Vom Konzept zur Realität: Wie Audi die nächste Generation der agilen Softwareentwicklung gestaltet

Alexander Lang sitzt mit drei Kollegen an einem Tisch und lächelt

Alexander Lang arbeitet als Project Lead bei Audi und verantwortet die vollumfängliche Steuerung der ersten Generation der SDV-Architektur. Gemeinsam mit internationalen Partnern gestaltet er agile Entwicklungsprozesse, integriert komplexe Steuergeräte in eine zukunftsfähige Plattform.
Im Interview spricht er über die Herausforderungen dieser Veränderungen sowie über neue Zusammenarbeitsformen und die zentrale Bedeutung von Vertrauen, Teamgeist und Mut in Transformationsprojekten.

Wie bist du zu Audi gekommen?

Alexander: Die Begeisterung für Audi begleitet mich schon seit meiner Kindheit. Mein Vater war überzeugter Audi Fahrer – und mich haben damals vor allem das Design und die Technik fasziniert. Zudem war mein erstes eigenes Auto ein Audi, genauer gesagt ein weinroter Audi A3 der ersten Generation. Seitdem fühle ich mich den vier Ringen verbunden.

Für mich war klar: Nach dem Studium möchte ich unbedingt zu Audi. Und mit der Diplomarbeit im Bereich der Produktion zur Methodensimulation ist der Einstieg auch gelungen. Dort habe ich unmittelbar erlebt, wie eng Technik und Design bei Audi zusammenarbeiten und wie besonders und familiär die Kultur ist.

Heute bin ich Project Lead und trage bei Audi die Gesamtverantwortung für die Steuerung der SDV 0.1 Architektur – mit einem klaren Fokus auf Technik, Terminsteuerung, Kostenkontrolle und Qualitätssicherung.

„Wir gestalten die Softwarearchitektur von morgen – agil, vernetzt und mit dem Anspruch, komplexe Systeme zuverlässig zu integrieren.“

Alexander Lang, Projektleiter Elektrik / Elektronik SDV0.1 bei Audi
Auto-Gehäuse in einem SDV Lab
SDV-Lab - Prüfplatz ohne Karosserie, ausgestattet mit Steuergeräten, Kabeln und Großrechnern.
Alexander zeigt zwei seiner Kollegen etwas an einem Gerät
Besprechungen am SDV-Lab. Hier wird die Software-Architektur in einer realistischen Umgebung aufgebaut, bevor sie ins Fahrzeug kommt.

Woran arbeitest du aktuell?

Alexander: Aktuell arbeite ich gemeinsam mit Rivian & Volkswagen Group Technologies (RV Tech) an der Softwarearchitektur unseres ersten vollumfänglichen SDV Modells.

In einem integrierten, cross-funktionalen Team treiben wir die agile Implementierung der Software voran. Unser Fokus liegt sowohl auf der Industrialisierung der Architektur als auch auf dem schrittweisen Funktions Ramp up für kommende Fahrzeugprojekte – immer mit dem Anspruch, die Audi DNA konsequent in der Software abzubilden.

Ein weiterer Bestandteil meiner Aufgabe ist die konzernweite Abstimmung im SDV Umfeld. Ziel ist es, architektonische Entscheidungen, Entwicklungsprozesse und Schnittstellen so zu synchronisieren, dass eine skalierbare, updatefähige und zukunftssichere Softwareplattform entsteht.

Was heißt das konkret?

Alexander: Im Moment liegt der Fokus auf der Integration der Zonensteuergeräte von RV Tech und unserer Audi Steuergeräte in die neue Architektur. Meine Aufgabe ist es, diese Komponenten mit ihrer Hardware und Software zusammenzubringen – technisch und organisatorisch. Das ist anspruchsvoll, weil die gesamte Architektur nur zusammen funktioniert, wenn alle Steuergeräte in der Architektur kompatibel miteinander kommunizieren. Dafür greifen wir frühzeitig im Projekt in die Basis-Software ein, damit alle Steuergeräte die gleiche Sprache sprechen.

Ein wichtiger Meilenstein war das sogenannte SDV-Lab – ein Prüfplatz ohne Karosserie, ausgestattet mit Steuergeräten, Kabeln und den Großrechnern. Dort entwickeln und prüfen wir die Architektur in einer realistischen Umgebung, bevor sie ins Fahrzeug kommt. Wir sehen das SDV-Lab als Nukleus für die Entwicklerteams, dort kommen alle zusammen und arbeiten gemeinsam an der Software von morgen.

Alexander Lang - Projektleiter Elektrik / Elektronik SDV0.1 bei Audi

„Software ist heute das zentrale Nervensystem des Fahrzeugs. Unsere Aufgabe: eine Architektur schaffen, die flexibel, skalierbar und zukunftsfähig ist.“

Alexander Lang, Projektleiter Elektrik / Elektronik SDV0.1 bei Audi

Arbeitet ihr mit innovativen Methoden? Wo setzt ihr z. B. KI ein?

Alexander: Ja, auf jeden Fall. Wir orientieren uns an den Methoden für Software-defined Vehicles und nutzen moderne Architektur- und Entwicklungsprozesse.

Künstliche Intelligenz spielt dabei eine wichtige Rolle – zum Beispiel, wenn es um die Verarbeitung großer Datenmengen geht. Diese Daten manuell für den spezifischen Anwendungsfall zu sortieren, wäre nicht effizient.

Das beschleunigt unsere Arbeit enorm und sorgt dafür, dass wir komplexe Integrationsaufgaben deutlich schneller und präziser umsetzen können.

Durch deine Zusammenarbeit mit Rivian & Volkswagen Group Technologies bist du auch öfter in den USA. Wie erlebst du die Zusammenarbeit? Was nimmst du mit?

Alexander: Mir gefällt die Zusammenarbeit extrem gut, weil die Arbeitsweise dort hervorragend zu meiner eigenen passt. Ich bin jemand, der lieber jeden Tag konkrete technische Aufgaben löst, statt stundenlang über den perfekten Terminplan zu sprechen.

In den USA ist das Mindset ein anderes: Dort plant man nicht drei Jahre im Voraus, sondern arbeitet in klaren Quartalsrhythmen. Die Teams nehmen sich für drei bis vier Monate konkrete Ziele vor und setzen diese agil um – mit einem tollen Spirit und viel Fokus auf Ergebnissen.

Dieses pragmatische Vorgehen begeistert mich, weil es Dynamik und Geschwindigkeit in die Projekte bringt. Für mich ist jeder Besuch eine Bereicherung: Ich nehme nicht nur fachliche Impulse mit, sondern auch die Energie und den Teamgeist, die dort spürbar sind.

Alexander zeigt zwei Kollegen etwas an einem Whiteboard
Entscheidender Erfolgsfaktor ist das Team. Es ziehen alle an einem Strang.
Alexander sitzt im Auto und hat eine Hand am MMI-Display
Arbeiten in der Softwareentwicklung: Anforderungen, Umsetzung und Test erfolgen in schnellen Zyklen.

Was nehmt ihr daraus mit für eure eigene Zusammenarbeit?

Alexander: Wir stellen uns Schritt für Schritt auf die neuen Arbeitsweisen ein – angefangen bei grundlegenden Dingen wie unserer Arbeitszeit, um die Zeitverschiebung von neun Stunden auszugleichen. Gleichzeitig wollen wir den hohen Takt der Softwareentwicklung mitgehen und auch mitgestalten.

In der Softwareentwicklung arbeiten wir bereits heute anders: Anforderungen, Umsetzung und Tests erfolgen in sehr schnellen Zyklen – teilweise innerhalb von 24 Stunden. Das ist ein völlig anderes Tempo, und wir lernen gerade, diese Denkweise zu übernehmen.

Unser Ziel ist nicht, die Geschwindigkeit eins zu eins zu kopieren, sondern gemeinsam mit unseren Partnern agile Methoden einzuführen und unsere Prozesse so anzupassen, dass wir schneller reagieren können und regelmäßige Software-Updates möglich werden.

Ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor dabei ist das Team. Wir ziehen hier als Team wirklich an einem Strang – und genau das macht den Unterschied. Ohne ein funktionierendes, vertrauensvolles Team lassen sich die hohe Geschwindigkeit und Qualität nicht nachhaltig realisieren. Jeder bringt seine Stärken ein und wir unterstützen uns gegenseitig. Diese gemeinsame Haltung schafft Verlässlichkeit, Motivation und letztlich auch die Erfolge, die wir sehen.

Es ist ein spannender Transformationsprozess, der uns agiler macht und gleichzeitig die Qualität sichert – und genau das begeistert mich an dieser Aufgabe.

Was treibt dich in deinem Job an? Woraus ziehst du deine Motivation?

Alexander: Mich motivieren vor allem technische Neuerungen – und die Möglichkeit, aktiv mitzugestalten. Das beginnt bei der Entwicklung neuer Technologien und reicht bis zur Transformation unserer Arbeitsweisen. Diese Bandbreite bietet unglaublich viel Gestaltungsraum, und genau das liebe ich.

Besonders spannend ist für mich, andere auf diesem Weg mitzunehmen. Am Anfang gibt es häufig Skepsis – das ist völlig normal. Aber wenn man erklären kann, warum wir Dinge anders machen und welchen Sinn das hat, dann kommt der Moment, in dem die Teams anfangen, selbstständig mit neuen Methoden an komplexen technischen Themen zu arbeiten.

Diese kleinen Erfolgserlebnisse geben mir Energie. Natürlich ist es herausfordernd, weil wir auch mal die Komfortzone verlassen.

Alexander Lang hat die Hände in den Hosentaschen, lächelt in die Kamera und ist an eine Wand gelehnt

„Mich motivieren technische Neuerungen – und die Möglichkeit, aktiv mitzugestalten.“

Alexander Lang, Projektleiter Elektrik / Elektronik SDV0.1 bei Audi

Gibt es einen besonderen Audi Tech-Moment, den du beschreiben kannst?

Alexander: Ja, da gibt es schon ein paar. Aber besonders beeindruckend finde ich, was wir in den letzten Monaten in der Kooperation mit Rivian & Volkswagen Group Technologies gemeinsam geschafft haben.

Wir beheben im Entwicklungsprozess die Fehler in der Software gemeinsam teilweise in wenigen Minuten, das ist schon ein ordentlicher Speed. Keine langen Kommunikationsketten – einfach direkte Zusammenarbeit mit den Experten für die Software.  Das zeigt, was agile Methoden und kurze Wege bewirken können.

Für mich sind solche Momente der Beweis, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wie spiegeln sich die Audi Werte – Vertrauen, Verantwortung, Mut und Begeisterung – in eurer täglichen Arbeit wieder?

Alexander: Veränderung ist immer eine Herausforderung, gerade wenn neue Technologien und Methoden eingeführt werden. Für uns bedeutet das, mutig zu sein und gewohnte Strukturen zu hinterfragen. Ein gutes Beispiel ist das erste SDV-Lab für die neue Architektur: eine neue Testumgebung, die wir in kürzester Zeit gemeinsam aufgebaut haben und in der wir erfolgreich Tests durchführen, um die Architektur und Software frühzeitig zu stabilisieren.

Das hat nur funktioniert, weil alle Beteiligten bereit waren, Verantwortung zu übernehmen und Vertrauen zu geben – in das Team und in die neue Methode. Am Anfang gab es viele Fragen und auch Zurückhaltung, doch durch offene Kommunikation und gemeinsames Arbeiten konnten wir die Vorteile aufzeigen und alle mitnehmen.

Heute steht das SDV-Lab und ist ein zentraler Baustein für unsere Softwareentwicklung. Wir bringen die Software bereits in dieser frühen Entwicklungsphase über Over-the-Air auf die Testinstanz. Für mich ist das ein Moment, der zeigt: mit Mut, Vertrauen und Begeisterung können wir große Veränderungen erfolgreich umsetzen.