern, nutzt Audi nicht nur vertragliche Vorgaben, risikobasierte Bewertungen und Prüfprozesse – sondern setzt auch auf Allianzen und die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, der Zivilgesellschaft und Rechteinhabenden.
So ist Audi Mitglied in der der Aluminium Stewardship Initiative (ASI), die sich beispielsweise mit dem Schutz von Menschenrechten beim Abbau von Bauxit befasst. Schließlich ist die Automobilindustrie weltweit abhängig von Rohstoffen wie Bauxit, Lithium oder Kupfer, die unter anderem in Regionen mit schwacher staatlicher Regulierung abgebaut werden. In einem Verbund namhafter Unternehmen werden Lösungen erarbeitet und Maßnahmen beschlossen, die nur gemeinsam umgesetzt werden können. „Wichtig ist, dass in diesen Initiativen auch Betroffene oder deren Vertreter präsent sind“, erläutert Sarah Schwellinger. „Am Ende des Tages müssen sich unsere Aktivitäten darauf fokussieren, Hinweise und Perspektiven potenziell betroffener Gruppen zu hören und in die Bewertung von Risiken und Maßnahmen einzubeziehen. Bei ASI sind Vertreter indigener Völker ein fester Bestandteil der Organisationsstruktur. Aber auch der Austausch mit Gewerkschaftsvertretern spielt eine wichtige Rolle.“
Risiken und Hinweise auf potenzielle Verstöße
Trotz umfangreicher Vorgaben und Kontrollmaßnahmen kann es in komplexen Lieferketten zu Risiken oder Verletzungen von menschenrechtlichen oder umweltbezogenen Standards kommen. „Wir können nicht alles kontrollieren. Aus diesem Grund ist es uns wichtig, ein offenes Ohr für mögliche Probleme in unseren Lieferketten zu haben“, ergänzt Sarah Schwellinger. Über das Audi Hinweisgebersystem können Hinweise auf potenzielle Verstöße gegen den Code of Conduct für Geschäftspartner gemeldet werden – diese Möglichkeit steht jedem offen und ist auch anonym möglich. Gemeinsam mit einem Team aus Experten suchen wir dann im Einzelfall nach geeigneten Maßnahmen und Lösungen.
Dass all diese Maßnahmen zur Achtung der Menschenrechte im Rahmen unternehmerischer Verantwortung dauerhaftes und beharrliches Engagement erfordern, ist Jasmin Lotze bewusst: „Als global agierendes Unternehmen müssen wir selbstverständlich darauf achten, in unserem eigenen Wirkungsbereich Prozesse so zu gestalten, dass sie mit den internationalen Konventionen zum Schutz der Menschenrechte in Einklang sind. Letztlich geht es darum, den Menschen und die Achtung seiner Rechte in den Mittelpunkt zu stellen.“
Audi bietet folgende Möglichkeiten für Beschwerden und Hinweise zu potenziellen Verletzungen von Menschenrechten:

