Audi-Studie zeigt 5 Nutzertypen des autonomen Fahrens

Misstrauischer Selbstfahrer oder technikaffiner Passagier? Die Initiative &Audi hat untersucht, was die Menschen über autonomes Fahren denken. 21.000 Befragte auf drei Kontinenten geben Einblicke in ihre Einstellung zu selbstfahrenden Autos.

25.09.2019 Lesezeit: 7 min

Straße durch Stadt

Was steckt hinter der Studie?

In der repräsentativen Onlinestudie „The Pulse of Autonomous Driving“ hat Audi im Rahmen der Initiative &Audi eine Nutzertypologie zum autonomen Fahren erstellt. Gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Ipsos hat die Initiative 21.000 Menschen aus China, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Spanien, Südkorea, USA und dem Vereinigten Königreich befragt – und untersucht, wie rationale Argumente, Emotionen, Wertvorstellungen und Lebensstile die Einstellung zum autonomen Fahren prägen.

Was denken die Menschen über autonomes Fahren?

Autonomes Fahren ist länderübergreifend ein Topthema: 90 Prozent der Befragten kennen die Technologie. Es gibt großes Interesse und hohe Neugier am autonomen Fahren. 22 Prozent geben an, viel über selbstfahrende Autos zu wissen. Doch nur acht Prozent trauen sich zu, das Thema zu erklären. Probieren geht über Studieren – nach dieser Devise würde mehr als die Hälfte der Befragten autonomes Fahren gerne testen. Hohe Nutzungsbereitschaft zeigt sich bei Vielfahrern und regelmäßigen Nutzern von Fahrerassistenzsystemen.

82 %

haben Interesse am autonomen Fahren

62 %

sind neugierig auf die Technologie

53 %

würden autonomes Fahren ausprobieren

Portrait Dr. Luciano Floridi

Dr. Luciano Floridi, Oxford Internet Institute, Professor für Philosophie und Informations-Ethik, Leiter des Labors für digitale Ethik an der Universität Oxford und Mitglied des wissenschaftlichen Netzwerks der Initiative &Audi. (Foto: Ian Scott)

„Die Studie ist mehr als eine willkommene Ergänzung unserer Kenntnisse über das Phänomen autonomes Fahren, sie ist ein notwendiger Schritt für jegliche politische und gesetzgeberische Entscheidung und für jede Forschungs- und Entwicklungsstrategie sowie Unternehmensstrategie, die proaktiv und fundiert zur Gestaltung einer besseren Welt beitragen will.“

Welche Vorteile sehen die Befragten?

Die Menschen sehen Potenzial für sich selbst, wie etwa mehr Komfort und mehr Sicherheit. Aber auch für die Gesellschaft: Sie erhoffen sich einen leichteren Zugang zu Mobilität für Kinder, Ältere, Menschen mit Behinderung oder Personen, die keinen Führerschein haben. Insbesondere regelmäßige Nutzer von Car- und Ridesharing Angeboten sehen hier Potenzial.

Wenn das Auto die Fahraufgabe übernimmt, hat der Mensch Hände und Kopf frei für andere Dinge, die ihm wichtig sind. Doch was anfangen mit der gewonnenen Zeit? Das größte Interesse besteht daran, die Aussicht zu genießen, zu lesen, Musik zu hören oder Filme zu schauen, gefolgt von Gesprächen mit anderen Fahrgästen. Aktive Tätigkeiten wie Fitnessübungen oder das Anprobieren von Kleidung können sich die Befragten weniger vorstellen.

Infografik

Welche Bedenken haben die Studienteilnehmer?

Es zeigen sich aber auch klare Bedenken: 41 Prozent der Befragten stehen der Technologie misstrauisch gegenüber und etwa ein Drittel ist ängstlich. Die Menschen haben Respekt davor, die Kontrolle an das Auto abzugeben – immerhin handelt es sich hierbei um einen großen Schritt im Mensch-Maschine-Verhältnis. Sie sind besorgt, ob das Auto auch alle Situationen selbstständig einschätzt kann.

Infografik

Berichte über Unfälle mit automatisiert fahrenden Autos hingegen hinterlassen nur wenig Eindruck: 55 Prozent der befragten Personen haben von Unfällen gehört. Bei knapp zwei von drei dieser Befragten haben die Berichte zu keiner Einstellungsänderung zum autonomen Fahren geführt.

Sind die Menschen bereit für autonom fahrende Autos?

Der Human-Readiness-Index (HRI) gibt Aufschluss darüber, wie die Einstellung zum autonomen Fahren mit der Soziodemografie zusammenhängt. Jung, gutverdienend und gut ausgebildet – das sind die Menschen, die sich am meisten auf das autonome Fahren freuen.

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Auch zwischen den Ländern zeigen sich Unterschiede: Chinesen sind euphorisch und auch Südkoreaner blicken der Technologie überdurchschnittlich positiv entgegen. In Europa sind Spanier und Italiener Vorreiter. Deutsche und Franzosen sind vergleichsweise zurückhaltend, ähnlich wie US-Amerikaner, Japaner und Briten.

Welcher Nutzertyp freut sich am meisten auf selbstfahrende Autos?

Noch größere Unterschiede zeigt die Nutzertypologie, indem sie die Einstellung zum autonomen Fahren im Lebenskontext der Menschen betrachtet – also unter Berücksichtigung der leitenden Werte und des Lebensstils. Diese länderübergreifende Betrachtung ergibt fünf Nutzertypen, von abweisend bis begeistert.

Der misstrauische Selbstfahrer
Illustration Nutzertyp 1

Interesse am autonomen Fahren? Beim misstrauischen Selbstfahrer Fehlanzeige. Dieser Typ greift lieber selbst zum Lenkrad. Als Sicherheitsfan steht er Unbekanntem grundsätzlich kritisch gegenüber – dies gilt auch für neue Technologien. Er bevorzugt den Status quo. Der misstrauische Selbstfahrer hat keine emotionale Bindung zum Auto. Für ihn ist das Auto ein Gebrauchsgegenstand, um alltägliche Dinge zu erledigen. Neueste Technik braucht er dafür nicht. Mit selbstfahrenden Autos würde er sich erst dann auseinandersetzen, wenn die große Mehrheit auf den Straßen bereits autonom fährt. 14 Prozent der Befragten sind diesem Typ zuzuordnen. Besonders häufig trifft man den misstrauischen Selbstfahrer in Deutschland (26 Prozent), den USA (23 Prozent) und Frankreich (21 Prozent). Der Human-Readiness-Index (HRI) des misstrauischen Selbstfahrers beträgt –8,4.

Der sicherheitsorientierte Zögerer
Illustration Nutzertyp 2

Der sicherheitsorientierte Zögerer steht dem autonomen Fahren eher zurückhaltend gegenüber. Die Technologie interessiert ihn wenig und er weiß auch nicht viel darüber. Autos misst er im Allgemeinen nur eine geringe Bedeutung bei. Ein wenig neugierig ist er dennoch: So kann er sich vorstellen, dass das Auto im Stau auf der Autobahn die Kontrolle übernimmt, solange er jederzeit eingreifen kann, und beim Einparken. Das macht deutlich: Sicherheit ist für ihn zentral, Abenteuer sucht er weniger. Der Typ macht mit 24 Prozent der Befragten die zweitgrößte Gruppe der Typologie aus. Der sicherheitsorientierte Zögerer ist insbesondere in Japan (31 Prozent), Frankreich (30 Prozent) und im Vereinigten Königreich (28 Prozent) zu finden. Sein Human-Readiness-Index (HRI) ist –2,8.

Der aufgeschlossene Co-Pilot
Illustration Nutzertyp 3

Der aufgeschlossene Co-Pilot betrachtet autonomes Fahren grundsätzlich positiv. Doch für ihn gibt es nicht nur Schwarz oder Weiß. So verspricht er sich von autonom fahrenden Autos einerseits mehr Sicherheit und mehr Fahrkomfort, will aber andererseits stets die Möglichkeit haben, die Kontrolle zu übernehmen. Am liebsten würde der aufgeschlossene Co-Pilot im eigenen Auto autonom fahren. Dabei ist ihm wichtig, dass selbstfahrende Autos zuvor in realen Situationen auf öffentlichen Straßen getestet wurden, am besten unter verschiedenen Wetter- und Straßenbedingungen. 30 Prozent der Befragten zählen zu dem aufgeschlossenen Co-Piloten. Sie bilden die größte Nutzergruppe und sind insbesondere in Südkorea (37 Prozent), Japan (35 Prozent), Italien (33 Prozent) und Spanien (32 Prozent) präsent. Der Human-Readiness-Index (HRI) des aufgeschlossenen Co-Piloten ist +1,3.

Der statusorientierte Trendsetter
Illustration Nutzertyp 4

Das Leben kann immer noch besser werden: Auf der Suche nach Spannung und Abenteuer kommen dem statusorientierten Trendsetter neue Technologien gerade recht. So zeigt er sich auch offen, autonomes Fahren auszuprobieren. Mehr als andere glaubt der statusorientierte Trendsetter, dass die Nutzung sein Image verbessern wird. Dennoch blickt er reflektiert auf die Technologie: Sicherheitsaspekte stuft er kritischer ein als viele andere. Er möchte mehr über die Systeme und die Algorithmen erfahren. Letztlich ist der Trendsetter überzeugt: Wenn sich namhafte Hersteller um die Entwicklung kümmern, wird sich die Technologie durchsetzen. Insgesamt sind 16 Prozent der Befragten statusorientierte Trendsetter. Besonders häufig ist der Typ in Südkorea (28 Prozent) und den USA (22 Prozent) vertreten. Der statusorientierte Trendsetter hat einen Human-Readiness-Index (HRI) von +3,3.

Der technikaffine Passagier
Illustration Nutzertyp 5

Der technikaffine Passagier möchte am besten schon heute in selbstfahrende Autos einsteigen. Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, bis das autonome Fahren Realität wird. In seinem Leben spielen Offenheit und Flexibilität eine zentrale Rolle. Der technikaffine Passagier ist der einzige Nutzertyp, für den der Kontrollverlust nicht das Hauptbedenken ist. Eher macht er sich über Fragen wie den fehlenden Rechtsrahmen Gedanken. Als Technologiefan hat er keine Angst davor, nur Passagier zu sein, und glaubt an die positiven Auswirkungen, wie einen leichteren Zugang zu Mobilität, mehr Komfort und allen voran mehr Sicherheit auf den Straßen. Der technikaffine Passagier ist sehr umweltbewusst. Insgesamt sind 16 Prozent der Befragten technikaffine Passagiere. Besonders häufig sind sie in China (46 Prozent) zu finden. Der Human-Readiness-Index (HRI) des technikaffinen Passagiers ist +8,4.

Portrait Thomas Müller

Thomas Müller, Leiter automatisiertes Fahren bei Audi

„Das automatisierte und autonome Fahren hat das Potenzial, unsere Mobilität substanziell zu verbessern. Auf dem Weg dorthin ist es neben der technischen Entwicklung auch entscheidend, die Menschen mitzunehmen. Die Studie liefert uns differenzierte Erkenntnisse dazu, wo die Menschen in Bezug auf das autonome Fahren stehen und wie wir in der Gesellschaft eine angemessene Erwartungshaltung zu der neuen Technologie etablieren können.“

Was können wir aus der Studie lernen?

Die Studie identifiziert zentrale Handlungsfelder, die über die gesellschaftliche Akzeptanz von autonomen Fahren mitentscheiden:

Wissen stärken

Die Ergebnisse zeigen, es gibt Nachholbedarf beim Wissen über das autonome Fahren. Es besteht Potenzial, die Kenntnisse über technische Aspekte, den gesellschaftlichen Nutzen der Technologie und ihre Grenzen zu stärken. Ziel ist, eine angemessene Erwartungshaltung zu den Möglichkeiten und Grenzen der Technologie in der Gesellschaft zu etablieren.

Bedürfnisse ansprechen

Die Nutzertypologie macht Unterschiede bei den Einstellungen zum autonomen Fahren in Abhängigkeit vom Lebenskontext der Menschen deutlich. Diesen unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen sollte mit spezifischen Angeboten des autonomen Fahrens begegnet werden – von Informationen bis zu Technologieerfahrung.

Gemeinsam gestalten

Zertifizierte Sicherheit, rechtliche Rahmenbedingungen, zuverlässige Technologie: Die Befragung zeigt, welche Maßnahmen das Vertrauen in autonomes Fahren stärken würden. Dabei wird deutlich: Um den Hoffnungen und Forderungen der Menschen zu begegnen, bedarf es eines interdisziplinären Zusammenspiels von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und anderen gesellschaftlichen Stakeholdern.

Studie zum Download

Studie im Überblick

24 Seiten, DE

PDF

1,9 MB

Studie im Detail

52 Seiten, DE

PDF

8,8 MB

Initiative &Audi

Forschung

Initiative &Audi

Die Audi Initiative für einen verantwortungsvollen Umgang mit neuen technologischen Entwicklungen wie dem autonomen Fahren und künstlicher Intelligenz.

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